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Die neue Welt · 1937-08-13 · Heft 680 (13.8.1937) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 680 (13.8.1937)
Date
1937-08-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 680 vom 13. August 1937 Herzls Geist in Basel Erinnerungsfeier sunt I, Zionistenkongreß In der Stadt des I. Zionistenkongresses, in Basel, im Gebäude, in dem dieser erste Kongreß unter dem Vorsitz Theodor Herzls tagte, fast genau 40 Jahre nach diesem Kongreß, fand eine Erinnerungsfeier statt. Die Schweizer Bundesbahnen hatten den Delegierten und Gästen einen Sonderzug zur Verfügung gestellt, der sie Sonntag, den 8. August, vormittags, nach Basel brachte. Die Fahrkarten für diesen Sonderzug waren — wohl zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesbahnen — in Hebräisch beschriftet; auf der Rückreise nach Zürich führte der Zug ein koscheres Büfett mit. Der mit einem Bildnis Theodor Herzls und mit blau-weißen Fahnen geschmückte Große Musiksaal war' überfüllt. Die Basler Regierung war durch die Herren Dr. Im Hof (der vor vierzig Jahren dem ersten Zionistenkongreß beiwohnte) und Dr. Ebi vertreten. Stehend begrüßte die festlich gestimmte Versammlung den. Einzug der Exekutive der Zionistischen Organisation, der Veteranen des Gründungskongresses und der alten Herzl-Fahne, um die die Jugend Ehrenwacht bildete. Nach einem Orgelvortrag des in Tel-Aviv wirkenden Konzertmeisters Max Lamp'el, einer Darbietung des Zürcher Männergesangvereins „Hasomir" unter rhythmisch straffer Stabführung Alexander Schaichets und nach den traditionellen drei Hammerschlägen, die von Dr. J. S c h a 1 i t, dem Sekretär des ersten Kongresses, ausgeführt wurden, hielt M. U.s s i s c h k i n, der schon dem Präsidium des Kongresses von 1897 angehörte, eine hebräische Rede, in der er die Gastfreundschaft der Stadt Basel und Herzls unvergängliche Tat würdigte. Hierauf erinnerte Prof. Ch. Weizmann an das St.-Jakobs-Fest von 1S97, da die Festfahne der Schweizer die jüdische Fahne grüßte, .und gab der Zuversicht Ausdruck, daß im kommenden jüdischen Staat das weiße Kreuz im roten Feld als Sinnbild der Schweiz und ihres humanen .Geistes stets mit Ehrerbietung, Dank und Liebe begrüßt und empfangen werde. Jubelnde Zustimmung quittierte diese Erklärung. Hierauf entbot Regierungsrat Dr. E b i im^Namen der baselstädtischen Behörden in herzlichen VVorteri . den Willkommgruß Basels. Er betönte, daß man in dieser Stadt von jeher der Freiheitsbewegung des jüdischen Volkes mit Verständnis, Interesse und Sympathie begegnete und sicherte die Gastfreundschaft Basels auch für die. Zukunft zu. Im Namen der israelitischen Gemeinde Basel überreichte Apotheker Bloch dem Präsidenten des Jüdischen Nationalfonds, Ussischkin, die Urkunde über die Eintragung des ersten Kongresses in das Goldene. Buch. In packenden Worten pries er den Geist Basels, dessen Name für alle Juden einen heiligen Klang habe, sei doch Basel die Wiege der jüdischen Wiedergeburt als Wirkungsstätte des genialen Herzl und seiner heroischen Schar. Als Sohn des Basler Rabbiners Dr. Artur Cohn s. A., der den Kongreß von 1897 begrüßte, richtete Dr. Markus Cohn, Präsident des Schweiz. Zionistenverbandes, in hebräischer Sprache warme Worte an die Jubiläumsversammlung. Es folgten die gehaltvollen Reden der Veteranen von 1897. Der Oberrabbiner von Schweden Dr. Ehrenpreis erinnerte an den Versuch der antisemitischen Verleumder, die Fahne Herzls zu besudeln. Er erblickt die Bedeutung der Feier in der Begegnung zweier