Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 679 (10.8.1937)
- Date
- 1937-08-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712304--6657-2720438- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. öf§ vom iÖ. August iÖSf DIE NEUE WELT Seite iL Die Angst vor dem Herrn und! (febfetcr (Wenn man die Rede Dr. Weiamanns, das gogenanfilSe politische Expose" Vom Afittwoch, den 4. August, mit wbM» wollender UnVörelngefiöfhmehlielt Höst, ohne Kenntnis der Dlhge, dlg sich unter Sölflef Aegldd abgespielt Hftben, bekömmt ihän den Eindruck, daß hier ein Mann gesprochen hat, dessen Lebenselement der Känipt Wär für s*eüie ÜeberzetigAinf, für die Ehirehseteung seiner £3 i n £ i c ft* 16 h in die Dinge: Öf. Waiffnann habe da« üfid jene* m AbläUf der englischen Administration Ifi Pälgdtinä gesehen, dessen Schädlichkeit erkannt und für dessen Abschaffung geltafflßft. E* tim Setoecitflöhe**», Schändliches gesellen und iiJ'äcciiäe" gerufen. Blööe Impression erhält itt&n bis zu der Stelle des BJtpeafei Wd Drj welatnann etwa* ausspricht, das ein et-» «tihütterfldes öfekenfttniß darstellt: „Ich bin Ml» meinem krltl-K-h^n Teil »tt Ende. Es Iftt vlellelcnt seftürfer ausgefallen, &1$ man es sonst von mir gewöhnt ist, aber aus mir sprach dei" Schmerz feines Menschen, der" zwtiftzig JaAfö gesctwdegeri hat." Df. WölÄffiafln Jiafiöte die Sünden des Regimes. Er kannte sie besser als wir alle. Er" bekam Bei jedem Kongreß die bittersten Vorwurfe atü höfeli, Er wurde von" der oppositionellen Fresse tind von Allen üiöHiStis'chen Patrioten alifs heftigste angegriffen. Aber er dchwieg. Wärurn schweigt Weidmann?, hieß es unzählfgemal. jet«t endlieh hät Weiartiänü gesprochen, mit scharfen WÖrtln, der Sdhmerz hftt ihm näch zwanzig Jahren die tippen geöffnet» . * . Was sagte Weizmann? was sagte er( schärfer Als Alan es sonst von ihm gewöhnt ist? Er erzählte die Geschiente der" englischen Widerstände gegen tieft zionistischen Aufbau Palästinas, zur Illustration insbesondere die zeit seit den Unruhen 1936. Wir wollen dem offiziellen Bericht folgen und einige bezeichnende Stellen aJitidren. Zuerst übef die Unruhen selbst: „Wie konnte England, wie konnten die englischen Prokonsuln (gemeint sind die Herten der Palästina-Administration «iit waueiiöge an der1 Spitze. Anmd, Red.) es dulden, daß ein Häuflein Menschen die ganze Macht des englischen Imperiums iü F'räge Stellt? Mir ist es bis heute ünVerständlißh Und die englische Welt ist wirklich sich und uns eine Erklärung schuldig, ich kann es mir vielleicht nur so erklären: Die Dinge in England werden nicht gemacht, sie gesehenen . ♦." Ueber die Haltung der Palästina-Regierung: „loh habe das Gefühl, daß die Palästina- Regierung ihr Bestes getan hat, um den Gegner (die arabischen AUfständler) zu überschätzen. Deswegen war das Leitmotiv uhSefer Aussagen, meiner Aussage vor der Kommission, daß es nie dazu hätte kommen dürfen, solche Zustände in Palästina hervorzurufen, nie, nie, nie!" Ueber das Mandat und dessen Erfüllung: „Heute sägt man, das Mandat sei ein schwieriges Instrument« Aber wir haben es nicht verfaßt. Nicht die JeWish Agency, sondern englische Staatsmänner haben das Mandat abgefaßt . . . Nicht das Mandat, das man heute zum Sündenbock macht, ist schuld. Schuld ist die Halbheit, die Schwäche, die Unsicherheit, die Zweifel derjenigen, die dazu berufen waren, das Mandat ruhig, mit Würde und Stärke durchzuführen. Die Kgl. Kommission selbst sagt: wäre man sogar am Anfang soweit gegangen, den