Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 680 (13.8.1937)
- Date
- 1937-08-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 680 vom J3* August 193T ■ü i ■ n i.r f n hu n Vor Annahme der Resolution Aus Zürich wird berichtet: Zuerst für die Nacht zu Dienstag, den 10., dann für die Nacht zu Mittwoch, den 11., war die öffentliche Sitzung des XX. Zionistenkongresses geplant worden, in der die Abstimmung über den Plan der Teilung Palästinas und die Erteilung von Vollmachten an die Exekutive aur Weiterführung der Verhandlungen mit der englischen Be» gierung hätte erfolgen sollen. Da jedoch die politische Hauptaussprache in den geschlossenen Sitzungen de* Kongreßplenums (Politische Kommission) sich In die Länge zog und die Verhandlungen mit den Neinsagern betreffend Herstellung eines Textes der Resolution, dem auch sie *ustimmen könnten, noch au keinem Bnderfolg geführt hatten, wurde die Abstimmung auf Mittwoch verschoben, Am Dienstag wurde lediglich eine kurze öffentliche Sitzung des Kongresses abgehalten, die im ganzen 20 Minuten dauerte. Es wurden verschiedene technische und geschäftsordnungsmäßige Angelegenheiten erledigt. In der engeren (48er) politischen Kommission be* mühte man sich, den Text der dem Kongreß vorzulegenden Entschließung so zu fassen, daß eine möglichst einstimmige Annahme herbeigef ührt werden könne. Jedenfalls sollte die Zahl der Kontrastimmen auf ein äußerstes Mindestmaß herabgedrückt werden. Es fand eine besonders eingehende Aussprache mit den Gegnern des Ermächtigungsantrages statt. Der Resolutionsantrag der „Neln"-Sager Von den „NeüV'-Sagern, zu denen die Delegierten der Judenstaatspartei, des Haschomer H a z a i r, des Misrachi, die Mehrheit der Vertreter der Allgemeinen Zionisten Gruppe B, eine kleine Zahl der Allgemeinen Zionisten Gruppe A, unter ihnen Dr. Stephen S. Wise, Rabbi Abba Hillel S i 1 v e r und Robert S z o 1 d, sowie 14 Delegierte der H a d a s s a gehören, hat einen Minderheiten-Entschließungsantrag eingebracht, in dem die Behauptung der Kgl. Kommission, das Mandat sei undurchführbar, als ein Trugschluß bezeichnet und erklärt wird, die Verwaltung, nüfcht das Mandat, habe versagt. Die beiden Alternativvorschläge der Kgl. Kommission, Teilung oder einschränkende Palliativmaßnahmen, Mettste* ttkskm -Smutetikf werden zurückgewiesen. Die Resolution stellt fest, daß der Plan der Teilung Palästinas eine flagrante Ver-, letzüng der dem jüdischen Volk vor der ganzen Welt gegebenen Versprechungen bedeutet. Der Kongreß wird; aufgefordert, sich der Zerstückelung Palästinas mit allen Mitteln zu widersetzen, und die Exekutive wird beauftragt, „auf dem festen Grund der jüdischen Rechte und Leistungen" zu fußen und den Kampf um die Durchführung einer konstruktiven Politik zur Verwirklichung des Mandats aufzunehmen. Es hat den Anschein, als ob sich jetzt, unmittelbar vor der Abstimmung, die Front der „Nein"-Sager verbreitert hätte. Bin bezeichnender Zwischenfall Aus Zürich wird uns unter dem 12. August telepohniert: Im Rahmen der Generaldebatte, deren letzte Sitzungen öffentlich waren, kam es zu einem Zwischenfall, der ein eigenartiges Licht auf die Mentalität der Exekutive und ihrer linken Anhängerschaft warf. Auf eine Frage des amerikanischen Delegierten' Dr. Stephen Wise an das Exekutivmitglied David ben Gurion, welche Stellung er vor den blutigen Ereignissen des Jahres 1936 zum Teilungsplan eingenommen hätte, erklärte Ben Gurion, er würde auch damals schon den Teilungsplan akzeptiert haben. Im Saal entstand eine ungeheure