Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 679 (10.8.1937)
- Date
- 1937-08-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIB NEUE WELT Nr. 679 vom 10. August 193T llssisdikin gegen Weizmanns Unglauben Glühender jüdischer Patriotismus Die Rede, die M. M. Ussischkin als Antwort auf Weizmanns politisches Referat hielt, zeigte den alten Kämpfer in ungebrochener Kraft. Ussischkin erwies sich als Mann von Größe und Mut, als echter Verwalter Herzischen Geistes. Er sagte u. a.: Mit gespannter Aufmerksamkeit bin ich heute der Rede Dr. Weizmanns gefolgt; mit der gleichen Aufmerksamkeit folgten dieser Rede nicht allein der Kongreß, sondern auch die Zionisten und Juden in der ganzen Welt und gewiß auch unsere Gegner. Ich würde mich glücklich preisen, könnte ich all das, was Weizmann gesagt hat, unterschreiben und „ja" dazu sagen; ich fühle mich jedoch, auch gegenüber meinem Volke, verpflichtet, zu sagen, was ich muß, und nicht, was ich will. We!7mar,n hat uns die Geschichte unserer Martyriologie in den letzten zwanzig Jahren erzählt, aber nur einen Bruchteil dieser Martyriologie. Im Bewußtsein der großen Verantwortimg, die auf seinen Schultern lastet, glaubte er, über vieles mit Schweigen hinweggehen zu müssen; so verschwieg er die ungeheuren Leiden, die uns die Palästina-Administration zugefügt hat. Weizmann war Werbei von den besten Absichtein zum Besten seines Volkes feleitet, das Leben hat aber gezeigt, daß er, jetzt wie bei früheren Gelegenheiten, einen falschen Weg gegangen ist. Als ich 1920 nach Jerusalem als Vorsitzender des Waad-hazirim kam, sagte ich Weizmann, der damals dort weilte, die Administration sei gegen uns und wir dürfen das nicht verschweigen. Weizitnann antwortete mir: „Sie sind und bleiben der russische Jude, der der Regierung mit Mißtrauen begegnet." Auf dem Kongreß in Karlsbad schilderte ich Weizmann die Hindernisse, die die Administration vms in den Weg legt, und unterbreitete ihm einen Plan, wie wir aus der Klemme herauskommen könnten. Weizmann antwortete, die Tatsachen, die ich vorgebracht habe, seien richtig, dennoch könne er die von mir vorgeschlagene Aktion gegen die Regierung nicht akzeptieren. Damals verließ ich die Exekutive. Seitdem sind 14 Jahre verflossen. Heute erst hat Weizmann in der ihn kennzeichnenden vornehmen Art sein großes „Ich klage an" gegen die Palästina-Administration gesprochen. Das ist nicht genug. Wir müssen einen Schritt weiter gehen. Ich für meinen Teil bin nicht in der Lage, zwischen der Administration in Jerusalem und der Regierung in London, dem Colonial Office, zu unterscheiden. Daß eine solche Unterscheidung von Grund aus falsch wäre, beweist der Bericht der Kgl. Kommission, der der schärfste Anklageakt gegen die Regierung ist. Beim Lesen dieses Berichtes kam mir eine Episode aus der Geschichte des Mittelalters in Deutschland in Erinnerung. In einer deutschen Stadt hatte ein Christ einen Stein nacheinem Juden geworfen, der Jude bückte sich, und der Stein traf nicht seinen Kopf, sondern fiel in den Laden eines Christen und richtete dort Schaden an. Das Gericht verurteilte den Juden zum Ersatz des Schadens mit der Begründung, daß der Schaden dadurch entstand, daß er nicht seinen Kopf zum Ziel bot. Nach einer Erfahrung von zwanzig Jahren, nach vier Pogromen, die viel junges jüdisches Leben und viel jüdisches Hab und Gut vernichtet haben, lesen wir in dem Bericht der Kgl. Kommission das Geständnis, daß die Administration genau so urteilt wie das mittelalterliche Gericht in Deutschland: Der Jude muß zahlen, weil er seinen Kopf nicht dem Steinwurf zum Ziel geboten hat. Wie aber sieht das Urteil der Kgl. Kommission aus? Sie schlägt vor: Entweder sollen die Juden erdrosselt oder das Land zerrissen werden. Ich frage: Für welches Verbrechen? Wir alle wissen: Unser Land ist nicht groß. Auch innerhalb seiner historischen Grenzen, die Transjordanien einschließen, werden nicht alle Juden in der Galuth Platz finden. Aber dieses kleine Land ist unser Land. Nie in unserer Geschichte, auch in den schwersten Zeiten nicht, haben wir unsere Hoffnung auf das Land aufgegeben; auch nicht in den Zeiten Abdul Hamids und Dschemal Paschas. Ich