Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 682 (20.8.1937)
- Date
- 1937-08-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 682 vom 20. August 1937 DIE NEUE WELT Seite & DAS IST DAS NATURREINES KOKOSNUSSFETT Die Erzeugung steht unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. Konflikte um den Zwerg-„Jut8ensfaaf" Uotkm^d Ein Präge» Sdimödcdien Weizmann liebt es nicht, von Kampf zu reden, wenn die reale. Kampfposition schwach ist. Wir müssen ivissen, was England will und wie die Stimmung in England ist und darnach handeln. Dieser Realismus des nächsten Weges widerspricht durchaus nicht der Mystik des Zieles und dem Ursprung im Glauben. Felix Weltsch in der „Selbstwehr" (Prag, 13. August) Ein Mensdien*Transfer Zehn Jahre hindurch schreit die palästinensische Regierung, daß selbst für die sechs- oder siebenhundert Familien, welche die Juden durch die Bodenkäufe angeblich „verdrängt" haben, kein Platz sei, weder in Westnoch in Ostpalästina; und sehn Jahre hindurch gab man ihr zur Antwort: Führt die Agrarreform durch und laßt uns Juden Transjordanien entwickeln, und für Juden und Araber wird Platz sein... Heute wollen sie plötzlich eine \ Masse von 300.000 Arabern „transferieren", von denen zwei Drittel Dorfbewohner sind. Es ist schwer, zu verstehen, wie man sich nicht schämt, solche Biertischgedanken in einem offiziellen Bericht so ganz einfach zu veröffentlichen, ohne Versuch einer statistischen Kalku- lation... Vladimir Jabotinsky („Medina Iwrit", Aug. 1937) Warum jüdischer Zwergstaat t England hat sein Verhältnis mit Aegypten auf eine neue Grundlage gestellt. Es hat das Regime der Besetzung,; das es seit 40" Jahren beharrlich verteidigte, aufgegeben und hat mit der ägyptischen Regierung ein Militärbündnis geschlossen; das ihre Interessen in diesem Land sichert. Durch dieselben Ursachen entstand ein Projekt der Tei- ' lung Palästinas und der Bildung von zwei „selbständigen" Staaten — des zwerghaften jüdischen und des großen ' arabischen auf seinem Territorium, damit diese Staaten sich gegenseitig neutralisieren. Die Schaffung eines neuen arabischen Staates soll Großbritannien in die Lage ver-' setzen, die italienischen Vorstöße in den arabischen ttändern voirksamer zu bekämpfen. „Sturm über Oesterreich" (Aug. 1937) Weder gute noch schlechte Teilung Die Zukunft des Zionismus hängt da€bn a&,. ob er die unmittelbare und tiefe Verbindung mit den Massen, des jüdischen Volkes finden und aufrechterhalten wird, um sie zu ihrem Kampf .um. ihre Existenz..und ihre Befreiung durch maximale Konzentration in Erez Israel auf-' zurufen und jede Teilung" zu verhindern. Es gibt weder, eine gute" noch'eine' schlechte Teilung und die zionistische' Bewegung kann und darf niemandem die Vollmacht für solche Verhandlungen geben. „Hasch omer Hazair" (Kongreßausgabe, Zürich, 1937) Die Enkel der Germanen Der im Jahre 315 unserer Zeitrechnung durch den, Beginn der Vökerwanderungen entbrannte Kampf, der seither nur waffenstillständisch, aber nie überzeugungsbedingend geruht liat, scheint sich in unseren Tagen vor die letzte, endgültige Entscheidung zu stellen, wobei es : ■um nichts mehr -.und nichts weniger als um den Fort-' bestand der abendländischen Bildung und Gesittung oder um die uneingeschränkt bedingungslose Herrschaft des Barbarentums auf alle Zeiten hinaus gehen wird. Als dessen Träger und Vertreter aber dürfen wir heute in' Europa nicht mehr bloß die Preußen, sondern müssen wir die Deutschen schlechthin, die Enkel der über Varus' siegreich gebliebenen Germanen ins Auge