Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 682 (20.8.1937)
- Date
- 1937-08-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 682 vom 20. August 1937 willig überlassen haben. Daran wollte ich Herrn Professor Weizmann und den hohen Kongreß erinnern, damit beide verstehen, daß ich mich nicht schäme, im Namen einer kleinen Fraktion zu sprechen und, im Gegenteil, diese Aufgabe als eine sehr ehrende empfinde. Man stellt an 'den Kongreß, also auch an uns Judenstaatler. das Verlangen, der Exekutive V o 11 machten für Verhandlungen mit der englischen Regierung über den Teilungsplan zu erteilen Das aber ist eine auf Ablenkung Von der Wirklieh' keit hinzielende Umschreibung. In Wirklichkeit ver langt man von uns, Herrn Professor Welzmann Vollmacht zu erteilen, denn wir hatten noch nie das Glück, eine Exekutive zu haben, die etwfts anderes zu wollen wagt als eben Professor Weizm&nn. Hat sie doch einmal anders gewollt als er, so Würde uns dieses Geheimnis nie oder nur viel zu spät verraten. Wir sollen also Professor Weizmann Vollmacht erteilen. Bevor wir jemand eine Vollmacht geben, dann sehen wir uns den Mann an. Wer ist er? Was will er? Von Professor Weizmann Weiß man nie, was und wie lange er etwas will. Im Jahre 1930 kam es zwischen .ihm und mir auf der Sitzung des Aktionskomitees in Berlin zu einer denkwürdigen Auseinandersetzung. Ich sprach damals davon, daß jeder Zionismus, der nicht die Errichtung eines Judenstaates zum Ziele hat, sinnlos sei und auf die Dauer die jüdischen Massen, vor allem aber die jüdische Jugend nicht interessieren und festhalten könne. In seiner Erwiderung erklärte Professor Weizmann, daß er einen Juden Staat nicht wolle, daß er ihn für schädlich halte, daß er überhaupt an die Möglichkeit der Errichtung eines Judenstaates nicht glaube. Ich rief ihm zu: „Herzl hat geglaubt, darum konnte er Führer sein! Da Sie, Professor Weizmann, nicht glauben, können Sie nicht mehr Führer sein." Weizmann rief mir zu: „Sie graben Herzl aus, um mir Opposition machen zu können!" Ich entgegnete: „Meine Freunde und ich brauchen Herzl nicht auszugraben, denn er lebt in uns." Heute aber spricht Professor Weizmann begeistert vom Judenstaat, er erklärt ihn als einzig mögliche Lösung und beschwört das Andenken Herzls. , j; Gestern war er gegen den Judenstaat und war gegen Theodor Herzl, heute ist er für den Judenstaat ÜensioH tdistefo - Smmm^ und für Theodor Herzl. Was er morgen wollen wird, das wissen wir nicht. Darum geben wir ihm keine Vollmacht. ..... Auf dem Basler Kongreß im Jahre 1931 sprach sich Professor Weizmann leidenschaftlich gegen die Bildung einer jüdischen Majorität in Palästina aus. „Wir brauchen keine Majorität, das Streben nach Majorität ist schädlich." Heute fordert Professor Weizmann mit nochgrößerer Leidenschaft die Bildung einer jüdischen Majorität und sei es eine Majorität auf einem noch so kleinem Raum, als einzig mögliche Grundlage für die Fortführung der zionistischen Arbeit. Ohne Majorität geht es nicht — sagt er heute. Gestern war er gegen eine jüdische Majorität, h e u t e ist er f ü r eine jüdische Majorität, was er morgen wollen wird, das wissen wir nicht. Darum geben wir ihm keine Vollmacht. Viele Jahre hindurch hat sich Professor Weizmann als begeisteter Anhänger der landwirtschaftlichen