Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 680 (13.8.1937)
- Date
- 1937-08-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, OSO vom 13. AugiMit lMT DIE NEUE WELT Seite 7 Die einzige Hoffnung Die Lage dw Juden In SowjetrußlattÜ -r- 2lotuNtenverfoigungen ohne Ende Der Bericht de* Zionistischen Exekutive an den XX. Zlonistenkongreß enthält, aueh ein, Kapitel Uber die Lage der Jude» in fiowjetntßland. Parin heifit ea: Die Assimilation unter tien Juden Sowjetrußlands schreitet mit Hieso'ns^hritten fort, Die Natiq« nalitätenpolitik der hergehenden PaHei hat die Juden* frage als nationales Problem nicht gelöst. {He Versuche der „J e w s e k z i a" (der inzwischen »ulfiEfr* hobenen „jüdischen Sektion" der Kommunistischen Partei), ein jüdisch** HrJliehüng&gyptejn au schaffen, blieben ohne EJrfolg, Die jiddische Erziehung konnte die Masseii nicht anziehen; "die Zahl der Schulen, in denen in jiddischer Sprache unterrichtet wird, ist zurückgegangen; sogar diese wenigen Schulen können an vielen Qrten nur darum bestehen, weil wegen Mangels an anderen Schulen die Juden gezwungen sind, ihre Kinder in die jiddischen Schulen m aehiqkeh. in der Regel sieben es die Jüdischen BJltern vor, ihre Kinder die allgemeinen Schulen besuchen au lassen, Die jüdische Jugend, sei es nun, daß sie allgemeine oder jiddische Schulen besucht, wächst ohne jede Kenntnis der jüdischen Ge* schichte und ohne jüdisches Volksb ewußtsein auf; ja, es entwickelt sich in ihrer Seele ein Gefühl des Hasses gegen jede „nationalistische" Bewegung, zu denen auch die z i o n i s t i s c h e Bewegung gezählt wird. ... j Die Einführung ,des H e b r ä i g c h e n als Universitätsgegenstand in Moskau ist ganz bedeutungslos, da jeder, der.sich des Hebräischen bedient, gewärtig sein muß, verfolgt m werden, Zwei hebräische Dichter, die ihre Werke im Ausland veröffentlicht haben, sind von der G. P. U, zu Gefängnis und Verbannung verurteilt worden. Die zionistische Bewegung Während der letzten Jahre ist es immer schwerer geworden, die zionistische Bewegung in Rußland als nationale Organisation am lieben zu erhalten, Die fortwährenden Verfolgungen zersplitterten die Organisation in ihre einzelnen Fraktionen und zerstörten ihre Existenzgrundlage, Dennoch lebt die Bewegung noch in zahlreichen Orten der Sowjetunion, '?*^**?VftJe7Tife nach außenhin nicht wagen, ihr Interesse an den jüdischen Dingen zu zeigen, ver* folgen doch mit großer Aufmerksamkeit deu zi0nistischen Aufbau in Palästina und bleiben in steter Fühlung mit dem, was in Palästina vor sich geht, Immer wieder kommen Verhaftungen von Zlonfeten vo?; m Hunderten werden sie ins Exil und in die Konzentrationslager verachtokt. Nur drei Juden durfte» »uwh Palästina auswandern Viele verhaftete fcionisten werden von der 0, P. U« auf drei, ja auf fünf Jahre in Konzentrationslager v^rBehiokt, in denen sie Zwangsarbeit verrichten müssen, Die Verbannten sind aber nach Jahren des Exils und langjährigen Gefängnisstrafen physisch kaum imstande, die Zwangsarbeit auszuhallen. Viele Von ihnen erkranken ernstlich; Skorbut ist infolge der elenden UrnRhrung unter ihnen stark verbreitet» dabei ist anäratliehe Hilfe nicht au denken. Es besteht keine Hoffnung, daß sioh die 'Lage der Verbannten und Gefangenen bessern wird; vielmehr ist das Gegenteil zu erwarten. Ihre Leiden, hervorgerufen durch Unterernährung und die schlechten klimatischen Verhältnisse in den Gegenden, in denen die Konzentrationslager untergebracht sind, sind unbeschreiblich. Ihre seelische Qual wird erhöht duroh das strikte Verbot der Auswanderung n'ab'h'Palästina. Nur drei Personen unter