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Die neue Welt · 1937-08-06 · Heft 678 (6.8.1937) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 678 (6.8.1937)
Date
1937-08-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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' Nr. 67« vom 6. August 1637 DIE NEUE WELT « Seite 7 klärungen, in denen sie ihren früheren religiösen Anschauungen abschworen. Auch zwischen sich und den verfolgten Z i o n i s t e n bemühten sich die Rabbiner, einen Trennungsstrich zu ziehen. Und dies alles, obgleich die eigentliche Verfolgung der Rabbiner noch gar nicht begonnen hatte. Erst später wurden viele von ihnen gefangengenommen und blieben auch in Gsfangenschaft. Die größte Widerstandskraft bewiesen die C h a s s i d i m. Sie stärkten ihre moralische Position geradezu während der bolschewistischen Herrschaft. Ihre Organiation bewahrte Disziplin und Mut. Sie sandten ihre Getreuen in alle Städte, scheuten keinen Kampf und setzten überall, auch in Orten, wo berühmte Rabbiner amtierten, ihren eigenen Rabbiner und Schochet ein. Es gelang ihnen, in heftigen Kämpfen beim Freiwerden des Rabbinerpostens in mehreren wichtigen Gemeinden ihre Kandidaten durchzusetzen." Man sieht, daß sogar im freigeistigen Sowjetrußland, inmitten der schonungslos durchgeführten Gottlosenbewegung, die Juden, die jungen und die alten, das Bedürfnis haben, die religiöse Lebensführung fortzusetzen, daß religiöse Tradition für sie wichtigstes Erbgut bedeutet. Aber unsere Herren Linken in Palästina und Chuz l'aarez, also auch bei uns, kokettieren mit Phrasen von Gewissenszwang und weltlicher Lebensauffassung, ohne zu ahnen, daß die sowjetrussischen Juden das bißchen Jüdischheit, das geblieben ist, ausschließlich der religiös-traditionellen Lebensführung zu verdanken haben. Die IL Wellkonferenz der polnischen Juden im Ausland Von Dr. J, Taubes (Amsterdam) Nach Beendigung des Züricher Zionistenkongresses wird «die II. Weltkonferenz des Weltverbandes polnischer Juden im Ausland vom 22. bis 25. August in Antwerpen tagen. Die bestehenden ostjüdischen, bzw. polnisch-jüdischen Organisationen in den Ländern Amerika, Argentinien, Kanada, Mexiko, Brasilien, Palästina, Südafrika, England, Frankreich, Deutschland, Belgien; Holland, Luxemburg, Oesterreich, der Schweiz und der Tschechoslowakei haben ihre Teilnahme bereits zugesagt. Die bisherigen Vorbereitungen lassen schließen, däß diese Weltkonferenz ihr Hauptgewicht auf die rein praktische Arbeit legen wird. ..,.(.- Der. Gedanke des stärkeren organisatorischen; Zusammenschlusses dieser Vereine zu einem „Weltverband" entstand auf der IV. Reichskonferenz der ostjüdischen Verbände in Hannover 1931. Der politische Umbruch in Deutschland hat diese Frage nur zurückgestellt, und im September 1935 wurde bei einer Teilnahme von 76 Delegierten aus 16 Ländern der „Weltverband der polnischen Juden im Ausland" mit drei Exekutivabteilungen in New York, Palästina und Europa gegründet. Dieser apolitische und überparteiische Weltverband steht vor der Frage: Wie verschafft man den polnischen Juden bei der jüdischen und nichtjüdischen Umwelt Recht und Ansehen, wie schafft und stärkt man wirtschaftliche Positionen, wie schützt man polnische Juden in den west-. liehen Ländern Europas vor den starken Assimilierungstendenzen, wie wirkt man helfend unseren Brüdern in Polen, wie erhält man die stete Verbundenheit mit Erez Israel, wie beeinflußt man die Auswanderungstendenzen der polnischen Juden? Die Erledigung dieser Fragen bildet den