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Die neue Welt · 1937-08-13 · Heft 680 (13.8.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 680 (13.8.1937)
Date
1937-08-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 680 vom 13. August 1§37 DIE NfiÜE WELT Seite 3 Nach EREZ ISRA mit den. vorzüglichen Schiffen „MARCO POLO", „ESPERIA", „GAULEA" und „GERUSALEMME" Monatlich 8 Abfahrten von WIEST und GENUA Auskünfte und Anmeldungen: ril Generalagentur, Wien I, „Adrlatica Kärntnerring 6 Tel. U-47-5-60 u. Reisebüros solchen Einigkeit und werden sie von innen und außen bekämpfen — mit einer Oesellschaft von Selbstmördern gibt es keine Einigkeit! Hätte dieser Kongreß, auf den die ganze zionistische Welt blickt, den Mut zur Revision seiner Taktik, hätten alle Neinsager und alle Zweifelnden Mut und Entschlossenheit, so können sie, mag auch die Achtung für die Verdienste jener Männer groß sein, nach dem, was in den Jahren 1936/1937, was am 19. Juli 1937 in London geschehen ist und was jetzt geschieht, unmöglich diese Männer wählen, unmöglich ihnen die Vollmacht geben. Man will uns mit den radikalsten Resolutionen beruhigen, aber man überläßt die Verhandlungen den Müden und Enttäuschten, die nicht an die Möglichkeit glauben, das Mandat zu verwirklichen. Wie kann man Euch Vollmacht geben, die Ihr Erez Israel zerfleischen wollt, für die die Teilung ein fait accompli, eine erledigte Sache ist? Die einzige. Antwort an Weizmann kann nur sein, daß man ihm keine Vollmacht gibt und ihn nicht wieder w ä h l t. Man muß Menschen wählen,, welche glauben, nicht verzweifeln, welche den Kampf wollen.' Das Einzige, was uns bleibt., ist, das jüdische Volk am Leben und in seinem.Widerstand stark: zuerhalten!" ' . V Die Rede Großmanns wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. Särickers Anklagerede Aus Zürich wird uns unter dem 12. August telephoniert: In der letzten öffentlichen Sitzung, zu einem Zeitpunkt, da sich die Stimmung zugunsten der Mehrheitsresolution bereits verdichtet hatte, ergriff Robert Stricker (Exekutive der Judenstaatspartei) das Wort, um nochmals die Gründe für eine strikte Ablehnung des von^der englischen Regierung vorgelegten und von Doktor Weizmann befürwortete Teilungsplanes auseinanderzusetzen. Bei dieser Gelegenheit zeigte der Redner die einzelnen Etappen der Niederlagen der Weizmann-Politik in den letzten 15 Jahren auf, die unweigerlich zu dem heutigen Zustand führen mußten. Ein Mann, führte der Redner aus, der zur Kraft des jüdischen Volkes kein Vertrauen habe, dürfe auch vom Kongreß kein Vertrauen zu seiner Verhandlungstaktik mit der englischen Regierung verlangen. Die große Herzische Konzeption sei seitens Weizmanns Schritt für Schritt verlassen worden und das sei der tiefere Grund für den Defaitismus in den zionistischen Reihen und für die Bereitschaft, auf Basis eines Teilungsplanes zu verhandeln, den alle patriotischen Zionisten und ein großer Teil der öffentlichen Meinung Englands als unakzeptabel und beschämend erklärt haben. Von wem Weizmann <geIob$ wird Aus London: Der konservative „Daily Telegra p h" und der Uberale „Manchester Guardian" heben die Rede Dr. Weizmanns in Zürich als eine Probe staatsmännischen Denkens hervor. Beide Blätter sind der Ansicht, daß die Besprechungen in Genf und Zürich nichts gebracht hätten, was Hoffnung auf Frieden ohne Teilung geben könnte. „Manchester Guardian" setzt sich gleichzeitig für