Arbeit in Palästina erwiesen. Ja, diese Begeisterung hat ihn zum Verächter der städtischen Arbeit, des Handels, des kleinen und mittleren Gewerbes gemacht. Nur für Bauern und A rb e i t e r wollte er Palästina haben. Und, vor allem anderen, war die große jüdische Stadt Tel- A v i v für ihn ein D o r n i m A u g e. Er hat. sie „Nalewki" genannt, nach dem engen, dumpfen jüdischen Haridelsviertel in Warschau. Heute aber genügt ihm ein allerkleinstes Palästina, das in erster Linie Raum für Händler bieten soll. Er baut Palästina nicht mehr für Arbeiter und Bauern, d. h. in die Breite. Er will Palästina als einen Wolkenkratzer bauen. In der 26. Etage sollen wir Landwirtschaft betreiben. Professor Weizmanns Redeweise brachte die „Neue Zürcher Zeitung" dahin, folgendes zu schreiben: „Merkwürdig ist dieser Zionistenkongreß! Je k 1 e i n e r dieses P a 1 ä s t in a sein wird, desto mehr Juden sollen hineingehen!" Professor Weizmann war gestern gegen Nalewki, heute ist er für Nalewki. Wofür er morgen sein wird, wissen wir nicht, darum geben wir ihm keine Vollmacht. Wenn jemand Träger unserer Vollmacht sein soll, dann muß er dem Gegner als ganzer Mann entgegentreten. Der englischen Regierung gegenüber war Professor Weizmann nie ein ganzer Mann. Immer, wenn er von der englischen Regierung zu uns kam, sagte er das Sprüchlein: „The Situation is satisfactofy" („Die Lage ist befriedigend"). Mit diesem Trostwort hat er alles Schlechte in Gutes verwandelt. Wenn uns die englische Palästina-Regierung ein Stück Fleisch Ätis dem Leibe riß, mächte er eine Wohltat daraus/aus einem Fußtritt — eine Liebkosung. Professor Weizmann verfügt über die Kunst, alles Große klein zu mächen, im Guten und im Schlechten. Wir fürchten diese seine Kunst. Wir geben ihm keine Vollmacht. Man sagt uns, daß man Vollmachten will, um zu verhandeln. Das ist nicht wahr. Man will von uns Vollmacht für Unterwerfung. Professor Weizmann hat'sich jä schön unterworfen* Er hat ja schon der Teilung zugestimmt. Jetzt will er nur Vollmacht, um die bereits erfolgte Unterwerfung zu legalisieren. Wir geben ihm keine Vo 11macht. mmmmmmmmmmmmmmmmmmmi&kmmää^ •WD Restminmt Stefanie *W3 II, Taborstraßt 18 Telephon HUGO und JULIE HERLINGER, geb. Zöllner Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl Reichhaltige Menüs von 1.60 aufwärts / Exakte Bedienung fchöntr, schattiger Garttn / Angenehmer Aufenthalt Und nun ein Wort an die „Ja-Sager". Sie wollen sich nicht zu ihrem „Ja" bekennen und wollen ein Nichts daraus machen. Nichtssager möchten sie sein. Aber das hilft ihnen nichts. Sie sind und bleitien Ja-Sager zur Zerreißung Palästinas. Die Abstimmung wird namentlich vorgenommen werden. Die Namen aller, die „Ja" sagen, und die Namen aller Nein-Sager werden i n die jüdische Geschichte eingehen. Wir Nein-Sager glauben, daß 'unsere Kinder und Enkel mit Stolz darauf hinweisen werden, daß wir „Nein" gesagt haben. „Die Kinder der „Ja-Sager" werden sich ihrer Väter schämen. Sie werden die Namen ihrer Väter zu verbergen trachten. Wir wollen nicht, daß sich unsere Kinder unserer schämen und weil wir das nicht wollen, sagen wir „Nein, nein ... dreimal nein!" Judenstaätsjpartei und zionistische Exekutive Wir haben in unserer letzten Nummer berichtet, daß die Judehstaatsparfei seitens der Kongreßmajorität