lehne Weizmanns Taktik ab, der Welt zu sagen, daß wir klein und arm sind; wir haben genug Kräfte, die wir aktivieren können. Die siebzehn Millionen Juden in der Welt sind unser Kräftereservoir. Ich bin unseres Sieges vollkommen sicher. Ungeachtet ' des Berichtes der Kgl. Kommission wird die Entscheidung über unsere Zukunft und unser Land nicht in London oder Genf fallen. ' Der Prager Kongreß im Jahre 1933 hat fast einstimmig die vorgeschlagene Formulierung des Endziels des Zionismus als das Streben, den Judenstaat in Palästina zu errichten, abgelehnt. Wir hielten es damals nicht für angemessen, das Ziel unserer Bewegung zu deklarieren. Heute aber, vierzig Jahre nach Herzls Kongreß und vier Jahre nach dem Prager Kongreß, bietet uns eine Großmacht den Judenstaat, aber nicht den Judenstadt, den Herzl wollte, sondern nur die Farce eines Judenstaates. Darauf müssen wir antworten: Das jüdische Volk will den Judenstaat nicht als Schild, sondern, um in sein . Land zurückkehren zu können! Das Volk wird niemals auch nur auf ein kleinstes Stück seines Lande? Verzieht leisten. Es will das Land in seinen historischen Grenzen haben, wie ihm das im Mandat versprochen worden war. Es ist unsere moralische Pflicht, das der ganzen Welt offen und ehrlich zti sagen: dem jüdischen Volk, der arabischen und der christlichen Welt. Wir werden auch nicht einen einzigen Araber aus dem Lande verdrängen. Wir fordern nur in unserem Land die Rechte einer Nation; die Araber werden volle Bürgerrechte genießen. Es ist weder ethisch, noch moralisch, wenn ein Volk kolossale Territorien besitzt, das zweite aber nichts; daß ein Volk über Dutzende Millionen Dunam Boden verfügt, die es nicht kultiviert, das Zweite Volk aber gar keinen Boden hat. Dennoch will man uns jetzt unser kleines Land nehmen. Lieber Dr. Weizmann und ihr Delegierte des Kongresses, wollt ihr unserem Traum entsagen? Wenn ihr das nicht wollt und dennoch anders beschließt, so handelt ihr falsch vor euch selbst und vor der Welt. Wenn unsere Kinder ' weiterhin lernen, daß Jerusalem und Hebron unsere Heiligen Stätten sind und daß jenseits des Jordan unsere Helden gewirkt haben, so wird kein Abkommen über Teilung etwas nützen.. Die Araber sind nicht so dumm, um es euch zu glauben. Nein, das ist nicht der Weg! (Lo se hu haderech.) Das Prinzip des Judenstaates akzeptiere icri, von diesem Punkt angefangen, aber scheiden sich unsere Wege. » Im Namen einer sehr großen Zahl Delegierter " ~ erkläre ich, daß wir auf die Forderung von Doktor Weizmann, der Exekutive Vollmächt zu geben, über das Teiiungsprojekt zu verhandeln, mit einem „Nein" antworten. Die Hand, die sich an den Strömen Babylons zum Schwur erhob, wird an den Ufern der Themse den Schwur nicht brechen.- Euch, polnische Juden, Realisten, bitte ich: Unbeschadet dessen, daß ihr so sehr die Zertifikate braucht, laßt euch nicht in einen Schacher ein, es gibt keinen Schacher-Zionismus. Ihr habt Angst, daß man. uns im Falle der Ablehnung nur 8000 Zertifikate, für acht Monate gibt? Kein Grund zur Angst! Haben euch die vier Pogrome in Palästina erschreekt? Müssen wir das Gift nehmen, welches uns in dem goldenen Becher ,;Judenstaat" gereicht wird? Nein, fürchten wir uns nicht! Wir wollen es den Engländern, den Arabern, der ganzen Welt sagen: Das ganze Land Israel gehört uns — von Dan bis Beerscheba,, vom Mittelmeer bis zum Roten Meer. Das sind unsere Grenzen. Konjunkturen, kommen und gehen, eine Rechtsforderung aber bleibt. Und unsere Forderung heißt: Erfüllet das Mandat! (Stürmischer Beifall seitens aller patriotischen Zionisten.). KINO'PROGR AMME $ CHIVEDEN Vonl0Uhrvorm-bls6uhrabends mmh Lebende Zeitung A 49 0 60 Nur 7,7 und 9 Uhr abends Metro-Goldwyn-Mayer- Festspiele Paul Muni, Luise Rainer, THIy Losch Vorverkauf für die nächsten 7 Tage täglich ab Ys 3.0 Uhr vormittags ununterbrochen A mk Sute Erde« DU foUd hocU Basel Zur Erinnerung an den 'I. Zionistenkongreß, der vor JfO Jahren im großen Musiksaal des Baseler Stadt' kasinos abgehalten wurde, haben sich die Delegierten des XX. Zionistenkongresses Sonntag, den 8. August, vo» Zürich nach Basel begeben, um Theodor Herzl, dem 17«- sterblichen, an der Stätte