die Zuteilung eines Teiles von Jerusalem an die Juden ein. Der jüdische Staat, meint das Blatt, sollte groß genug sein, um viele Jahre hindurch einen großen Zustrom von Einwanderern, etwa 50.000 jährlich, aufnehmen zu können, die aus den europäischen Ländern, in denen die Juden Not leiden und verfolgt werden, auswandern würden. Falls schon Aenderungen am Teilungsplan vorgenommen werden, würde die Teilung nicht nur den Juden und Arabern, sondern ganz Palästina Vorteile bieten. Was die jüdischen Gegner dos Teilungsnlanes ganz übersehen, sei, daß die Alternativvorschläge, die verwirklicht.werden würden (!), falls es nicht zur Teilung kommt, ihnen nicht das Nationalheim geben würden, wie sie es wünschen, sondern nur Beschränkungen, sei es im Rahmen einer arabischen Konföderation, eines kantonisierten Palästina oder des heutigen ungeteilten Palästina, solche Beschränkungen würden aber «Jen Ruin ihrer. Hoffnungen bedeuten, .(J, X, A-Jl Weizmanns ..Judenstaat" ist ein Irrlicht •f Die große Generaldebatte Aus Zürich wird gemeldet: Im Verlauf der Nachtsitzungen von Samstag, den 7., auf Sonntag, den 8., und von Sonntag, den 8., auf Montag, den 9., wurde in dem zur Politischen Kommission gewordenen Kongreßplenum die Auseinandersetzung für und wider den Plan der Teilung Palästinas und die Erteilung der Vollmacht an die Exekutive, in Verhandlungen mit der englischen Regierung über den Teilungsplan einzutreten, fortgesetzt. Berl Kaznelson (Arbeiterpartei)' warnte vor Aufgabe der im M a n d a,t verbrieften Rechte auf das Jüdische Nationalheim in Palästina. Wäre die Idee der Teilung als Resultat von Verhandlungen zwischen Juden und Arabern gekommen, so hätte ich gesagt, daß sie wirklich den Frieden zwischen den beiden Völkern bringt, es vielleicht lohnt, dafür einen hohen Preis zu zahlen. Aber die Teilung wird aus dem Jpteresse der Engländer dem Volk aufgezwungen, welches sich heute in Palästina als das herrschende ansieht und glaubt, mit Hilfe eines zweiten oder dritten Pogroms noch mehr zu bekommen. Daher wird die Teilung keineswegs Frieden bringen,' sondern es könnte nach der Teilung die Lage unmöglich werden. Ein kleiner Judenstaat mit Jerusalem würde vom jüdischen Volk als Beginn der Erlösung betrachtet werden, ein Judenstaat ohne Jerusalem wird ein Körper ohne Kopf sein. Nun zum Korridor: eine Fläche von einer Million Dunam mitten in Erez Israel, im Herzen des Jischuw, wird uns für immer und' ewig entrissen und einer bestimmten politischen Macht übergeben, die von dort aus ihre Interessen lenken wird. Mitten in diesem Gebiet liegen bedeutende jüdische Siedlungen, die anglisiert werden würden. Ich glaube nicht, daß es leicht sein wird, große und w>ch- AU5 EISTE tamw&\ R. CHKONI teil: W. S. v/ OPERN: DER CHKONIQUE SCANPAIEU5E rech: W. S.van DYKE VOTIVMRK K. tige Aenderungen in dem uns vorgelegten Plan durchzusetzen. Ich sehe in der Teilung noch keinen Judenstaat. Die Regierung hat noch nichts getan, um diese Idee zu verwirklichen, dagegen hat sie bereits die Einwanderung eingeschränkt. Was würden Aenderungen nützen, wenn es keinen Vorschlag gibt, der uns wirkliche Souveränität und Sicherheit verschafft und wenn die Schwierigkeiten des arabischen Problems weiter . bestehen bleiben! Der Bericht spricht von einer Uebergangsperiode. Keiner von uns weiß, was diese Uebergangsperiode bringen wird. Besteht nicht die Gefahr, daß während der Uebergangsperiode der Judenstaat