fassen. C. A. Loosli („Umschalten oder Gleichschalten", Verlagsgen. C. A. Looslis Werke, Bern-Bümpliz, 1934) Telegraphisches „Todesurteil" für Lipslty und Fishman Aus Zürich (J. T. A.): An das Präsidium des Zionistenkongresses ist aus New York ein Telegramm in hebräischer Sprache gerichtet worden, dessen Inhalt <. lautet: „Lipsky und Fishman hier zum Tode verurteilt." Das Telegramm trägt keine; Unterschrift. Es ist nicht klar, ob die Absender des Telegramms den Vorsitzenden der Exekutive der Zionistischen Organisation Amerikas, Louis Lipsky, und den Herausgeber des New Yorker „Morning Journal", Jakob Fishman, die an dem Kongreß als Delegierte teilgenommen haben, wirklich mit dem Tode bedrohen oder zum Ausdruck bringen wollen, daß sie durch die Abgabe ihrer Stimme für die' Mehrheitsresolution (für die Teilung Pa-. lästinas — Ahm. d. Red.) trotz des g e g e n t e i 1 i-,, gen Beseh lusses der zionistischen Konf e r e n z:' Amerikas den moralischen Tod erlitten haben. Jakob Fishman, dem das Telegramm übergeben . wurde, erklärte, . er wisse nicht, wer es abgesandt haben könne. Er werde das amerikanische; Konsulat in Zürich ersuchen, eine Nachforschung r einzuleiten und den Absender feststellen zu lassen. „Jüdische Kultur" auf der Pariser Weltausstellung \ Aus Paris: Der'französische Sportminister Leon Leg ränge hat den im Internationalen Pavillon der' Pariser Weltausstellung errichteten Stand für^ jüdische Kultur eröffnet. Außer dem Minister hiel-' ten Persönlichkelten, die In der jüdischen JKuJturwvßlt tätig sind,. Ansprachen. In England Unser Korrespondent berichtet aus London: Bekanntlich hat der Sprecher der. Judenstaatspartei, Meir. Groß m a n n, dem Zionistenkongreß . .ein vom. 19. Juli 1937 datiertes Protokoll über -Verhandlungen zwischen dem. ,-englischen Kolonialminister Ormsby-Gore und dem Präsidenten .der .Zionisti- \ sehen Weltorganisation, W e i z m a n ,. . vorgelegt, welches Abmachungen über die Teilung. Palästinas, vor allem die . Zustimmung Weizmanns zum Teilungsplan .enthielt. Die Echt heit des Protokolls blieb unbestritten. Während die gefügige Majorität des Kongresses, die blind hinter Weizmann geht, diesen unerhörten Vertrauensbruch des Führers süllschweigend hinnahm, erregte die Sache hier in London größtes Aufsehen und Ent-' rüstung in jüdischen und nicht jüdischen Kreisen, Empörung gegen Weizmann und Ormsby-Gore. Das älteste und größte jüdische Blatt Englands,: „Jewish Chronicle", brachte den Wortlaut des verhängnisvollen Protokolls und beschuldigte Weizmann des Mißbrauchs seines Amtes und bewußter Preisgabe der Lebensinteressen des jüdischen Volkes. Weizmann, so drückt das Blatt seine Meinung aus, sei nicht nur dem jüdischen Volke in seinem Kampfe gegen die Zerstückelung und den Raub Palästinas -in den Rücken gefallen, sondern habe insbesondere den nichtjüdischen, englischen, treuen Freunden (Churchill, Amery, Wedgwoöd, Lloyd George usw.) des Zionismus-schwere Hindernisse in den Weg geigt. - Die Ausführungen des jüdischen Blattes erweckten ein helles Echo auf, englischer Seite. Die einflußreiche Londoner Tageszeitung „Evening Standard" griff .die Meldung über das Abkommen Ormsby-Gore- Weizmann auf und griff in heftigster Weise den Kolonialminister an. Sie forderte sofortige Untersuchung des Falles durch eine Kommission des augenscheinlich hintergangenen englischen Parlaments. Wenn der Kolonialminister, so schreibt das Blatt, tatsächlich Vereinbarungen getroffen hat, welche ohne Wissen d e s Parlaments die Mandatsbestimmüngen über Palästina und die bisherige