Generationen: das letzte Geschlecht des Exils übergibt die Fahne dem ersten Geschlecht der Befreiten. Dr. D. Farbstein erinnerte u. a. daran, daß er vor vierzig Jahren das Referat über wirtschaftliche Probleme des Zionismus zu erstatten hatte. Einen Höhepunkt bildete die schwüngvolle und gedankenreiche Rede von Prof. L o e w e (Jerusalem), der 1897 in Basel als Delegierter judischer Palästina-Kolonien fungierte. Er teilte mit, daß eine der besten Straßen in Tel-Aviv „Basler Straße" genannt wurde (stürmischer Beifall). Zum Schluß erzählte Leib J a f f e mit tiefer Bewegung aus seinen persönlichen Erinnerungen an Herzl, Nordau, Schapiro, Mandelstamm, Kogan-Bernstein und andere Pioniere des Judenstaatsgedankens. Dann ertönten die majestätischen Klänge der „Hatikwa" und nach 1 Uhr konnte Ussischkin, der die Versammlung leitete, die eindrucksvolle Feier für beendet erklären. Noch ließen sich die Veteranen auf dem1 Balkon des Kasinos phötographieren, vor dem Historischen Museum führten einige junge Palästinenser den „H o r r a" - Rundtanz aus. Dann kehrten die Delegierten und Gäste nach Zürich zurück. Nazi-Demonstration vor dein Kongreßgebäude — Nazi- „Kongreßzeitung" . ■■• Vor dem Gebäude-des,-, Züricher Stadttheaters, wo die Kongreßsitzungen , stattfinden, veranstalteten etwa tausend Nationalsozialisten eine .antijüdische Demonstration; Nach Absingen der Schweizer Hymne sangen sie Nazi-rLieder. und stießen antisemitische Rufe aus. Das jüdische Publikum, das sich vor dem Kongreßgebäude aufhielt, ließ sich jedoch nicht provozieren;] schließlich gingen die nationalsozialistischen Störenfriede auseinander. > ' Die Züricher Nationalsozialisten haben ein Pamphlet in deutscher Sprache herausgegeben, das den . Titel ,,Der Judenfreund", Untertitel: „Sondernummer zu Ehren des XX. Zionistenkongresses", trägt. Ueber dem Kopf der Zeitung stehen in althebräischen Lettern die Worte „Laasot nekama .be-jisrael" (um Rache an,Israel zu nehmen) .Datiert ist die Zeitung: „Zürisalom, im August 1937. Pre^s:. Für Juden frei, für Nichtjuden ausnahmsweise auch." ,; Neben „aktuellem" .Kongreßmaterial, wie einem .Ar.tikeJ: „10, Gebote für Judenfreunde während des Kon- ,gresses'\ „Unseren Gästen zum Geleit", „Die Schweiz — ,der klassische Gastfreund Zions", enthält die „Zeitung" Äe. übliche»; antisemitischen Hetzartikel und Karikaturen. [].'*■ "'[■ ■ (J:'T.. A.) Ein patriotischer Beamter 'Aus Zürich meldet die „Kongreßtribüne der ■ Judenstaatspartei": Der Beamte des Kolonisationsdepartements der Jewish Agency, Herr Stern, war, als die Kapelle des Cafe" Esplanade die „Hatikwah" spielte, während das ganze -FJibUkum,'; darunter* auch' viele Nichtjuden/ sich von den Stühlen" erhob, sitzengeblieben. Wo ' würde ■ sich ein Staatsbeamter das erlauben, bei der Hymne des Staates, der ihn bezahlt, eine demonstrative Provokation zu begehen? KINO-PROGRAMME * ICH WE DEN Vonl0Uhrvorm-bls 6 Uhr abends wmmm—mmm Lebende Zeitung A - 49 - O - 60 Nur 7a7 und 9 Uhr abends Metro - Qoldwyn «Mayer -Festspiele Paul Hun!, Luise Rainer, THIy Losch Vorverkauf für die nächsten 7 Tage täglich ab »/, 10' Uhr vormittags ununterbrochen £ Jetzt auch schulfrei! _ kreü?