Inhalt der im Ausland befindlichen' jüdischpolnischen Organisationen. Der vor zwei Jahren gegründete „W e 11 v e rband" bemühte sich von Haus aus, die Organisation zu konsolidieren und in jenen Punkten, wo noch keine Ortsgruppen bestanden, solche zu schaffen und sie dem Weltverband anzugliedern. Es ist auch den drei Exekütivabteilungen gelungen, die Organisation zu festigen und in manchen Ländern sogar der maßgebende Faktor im jüdischen Leben zu werden. Selbstverständlich darf das Schicksal unserer Brüder in Polen dem Weltverband nicht gleichgültig sein, zumal der Weitverband so viel Juden im Ausland repräsentiert, wie viel Juden in Polen leben. Wenn auch dem Weltverband nicht nur polnische Staatsangehörige allein augehören (in vielen Ländern überwiegt nämlich die Staatsbürgerschaft der jetzigen Domizilländer), so besteht doch eine starke Verbundenheit mit den polnischen Landen. Es kann aber auch dem polnischen Staate das Verhalten des Verbandes den sich in Polen abspielenden Ereignissen gegenüber nicht gleichgültig sein. Es ist klar, daß jede konstruktive Arbeit in' Polen nur in einer freund- KINDERPENSION ,AUSTRIA< OLGA KADISCH BAD VÖSLAU, SCHUBERTPLATZ 3 TELEPHON 141 Erstklassige Verplegung, pädagogische Leitung:, individuelle, liebevolle Behandlung, beste Erfolge bei schlecht essenden Kindern. Hofmeister, Kindergärtnerin, Lehrerin im Hause, Musik. Sport. Kein Massenbetrieb. Ganzjährig SCUlßCMßlliv Beispiele der Wunderpreise: Damen-Kniestrümpfe, Kunstseide oder Seidenflor, 2. 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Regierüng und dem polnischen Judentum erfolgen kann. Wie ein goldener Faden zieht sich der Glaube an das freiheitsliebende polnische Volk, das 140 Jahre in Knechtschaft lebte und das mit der Wiedererlangung der polnischen Staatlichkeit den Juden die volle Gleichberechtigung zu erfüllen versprach. Wir wissen und stellen mit Genugtuung fest, daß nicht das ganze polnische Volk sich den judenhetzerischen Tendenzen hingibt, die zu einer permanenten Pogromstimmmung führen. Die wirtschaftliche Lage der jüdischen Bevöikeruug ist eng verknüpft mit der wirtschaftlichen Lage und der Wirtschaftspolitik des Staates. Die Anregung, den Boden, auf dem die Juden seit tausend Jahren leben und an dessen wirtschaftlicher und kultureller Entwicklung sie generationenlang mitgewirkt haben, zu verlassen, um anderen Platz zu machen, kann nicht akzeptiert werden. Polen ist zu Minderheitenschutz durch den Vertrag vom 28. Juni 1919 völkerrechtlich verpflichtet. Die Rechtslage der Juden als Minoritätsvolk, die sich bei der amtlichen Zählung zu 80 Prozent zur jüdischen Nationalität bekannt haben, beruht auf den Artikeln 95, 96, 109, 110 der polnischen Verfassung vom 17. März 1921 mit Berücksichtigung der Verfassungsänderungen vom 2. August 1926" und 16. Juni 1935. Diese Artikel sichern „allen ohne Unterschied der Herkunft, Nationalität, Sprache, Rasse oder Religion vollen Schutz des Lebens, Stilen Sie feie hurje Stift - Kaufen Sic, nxts gut uitb uncrDört bilüfl ift! £>ie gröfeten (Sdjlager — Me fcletnfteu greife! der Freiheit und des Eigentums zu". Die letzten traurigen Ereignisse in Polen bedeuten einen eklatanten Verfassungsbruch, da sich die Regierung berechtigt fühlt, die Juden aus dem polnischen Wirtschaftsleben auszuschalten und der permanenten Pogromstimmung nicht Positives entgegenstellt. Die wichtigsten Zweige der Industrie sind für die jüdischen Arbeiter geschlossen, der systematische wirtschaftliche Ausstoßungsprozeß wird durch die polnischen Magistrate und