Aufregung, die Judenstaatszionlsten verlangten Bei Magendarmkatarrhen zeichnet sich das rein, natürliche „Franz-Josef"-Bitterwasser — des Morgens nüchtern etwas erwärmt getrunken — bei angenehmen Gebrauch durch sichere Wirkung aus.. sofortige Satisfaktion und im Tumult erklärte der Präsident des XX. Zionistenkongresses, M. M. U s s i s c h k 1 n, daß er die Worte Ben Gurions als Provokation betrachte. Ben Gurion, zur Rede gestellt, entwand sich der Verlegenheit dadurch, daß er erklärte, er habe nicht den Teilungsplan, sondern den Judenstaat gemeint. Selbstverständlich konnte diese gewundene Antwort die patriotischen Zionisten nicht befriedigen. KongreRsi'fzungen werden gefilmt Die Kongreßsitzungen, die öffentlich stattgefunden haben, sind gefilmt worden. Die palästinensische Film» gesellschaft „K ar m e 1 - F i 1 m" hat Mitarbeiter nach Zürich entsandt, die auch die weiteren öffentlichen Sitzungen des Kongresses aufnehmen werden. Die Aufnahmen wurden sofort mit Flugzeug nach Palästina weiterbefördert, so daß es möglich sein wird, noch in dieser Woche den Filmstreifen von der Eröffnungssitzung des Kongresses m den Kinos Palästinas zu zeigen, (J.T.A.J OrolSrnanns patriotischer Appell: Kämpft für den wahren Judenstaat! Samstag, den 7. August, hielt spät nachts in der dritten Sitzung des Kongreßplenums, das sich als Politische Kommission (nicht öffentlich) konstituiert hatte, Meir Gr o ß m a n n, der Vorsitzende der Judenstaatspartei, eine große Rede, in der er einersels vernichtende Kritik an der defätistischen Haltung der Exekutive übte und den Präsidenten Dr. Weltmann des Dlszipllnbrnches beschuldigte (siehe „Ein Brief, der alle» enthüllt*«, an an« derer Stelle der heutigen Ausgabe), andererseits positive Vorschläge zur Weiterführung des Kampfes um unsere Hechte machte. Großmann führte aus: „Die Hede Weizmanns war eine Rüokachau auf eine Chronik von Mißerfolgen, eine'Rede Weizmanns kontra Weizmann, voll von Enttäuschungen an den politischen Methoden, den Partnern, den1 Mitkämpfern. Wenn der Kongreß ebenfalls Rückschau hält und sich an die Perioden von 19J7 bis 1931 und von 1935 bis heute erinnert, wird er kaum einem Führer, der eben erst solohe Konzessionen gemacht hat, neue Vollmachten geben können. Erinnern Sie sich an den Kampf gegen Marmorek und n»D Restaurant Stefanie •» II, Taborstraße 12 Telephpn R>48*4*46 HUGO und JULIE HERLINGER, geb. Zollner Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl Reichhaltige Menüs von 1.60 aufwärts / Exakte Bedienung; Schöner! schqftiger Garten / Angenehmer Aufenthalt Nordau, gegen einen größeren Zionismus, gegen die Methoden von Brandeis, gegen die Konzeption de3 Judenstaatgedankens, denken Sie an das mißlungene Projekt der Jewish Agency, dann werden Sie das Gefühl haben, daß auch der heutige Rat ein schlechter ist. Lassen Sie sich,, auch nicht durch die grundlose Eilfertigkeit —' aüch das*' englische' Parlament-hat^sfoh nicht zu überstürztem - '■ ■ •' ' -■ 7 •.• ■ ' ■■-'v-"v ' ■>.■■:;••■ Vorgehen treiben lassen-^-'invdieses gefährliche Abenteuer;hnie1nhetzen! :^ 7? Die Schwierigkeit hei^tlnicht; Teilung oder nicht — . Sie besteht darin, ._4a4?