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Die neue Welt · 1937-08-13 · Heft 680 (13.8.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 680 (13.8.1937)
Date
1937-08-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Eine widerspruchsvo ™. Universität,,,,-,,,,^ tek Wien, i. Preis 20 Groschen Freitag/ den 13« August 1937 II« Jahrgang N*. 680 >n V. b« b» Zeitung vom Verleger versendet »Journal expediö par l'editeur" DIE NEUE WELT R E VU E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN:.Oesterreich monatlich ö 1.40, vierteljährig S 4.—,. ganzjährig 3 16.—; Polen monatlich Zloty 1.80, vierteljährig Zloty 4.50; Tichechoriowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bumi&den monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei. 150.—; Deutsehland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die Übrigen ^Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit E bezeichnet ^Anzeigen sindentgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: lXtUniversitätsstr.8,7el.A-20-2~78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Eine ganze Woche vertan Nun hat sich endlich die Debatte, die von Mittwoch, den 4., bis Mittwoch, den 11. August, in nichtöffentlichen Sitzungen abgeführt wurde, zu einer Resolution Kristallisiert. 45 Redner brachten ihre Argumente vor, über 500 Delegierte und VIrilisten ließen die bisweilen heftigen Polemiken Uber sich ergehen, bis schließlich ein Ergebnis erzielt wurde, auf das sich die Kongreßmajorität wirklich nicht viel einbilden muß. Anfangs hatte es den Anschein, als würde der Präsident der Zionistischen Organisation alle seine politischen Widersacher Uberrennen. Denn es war ihm fast gelungen, die Elemente einer Tragödie — Mitleid (für sich) und Furcht (vor der Mandatarmacht) — so geschickt in den Kongreßsaal zu werfen, daß-man« nur noch von den starrsten und überzeugtesten Neinsagern ernsten Widerstand erwarten konnte. Allmählich' aber lichtete sich das Dunkel. Die versteckten Andeutungen Weizmanns, Eng-; land wolle das Mandat im kommenden Herbst aufgeben nn^lln «einem^hlck&tf^ : wurden durch die Meldungen aus G e n f . paralysiert, -wo1 ' gewissenhafte Männer der - Mandatskommission den- Weg' der Palästina-Regierung bis zum Ausbruch der Unruhen und die britischem Abwehrmaßnähmen prüften ■ und, wie man bisher erfuhr, ein vernichtendes - Urteil über den'. Wert der .englischen Mahdatsleistungen fällten. .! ' Die Zionistische Exekutive hatte ursprünglich. vom Kongreß die Vollmacht verlangt, mit London über eine r .Verbesserung des Teilungsplaris zu ,verhandeln.. Der Teilungsplan als solcher sollte die Verhandlungsbasis sein. Unter dem Druck der Neinsager, vornehmlich aber nachden Enthüllungen der „Kongreß-Tribüne der Judenstaatspartei", machten die Herren der Exekutive mit ihrem Führer Dr. Weizmann von ihren ^ursprünglichen Forderungen Abstriche, so daß im Grunde genommen von der erwarteten Blänko-Vollmacht nicht viel übrig blieb. Trotzdem darf man sich .von ' der endgültigen Resolutionsformel nicht täuschen lassen. Sie ist zwar mit großsprecherischen,: einen integralen Zionismus vortäuschenden Floskeln verbrämt, indem ,sie von der historischen Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina, von den verbrieften jüdischen Rechten, von der Ablehnung jeder Beeinträchtigung dieser Rechte erzählt, aber sie gibt immerhin dem müden, schwachen, anglophilen Präsidenten Welzmann die Möglichkeit, die in London bereits gesponnenen Fäden weiterzuspinnen und die zionistische Rechtsgrundlage zu unterminieren. Auch der künftige Kongreß, der endgültig entscheiden soll, vermöchte bei den gegebenen Machtverhältnissen nicht viel zu ändern, falls nicht bis dahin eine völlig neue innenzionistische