Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 681 (14.8.1937)
- Date
- 1937-08-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELL Nr. 68t vom 17. August 1937 durch den Bericht der Kgl. Kommission anerkannt unfl bestätigt worden sind, einzunehmen. Er ruft die Exekutive auf, erneute Anstrengungen in unternehmen, ura die Mandatarmacht zu einer konstruktiven Politik der Verwirklichung des Mandats und der Zurückiührung des jüdischen Volkes in seine historische ileimat zq veranlassen. (J. T. A.) Die Deklarationen tut Minderheit $f£f olutfon Nach Verkündung des AbstimmungsreaultatJl der Mehrheitsrepolutioagaben Vertreter der Opposition (Mlsrachi, Hasohomer Hazair, Judenstaatspartei) ihre Deklarationen al. Rabbiner Dr. Hoff mann (Mlsrachi) erklärte, der Mlsrachi werde mit allen gesetzlichen Mitteln «einen Kampf Innerhalb der zionistischen Bewegung und unter den jüdischen Massen fortsetzen: gegen Teilung in jeder Form, für die Ganzheit des Landes, für unsere historischen Rechte und für Aufrechterhaltung der Balfour- Deklaration u:id des Mandats. Prai (Haschomer Hazair) gab im Namen seiner Fraktion die Erklärung ab; daß sie ihren Kampf gegen die Aufhebung des Mandats und die Teilung des Landes weiterführen und alle Anstrengungen zur Verwirklichung des zionistischen Endziels, unter jedem Regierungssystem und unter allen politischen Bedingungen durchzusetzen sich bemühen werde. Dr. Weinstein (Judenstaatenpartei) erklärte: Die politische Diskussion im Plenum und In der Kleinen Kommission hat gezeigt, daß tiefe ideologische Differenzen zwischen zwei Gruppen des Kongresses bestehen. Wir betonen, daß die Exekutive und die Regierungsparteien den Wahlkampf nicht unter der Parole „Teilung" geführt, sondern bewußt alle ihre Mittel ausgenützt haben, um zu vertuschen, wie akut die Frage ist. Erst auf dem Kongreß hat man die Fragen klargestellt und die Akzeptierung bestimmter Vorschläge verlangt. Der Majoritätsbeschluß bedeutet, seinem Geist nach prinzipielle Akzeptierung des .Teilungsplanes, und die Verhandlungen, zu denen Vollmachten erteüt wurden, be-. ziehen sich auf einen Judenstaatnur in einem Teil Palästinas. Die Oppositionspartei, die ich vertrete, hat vor vier Jahren ihre Treue zur zionistischen» Bewegung dargetan, aber jetzt müssen wir die Frage unserer. Be-' Ziehungen zur zionistischen Organisation neu stellen. Bis zum Kongreß wird unsere Partei ihren Kampf innerhalb und außerhalb der Organisation gegen diesen Plan fortführen, wie auch gegen dert Versuch, durch Verhandlungen die zionistische Organisation vor vollendete Tatsachen zu stellen. Die Kongreßfraktion der Judemfaatsparfei bestand aus folgenden 13 Delegierten: Meir Groß man'; Ing. Robert-Strick er; Dr. J. Machover (England); B. Weinstein (Palästina); Dr. H,; Rosenblum (Amerika); J. M a r c o v i c i - C1 e j a (Frankreich) ,* Dir. Philipp Rosenstein (Rumänien)'; Dr. J. Hescbelsohn (Litauen); Dr. J. Wolf (Litauen); Fritz Richter (Oesterreich); Dr. Immanuel Kohn (Ostgalizien) ,• Dr. Josef Mann (Bukowina); Theodor Grubner (Weltwahlliste Oesterreich)'. Ein Aufruf Jatolinsky« Aus Genf, wird berichtet: Der Präsident der Neuzionistischen Organisation Wladimir Jabotinsky hat von Genf aus einen Aufruf an alle, „die .um das Schicksal Palästinas heute ernstlich besorgt sind", erlassen, in welchem diese aufgefordert werden, die vom X2£. Zionistenkongreß angenommene Resolution in zahlreichen Manifestationen, die im Verlauf der nächsten Wochen stattzufinden haben, zu desavouieren. Diese Manifestationen würden sich von einem Plebiszit zu , einer Nationalversammlung steigern. Jabotinsky bezeichnet vKs angenommene Resolution als einen Verrat und erklärt, der Züricher Kongreß sei nicht die Repräsentanz des jüdischen Volkes, Jabotinsky erklrät .weiter: Die absurde und unmoralische Situation, die durch die Annahme der Resolution geschaffen wurde, macht es dringend notwendig, daß dem Völkerbund, der Mandatarmacht und den Regierungen aller interessierten Staaten unverzüglich eine weltumspannende Manifestation des jüdischen nationalen Willena geboten wird, die der Welt kundtut, daß das Judentum, treu seinem Ideal eines Judenstaates zu beiden Seiten des Jordan,- jegliches Arrangement, welches auf eine Amputierung seines Landes hinausgeht, zurückweist und versucht, sich eine Vertretung zu geben, wie sie im Mandat vorgesehen ist, eine Vertretung, die wirklich die gesamte nach Palästina orientierte Weltjudenhelt repräsentiert. Alle Freunde eines ungeteilten Zionismus, auch jene, die der Alt-Zionistischen Organisation angehören, mögen es sich gesagt sein lassen, daß solche Manifestationen nicht unter dem Vorwand hinausgeschoben werden dürfen, daß in einem Passu* der Züricher Resolution die Einberufung eines neu zu wählenden Kongresses in irgendeiner wbesttmmten Zukunft vorgesehen ist* (J_t T, A.) Die Plenarslltungeii in tfitfdt Aus Zürich: Die Plenarsitzungen des Zionlstenkongresses in Zürich sind am Donnerstag bis auf Sonntag, den 15. d., vertagt worden. In der Zwischenzeit fanden Kommissionssitzungen statt. Die Kommlssonen über Arbeits-, Kolonisations- und Einwanderungsfragen haben bereits zu tagen begonnen. Die Plenarsitzung am Donnerstag, den 12. d., vormittags, beginn mit einem Referät des SdhatzmeiiterB de* Exekutive, Bliese? Kaplan. Er wiise noch nicht, sagte er, wie er den künftigen Etat aufstellen solle, Nut ein Drittel der Ausgaben, die man au machen haben werde* seien bisher gedeckt. Oer Redner gab eine ÜeböMloht über die Auswirkungen der politischen und wirtschaftlichen Geschehnisse in Palästina auf die Finanzlage. Er wies in«* besondere darauf hin, daß man in der Lage gewesen sei» eine ernste Finanzkrise nach dem Ausbruch des abessint sehen Krieges zu verhindern. Es folgten Referate von Jizehak W i 1 k a n s k y und von dem Arbeiterparteiler Harzfeld über Kolonisationsfragen. (J. T. A.) Die Sitxungen der Konnifftsfofien Aus Zürich wird gemeldet: Bis zum Zusammentritt des Kbngreßplenums äm Samstag, den 14. August, abends haben in Zürich die verschiedenen Kommissionen getagt. Die Kolonisationskommission beriet Uber den vom Kolonisationsdepartement der Zionistischen Exekutive eingebrachten Budgetvoranschlag, dessen Minimum mit 100.000 bis 110.000 und dessen Maximum mit 335.000 Pfund festgelegt wurde. Das Budget sieht insbesondere die Konsolidierung der während der Unruhen errichteten Siedlungen und die Unterstützung der MitteIstandskolonisation vor. Im Falle, daß das Budgetmaximum 'erreicht wird, soll eine Reihe neuer Siedlungen in verschiedenen TeUen des Landes geschaffen werden. Weiter wurde die Schaffung von Absatzmärkten für die Produkte der jüdischen Landwirtschaft erörtert. Agronom Stern vom Kolonisationsdepartement der Jewish Agency entwickelte den Plan der Ansiedlung Von 2300 Familien, der bereits auf dem XIX., Kongreß gefaßt worden war. —> In einem Referat über Bodenkauf Und Arbeitsteilung zwischen Keren Kajemeth und Keren Hajessod schlug Ussischkin vor, daß die Aufgabe des ersteren in Zukunft in der Erwerbung größerer Bodenflächen bestehen soll, während der Ankauf kleinerer Bodenflächen in der Nähe bereits bestehender