den Hunderten, die in den Gefängnissen und Konzentrationslagern Sowjetrußlands schmachten, durften, nach vielen Anstrengungen, die für sie unter* nommen wurden, nach Palästina auswandern, * Die einzige Hoffnung, die die zionistischen Verbannten und Gefangenen in Sowjeti'ußland noch aufrecht erhält» fst 'der Glauhe, daß sie eines Tages die Möglichkeit haben werden, nach Paiä* . stina auszuwandern." In einem Brief einer Gruppe solcher Verbannter, in desseri Besitz die Zionistische Exekutive gelangt igt, heißt es: „Wenn^ es Euch nicht gelingt, uhs von hier fortzubringen, erwartet uns1 ein schreckliches Ende, Der Begriff .Dauer des Exils und d^s Gefängnisses' ist sehr elastisch. Wie die Dinge jetzt liegen, sind wir zu einem langsamen und quaivollen Tode,verurteilt. Wir übertreiben nicht die Tragik unserer Lagej Viele von unseren Kameraden sind, nachdem sie-ihre Strafen verbüßt, haben, neuerlich verhaftet und-ins Gefängnis oder in die. Verbannung geschickt worden, Und so geht es ohne,Ende weiter," Per Bericht der Zionistischen Exekutive befaßt sich dann auch mit B i r o - B vd s ovh a n.^nd: stellt fest, daß die Ansiedlung von Juden in dem autonomen jfdisdhen r^äybn^^Ä' $eu|£L gfeX|bareri^ Infolge■» ielftgi' h,at; Unter d>n%jtfaeiS*n^ rung für Biro^Bidschan. Die meisten, die sich .dort angesiedelt haben, sine}' m S*abriHen, Werkstätten und Büros tätig; nur ein kjeiner Teil von ihnen befaßt sich mit L a n d wir t s oh af t. .. . •.. ■. . Die „Essener" an dnem einzflgen Tag D|o Ausgabe der „Essener Nationalzeitung" vom Freitag, den 6. August (ein Blatt, das in Oesterreich bekanntlich augelassen ist) veröffentlicht wahrscheinlich seiner besonderen Aktualität wegen einen Aufsatz. „Maria Theresia und die Juden", worin u, a, gesagt wird: „Infolge des grausamen Sohächtens war. dem . Judentum jede öffentliche Reiigionsübung untersagt", Dieser Exkurs ins Historische hat natürlich denselben Wahrheitsgehalt wie die anderen Dinge, von denen das Blatt erzählt, und er appelliert auch nicht an die Logik der Leaer. Denn wenn den Qesterreicherh unter' Maria Theresia das Schächten grausam vorgekommen wäre, hätten sie ja gleich das Schächten', also den Anlaß der Untersagung der ■ öffentlichen Religionsübung, verbieten können. Aber was tut das in Essen! * ... Auch über das Palästina-Problem findet sich, eine Pikanterie. Das Blatt läßt sich von seinem Korrespondenten unter dem 5. August drahten: „Es entbehrt jedenfalls nicht einer gewissen Ironie, daß sogar die englische Mandatsverwaltung für Palästina durch den Qberkommissar (nicht Oberkommissär, sondern Oberkommissar!) der englischen Regierung ein Memorandum überreicht hat, in dem an dem« Teilungsplan eine überaus scharfe Kritik geübt wird." Natürlich' ist diese Nachricht unwahr. Vor w Tagen bereits wurde sie in den „Times" dementiert. Aber was tut das in Essen? * Schließlich eine „klassische" Nachricht; Die „Essener" läßt sich aus Zürich über Stuttgart melden, daß es in einem bekannten Züricher Kaffeehaus zu einer schweren Schlägerei kam, „die damit endete, daß die Juden das Lokal schleunigst räumen mußten, Der Zwischenfall war von einer Schar Juden provoziert worden, die auf junge Faschisten losgingen, als sie antisemitische Fiugzettel verteilten." Wahrlich, eine sonderbare Provokation! Da kommen ein paar Lausbuben in ein von jüdischen Gästen aus -aller Welt besuchtes Kaffeehaus, verteilen antisemitische Flugzettel und die jüdischen Gäste lassen sich das nicht gefallen. Hat man sohon so was. gehört? Die Lausbuben verteilen gana brav und unschuldig ihr aus Nazideutschlarid bezogenes Verleüm? dungsmaterial' und die. Juden