Judenstaat zu proklamieren, so wäre alles wahrscheinlich leichter gewesen als in dieser Halbheit, in der wir diese ganzen' zwanzig Jahre gelebt haben." Und weiter:. Weizmann nennt die Verfügung der englischen Regierung, nur 8000 Einwanderer ins Land zu lassen, einen Bruch des Mandats! Er lehnt Lord Herbert Samuels Ratschlag, „daß wir den arabischen Nationalismus anerkennen sollen", - ab. Kurzum, es zeigt sich plötzlich ein neuer Weizmann. Wlrklioh ein neuer? Ein kämpferischer? Einer, der seine Fehler erkannt hat und bereut und von nun ab den Wünschen der englischen Re-' gierung die Notwendigkeiten des jüdischen Volkes entgegenstellen will? . . . Weizmann hat zwanzig Jahre lang geschwiegen. Er hat gesehen, was Iob ist — besser als wir, die außenstehenden Kritiker. Er hat mit Herbert Samuel zusammengearbeitet und ihn als guten Oberkommissär geschildert — dens^ben Herbert Samuel, der den zu fünfzehn Jahren Kerkers verurteilten el Hussein! zum Großmufti ernannt hat, denselben Herbert Samuel, der von allem Anfang an englisch-arabische Politik zuungunsten des Jüdischen Nationalheims machte. Weizmann hat gewußt, was das Herbert-Samuel-Regime bedeutet. Aber er hat geschwiegen. Ja, mehr noch: er hat befürwortet. Unter Welzmanns Aera verlor der Zionismus wertvolle Kräfte. Brandeis, ZangwiU wurden nervös, gingen. Und Max Nordau, Herzis Freund und Weggenosse, wurde beiseitegeschoben und starb im Winkel. Vergessen wir das nicht. Es kamen die .fürchterlichen Dinge im August 1929 und im Jahre 1930. Das jUdische Volk zitterte, Empörung und Wut überfiel uns alle, und Scham, daß der Präsident der Zionistischen Organisation au all den Ungeheuerlichkeiten nichts zu sagen hatte. Diplomatie? Taktik? Staatsmännische Weisheit? Welzmann schwieg. Er schwieg nicht bloß aus Unglauben. Aus Mangel an Vertrauen auf die große jüdische Sache. Er sob,wieg aus Angst vor dem Herrn Wtliifianns Mask« In Zürich Oroftoufim ipridit Aus Zürich wfrtf Uns1 Mofttftg, den P. AügüSt, telephsniertf * Im VeilÄttf öet politischen Debatte a« Samstag, den 7. August, nachte, sprach im Namen der JUdenstaatspartel Meir Großmann. Er legte wichtiges Tatsachenmaterial vor, woraus die krassen, daszionistt* sehe Endziel schädigenden Fehler der Exekutive hervorgingen, und zeigte, in welch unwürdiger Weise zionistische Persönlichkeiten, wie Nordau, Brandeis u. a., seitens der „das Erbe Herzis verwaltenden" zionistischen Führer be* handelt wurden. Er charakterisierte das vollständige Verflögen der sogenannten erweiterten „Je wish. Agency" und bemerkte hiebei, daß es ja auch Selbstmörder* klUbs gebe. Unter dem Eindruck der letzten Geschehnisse und iflebeSdhdere des Peel-Berichtes und des englischen Teilungsplanes sagte man, das Mandat sei nicht erfüllbar und es müsse daher der „J u d e n s t a a t" angenommen werden. Nach drei Jahren der Vorbereitung wird man, analog dem Mandatsfall, sagen, der „Judenstaat" ist nicht ausführbar und auch noch diese kleine Sache liquidieren. Ein großer Teil der Delegierten, auch solcher, Welche der Judenstaatspartei nicht nahestehen, nahm Großmanns Ausführungen mit ungeheurem Beifall auf. Knapp vor Blattschluß erhalten wir folgende telephonische Nachricht aus Zürich: Die 3. Ausgabe der „Kongreßtribüne der Judenstaatspartei" veröffentlicht ein Stimmungsbild über die Haltung Professor Weizmanns, der den Anschein erwecken will, daß er zur Zustimmung seiner Sensationelles Material über Weizmann und Ormsby-Gore dk HoHftefiUituke der Judenstaatspartei Zürich, im