Konstellation sich ergeben hat. Wir schrieben in unserer Ausgabe vom Freitag, den 23. Juli: „Was uns am betrübtesten macht, was "uns den ganzen Jammer der politischen Lage vor Augen führt, ist die Tatsache, daß der von der Linken und den ihr hörigen Allgemeinen usurpierte zionistische, wbhigemerkt, zionistische Kongreß das tun wird, was Weizmann wül; das tun, was Weizmann im englischen London versprochen hat." Unsere Voraussage hat; sich zum großen TeU* erfüllt. Der Kongreß hat Weizmann die Vollmacht zu Verhandlungen gegeben, wenn auch der Abschluß' dieser Verhandlungen ohne Korigreßbes'chluß nicht' möglich' ist. Aber der werden^ wird zweifellos der jüdischen Sache abiräglich sein. Wir verlangten in der gleichen. Äüsgähe eine einfache und kurze Prozedur, nämlich einen Antrag:, „Der 20. Zionistenkongreß steht nach wie vor auf dem' Boden' des Mandats und .anerkennt, keinen Pakt, der /eine Schmälerung des jüdischen Rechts auf Palästina be-, inhaltet." _ Auch diesem Vorschlag wurde genüge getan, aber, er. wurde gleichzeitig aufgehoben — durch den Passus, worin von der Vollmacht an die Exekutive; die Redeist. Und um dieses kargen und doch schmählichen Resultats wegen wurde eine Woche lang verhandelt, versuchten erwachsene Männer mit Bart und längen Hosen der jüdischen Welt, der Mandatarmacht und der Mandatskommission vorzumachen, daß nur derjenige Teil des Kongresses „dagegen" sei, der in seiner Blindheit nicht erkenne, daß das Heil vom Tellungsplän' komme. Eine ganze Woche wurde vertan. Zionistische Patrioten mußten ihr Herzblut, hergeben, damit das Aergste unmittelbar vermieden werde. Sie werden weiterhin so handeln, wie ihr Gewissen es ihnen gebietet. Er, der die Kinder Israels nach Kanaan geführt, will nicht, daß sie von ein paar Zufallsgrößen ins Verderben gestürzt werden. Oje Ja-Sager verfertigten: Eine widerspruchsvolle Resolution Aus Zürich wird gemeldet: In der öffentlichen Sitzung des XX. Zionistenkongresses am Mittwoch, den 11. August, kam es zur Abstimmung über den Plan der Schaffung eines Judenstaates in einem verkleinerten Palästina, wie dies im Beficht der Peel-Kommission' vorgesehen ist, beziehungsweise über Erteilung von Vollmachten an die- Exekutive, mit der englischen Regierung über eine Abänderung des Planes in Verhandlungen zu treten. Dem Kongreß lag eine Mehrheits- und eine Minderheitsresolution vor. Für die Mehrheitsresolution wurden 300 Stimmen, für die Minderheitsresolution 158 Stimmen abgegeben; 20 Delegierte enthielten sich der Stimmabgabe, 7 blieben der Sitzung fem. Der Text der Mehrheitsresolution, die von dem Kongreß angenommen wurde, lautet wörtlich: 1. Der XX. Zionistenkongreß bestätigt nochmals feierlich die historische Verknüpfung des jüdischen Volkes mit Palästina und ßeine unveräußerlichen Rechte auf sein Heimatland. 2. Der Kongreß nimmt Kenntnis von den Feststeillungen der Königlichen Palästina-Kommission in bezug auf folgende fundamentale Angelegenheiten:, erstens, daß der Hauptzweck des Mandates, Wie er in seiner Präambel und in seinen einzelnen Artikeln zum Ausdruck gebrächt ist, darin besteht, die Er-, richtung eines jüdischen Natiorialheims in Palästina zu fördern; zweitens, daß zur Zeit der B a 1 f o u r- Deklara'tion unter dem Gebiet, auf welchem-das jüdische Nationalheim errichtet werden sollte, das; ganze historische Palästina, Transjordanien eingeschlossen, verstanden wurde; drittens, daß in der Balfour-Deklaration die Möglichkeit der Entwicklung Palästinas zu einem Judenstaat einbegriffen war; viertens, daß die jüdische Kolonisation in Palästinader arabischen Bevölkerung wesentliche Vorteile gebracht und sich zum wirtschaftlichen Nutzen des ganzen arabischen Volkes ausgewirkt habe. 3. Der Kongreß lehnt