Kereri- Hajessod-Sledlungen Aufgabe des Keren Hajessod sein soll. In der Organisationskommission schlug das Exekutivmitglied Jizehak Grünbaum vor, daß in allen Ländern unter der Leitung von ernannten Beamten (!) Schekelämter geschaffen werden sollen. Dr. Thon (Warschau) schlug vor, daß jeder Jude das Wahlrecht zum Zionistenkongreß genießen solle, gleichviel, ob er Besitzer eines Schekels ist oder nicht. — Die Subkommission der Organisationsk'ommission beschloß, eine Reduktion der Schekelgebühr in den Ländern Mittel- und Osteuropas zu beantragen. In der Kommission für die nationalen Fonds wurde der Vorschlag gemacht, daß der Kongräß an das jüdische Volk ein Manifest erlasse, im Hinblick auf die schwere politische Lage, auf die durch die schweren wirtschaftlichen Probleme hervorgerufene Belastung des nationalen Kapitals und auf das Gebot der Eroberung des Bodens die nationalen Fonds weitestgehend zu unterstützen. (J. T. A.) Wie wird die neue Exekutive aussehen? Aus Zürich wird gemeldet: Der Block der Teilungsgegner hat bekanntgegeben, daß er beabsichtige, aus seiner Mitte eine politische Sonderkdmmission zu bilden, die die neue Exekutive in ihren Verhandlungen mit der britischen Regierung kontrollleren soll; auf diese Weise soll eine Zersplitterung innerhalb der zionistischen Reihen hintangehalten werden.) Verlangt wird, daß das politische Departement der Exekutive nichts Entscheidendes unternehmen solle, ohne sich vorher mit der politischen Kommission der Teilungsgegner ins Benehmen gesetzt zu haben. Die Führer der „Ja"-Sagergruppen erklären jedoch, daß die Annahme dieser Forderung der Teilungsgegner nicht in Betracht kommen könne, weil das Bestreben zweier politischer Departements ständige Reibungen zur Folge haben würde, Von dieser Seite wird die Bildung einer erweiterten Exekutive, der auch Angehörige des Blocks det „NehV'-Sager ohne Portefeuille beitreten sollen, empfohlen. Sollte dies nicht gelingen, so könnte man zur' Beruhigung der Teilungsgegner das sogenannte kleine Aktion*;- komitee, welches in Jerusalem besteht und dem , Vertreter aller Gruppen angehören, erweitern und her) vollmächtigen, der Exekutive politische Richtlinien zu} geben. Jedenfalls scheint eB schon heute, daß sich die-BU- * dung der neuen Exekutive schwierig gestalten werde. Wie es heißt, trage sich Dr. Weizmann mit der Absicht, die neue Exekutive nicht aus der Mitte der Fraktionen zu bilden, sondern eine Exekutive der Persönlichkeiten, der u. a. Prof. L. W. Namier und Lord Melchett angehören sollen, zu schaffen. Der Misrächi hat bekanntgegeben, daß er in einer Exekutive, die Teilungsverhandlungen zu führen hat, nicht vertreten sein will. (J, T. A.) Stimmen der tiegner des Teilnngsplanes Das amerikanische Repräsentantenhaus Aus Washington wird gemeldet: Einundvierzig Mitglieder des amerikanischen Repräsentantenhauses haben eine an den Außenminister Cordell H u 11 gerichtete Petition unterzeichne^ in der der Minister gebeten wird, die Britische Regierung darauf aufmerksam zu machen, daß England nach Ansicht der Vereinigten Staaten die in der Balfour-Deklaration niedergelegten Absichten und Zusagen nicht in vollem Umfang und nicht gerecht durchgeführt habe. Xft der von den Abgeordneten Cltron und McCormack entworfenen Petition wird die Beschuldigung erhoben, daß das Mandat nicht richtig durchgeführt wurde, und erklärt, die Teilung sei „historisch und natürlich unabwendbar, der Balfour-Deklaration entgegengesetzt und in völligem Wider« spruchzulhremGels t". Zum Schluß wird dem Mit« gefühl von Christen, Juden und