>vir^j^ge^ssem Maße präjudi- ■' •;^>'/-'''V- O'M;^ Ich ha,be Grund, ^anzunehmen, daß ^Weizmann bereits im Prinzip ^eVt^^Ml^ng^pl^i zug^s^mfat hat. Während^ Beschlüsse^ g e g e h die "'tf eüüng *|efäßt-bürden* verhandelte Weizmann f ü r die -Teilung: Das ist eine doppelzüngige Politik Ob) sie vriun mit oder phnej1 Einverständnis' deranderen Mitglieder der Exekutive getrieben wird. DervPräsident geht ohne Erlaubnis des AC und des Kongresses zur Regierung und präjudiziert uns alle — ich beschuldige Weizmann eines schweren Disziplinbruches. Es ist wichtig, die Quelle aller dieser Ideen festzustellen. Ebenso* wie der Plan der Parität von Juden Deine besten Begleiter (. Reise u.Weekend sind die altbekannten C1 € C AI Feinwurst, und Selch- ClvCw% waren Spezialitäten Zentrale und Fostversand: Wien II, Boten« sterngasse 13 * ' stammt, stammt auch dieser Teilungsvorschlag von Jüdischer Seite, denn er ist nichts anderes als die Konsequenz des Prinzips der Parität. Seit Dr. Weizmann die Idee von der Parität ausgesprochen hat, ist auch der Gedanke von der Teilung in die Welt gesetzt worden. Parität ist politische Teilung, der Peelbericht bringt eine geographische Teilung — das ist der ganze Unterschied, Wir sind prinzipiell gegen den Tellungspian und zwar vom politischen, ökonomischen und moralischen Standpunkt aus. Wir haben kein moralisches Recht, im Namen des jüdischen Volkes auf einen Teil Eres Israels zu , verzichten, Aber abgesehen davon, ist die Teilung auch politisch und wirtschaftlich unmöglich. Auf dem letzten Kongreß sagte man, daß man Transjordanien braucht, weil Erez Israel westlich des Jordans für uns zu. klein ist. Wenn wir auf den Teiiungsplan eingehen, verzichten wir auch; auf unseren Aospruqh auf TransJordanien, Man ist mit einer neuen, Taktik gekommen — man verbreitet eine pessimistische Stimmung. Während man in der Zeit der prpsperity eine Hurrahatlmmung sohut und Illusionen verbreitete, weil es damals politisch in den Kram paßte,, erzählt man uns jetzt — wieder weil es politisch paßt —, daß wir niohts erreicht haben und niohts erreichen Können, Aus den Reden, die hier gehalten werden, könnte man ein ganzes antizionistisches Pamphlet herstellen und beweisen, daß das Experiment, das wir gemacht haben, nicht gelungen ist. Unsere' Partei hat eine andere Auffassung: Wir waren zur Zeit der Prosperity keine Optimisten und sind heute keine Pessimisten. Ihr übertreibt bewußt, Ihr verbreitet künstlich Pessimismus um vom Kongreß Zustimmung zu einem Weg zu erlangen, der viel leichter und bequemer ist als der Aufbau des wahren Judenstaates. Ich aber glaube, daß wir vorwärtsgekommen sind und viele Schwierigkeiten überwunden haben — der Peelbericht selbst ist ein gewaltiger Beweis dafür. In dem Moment, da eine neue Epoche .beginnt, da der Peelbericht die Judenstaatskonaeptlön' abnimmt, darf «an unsere Basis nicht verkleinern, sondern muß sie erweitern* Man muß die Arbeit unermüdlich auf politischem Gebiete fortsetzen, wie Man es früher getan Hut« W*« darf nicht auf die Liquidation eingehen, die hier vorgesehlagen wird, matt darf nicht zulassen» daß da» vom Völkerbund bestätigte und von 52 Staaten an-« erkannte Mandat aufgegeben wird. Gemäß den Besprechungen mit Dr. Weizmann hat die Regierung die Absicht, im Oktober 1P37 das Mandat aufzugeben. Was aber wird dann kommen'!. Soll man sich so der englischen Regierung in die Hand geben, ohne Aufsicht des Völkerbundes und ohne amerikanische Kontrolle? Ein wichtiges Argument, mit dem man hier für die Teilung eintritt, ist der Hinweia darauf, daß wir dann Ruhe und Frieden in Erez Israel haben werden. Von Ruhe und Frieden wird aber keine Rede sein. Es wird eine starke arabische Irredenta im Innern geben, auf den Bergen werden die Araber sitzen und in den Korridoren die Engländer. Der ganze Plan ist eine ebenso gefährliche Spekulation, wie es der Plan mit der Jewish Agency war. Ein Judenstaat ohne Inhalt ist eine leere