August 1937 Die ersten drei Nummern bereits erhältlich in der Administration der „Die Neue Welt«, Wien IX, Universitätsstraße Nr.8, Telephon A-20-2-78 Preis: Fünf Nummern 75 Groschen Vorschläge das "Votum des Kongresses benötige. Inzwischen hat, wie die „Kongreßtribüne" durch ihren Londoner Korrespondenten erfährt, Dr. Weizmann der englischen Regierung bereits im Juli seine Zustimmung zu den Vorschlägen erteilt, welche er dem Züricher Kongreß vorlegt. Der politische Korrespondent der „Kongreßt'ribüne" berichtet nämlich aus London: Aus ganz zuverlässiger Quelle erfahre ich Einzelheiten über die letzten Gespräche, die zwischen Professor Welzmann und dem Kolonialminister Ormsby- Gore stattgefunden haben. Diese Gespräche bildeten wahrscheinlich die Basis jener Informationen, die seinerzeit im „Haare/," und später im „Daily Herald" aus „gut informierten zionistischen Quellen" erschienen sind und die Bedingungen enthielten, unter welchen die Zionistische Organisation ihre Zustimmungzu den Teilungsplänen erteilen könnte. Im Verlaufe der Gespräche, welche die Stellung Prof. Weizmanns zum Bericht der Royal-Komraisslon beinhalte, sei von diesem eine Reihe von Fragen aufgerollt worden. Unter anderem rollte Prof. Weizmann folgende Fragen auf) 1. Prof. Weizmann behandelte die Empfehlung der Kommission, zwischen Tel-Aviv und Jaffa einen gemeinsamen arabisch-jüdischen Hafen zu errichten, der unter britischer Kontrolle stehen soll. Minister Ormsby-Gore betonte, daß dies bloß eine Ansicht der Kommission darstelle und es unsicher sei, ob diese Empfehlung aufrecht erhalten werde. 2. Was die Frage der „zeitweiligen Mandate" über vier Städte anlangt, gab der Kolonialminister zu, diesen Zustand möglichst rasch zu liquidieren. Eine Schwierigkeit besteht allerdings bezüglich der Stadt Akko, die eine besondere hlstorlsohe Verbundenheit mit England aufweist. Akko werde zweifellos die letzte Stadt sein, die England verlassen werde. Was Haifa anlangt, vertrete die britisohe Admiralität eine besondere Auffassimg bezügltcH der Bedeutung und Zukunft dieser Stadt. P*öf» Weizmann erwiderte darauf, daß er es für opportun hielte, in diesem Fall dlfe jüdischen Interessen durch einen direkten Vertrag mit der britischen Admiralität — ohne die Vermittlung der englischen Regierung — sicherzustellen. 3. Prof. Weizmann interpellierte Minister Ormsby-« Göte in der Frage der Zdlleinkünfte und über den an den arabischen Staat zu leistenden jährlichen Tribut. Er führte dabei äus, daß es für die Juden an-, nehmbarer erscheine, wenn dies durch einen direkten Vcr-» trag zwischen Arabern und Juden entschieden würde und" nicht auf Grund einer einseitigen Empfehlung der brltl* sehen Regierung zustande käme. Ormsby-Gore stimmte diesem Standpunkt zu. 4. Was die Einbeziehung der jüdischen Viertel Jerusalem« anlangt, meinte Minister Ormsby-Gore, daß es vielleicht möglich sein werde, diese Frage im Sinne der jüdischen Forderungen zu lösen, die er für gerechtfertigt halte. Unter dem Eindruck der sensationellen Nachricht ia der „Kongreßtribüne" interpellierte der Misrachi die Exekutive, ob die Unterredung Ormsby*Gore—Weizmannn richtig sei. Die Exekutive selbst hat bisher keine Antwort erteilt, wogegen Weizmann privat erklärte, daß das Gespräch stattgefunden habe. Ueberaus bezeichnend ist das Verhalten Ormsby- Gores in Genf. Auf die Frage eines Mitglieds der Mandatskommission, ob es Juden gebe, die für die Teilung seien, erklärte der engliBche Kolonienminister, er Werde in