zerstört wird, noch bevor man an seinen Aufbau schreitet? Hätte ich die Verhandlungen geführt, so hätte ich erklärt: Wenn es eine Verordnung über eine Einwanderung von 1000 Juden monatlich gibt, kann ich über einen Judenstaat nicht verhandeln, denn eine solche Verordnung hebt alle Rechte auf dem Gebiet der Einwanderung auf, die wir im Laufe vieler Jahre erkämpft haben. Wir haben ein Papier, welches Mandat genannt wird. Es ist vielleicht ein minderwertiges Dokument, aber gäbe es nicht dieses Dokument, das von allen Völkern unterzeichnet wurde, so hätte man mit uns nicht viel geredet und auch während der Ereignisse des Jahres 1936 nicht viel Federlesens gemacht. Man hätte vielleicht nicht einmal über diesen kleinen, schwachen Judenstaat gesprochen. Daher bin ich der Meinung, daß wir kein Recht haben, uns die Basis des Mandats entziehen zu lassen und auf Rechte zu verzichten, die von größter politischer Bedeutung für uns sind. (Beifall.) Rev. G o 1 d b 1 o o m (Weltvereinigung): Ich spreche im Namen der englischen Delegation, wenn ich erkläre, daß ich vom Peel-Bericht und von Weizmanns Ausführungen tief enttäuscht bin. Die Kgl. Kommission hat uns Lob gespendet und uns schließlich den Schatten eines Judenstaates gegeben. Dieser Staat kann nicht sein, was Herzl im Judenstaat sah: die Lösung der Judenfrage. Weizmanns große Verdienste werden in der jüdischen Geschichte bleiben. Aber vielleicht ist Weizmann müde geworden. Vielleicht sieht er die Schwierigkeiten zu groß — dann muß der Kongreß, wie er einst Herzl entgegentrat, indem er das Uganda-Projekt ablehnte, diesmal auch Weizmann auf den rechten Weg bringen, und es gibt für uns keinenanderen Weg als das Mandat, jenes feierliche Versprechen, welches England gegeben hat und halten muß. Mit gefeea der Exekutive keine Ermächtigung, auf der Basis des Peel-Vorschlages zu verhandeln, sondern nur auf der Basis der Balfour-Deklaration und des Mandats, welches uns das historische Recht auf das ganze Erez Israel zugesprochen hat. Farbstein (Misrachi): Man stellt uns vor die Alternative: Beschränkung der Einwanderung und des Bodenkaufes oder Annahme des kleinen Staates. Wir lassen uns durch die erste Drohung nicht abschrecken und werden gegenjede Beschränkungunsererim Mandat verankerten Rechte ankämpfen. Fünfzig Jahre habe ich vom Judenstaat geträumt, und jetzt bin ich in der Lage der unglücklichen Mutter in der Geschichte Salomos Gerichtstag, welche den Zuruf des Richters hört: Teilet das Kind! Wir müssen alle Mittel anwenden, daß der Völkerbund und Amerika den Plan zurückweisen. Wir verlangen den Weiterbestand des englischen Mandats, jedoch in anderer Form. Dieser Judenstaat ist ein Irrlicht, das uns tiefer in den Sumpf lockt. G1 u s k a (Jemenite, Weltverband): Ich hätte nie gedacht, daß es einen Juden auf der Welt gibt, der von dieser Tribüne aus für die Teilung des Landes sprechen wird. Im Namen der jemenitischen Juden Palästinas und des Jemen erkläre ich, daß wir gegen den Teilungsplan sind. Man hat uns Transjordanien genommen. Wenn wir jetzt die neue Teilung unterschreiben, dann werden wir eine dritte Zerstörung des Landes Israel erleben. S c h r a g a i (Hapoel Hamisrachi) plädiert ebenfalls für die Ablehnung des Teilungsplanes und spricht Zweifel darüber aus, daß in den nächsten zwanzig Jahren 2 Millionen Juden ins Land gebracht werden könnten, dazu seien die Grenzen viel zu klein. Chasan (Haschomer