aufgefordert wurde, ein Mitglied in die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation zu entsenden, und diese Aufforderung abgelehnt hat. Nunmehr übermittelt uns das Büro der Judenstaatspartei aus Zürich folgende Mitteilung: ■ In der am 15. d. M. abgehaltenen Sitzung des Permanenzausschusses des XX. Zionistenkongresses erklärte Herr R e m e z namens der Arbeiterfr a k t i o n, daß die Türen der Koalitionsexekutive für die Judenstaatspartei offenstünden, und fragte, ob die Judenstaatler bereit wären, dieser Einladung Folge zu leisten und ihren Vertreter in die Exekutive zu entsenden. Dr. H. Rosenblum antwortete namens der Judenstaatspartei, daß diese aus prinzipiellen Gründen außerstande sei, die Exekutive zu beschicken, da sie der Ansicht sei, daß Neinsager nicht die Politik von Jasagern durchführen können. Diese Stellung habe mit der Zahl unserer Delegierten nichts zu tun. Wären die Judenstaatler zum Zürcher Kongreß mit 40 oder 50 Delegierten gekommen, so wäre auch dann ihre Stellung zur Bildung der Exekutive angesichts des vorliegenden politischen Beschlusses in der Teilungsfrage genau dieselbe gewesen. Deine besten Begleiter f. Reise u.Weekend sind die altbekannten Feinwurst- und Selch- Spezialitäten EISEN waren Zentrale und Postversand: Wien II, Roten« sterngasse 12 % Der Permanenzausschuß nahm diese Erklärung zur Kenntnis und beantragte dann die Wiederwahl der alten Exekutive. Eine Erklärung Großmanns Vor der Wahl der neuen Exekutive gab Meir Großmann namens der „Fraktion der Judenstaatler dem Kongreß eine Erklärung ab, in welcher er u. a. sagte: „Wir können nicht für die neue Exekutive stimmen. Der Verlauf dieses Kongresses, die Art und Weise, wie er geführt wurde, die Tatsache, daß über die Tätigkeit der Exekutive und die Lage in Erez Israel in den letzten zwei Jahren keine Debatte abgehalten und uns nicht die Möglichkeit zur Kritik gegeben wurde, hat dem Kongreß die Möglichkeit einheitlicher Stellungnahme genommen. So nötig eine einheitliche Front ist, so wenig können wir, zu unserem Bedauern, uns eingliedern. Der Präsident der Bewegung hat ein Bekenntnis des Verzichtes gegeben; ein anderer Führer hat gesagt, er hätte einen Teilungsplan auch früher schon mit Enthusiasmus angenommen. Die große Mehrheit der Exekutive hat in ihren Reden eine klare Stellungnahme zum Teilungsplan zum Ausdruck gebracht; diese Exekutive hat Vollmachten zu Verhandlungen auf Grundlage eines Teilungsplanes erhalten, und wir fürchten, daß sie in der Richtung des geringsten Widerstandes vorgehen wird. Wer so völlig entgegengesetzter Meinung ist, wie wir es sind, kann mit einer solchen Exekutive nicht kooperieren. Wir betrachten es im Gegenteil als unsere Pflicht, einen Kampf zuführen, innerhalb «nd außerhalb der Organisation, gegen die Exekutive, ihre Prinzipien, ihre Richtlinien und Arbeitsmethoden. Wir werden diesen Kampf innerhalb der Zionistischen Organisation führen, aber wir werden nicht schweigen und die Oeffentlichkeit darüber aufklären, was ein großer Teil dieses Kongresses und der Zionistischen Organisation überhaupt denkt. Denn wir glauben, daß die Mehrheit dieses Kongresses einen historischen Irrtum begangen hat, für den wir bitter zu bezahlen haben werden. Es ist die Pflicht eines jeden Zionisten, der unser Werk in Palästina