Angehörigen aller Bekenntnisse in den Vereinigten Staaten für die notleidenden Juden Ausdruck gegeben und die Meinung geäußert, daß das Streben der Juden nach einer Zufluchtsstätte in Palästina von der ganzen Menschheit unterstützt wer«» den sollte. Der amerikanische Senat Aus Washington wird ferner gemeldet: Senator, Royal S. Copeland hat im amerikanischen Senat einen Entschließungsantrag eingebracht, in dem die T e i I u n g saktion Englands verurteilt und der Senat aufgefordert wird, gegen eine Aenderung des' Palästinaman« dates ohne Zustimmung des Senats der Vereinigten Staaten entschieden Stellung zu nehmen. Eine scharfe Rede gegen die Teilung hielt Senator, King, der England den Vorwurf machte, der Senat solle? gegen die „perfide Politik" protestieren. (J. T. A<)\ „Die kommenden Unruhen" Aus Jerusalem .wird gemeldet: In Trans* Jordanien hat die Polizei Aufrufe beschlagnahmt, in denen die Bevölkerung aufgefordert wurde, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, um die Einheit Palästinas zu retten. „Dawar" meldet, daß jugendliche Araber alle; Dörfer aufsuchen und die Fellachen auffordern, ihre; Waffen gut zu verwahren, da die kommenden Unruhen einen viel größeren Umfang haben würden als die letzten. Jeder, der an die Fellachen mit dem Ansinnen herantreten sollte, Waffen zu verkaufen, müsse ge* schlagen und vertrieben werden. (J. T. A.)j Kann der Kongfeßbesdiluß umgestoßen werden? Aus Zürich meldet die J. T. A.: Das Haupfc thema der gegenwärtigen Verhandlungen zwischen den Fraktionen auf dem Kongreß bildet die Frage der, Haltung der zionistischenTeilungsgegner, auf der bevorstehenden Tagung des Council der, Jewish Agency. Man ist der Ansicht, daß, falls die im Council vertretenen zionistischen Teilungsgegner, sich, in der Teilungsfrage mit den Niehtzionisten, zusammenschließen, die Möglichkeit besteht, daß siel gemeinsam eine politische Resolution fassen könnten, die den M e h r h e i t s b e seh 1 u-ß d e s Z i o n i s t e n* k o n g*r esse s, in:dem der Exekutive Vollmachten zu Verhandlungen mit der britischen Regierung erteilt werden, desavouieren könnte. Um diese Möglich« keit von vornherein auszuschließen, wird erwogen t entweder die zionistischen Teilungsgegner, die von dem; Kongreß zur Council-Tagung entsandt werden, zu ver« pflichten, sich der Parteidisziplin zu unterwerfen und im Einklang mit der Mehrheitsresolution zu handeln,, ■ oder aber, falls sie nicht darauf eingehen, ihnen keine Mandate *zur Council-Tagung zu er- I teilen, so daß In diesem Falle der zionistische Teil j des Council ausschließlich ans Anhängern der ' Mehrheitsresolution bestehen würde. Schließlich wird auch erwogen, daß die Zionisten überhaupt nicht an der Sitzung des Council teilnehmen,, in der die.Teilungsfrage erörtert werden wird in diesem Falle würden die Niehtzionisten ein© eigene Resolution zur Teüungsfrage beschließen. Die Erklärung Felix M. Warburgs, in der es heißt, daß „der Zionistenkongreß nur im eigenen Namen, nicht aber für die Juden in allen Ländern spreche", hat in führenden zionistischen Kreisen in Zürich die Ansicht ausgelöst, daß die Mandatar* m a cht sich aüch für den Fall, daß die Niehtzionisten dfe Jewish Agency verlassen sollten, in ihren Verhandlungen nicht beeinflussen lassen werde. Sie stützen diese Ansicht auf die Tatsache, daß der Bericht der ICgl, Kommission, der sich einer sehr vorsichtigen Ausdrucksweise befleißigt, ausdrücklich von der „Zionistischen Organisation" und nicht von der „Jewish Agency" spricht. 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