p r o vp z i e r e n?r Da hört sich ln Essen (und auch in Oesterreich, wo das. Blatt aufliegt) die Gemütlichkeit auf, * .... , Allerdings gibt es außer der „Essener Natiohalzeitung'1' n0°h a n d e r e Zeitungen auf der Welt. Zeitun* geh, die wissen, wie methodisch, von der Erfurter Küohe des berüchtigten Fälschers und Verleumders Ullrich Fleischhauer die Weit mit antisemitischer Kost versorgt wirdT Zu diesen gehört auoh die „Neue Zürcher Zeitung", die unter dem Titel ..Front braucht .Zwischenfälle'schreibt: „Die Nationale Front, die unermüdlich bestrebt ist, von sich und ihren „Aktionen" reden zu machen, scheint den Zionistenkongreß als willkommenen Anlaß zur Entfaltung Jhres Radau-Antisemitismus benutzen zu wollen. Während in den frontistischen Organen die ebenso unwissenden wie fanatischen Spezialisten der „Judenfrage" sich die Finger wundschreiben müssen, um nach bekannten Vorbildern die Fluchwürdigkeit des Judentums nachzuweisen, wird die weitere Oeffentlichkeit mit Flugblättern und Bandzetteln bedacht, ' deren Verbreitung den damit beauftragten Frontisten Gelegenheit gibt, Zwischenfälle hervorzurufen, die bekanntlich das politische Brot des Frontismus sind. Mit großem Behagen berichtet die frontistische Presse über die ersten Erfolge dieser Methode in einer Weise, die man als indirekte, aber deswegen nicht weniger perfldo Aufforderung zur Gewalttätigkeit bezeichnen muß, „Au wai geschrien! Zürisalem wird gesäubert -r- Juden bringen ihre Melonen in Sicherheit" lauten die Uebersohriften der frontistischen Kriegsberichterstattung, die offenbar darauf ausgeht, in einigen verwirrten Köpfen den Drang zur „Propaganda der Tat" anzustacheln, Man kennt dieses System der Front naohgerade zur Genüge und weiß deshalb heute schon, wer die wirklich Verantwortlichen sind, wenn sich infolge der widerlichen Hetze einiger Kopisten des nördlichen Antisemitismus ernstere Zwischenfälle ereignen sollten. Im Interesse des Ansehens der Stadt Zürich hoffen und erwarten wir, daß die Behörden ein scharfes Auge auf das Treiben der frontistischen Provokateure halten und unnachsichtllch gegan jede Aeußerung des Radau-Antisemitismus < #er „nationalen Erneuerer" einschreiten werden. Außerdem ist daran au erinnern, daß es nach einem Urteil des Bundesgerichts vom 20, Juni 1836 in der Kompetenz der Kantone liegt, Auswüchse einer antisemitischen Publizistik zu unterbinden, die über das Maß einer sachlichen Erörterung der „Judenfrage" hinaus- "und darauf ausgeht, gewisse Volksteile dem Haß und der Verachtung der übrigen auszusetzen, sie zu beschimpfen und zu verleumden. Daß dies das Motiv und der Zweck der gegenwärtigen Hetze der frontistischen Organe ist, bedarf für jeden, der die Ueberwlndung für einen Blick in diese Art Presse aufgebracht hat, keines Beweises mehr-" Pardon wird nicht gegeben*" Eine fürchterliche Parole, die nioht aus dem Berlin von 1937, sondern von 1800 stammt, aber ihre preußische Provenienz nioht verleugnet. Es ist dies eine Mahnung des damaligen Kaisers Wilhelm II., an die deutschen. Soldaten, die nach China geschiokt wurden, um die durch die Ermordung des deutschen Gesandten;,angegriffene Ehre Deutschlands" zu rächen. Damals ging's in China sehr blutig zus Boxeraufstand!; In unseren Tagen läuft in den Wiener Kinos ein reichsdeutsoher Film „Alarm in Peking", der an jene aufgeregten Tage erinnern soll. Die Fabel dieses im Dritten Reich fabrizierten Films zu erzählen, wollen wir uns ersparen. Erwähnt sei bloß, daß in dem Film Handgranatenkämpfe vorkommen, ein deutscher Offi* zier und — Chinesen. „Daß die Chinesen in diesem Film", schreibt das Wiener