Hazair)] erklärt, seine Gruppe sehe in dem Vorschlag der Teilung Palästinas sowohl vom sozialistischen als auch vom zionistischen Standpunkt eine drohende Gefahr für den künftigen 'Aufbau des Landes, eine vernichtende Gefahr für den großen Aufbauplan unseres Volkes. Nunmehr greift die Exekutive neuerdings durch eines ihrer Mitglieder in die Debatte ein; das Wort erhält das Mitglied^ der Exekutive Elieser Kaplan, der den von Welzmann skizzenhaft angedeuteten Zwanzigjahreplan der Arbeit im neuen Judenstaat durch verschiedene Angaben und Berechnung stützt. Man kann nicht, sagt er, die Ablehnung des Planes darauf stützen, daß wir 2000 Jahre gewartet haben. Die Zeitfrage ist bei uns die entscheidende - Frage. Denken-wir bloß daran, daß wir in den letzten 17 Jahren 320.000. Juden ins Land gebracht haben und daß die arabische Bevölkerung um; 450;ÖÖO Seeleri gewachsen ist. Der natürliche Zuwachs der Araber beträgt mehr als 30.000 Menschen jährlich, ihre wirtschaftliche Stärke wächst progressiv. Wir müssen den Plan prüfen, nicht aus der Perspektive der Lage der Diaspora (!), sondern auch von der Lage des Aufbauwerkes aus. Nicht die Galuth drängt, Erez Israel drängt, und wir haben die heilige Pflicht, jede Chance zu versuchen, die unser Werk stärkt. Dr. Schmorak (iWeltverband): Der Peel-Bevicht sagt, ein halber Laib Brot ist besser als gar kein Brot. Aber uns wird kaumein Fünftel des Mandatsgebietes angeboten. Dafür sollen wir unsere zionistischen Hoffnungen aufgeben? Meine Gruppe lehnt den Teilungsplan ab und wird gegen die Vollmachten stimmen. Meir Großmanns Rede bringen wir an an<* derer Stelle. '(Siehe „Kämpft für den wahren Juden* Staat!«') Ben Gurions Bede troff von Optimismus. Sein zweifellos stürmisches Tem-< perament, der Elan, mit dem er die Dinge angeht, verleiteten ihn aber zu übertriebenen Hoffnungen und zu Plänen, die mit der Haltung der linken Arbeiterparteien im Widerspruch stehen. Ben Gurion entpuppte sich nämlich als — „Militarist". In seiner Teilungsrede sagte er nämlich u. a.: „Hinsichtlich der Sicherheit wird eine radikale Aenderung zum Bessern kommen, weil wir die Möglichkeit haben werden, uns auf eine eigene Armee zu stützen." Geradezu napoleonische Worte eines Mannes, dessen Partei stets schon den bloßen Gedanken einer jüdischen Legion als reaktionär, faschistisch und gefährlich bezeichnet hat! Baratz (Arbeiterpartei) sprach für prinzipielle Annahme des Teilungsplanes und Erteilung der Vollmachten an die Exekutive. In einem jüdischen Staate, sagte er, würde die Sicherheit weit mehr garantiert sein als gegenwärtig. Scharf gegen den Teilungsplan wandte sich Rabbi Abba Hillel Silver (Amerika), der den Peel-Bericht in dessen Schlußfolgerungen als unlogisch bezeichnete. Dr. Ruppin selbst sprach über die Schwierigkeiten der Transferierung der 300.0Q0 Araber; da hätte er ja gleich sagen müssen, daß der Plan undurchführbar ist. Warum unterstützt er den Teilungsplan? Die Araber erklären, daß auch nach der Teilung kein Friede sein wird; sie werden im jüdischen Staatweiter intrigieren und hetzen, und das wird das Ende des Staates bedeuten. Die Einwanderung von zwei Millionen Juden in den nächsten zwanzig Jahren, wie sie Weizmanns Plan vorsieht, hängt von einer Reihe von Bedingungen ab, deren Gegebenheit niemand garantieren kann. Wenn wir aber, heute die Unterschrift unter ein Dokument setzen, in dem;

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