Formel, wie es die Formel vom jüdischen Nationalheim war. Dieser Staat wird nicht unabhängig sein, er wird nicht nur ein Vasalenataat England gegenüber, sondern auch den Arabern gegenüber sein und überdies von den Juden in der Welt abhängig sein, denn allein wird er sich nicht halten können. Und wie, kann man einem neuen britischen Mandat zustimmen nach den Erfahrungen, die man gemacht hat? Das sind gefährliche Experimente, welche sehr schnell zum Zusammenbruch führen müssen. Uns hat man ausgelacht, als wir im Namen des größeren Zionismus sagten, man müsse warten, es sei ein längerer Prozeß, man dürfe sich nicht von den armen Juden vorwärtsstoßen lassen. Den Drang der Juden nach der Industrie hat man verspottet. Jetzt ist der Qualitätazionismua verschwunden und man redet im Namen der Judennot. Welche Not würdet Ihr lindern? Ich war in Polen, als die Nachricht'von den Beschlüssen der P^elkommission kam — die Juden tanzten vor Freude, und mir blutete das Herz. Es ist ein Phantom, eine Fata Morgana, die man dem durstigen. Wanderer in der WUste zeigt. Welche Judennot kann ein kleines, zerstückeltes, mit Steuern bc« lastetes Land lindern, welche Juden kann es einlassen t, Der Traum von Zürich, daß Warburg und Marahail uns zu Hilfe kommen werden, ist zerronnen. Wo sind stei wo ist ihre Hilfe, wo ist die Industrie? Und nun wird wieder in Zürich ein Traum geträumt. Auch der wird zer* rinnen und wird unter sioh die jüdisohnationale, dia zionistische Bewegung begraben. Man droht uns mit der Alternative, sagt, daß es ärger sein wird — was ist das für eine Drohung für ein Volk? Haben wir wirklich; schon die größten Anstrengungen für Erez Israel ge* macht? Und daß es uns schwer gemaoht wird, kann kein Grund sein für Liquidation und für Verzicht auf einen Teil von Erez Israel. Viele Jahre hat Welzniann die Bedeutung und die Kraft des jüdischen Volkes herabgesetzt, seine physische, moralische und finanzielle Kraft geleugnet. Er hat Uber die jüdischen Strategen gelacht und 'ist Uber die Nalewki- Juden hergefallen. Demgegenüber stand das Vertrauen Weizmanns und seiner Richtung zu seiner Kraft. Dieses Vertrauen aber hat Euch verlassen, heute hat Welzmann kein Vertrauen mehr zu sich selbst, er sagt, das Mandat werde nicht durchgeführt werden, England werde uns nicht helfen, unter diesen Umständen könnten wir die Bewegung nicht weiterführen,. Und nun frage ich; Wie könnt Ihr Vollmachten Männern Ubergeben, die kein Vertrauen zum jüdischen Volk, zu England, zu den großen internat|pnalen Körperschaften haben und kein Vertrauen zu sich selbst? Da stehen wir wie eine geschlagene Armee mit gc« sohlagenen Generälen, die bereit sind, zu liquidieren, große Teile des Landes abzutreten, ein gefährliches Experiment in Angriff zu nehmen. Man spricht hier im Namen der Einigkeit der Zionistischen Organisation. loh brauche keine / Beweise dafür zu erbringen, daß meine Freunde die größten Opfer für die Einigkeit der Zionistischen Organisation gebracht haben. Au,ch heute ist sie fUr uns der Judenstaat unterwegs. Wir sind für Einigkeit und gemeinsames Wollen, aber man muß fragen, wozu; um das Vaterland zu vertoldigen( um etwas zu erobern oder — um ein Land zu zerstückeln, auf einen Teil davon zu verzichten und die zionistische Bewegung zu zertrümmern? Einen solchen Weg werden wir nicht mitgehen! Wenn die »Einigkeit da sein soll für einen „Sulclde-Pact", wenn man der ganzen Welt dartun will, daß wir in Erez Israel ausgespielt haben, daß das Land das jüdische Problem nicht lösen kann, so sagen wir uns los von einer