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Die neue Welt · 1937-08-06 · Heft 678 (6.8.1937) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 678 (6.8.1937)
Date
1937-08-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 678 vom 6. August 1937 die neue WEI/T Seite 5 1 Rund um den Kongreß Von innen her! Aus Zürich wird gemeldet: Atif der 14, Misrachi-Weitkonfercnz ist eine Debatte über die politischen Hauptprobleme des Zionismus im Gänge. t)er Misrachi-Führer Rabbiner Dr. N u r o k erklärte einem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur, er sei der Ansicht, daß die politische Repräsentanz der Jewish Agency sowohl in Genf als auch in London verstärkt werden müsse. Der Kongreß dürfe der Exekutive ftit ihre Verhandlungen keine Blanko-Vollmacht geben. E* wäre notwendig, daß sich der Kongreß in Permanenz erklärt, solange der gegenwärtige „Kriegszustand" nicht beendet ist. Der Misrachi, fuhr Rabbiner Nurok fort, werde auch bei Annahme des Teilungsplanes durch den Kongreß nicht aus der Organisation ausscheiden, sondern von innen her (?) gegen diesen Beschluß kämpfen. Sollte der, jüdische Staat Wirklichkeit werden, dann werde man daran gehen müssen, eine Versammlung der Thora* größch einzuberufen, die gewisse mit dem Staatsbegriff verbundene Probleme zu lösen hätte. Einigung mit den Revisionisten Der Misrachi-Weltverband hat an den Vorsitzenden des Aktions-Komitees, M. M. Ussischkin, die Aufforderung gerichtet, auf die Tagesordnung der am Montag begonnenen Sitzung des Aktions-Komitees die Frage der Einigung mit den Revisionisten zu setzen. Möglichkeit einer jüdisch-arabischen Aussprache in Genf Aus Genf: Manche zionistische Kreise glauben, daß die Möglichkeit besteht, in Genf eine Aussprache zwischen den Mitgliedern der j ü di s c h e n und arabischen Delegationen, die dort anläßlich der Tagung der Mandatskommission eingetroffen sind, herbeizuführen. Die Besprechungen sollen in zwangsloser Form erfolgen und einem Meinungsaustausch über die allgemeine Lage. in Palästina gewidmet sein. Es. ist aber nicht ausgeschlossen, daß diese Besprechungen zu präziseren Verhandlungen zwischen den beiden Parteien führen könnten. Irak-Außenminister zur Unterstützung der Araber nach Genf Aus Bagdad: Die irakische Regierung * beschloß, eine offizielle Abordnung unter Führung des Außenministers AI Asil nach Genf zu entsenden, um die arabischen Forderungen während der dortigen Verhandlungen des MandatsauSschusses zu unterstützen. Ein neuer Palästina-Plan Becks Aus London: Wie „Star" berichtet, soll der polnische Außenminister Beck eine eigene Lösung für das Palästina-Problem ausgearbeitet haben, mit der er herauszukommen gedenke, falls der britische Aufteilungsplan auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen sollte. Was Herr Weltsch unier Lösung der luden* frage, Zionismus und Judenstaat versfehl . Der Hauptschriftleiter der „Jüdischen Rundschau", Dr. Robert Weltsch, der zurzeit als Berichterstatter in Zürich weilt, meldet seinem Blatt (telephonisch!), daß der Judenstaat zwei Bedingungen erfüllen müsse, und zwar (wörtlich!): „Er muß Raum genug haben, damit sich dort eine jüdische Kultur entfalten kann., die für die Juden und zugleich für die Welt als solche etwas bedeutet, so wie schon oft in der Geschichte von kleinen Staaten große Kulturleistungen ausgegangen sind. Und zweitens muß der Jüdenstaat so groß