einigen Tagen in der Lage sein, die» zu beweisen. Diese Antwort hängt damit zusammen, daß Präsident Wei& mann mit Dr. Nahum Goldmann Dienstag, den 10. August, nach Genf reisen wollen, um der Mandatskommission, bzw. Herrn Ormsby-Gore die freudige Botschalt vom zustimmenden Votum der Kongreß majorität zu bringen. Die lärmenden Hakettkreiiiler Samstag, den 7. d. M., nachts, fanden Nazii. demonstrationen unter der Leitung reichsdeutschet Hakenkreuzler in Zürich statt. Die Demonstranten sangen das Horst-Wessel-Lied und „Deutschland, Deutschland Über alles". / Die Begrüßungsschreiben und die Vertreter der Diplomatie Unter den Begrüßungsschreiben und Telegrammen, die zu der Eröffnung des Kongresses eintrafen, befanden sich Kundgebungen des Generalsekretärs des Völkerbundes, M. Avenol, und des Direktors des Internationalen Arbeitsamtes, Butler. Herzliche Begrüßungen sandten auch die Interparlamentarische Union in Genf, der Verband der Quäcker u. a. Als Ehrengäste hatten an der Eröffnungssitzung des Kongresses der Präsident des Regierungsrates, des Kantos Zürich, Dr. O. Pf ister, der Staatspräsident Dr. Klöti, der Charge" d'affaires der Britischen Gesandtschaft, Mr. Allen, die Vertreter der Konsulate von Belgien, Bolivien, Costarica, Dänemark, Frankreich, Guatemala, Großbritannien, Jugoslawien, Litauen, Monaco, der Niederlande, Norwegen, Paraguay, Polen, Schweden, der Tschechoslowakei und der Vereinigten Staaten von Nordamerika sowie der Schweizerische Konsul in Tel-Aviv teilgenommen. Oesterreich war nicht vertreten. In der Tonhalle, wo die Eröffnungssitzung stattfand, hatte der Brith Harischonim („Bund der Ersten"), die Vereinigung der ältesten in Palästina ansässigen Zionisten, Anschläge angebracht, die den Appell an das jüdische Volk enthalten, - sich nicht der Verzweiflung zu überlassen und den Teilungsplan nicht anzunehmen. Bundeskanzler Schuschnigg besucht Sommerlager des Brit Trumpefdor Bundeskanzler Schuschnigg hat am 5. August in Begleitung seines Personaiadjutanten Oberst Bartl das Sommerlager des österreichischen Brit Trumpeid or in St. Gilgen besucht. Der Bundeskanzler nahm die Parade von 180 uniformierten Betarim ab, sprach einige Kinder an und ließ sich die Necivut (Landesleltung des Brit Trumpeldor) vorstellen, Nachdem er sich eingehend über die Lagertätigkeit informiert hatte, sprach Doktor Schuschnigg der Landesleitung seine Anerkennung über das Gesehene aus und wünschte ihr vollen Erfolg. (J.T.A.) und Gebieter. Vor der englischen Regierung. Vor den Vertretern des britischen Imperiums. Wenn er die Stiegen zu den Büros des Colonial Office hinaufging, war er kein Vertreter jüdischer Interessen mehr. Er war ein Ghettomensch, der nur ein Bemühen kannte; der eng« lischen Mentalität gerecht zu werden. Die Situation war stets „safisfactory". Die Hauptsache: Man darf den Herrn und Gebieter nicht aufregen. In der Sprache des einfachen Mannes heißt das: Mojrefordempuretz. Diese mojre Haben wir teuer bezahlt. Und wieder kommt der Augenblick, wo der Präsident der Zionistischen Organisation vor den puretz treten soll. Die starken Worte Weizmanns im Anfang seines politischen Referats sind nur eine kämpferische Attrappe. Mannesmut vor Delegierten. In Genf und London will wieder der Mann in Aktion treten, der zwanzig Jahre geschwiegen hat. Weizmann verlangt vom Kongreß die Vollmacht zu Verhandhingen mit dem puretz. Einem Mann, der zwanzig Jahre lang aus moire vor dem puretz geschwiegen hat, darf man die Vollmacht nicht geben*