durch die Monopolwirtschaftspolitik der Regierung betrieben, der organisierte Boykott erschüttert die Grundfesten des jüdischen Lebens. Dl« 3,2 Millionen Juden in Polen werden in ein ökonomisches Ghe t t.o verdrängt. Die beispiellose Verarmung und Deklassierung nimmt erschreckende Formen an. Der Weltverband, der bei der Ausschaltung jeder parteipolitischen Tendenz die Parole der sozialkonstruktiven Hilfe verfolgt, wird naturgemäß zu dieser Situation Stellung nehmen müssen und versuchen, gemeinsam mit anderen jüdischen Organisationen die Not der Juden in Polen zu lindern. In manchen Ländern Westeuropas, speziell dort, wo die junge jüdische Emigration dynamische Kraft bekommen hat, wird der iWeltverband als „verkappte zionistische Vorstoßtruppe" bezeichnet. Der Weltverband vertritt die Idee des „überparteilichen jüdischen Nationalismus, und er hat Platz für alle Schattierungen des Judentums, die auf dem Boden des positiven jüdischen Lebens stehen. Ostjuden tum ist kein Programm, ist nur eine Aufgabe, die in den westlichen Ländern erfüllt werden soll! Die diesjährige Konferenz wird auf Grund von zwei Referaten, die von palästinensischen Delegierten gehalten werden (Palästina entsendet acht Delegierte)., zur Frage der Auswirkung palästinensischer Institutionen auf die Emigration der polnischen Juden nach Erez Stellung nehmen. Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes)' Frankreich: Roman eines Schwindlers — Die Perlen der Krone — Der geliebte Vagabund — La belle Equipe — Menschen unter Menschen — Liebe macht blind — Die rote Robe. Amerika: Die Insel ohne Sünde!— Kopf in der Schlinge — Drei kleine Gangster — Hochverrat — Sonnenmädel — Motiv unbekannt — Verfluchtes Gold — Es geschah zu Silvester — Golddiggers 1937 — Safari — Hokuspokus — Liebe nicht genügend — Susy — Held von Texas — Die gute Erde — Drei süße Mädels — Der Jazz- Kadett — Mord im Opernhaus. Filme unter Arierparagraph Zurück in die Heimat — Die ganz großen Torheiten — Amtsschimmel — Entführung an der Riviera — Schwindeln ist keine Sünd'... — Etappenhase — Ich bleib' nicht Junggeselle -— Die Göttliche — Das Mädel vom Ballett — Abenteuer in Lissabon — Heiratsinstitut Ida Wüst & Co. — Wie der Hase läuft — Die un-erhörte Frau — Der lustige WitwenbaÜ '-r*- Stärker als Paragraphen — Die graue Dame — Das große und das kleine Glück' —■ Millionäre. _ AUS ALLER WELT IS fahre Zuchthaus für Reuben Sdienxwit Aus Jerusalem: Der am 12. Juli begonnene Prozeß gegen den, Tel-Aviver Grundstückmakler Reuben Schenzwit, der der Ermordung seines früheren Geschäf tskompagnona ing, Jakob Z w. a n g e r angeklagt ,w.ar, endete heute mit der Schuldigsprechung Schenzwits und seiner Verurteilung zu 15 Jahren Kerkers. Den Vorsitz führte der Oberstrichter Trusted. Schenzwit erklärte sich nicht schuldig. Ueber den Prozeßverlauf wird noch berichtet werden. Kongreß des Jüdischen Jugendverbandes Skandinaviens Am 26. Juli wurde in Kopenhagen der Kongreß des Jüdischen. Jugendverbandes Skandinaviens,, dem die meisten jüdischen Jugendvereine in Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland angehören, feierlich eröffnet. Auf der Tagesordnung das Kongresses steht der vom Pariser Verband angeregte Plan der Schaffung eirtes Weltverbandes der jüdischan Jugend. In ■ der Eröffnungssitzung hielt der als Gast anwesende Oberrabbiner von > Hamburg, Dr. Josef Carlebach, einen Vortrag, über „Die Aelteren und die Jüngeren — Juden in Ost und West", in dem er für eine Annäherung <M

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