sein, daß er einen nennenswerten Beitrag zur Abhilfe der Judennot leisten kann, d. h. zur Aufnahme jüdischer Auswanderer, die in ihren, jetzigen Wohnländern nicht bleiben können." Und das nach 40 Jahren des politischen Zionismus! Der Geist Weizmanns in den Köpfen unserer „Besten"! Und mit diesen Menschen soll man einen politischen Kampf führen! AUS PALÄSTINA Neue landwirtschaftliche Siedlung in Süd-Palästina Aus Jerusalem: Im südpalästinehsischen Steppengebiet bei B e e r T u w i a, 27 Kilometer südöstlich von Rechowoth, wurde eine neue Siedlung, die den Namen Kfar Menachem erhalten hat, gegründet. Etwa 80 bis 100 Chaluzim aus Giwat Brenner haben, mit allen mög-, liehen Materialien ausgestattet, den Siedlungspunkt in Besitz genommen. Ein Wasser- und Beobachtungsturm wird errichtet und eine Stacheldrahtumzäunung hergestellt. Vierzig Wächter haben die Siedler, begleitet und Beob-, achtungspunkte auf den umliegenden Bergen besetzt. An der Landnahme beteiligten sich zahlreiche Gäste aus den benachbarten. Kolonien. Es wurde sofort ein Grenzwall errichtet, der acht Meter hohe Beobachtungsturm aufgestellt und eine Werkstättc erbaut. Auf dem Beobachtungsturm wurde ein Scheinwerfer angebracht. (J. T. A.) Verhängung von Kollektivstrafen über arabische Dörfer Aus Jerusalem: Dem arabischen Dorf Um el Fächern bei J e n i n ist eine, gestundete Kollektivstrafc von 450 Pfund neu auferlegt worden, weil offenbar aus diesem Dorfe stammende Araber ein Arbeiterzeltlager der PalestineElectric Corporation beschossen und angezündet haben. Außer der Kollektivstrafe hat das Dorf nach eigener Wähl entweder 100 Pfund Schadenersatz an die Ruthenberg-Gesellschaft zu leisten oder 15 Gewehre auszufolgen oder eine Namensliste der dreißig Arbeitslosen des Dorfes, unter denen die Täter vermutet werden, auszufolgen. Für die Zerschneidung einer Telephonleitung wurden dem Dorf Kisaara 50 Pfund Strafe auferlegt. Die Tozoret-Haaretz-Aktioii Aus Jerusalem (Palcor): Auf Grund der von den führenden Instanzen des. Jischuw proklamierten Tozeret-Haaretz-Aktion haben sich bisher bereits 13 0 0 Geschäfte in Tel-Aviv verpflichtet, ausschließlich Erzeugnisse Palästinas zu verkaufen. Die Aktion wird im ganzen Lande fortgesetzt werden. Für die -Aktion haben sich auch die Frauen- und Jugendorganisationen des Landes organi-. siert und worden im Jlschuw eine umfassende Auf-, klärungsaktion durchführen. Auch ,in den Schulen werden besondere Tozeret- Haaretz-Ecken eingerichtet werden. Hiefür hat sich ein besonderes Lehrer-Komitee bei der Tozeret-Haaretz- Zentrale gebildet. Daa Handwerk in Palästina Aus Jerusalem (Palcoi*): Nach den Ziffern der Vereinigung der Handwerkerorganisationen Palästinas gibt es heute in Palästina zirka 14.0 0 0 Wer katfttten jüdischer Handwerker und Kleinindustrieller, von denen zirka 50.000 Personen leben, neben 20.000 bis 25.000 Arbeitern, welche in diesen Werkstätten beschäftigt sind, ple 14.000 Werkstätten umfassen 9000 Handwerker, die 63 verchiedene Fächer vertreten, 2000 kleine Industrien,, 2000 arbeiten als Unternehmer, insbesondere bei Bauarbeiten, und die übrigen 1000 sind selbständige Arbeiter, zum Beispiel Besitzer von Wäschereien usw. Die Hälfte der 14.000 Werkstätten befindet sich üi Tel-Aviv, 3000 in Haifa und Umgegend, 2000 in Jerusalem und 2000 in Tiberias, Safed und in 20 Kolonien. Die ersten Absolventen der Kadoorie-Ackerbauschule Aus Jerusalem: Im Rahmen einer Feier, bei der der Direktor des Landwirtschaftsdepartements der Palästina-Regierung, M. T. Dawe, den Vorsitz führte, sind 21 Absolventen der ersten Klasse der jüdischen Kadoorie-Ackerbauschule auf , dem Berg-Tabor die Diplome überreicht worden. Die mündliche Prüfung hätte bereits im Sommer stattfinden sollen, war jedoch wegen der Unruhen verschoben worden. Bei der Prüfung wurden der erste und zweite Preis von Joel Proginin aus Jerusalem; der dritte Preis von' Arnos Brandstätter aus Jawniel gewonnen. Die Preise waren vom High Commissioner gestiftet worden. Den am Vortag abgehaltenen Prüfungen hatten der Leiter" des Landwirtschaftsdepartements, Dawe, und der leitende Regierungsbeamte für landwirtschaftliche Erziehung, J. A. Craig, beigewohnt. Mahnung zur Erfüllung des Mandats Die J. T. A. meldet: S. Aufhäuser, einer der Führer der Internationalen Gewerkschaften, der nach einem längeren Besuch in Palästina wiederholt zu dem jüdischen Aufbauwerk in diesem Lande positiv Stellung genommen hat, befaßt sich im letzten Heft der „Neuen Weltbühne" (Nr. 30 vom 22. Juli 1937) unter der Uebereschrift „England und Palästina" mit , dem Teilungsplan der Peel-Kommission und führt hiezu. u. a. aus: Das arabische Volk ist keine soziale Einheit. Wenn die Mandatsverwaltung vor der Einheitsfront arabischer Effendis, Fellachen und Arbeiter kapituliert und eine An-, näherung jüdischer und arabischer Arbeiter und Bauern für unmöglich hält, so hätte die Peel-Kommission prüfen sollen, welche soziale Erfüllung das Völkerbundmandat bisher erfahren hat. Das englische Mutterland hat den palästinensischen Arbeitern all den sozialen Schutz versagt, der zu Hause üblich ist. Es ist nichts geschehen, um die unerträgliche Spanne zwischen den höheren Löhnen der jüdischen und den Elendslöhnen der arabischen Arbeiter durch eine allgemeine Hebung des Lebensstandai'ds zu mildern. Die sozialen Aktionen der organisierten Arbeiter sind vielfach unsanft niedergeschlagen worden. Eine Agrarreform, die einer überholten Feudalwirtschaft zu Leibe ging, ist unterblieben. Die Befreiung der „Natives", aus denen man selbstbewußte Arbeiter machen müßte — das hätte ein Mindestmaß demokratischer Rechte erfordert. Wenn das alles unterblieben ist und die eingewanderten fortschrittlichen Kräfte von der Mandatsbürokratie als unerwünschte Gäste angesehen und entsprechend behandelt werden, dann kann, die Zuspitzung der nationalistischen Gegensätze keinesfalls als Folge des Mandatsauftrages erklärt werden. Die Entspannung wird darum nicht in einer nationalen Grenzziehung liegen können, sondern nur in der Koalierung der großen sozialen Kräfte in beiden Lagern. Her reift eine soziale Aufgabe der demokratischen Organisation in Großbritannien, nicht zuletzt der Labour Party, welche die Lösung des Arbeitsproblems in den- ItiimbUleVfi 5. bis 11. September 1937 Technische und Landwirtschaftliche Messe bis 12. September BEDEUTENDE FAHRPRE13ERMÄSS1QUNQEN Messeausweise ä S 6.