ä m * «stw Telephon R -24-2-16 ™ Vorstellungen; h, %», %i« Brian Donlevy u* Francis Prak« Die 4, oute Erde AUS PALÄSTINA Geheime Warenlager der Araber Aus Jerusalem wird berichtet: Wie der Jerusalemer Sonderkorrespondent des „Daily Heraid" seinem Blatte meldet, sind die Araber seit Wochen dabei, geheime Waffenlager in ganz Palästina zu errichten. Der Großmuf t i . habe erst vor .einigen Tagen einen Fonds von 12.000 Pfund für diese Zwecke bereitgestellt. (J. T. A.) Wiederum Attentate in Palästina Havas meldet aus Jerusalem: Eine Reihe verschiedener Attentate bestätigt aufs neue, daß sich i n Palästina ständig eine gespannte Situation erhält. Samstag, den 7. d., wurde ein englischer Beamter entwaffnet, abends wurde, ein Mitglied der Geheimpolizei schwer verletzt. In Jaffa hat eine Gruppe Bewaffneter einen Angriff auf das Haus des arabischen Advokaten Iman Ragheg unternommen, dessen Schwester getötet und dessen Neffen schwer verletzt. (J. T. A.) Jüdische Presse Palästinas gegen Durchführung der Alternativvorschläge des Peel-Berichtes. Aus Jerusalem: Die jüdische Presse Palästinas erhebt scharfen Protest gegen die Absicht der Palästina- Regierung, die Alternativ Vorschläge der Kgl. Kommission, die sich gegen die jüdischen Interessen richten, durchzuführen. Die Zeitungen betonen, daß die Mandatarmacht kein Recht habe," sich so zu verhalten, als ob der Völkerbund das Mandat bereits abgeschafft hatte. (J. T. A.) Neugründungen in Palästina. Aus Jerusalem wird berichtet: In der letzten Woche sind 27 neue Unternehmungen mit einem Kapital von über 118.000 Pfund gegründet worden. Die Ungewißheit der politischen keineswegs zu einer Unterbindung Tätigkeit geführt. Vier bestehende haben ihr Kapital von 25.000 auf und zwar die Schokoladen- und Elit, die Union-, Bau- und In¬ Situation hat somit der wirtschaftlichen Aktiengesellschaften 47.000 Pfund erhöht, Zuckerwarenfabrik vestierungsgesellschaf t, die Hadar Hacarmel- Bank und die D ä v i d's Ltd. Bei der vor kurzem in Haifa abgehaltenen Generalversammlung der Gesellschaft für die Herstellung von elektrischen Kabeln wurde die Bilanz des am 31. März abgeschlossenen Geschäftsjahres genehmigt. Im letzten Jahr wurden die Gebäude der Fabrik fertiggestellt und die Maschinenanlage vollendet. Der Betrieb wurde Mitte September 1036 aufgenommen. Das Gesellschaftskapital von 25.000 Pfund ist fast vollständig eingezahlt. Der Wert der Anlagen beträgt 14.400 Pfund. Vor kurzem wurde mit dem Bau der neuen Chaussee von Petach Tik w»af jsnach> Kfar Syrkin begonnen. Die Brücken, die im Zuge der Straße liegen, werden von der Regierung gebaut. Bei dem Bau der 3 Va Kilometer langen, Straße sind, 200. Arbeiter beschäftigt, (J. T, A.) Die Kenessio Gedaulo r'n Matienbad Debatte über Peel-Bericht Aus Marienbad berichtet die J. T. A.: Der dritten Kenessio Gedaulo, die am 17. August in Marienbad eröffnet wird, gehen bereits in dieser Woche Sitzungen der Exekutive, der Exekutive des Rabbinischen Rates und des Zentralrates voraus. In der ersten Sitzung werden die Vorsitzenden der Exekutive und des Zentralrates sowie ein Vertreter des Rabbinischen Rates Ansprachen halten, namens der orthodoxen Landeskanzlei wird Oberrabbiner Schreiber- Preßburg, namens der slowakischen Landesorganisation der Agudas Jisroel Oberrabbiner Eckstein eine Begrüßungsansprache halten. Für die Palästina-Landesorgansation wird Oberrabbiner Duschinsky (Jerusalem) sprechen. Sodann hält Dr. Isaak Breuer ein Referat über „Idee und Weckruf des Agudismus in unseren Tagen". Am folgenden Tag wird nach dem Bericht der Exekutive die Generaldebatte abgehalten. Am Donnerstag, den 19. August, werden verschiedene Referate gehalten. Am Nachmittag werden Referate über den Berichtder Kgl. Kommission erstattet. Für den Freitag sind die Brichte des Keren- Hajischuw-Direktoriums und der palästinensischen Körperschaften der Aguda vorgesehen.. Nach