deutsohohriatliche ,Neuigkeits»Welt-Blatt\ „als die ärgsten Bösewichter dargestellt werden, nirnmt nicht wunder, ist doch die Tendenz des Film3 von allem Anfang an sichtlich darauf gerichtet, das Ansehen des chinesischen Volkes zu entwürdigen ... Da allere guter Geschmack, alle historische Wahrheit und auch jedes internationale Anstandsgefühl offensichtlich verleugnet wird, muß man schließlich zu der Ansicht kommen, daß der ganze Film nur gedreht wurde, um einer politischen Absicht gerecht zu werden, die keineswegs zu dem politischen Konzept unseres Staates paßt, dessen oberstes Prinzip es ist, mit allen Völkern, die uns Achtung und Wertschätzung entgegen^ bringen, in bestem Einvernehmen au bleiben." . Diese Betrachtung zeugt vom richtigen Blick für die Tendenz des Films und für die Mentalität des Re- . ™ ff>v ' ' .......- ■ ' ' ■ ■• gimes, unter dem er verfertigt wurde, Der Anschauung des „Neuigkeits-Welt-Blatts nur hoch hinzuzufügen, daß die Mängel des Films, nämlich guter Geschmack; historische Wahrheit und internationales Anstandsgefühl, sieh auch in anderen Bezirken des Geistes, der Politik und des Rechts vorfinden, und daß es am Platze wäre, diese' Mängel zu rügen, auch wenn sie sich gegen, a n ie r e.Völker,, nicht bloß gegen das chinesische, auswirken. Den ,,geradezu widerliehen Eindruck, den der Film beim Besohauer hervorruft" (so schreibt5 daszitierte- Blatt); kann: man auch t>öi anderen Produkten der gleichen Herkunft feststellen, ohne daß davon Notiz genommen wird, Die Kritik des ^NeuigkeitSrWelt-Blatts" sitzt, Es ist die Kritik, die dem traditionellen österreichischen Kulturempfinden ■entspricht. Wenn sie sich bei ähnlichen Anlässen mit gleicher "Exaktheit kundgibt, kann sie segensreich wirken. Grabsteinsetzung für Stefan Lux Anläßlich der ersten Jahrzeit von Stefan Lux hat die Jüdische'G'e'meinde Genf auf dem Grabe des Toten auf dem Friedhof Veyrier einen Grabstein errichten ,lassen. Die religiöse Feier fand am Mittwoch, 7, Juh, in Anwesenheit des Präsidenten der Gemeinde Armand Brunschwig und zahlreicher Mitglieder des Gemeindevorstandes statt, Nach den rituellen Gebeten gedachte Grandrabbin Poliakof der Persönlichkeit .des Verstorbenen. Lux" Opfertod, sagte er, sei nicht genügend verstanden worden, Er hat nur ein schwaches Eoho, keine energische Antwort gefunden. Leider gebe es noch allzu viele, die sich in einer gefährlichen Ruhe wiegen. Diese mögen bedenken, daß auch für sie einmal weniger glückliche Tage kommen können. :i Filmes der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes) Frankreich! Roman eines Schwindlers — Die Perlen der Krone — Der geliebte Vagabund — La belle Equipe —: Menschen unter Menschen — Liebe macht blind — Die rote Robe. Amerika:, Die Insel ohne Sünde — Kopf in der .Schlinge -~ Drei kleine Gangster — Hochverrat ^- Sonnenmädel Motiv unbekannt — Verfluchtes Gold — Es geschah zu Silvester — Golddiggers 1937 — Safari — Hokuspokus Liebe nicht genügend — Suay — Heid von Texas — Die gute Erde — Drei süße Mädels — Der Jazz- Kadett — Mord im Opernhaus — Adam und Venus — Lachkatastrophe — Die Gängaterbraut, film« unH* Arierparagraph .Zurück in die Heimat — Die gatra großen Torheiten Amtsschimmel — Entführung an der Wviera — Sohwindem ist keine Sund*... — Stappenhase — Ich Weib' rieht Junggeselle -™ Die Göttliche - Das Mttdel vom BaHoU - Abenteuer in Lissabon ~* Hehataiwstitut Wa Wüst & Ca. — Wie der Hase läuft-~=- Die un-evhörte Frau — Der lustige Witwedhajl —U Stärker als Paragraphen — Die graue Dame «£tPas gIDSe und das kleine Glück — Millionäre — Mein Sohn, der Minister — Mein Verhängni* sind die Frauen, \