die Behauptung der Königlichen Kommission ab, daß das Mandat sich als undurchführbar erwiesen habe, und verlangt seine völlige Durchführung. Der Kongreß beauftragt die Exekutive, sich jeder Verletzung der Rechte des jüdischen Volkes, die durch die Balfour- Deklaration und das Mandat international gerantiert sind, zu widersetzen. Der Kongreß weist die Schlußfolgerung der Königlichen Kommission zurück, daß die nationalen Bestrebungen des j ü d i s c h e n V o 1 k e s und die der Araber in Palästina nicht zu vereinigen seien. Die Haupthindernisse für eine solche Zusammenarbeit zwischen den beiden Völkern war die allgemeine Unsicherheit, die — wie dies auch in dem Bericht der Königlichen Kommission dargelegt ist — hinsichtlich' der Endabsicht der Mandatarregierung und infolge . der schwankenden Haltung der Palästina-Administration herrschte. All dies hat einen Mangel an Ver- . trauen in die Entschlossenheit und die Fähigkeit der Regierung) . 'das- Mandat durchzuführen, zur Folge; gehabt. ^^!' Der Kongreß bekräftigt ' bei dieser Gelegenheit neuerlich die Erklärung früherer Kongresse, in der idie Bere i? t s c h a f t d e s j ü d i s c h e n Volkes > zum Ausdruck 'kommt, mit 'der a r a bis che n Beivö lk er .u n g P a i ä s t inä;s' zu einer friedlichen Verständigung '.auf" .iäeV 'Grundläge gegenseitigert Verxstäftdhiäses für die Rechte und die Freiheit der Entwicklung beider Völker zu gelangen. , 4. Der Kongreß verurteilt die von der Kgl. Kommission als eine Politik zur Durchführung des Mandates vorgeschlagenen Palliativmaßna.hmen, als da sind: .Einschränkung der Einwanderung, Abgehen von der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit, Schließung gewisser Teile des Landes gegen jüdische Siedlung, Beschränkung des Bodenkaufsrechtes, usw. Diese Beschränkungen bedeuten eine Travestie des Mandates, sowie eine Verletzung internationaler Verpflichtungen und würden sich auf die Zukunft des jüdischen Nationalheims zerstörend auswirken. 5. Der Kongreß erhebt schärfsten Protest gegen den Beschluß der britischen Regierung, ein politisches Maximum für die jüdische Ei nwanderung in allen Kategorien für die nächsten 'acht Monate festzusetzen; durch diesen Beschluß wird das Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit gebrochen, die jüdischen Rechte und das nach dieser Richtung von der . Regierung Sr. Majestät wiederholt gegebene und vom Völkerbund bestätigte, Versprechen werden verletzt. 6. Der Kongreß erklärt den von der Kgl. Kömmission vorgeschlagenen Teilungsplan für unannehmbar. 7. Der Kongreß bevollmächtigt die Exekutive, in Verhandlungen einzutreten, um das genaueZiel der brit;ischen Regierun,g, betreffend . d.i e v o r ge sc h läge n e Er rieh tun g eines Judenstaates festzustellen. 8. Diese Verhandlungen der Exekutive sollen weder sie selbst; hoch die Zionistische Organisation binden. Sollte sich als Ergebnis der Verhandlungen ein definitiver Plan für die Errichtung eines jüdischen Staates kristallisieren, so soll dieser Plan vor einen rieugewählt eh Kongreß zur Erwägung •und Beschlußfassung gebracht werden. Stellungnahme der Wiener delegierten Aus Zürich wird uns unter dem 12. August telephoniert: Wie Ihr Korrespondent erfährt, haben die Wiener Delegierten des Weltverbandes Allgemeiner Zionisten (Gruppe B) gemeinsam mit der Judenstaatspartei, dem Misrachi, dem Haschomer-Hazair, einem Teil der A-Zionisten, einem Teil der amerikanischen Zionisten unter Führung von Stephen Wise und einigen Hadassa- Delegierten gegen den schmählichen Teilungsplan gestimmt. Von den Wiener zionistischen Delegierten hat lediglich Dr. Leopold Flaschkes (Weltvereinigung) für die Teilungsplan-Resolution gestimmt.

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