der Sabbatpause soll in einer Nachtsitzung die Palästina-Debatte fortgeführt werden. Am 22. August finden Sondertagungen statt. Am 23. August sollen Oberrabbiner Aron Lewin (Rzeszow) religionspolitische Forderungen der jüdischen Minderheiten in der Diaspora und J. M. Lewin (Warschau) Fragen der Gemeindepolitik behandeln. Am letzten Tag werden die Beschlüsse des Rabbinischen Rates bekanntgegeben, die Anträge des Permanenzausschusses und der Kommissionen zur Abstimmung gebracht und die Wahlen vorgenommen. # Der Vorstand der orthodoxen Kultusgemeinde in B6k6scsaba (Ungarn) hat dem Vorsitzenden des Vorbereitungskomitees der Kenessio Gedaulo in Marienbad, Rabbiner Jonathan Horovicz, mitgeteilt, daß die Gemeinde beschlossen habe, sich korporativ der Agudas Jisroel anzuschließen. Zum Judenpvohlem m Rumänien Aus Bukarest meldet die J. T. A.: Der frühere Abgeordnete der Jüdischen Partei im rumänischen Parlament, Adv. Misu W e i ß m a n n (Mitglied der Judenstaatspartei), antwortet auf die Rundfrage des „Curent u 1" betreffend das Judenproblem in Rumänien ,und den Palästina-Teilungsplan u. a.: Sogar wenn Rumänien an der Teüung Palästinas nicht interessiert wäre, stünde unserem Lande das Recht zu, mit ■ Rücksicht auf seine politische Stellung und auf die Macht, die es heute repräsentiert, mit entsprechender Autorität nicht nur in dieser Frage, ' sondern auch in allen internationalen Fragen, ebenso wie jede andere Großmacht, sein Wort zu sprechen. Rumänien besitzt auch die juristische Legitimation hierfür, da es den Vertrag von Sevres mitunterzeichnet hat, durch welchen das juristische Statut Palästinas festgesetzt wurde, sowie in seiner Eigenschaft als Mitglied des Völkerbundes, der England das Mandat über Palästina anvertraut hat. Ich glaube, schreibt Misu Weißmann, daß man einen Fehler begeht, wenn man von einem „Ueberschuß" an jüdischer Bevölkerung spricht. In Rumänien kann von "einem Bevölkerungsüberschuß überhaupt nicht die Rede sein, da die Bevölkerungsdichte Rumäniens weit hinter jener der westlichen Staaten steht. Man begeht ein um so größeres Unrecht, wenn man den Ueberschuß der jüdischen'Bevölkerung zuschreibt, die seit Jahrhunderten auf diesem Gebiete wohnt und eine bedeutende Rolle in der Entwicklung des rumänischen Wirtschaftslebens spielte und sich mit den Interessen und den Aspirationen der herrschenden Nation und des Landes stets eng verbunden fühlte. Im Prinzip und entsprechend der normalen rechtlichen und politischen Ordnung ist der Staat verpflichtet, für alle seine Bürger, ohne Unterschied der ethnischen Abstammung, zu sorgen und alle Probleme, welche infolge des Zusammenlebens der Minderheiten mit der Mehrheitsbevölkerung entstehen, im Rahmen seiner Staatsorganisation zu lösen. Im Prinzip ist es nicht zulässig, daß ein Staat ein Auswanderungsgebiet, nur für eine bestimmte Kategorie seiner Einwohner sucht. Die Unzukömmlichkeiten, die durch die soziale und ökonomische Situation der jüdischen Bevölkerung in Rumänien entstanden sind, könnten durch die Eröffnung neuer Betätigungsmöglichkeiten für diese Bevölkerung, die gezwungenermaßen sich nur auf wenige Gebiete beschränkt hat, behoben werden. Das ist aber nicht geschehen. Pvemieiet „Adam und Venus" Das neue Gcsellschaftslustspiel der Metro, „A dam und Venus", in welchem Jean Harlow die Rolle.der Venus spielt, der als Adam der scharmante Robert Taylor gegenübersteht, gelangt im Elite-, OpernundVotivpark* Kino zur österreichischen Uraufführung.

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