erhalten will, das dem jüdischen Volk zu sagen. Man Söll uns nicht übelnehmen, daß wir verbittert und zionistisch beleidigt von diesem Kongreß weggehen und aufs schärfste gegen seinen Beschluß kämpfen werden, weil wir ihn für einen Chillul Haschern halten an jenem Zionismus, an den wir immer geglaubt haben und weiter glauben wollen." Ab§dned von Zürich Die von der Judenstaatspartei während der Kongreßtagung in Zürich herausgegebene „Kongreß-Tribüne" schreibt: Zürich, 17. August 1937. Die vorliegende Nummer der „kongreß-Trfbüne" ist die letzte auf dem XX. Zionistenkongreß. Gestern ist dieser traurige Jubiläumskongreß zu Ende gegangen. Eigentlich konnte man ihn schon einige Tage früher schließen, sofort nach der Teilungsdebatte. Die Ergebnisse dieses Kongresses bieten uns keine Ueberraschungen. Der alte Kurs hat „gesiegt". Noch ein .^solcher Sieg — und das jüdische Volk ist verloren. -fDie alte Leitung ist in pleno geblieben. Dr. Weizmann hat als Präsident giriert, daß der Kufrs s e i n Kurs sein wird. Um Erkrankungen des Blinddarms vorzubeugen, reinige man den Verdauungsweg Wöchentlich ein- bis zweimal mit dem natürlichen „Franz-Josef"-Bitterwasser. Es wird ärztlich bestens empfohlen. Die Kongreßmehrheit wird versuchen, eine politische Kommission in London zu schaffen, die mit der altneuen Exekutive arbeiten und deren politische Tätigkeit angeblich kontrollieren wird. Wir kennen sehr gut den W e r t solcher politischer Kommissionen. Dr. Weizmann schert sich nicht um seine Kollegen in der Leitung; er bricht ja selbst Beschlüsse des Aktionskomitees und kein Kongreßgericht wagt es, ihn darob zur Verantwortung zu ziehen. Wird er denn Beschlüsse einer politischen Kommission ernster nehmen? Die geplante politische Kommission ist nur ein Mittel für Camouflage-Taktik. * Unter sehr schwierigen Bedingungen hat unsere Fraktion diese Zeitschrift herausgegeben. Wir haben gewußt, daß die Umstände und die Atmosphäre dieses Kongresses uns nicht ermöglichen werden, unserer Stimme den vollen Ausdruck zu,verleihen. Klein war unsere Fraktion auf dem XX. Kongreß, klein — arithmetisch — aber mutig, gläubig, konsequent, ehrlich und entschlossen! Wir verlassen Zürich mit einem reinen zionistischen Gewissen! Ausschließlich von tiefer innerer Ueberzeugung und zionistischem Patriotismus wurde unsere Stellung diktiert. Wir waren frei von den verschiedensten Mentalreservationen, budgetärer oder anderer Natura In der gedrückten Geschäftsatmosphäre des XX. Kongresses ertönte unser freies Wort und unsere energischen Forderungen. Unser „Non po ssumus" war nicht taktischer, sondern ideeischer und politischer Natur. Die Mehrheit ist den 'Teilungsweg gegangen. Ihrevneue Exekutive wird diesen neuen Weg fortsetzen. Wir werden unsern Weg gehen: Entschlossen gegen jedeTeilungkämpfen, gegen die Versuche, das Recht der zionistischen Demokratie zu vergewaltigen! ■X- Wir danken unsern Mitarbeitern, Sympathikern und Freunden, die die Herausgabe dieser Zeitschrift ermöglicht haben. Sie spielte eine große Rolle auf diesem Kongreß. Es ist das erstemal in der Geschichte der zionistischen Kongresse, daß eine Fraktion ihr selbständiges Organ herausgibt. Wir rufen jetzt alle unsere Freunde und An* hänger zum Kampf für den XXI. Kongreß! Schon morgen beginnt unser Wahl-* kämpf!