seines ersten öffentlichen Auf' tretens zu huldigen. Die Baseler „Nationalzeitung" vom 8. August ehrt das Andenken Herzls und begrüßt die Delegierten 'mit /oZgenden Worten: . „Die Oeschichte der jüdischen Renaissance ist mit dem Namen Basels, wo neunmal die Zionistenkongress$ ihre Tagungen abhielten, eng verbunden. In unserer Stadtrepublik hat man Verständnis und Sympathie für das Streben eines bedrängten Volkes nach staatlicher . Unabhängigkeit. Die zionistischen Gäste, und unter ihnen insbesondere die . Veteranen des ersten Kon» '. gresses, .werden in. Basel nicht .nur Rückschau halten - und den bisherigen Weg messen, sondern auch an die stürmische Gegenwart denken und an die Aufgaben, die sie der zweiten Generation der Zionisten. stellt. Diese Besinnung wird ihnen durch Herzls und Nordaus vorausschauende und vorwegnehmende. Lehren er' . leichtert. Die Kongreßdelegierten seien an diesem, historischen Tage auf Baseler Boden willkommen geheißen!" . # . r M, M. Ussischkin und Präsident Dr. Oh. W ei z mann gedachten in- Ansprachen des großen Toten. Bei Hartleibigkeit entleert und desinfiziert ein Glas natürliches „Franz-Josef "-Bitterwasser,, des Morgens auf nüchternen Magen genommen, den Nahrungskanal und regelt hiebei die Darmtätigkeit, stärkt den Magen, verbessert das Blut, beruhigt die Nerven und schafft so allgemeines Wohlbefinden und klaren Kopf. Es wird ärztlich bestens empfohlen e Erpressungsversudi am Jisdiuv Aus Jerusalem meldet die J. T. A;: Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, wird , von. der Palästina-Regierung bereits der Entwurf einer Verordnung ausgearbeitet, durch die die11. Palliativmaßnahmen des Berichtes der Kgl. Kommission zur Einschränkung der jüdischen Einwanderung durchgeführt werden sollen. Nach der neuen Verordnung sollen die Einwanderer mit eigenem Kapital von mindestens 1000 Pfund in Zukunft die Einwanderungsgenehmigung direkt bei dejr Palästina-Regierung beantragen müsseh, die Einwanderer-Kategorien der Handwerker und Intellektuellen mit geringerem Kapital werden abgeschafft. Die politische Höchstgrenze der Einwanderung pro Monat beträgt SCUiepMfinn $>ie befte, bic güttfitgfte ^aufgelegenfjett fces Jahres! greife — roie noeft nie? Damen-Kniestrümpfe, Kunstseide oder Seidenflor, 2. Wahl, Herren-Noppen-Kniestrümpfe, Gummizug, oder Damen-Charmeuse-Netzhöschen . . . nur Groschen Charmeuse-Kleider, graue Wickelschoßen, Reinseide - Imprime - Kleider, Noppen- Sclmfwoll-Badeanzüge . . . . nur S Regenmäntel, Einzelstücke, Mongol- oder Flamisol-Kleider, Einzelstücke, K.-S.- Pique-Westenblusen, K.-Selden-Imprime- Kleider, Noppen-Sportkleider , nur S Itelnselde-Georgette-KleMer, Zephir-Dirndl mit Bluse und Schürze, (dreiteilig), Pique-Imprimß-Kleider . . . . nur S JVfongol-Imprim6-Klelder oder K.-Seiden-FIamisol-Kleider . . . nur S Taffet-Schotten-Dlrndl mit Etaminbluse jetzt S »Sonnengold-Imprimö-Kleider oder Trachtenkostüme, grün geputzt nur S K.-S.-Cloqu6-Kostüm, Schoß und Jacke jetzt S 190 3.00 6.90 9.80 12.90 14.90 19.- Taborstraße 48 S)ic größten Schlaget — bie hleinfteu greife! 1000 Personen und auch diese Quote kann . herabgesetzt werden, wenn sie die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit übersteigt. Die Verordnung sieht auch eine Abänderung der Pal es tine-Or.de r in Council vor. Es heißt, daß auch Bestimmungen über die Einschränkung des Rechtes der Juden, Boden zu erwerben, vorbereitet werden. ... Antijüdische Ausschreitungen in Deutsch-Oberschlesien Aus Warschau: Aus B e u t J> e h,' der Hauptstadt Deutsch-Oberschlesiens, treffen Nachrichten über schwere antijüdische Ausschreitungen ein, die sich dort in den letzten Tagen ereignet habend Die Exzesse setzten gleich nach Ablauf der Genfer Konvention ein, Hakenkreuzju.geud demolierte mehrere jüdische Geschäfte und beschädigte auch die Ortssynagoge. Die Exzedenten forderten die jüdische Bevölkerung auf, aus dem Bezirk von Oppeln auszuwandern. ( J. T. A.) Eigentümer, Verleger, Herausgeber: Oberbaurat Robert Stricker. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kqlb. — Druck: Druckerei- und, VerlagSTA.fG. Ignaz . S^telnmann, alle Wien, IX,, Universitätsstraß0" 6*8;