Palästina- Politik ändern, dann muß der Minister von seinem Posten entfernt werden! Der Artikel des „Evening Standard" wird in einem großen Teile' der englischen Presse lebhaft kommentiert. Kampf in der „Jewish Agency" Unser Berichterstatter schreibt aus Zürich: Nach dem Zionistenkongreß beginnt in Zürich die Tagung der durch Nichtzionisten „erweiterten" Jewish Agency. Diese Körperschaft wurde bekanntlich im Jahre 1929 gegen den Protest der Judenstaatszionisten über Beschluß der „Arbeiterpartei" und der' „Allgemeinen Zionisten" geschaffen. Während aber bisher die Tagungen dieser Körperschaft herzlich uninteressant, schwach beschickt und unbeachtet als' bloße Formalität verliefen, gibt es jetzt schweren Konflikt, Die Nichtzionisten sind diesmal, unter Führung von Felix' Warburg aus New York, sehr zahlreich erschienen und haben sofort den Kampf angesägt. Sie haben vorerst verlangt, daß die auf dem Zionistenkongreß gewählte neungliedrige Exekutive, also die oberste Leitung der zionistischen Politik, durch eine eb'enso große Anzahl -von Nichtzionisten* ergänzt werde. So steht es nämlich im Vertrag!' Während sich die Nichtzionisten bisher mt einem öder zwei „Beobachtern" begnügten, bestehen sie jetzt unerbittlich auf dem Schein. Die Weizmann-Leüte, Arbeiterpartei und Allgemeine Zionisten sind über dieses Verlangen aufgeregt, und dies um so mehr, als die Nichtzionisten gegen die Teüung Palästinas, also gegen Weizmann und den Beschluß des Zionistenkongresses stimmen wollen. Hiezu kommt noch, daß Warburg namens der Nichtzionisten dem Zionistenkongreß das Recht abgesprochen hat, imNamen des ganzen jüdischen Volkes zu red e ,n. Nur der Rat der durch Nichtzionisten erweiterten Jewish Agency habe dieses Recht. Das hat bewirkt, daß die Schöpfer und Freunde der erweiterten Agency erbitterte Gegner dieser Institution geworden sind. Für die Stimmung in den Kreisen um Weizmann ist eine Meldung charakteristisch, welche über ihr Betreiben durch die „Jüdische -Telegraphen- Agentur" ausgegeben wurde. In dieser Meldung heißt es: „Die Erklärung Felix M. Warburgs, daß ,der Zionistenkongreß nur im eigenen Namen, nicht aber für die Juden in allen Ländern spreche', hat in führenden zionistischen Kreisen in Zürich konsternierend gewirkt. Die Führer der A rbeiterpartei und der Allgemeinen Zionisten, G r u p pe A, betonten gegenüber dieser Erklärung, daß die nichtzionistischen Partner in der Jewish Agency keine Aussicht hä11en, ihre Forderungen durchzusetzen. Auch für den Fall, daß die Nichtzionisten die Jewish Agency verlassen sollten, würde bei den Verhandlungen mit der Mandatarmacht keine veränderte Situation geschaffen sein. Sie stützen ihre Ansicht auf die Tatsache, daß der Bericht der Kgl. Kommission, der sich einer sehr vorsichtigen Ausdrucksweise befleißigt, ausdrücklich von der Zionistischen Organisation und nicht von der Jewish Agency spricht." Demgegenüber verweisen die Nichtzionisten auf eine Aeußerung des englischen Kolonialministers Ormsby-Gore, welche dieser angeblich in Genf getan hat. Er soll erklärt haben, daß nicht die Zionistische Organisation und nicht der Zionistenkongreß als Verhandlungspartner in Betracht kämen, sondern lediglich die Jewish Agency, also die zu gleichen Teilen aus Zionisten und Nichtzionisten bestehende Körperschaft. Wie dieser Konflikt enden wird, ist jetzt noch nicht abzusehen. Aber fest steht, daß schwere Spaltungserscheinungen die Folge des unseligen Kongreßbeschlusses, welcher Weizmann Vollmachten erteilt und damit der Zerstückelung Palästinas zustimmt, sein werden.