- bei der Wiener Messe-A. O., Wien VII. Messepalast. — Eintrittskarten (zum einmaligen Besuche der Rotunde ä S 2.5'J oder des Mesdepalastes ä S 2. -) bei den Kassenschaltern des betreffenden Messehauses Mittelpunkt der Palästina-Frage stellen sollte. Im ganzen Orient macht sich eine leidenschaftlich geführte Bewegung zur Annäherung an die europäische Zivilisation bemerkbar. Daraus sollte allen Völkerbundmandataren die große und sittliche Mission erwachsen, dem heranniahenden Asien mit sozialen Taten und Bekenntnissen zu begegnen. Die Annullierung des Palästina-Mandats aber wäre alles andere als eine soziale und demokratische Lösung. Die Annahme des Teilungsplanes wäre die Flucht vor der sozialen Erfüllung des Palästina- Mandats. Weukekspegd Voraussetzung für uns alle Die Juden lieben zu lernen, gerade aus der kritischen Analyse, welche Zionismus heißt, scheint mir eine wichtige und sehr lemenswerte Voraussetzung für uns alle zu sein. Der vielfältige Selbsthaß, der im fWitz und im Ernst unseres Lebens so oft an uns herankriecht, ist eine schlechte Haltung in unseren Zeiten. Diese Liebe des einzelnen Juden zu den einzelnen Juden und zum Judenvolk, diese leidenschaftliche Liebe kann uns retten. Nichts anderes. Alle Pläne, Memoranden, Reden und Hilfsaktionen sind ganz leere Dinge, die lediglich die Büros füllen können, wenn nicht in den jüdischen Mcnschen _ dieses Gefühl der Liebe zueinander lebt. Dr. Joach., Prinz (Berlin 1937), Die zerstreute Nation Wir freuen uns, daß unter den vielen Nationen, die in dem Internationalen Pavillon der Pariser Weltausstellung Platz gefunden haben, sich auch eine befindet, die unter alle Völker zerstreut ist und trotz dieser Zerstreuung hohe kulturelle Werte hervorgebracht hat, Generalsekretär der Pariser "Weltausstellung L a b b e, August 1937. Der Glaube eines Philosophen Ich glaube, daß sie (die Juden) einmal bei gegebener Gelegenheit, wie ja die menschlichen Dinge dem Wechsel unterworfen sind, ihr Reich wieder aufrichten und daß Gott sie von neuem auserwählt. Baruch Spinoza, Theologisch-politisches Traktat. Eine schöne Erinnerung Als Dr. Herzl die Rednertribüne bestieg, um die Begrüßungsrede zu halten, erhob sich ein Beifallssturm, der zu einem Orkan wuchs und nur langsam verebbte. Eine schöne männliche Erscheinung mit breitem schwarzen Vollbart und einem schwermütigen Zug in dem durch kluge Augen belebten Gesicht, stand der Redner eine Weile auf erhöhtem Platz, um den Beifall verrauschen zu lassen. Dann sprach er ruhig, mit einer deutlich wahrnehmbaren, wenn auch latenten Bewegung der schlichten Worte, die gleiclvwohl ein Programm der Zionisten enthielten und mehr noch ein Appell an das Solidaritätsgefilhl der in der Diaspora einer ganzen Welt zerstreuten Juden waren. Der Redner betonte, daß der Zionistenköngreß keine- Geheimnisse berge, sondern seine Ziele offen und unter Kontrolle der öffentlichen Meinung darlege. „Baseler Nationalzeitung", August 1897. Israel und Ismael Die nahe Verwandtschaft von Sprache und Rasse, die Juden und Araber verband, mußte diese auch für die jüdischen Glaubensformen empfänglich machen, insbesondere, nachdem dem Jxidentum auf der arabischen Halbinsel selbst feste Stützpunkte erstanden waren. Die Araber, die mit den biblischen Legenden vertraut geworden ivaren, machten I s m ael, den Sohn des Erzvaters Abraham, zu einem ihrer Stammväter, und viele Bewohner des Landes traten formell zum Judentum über, was ihnen um so leichter fiel, als die Beschneidung bei ihnen von jeher allgemeiner Brauch war. S. Dubnow, „Weltgeschichte des jüdischen Volkes". I RASCH« BILLIG UNO BEQUEM I GRÖSSTE SICHERHEIT 1 Ueberliuidsfalirten nach allen Sommerfrischen, Insbesondere nach =3 1 KOBERSDORF Sauttrbrunn,Badtn, Vöslau,Semm«rlng usw. 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