Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 678 (6.8.1937)
- Date
- 1937-08-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 678 vom 6. August 1937, DIE NEUE WELT Seite■•'$u. Heroische der Judenstaatspartei Aus Zürich wird uns unter dem 5. d. gemeldet: ITfotz der -Bemühungen der Weizmahn-Anhänger, die Delegierten, welche mit einem entschiedenen' Nein nach Zürich gekommen sind, für das Prinzip des Teilungsplanes zu gewinnen, kristallisiert sich der Widerstand gegen die Machinationen der Exekutive und ihrer Nachläufer. Die regste Aktivität entfaltet die Judenstaatspartei, die unter dem Motto: „Wirklicher Judenstaat, aber nicht Ghetto", Versammlungen abhält und sogar eine eigene tägliche Kongreßzeitung „DieKongreßtribüne" herausgibt, in der von England die volle Erfüllung des Mandats verlangt und jedes Kompromiß in der Richtung eines Verzichtes auf Teile Palästinas kategorisch abgelehnt wird. Die Judenstaatspartei hat auch eine Protestresolution dagegen gefaßt, daß man für die Dauer der Debatte über den Teüungsplan das Plenum des Kongresses in eine Politische Kommission umwandelt, indem man die Sitzungen geheim durchführt, Jabotinsky-Versammlung Abseits vom Kongreß wird heute auch der Präeident der Neuzionistischen Organisation, Wladimir Jabotinsky,, in Zürich eine Versammlung abhalten. Schweizerische Nazi Gestern ließ in der Umgebung de3 Kongreßsitzes igle Weine Gruppe schweizerischer Nationalsozialisten, denen sonst jede Betätigungsmöglichkeit fehlt, ein antisemitisches Pamphlet verteilen, dem sofort auch die „nationalbetonten . Frontisten" ein ähnliches Flugblatt folgen ließen. Die „Neue Zürcher Zeitung" sieht in diesem Vorgehen den Versuch, „Zwischenfälle" zu provozieren, „die das politische Brot des Frontismus" sind. Das Blatt nennt diese Methode eine „indirekte, perfide Aufforderung zur Gewalttätigkeit" und stellt schon heute, die Verantwortlichen für den Fall fest, daß. sich „infolge der widerlichen Hetze einiger Kopisten des nördlichen Antisemitismus ernstere Zwischenfälle ereignen sollten". * {Telephonischer Bericht aus Zürich, Donnertag, den 5. August.) Mittwoch, den 4. d., versuchten die Anhänger Weizmanns, mit ■Beri-Locker an der Spitze, den An- .6--. Misvadtif Ussisdakui und Stephen V/ise gegen Jedes Kompromiß Aus Zürich wird gemeldet: Bei den Vorbesprechungen der verschiedenen Gruppen in Zürich steht das Teilungsproblem, alles andere überschattend, im Vordergrund. Während der Misrachi mit Entschiedenheit und geschlossen gegen die Teilung auftritt, ist die Stimmung im Arbeiterlager durchaus, uneinheitlich. Nach viertägigen Beratungen gewinnt auf .der Arbeiterkonferenz die Meinung an Boden, daß die Teilung sich nicht vermeiden lassen dürfte und man versuchen sollte, aus dieser Lösung das. Beste herauszuschlagen. Auch die Arbeiterdelegation aus Amerika, die ursprünglich entrasiert besser, rasiert öfter, rasiert glatter, Swing Ist die Klinge, für Sie! Daher kauft jedermann, der Vorteile schätzen kann: - nur noch die Swing , Schieden gegen die Teüung eingestellt war, hat sich dem Einfluß der Anhänger einer anderen Anschauung nicht ganz entziehen können. Es macht sich auch stark der Einfluß der polnischen Delegierten geltend, die die Fortsetzung einer starken jüdischen Auswanderung aus Polen als unerläßlich bezeichnen. Unbedingt kompromißlos Wird die Teilung von Dr. Stephen W i s e und M, M. U s s i s c h k i n abgelehnt. Diese sind bereit, es wegen dieser Frage Sogar zu einer Spaltung in der Zionistischen Organisation kommen zu lassen. Im übrigen verbreitet Sich in allen Kreisen der Kongreßteilnehmer immer mehr die Ueberzeugung, daß die Entscheidung 4 über die politischen Hauptfragen bis zum September zurückgestellt werden wird, da man es für not- ' Wendig hält, die Entscheidung der Mandatskommission abzuwarten, die erst unmittelbar vor der Septembertagung des Völkerbundsrates veröffentlicht werden wird. \ Ben Gurion sutht Stimmung xu machen Am Sonntag, den 1. August, wurde eine Beratung 'der* in Amerika gewählten Kongreß" ä e 1 eg i e r. t e n eröffnet. Die Eröffnungssitzung sollte trag einzubringen, daß die nächsten Sitzungen des Kongresses, welche sich mit dem politischen Referat Weizmanns und der England gegenüber einzuschlagenden Haltung befassen, geheim erklärt werden. Dieser Antrag wird heute, Donnerstag, den 5. d., zur Abstimmung gelangen. Die Judenstaatspartei hat beschlossen, den Antrag abzulehnen./Bei der gegenwärtigen Lage aber ist anzunehmen, daß der Antrag der Exekutive angenommen Wird und die politischen Sitzungen des Plenums unter Ausschluß der Oeffentlichkeit weitergeführt werden. Die Judenstaatspartei hat ihrer Meinung Ausdruck gegeben, daß die zionstische Welt das Recht habe, vom Inhalt der politischen Debatten und allen Details Kenntnis zu erhalten und daß sie gegen jede Geheimspielerei sei. Gestern, Mittwoch, den 4. d., fand eine Pressekonferenz der Judenstaatspartei statt, bei welcher die Motive der Ablehnung des Teilungsprojekts in allen Schattierungen behandelt wurden. Am Abend des gleichen Tages fand eine großangelegte Massenversammlung statt, bei welcher die judenstaatlerischen Delegierten, Großmann,. Machower, Weinstein und Rosenblum, sprachen. Die im Vorbericht erwähnte Zeitung; „K o n g r e ß t r i b ü n e" (Erscheinungsort Zürich) bietet aufschlußreiches Material über Probleme und Stimmungen des Kongresses und insbesondere über die Haltung der Herzl-Zionisten auf dem Kongreß. Vom XX. Zionisfenkongreß Kongrenzeitung der Judenstaatspartei Erste Nummer soeben erschienen! Zürich, im August 1937 Erhältlich in der Administration der „DieNeue Welt", Wien IX, Universitätsstraße Nr. 8, Telephon A-20-2-78 den Delegierten ein klares Bild der mit dem Teilungsvorschlag verbundenen Probleme vermitteln. Zu diesem Zweck hatte die Landsmannschaft, die in dem Kampf um diese Fragen führenden Persönlichkeiten, den Vorsitzenden des Zionistischen Aktions-Komitees, M. M. Ussischkin, den Vorsitzenden der Exekutive der Jewish Agency, David Ben Gurion, und den Misrachi-Führer Rabbi Meir Berlin eingeladen, ihren Standpunkt darzulegen. So wurde die Sitzung der Landsmannschaft gewissermaßen zu einem „Kongreß en miniature". In einer leidenschaftlichen Rede legte U s s i s chic in ein Argument nach dem anderen gegen die Teilung dar. Er erklärte, die Verwirklichung des Teilungsplanes würde für den Jischuw Unheil in wirtschaftlicher, strategischer und politischer Beziehung bedeuten. An die amerikanischen Delegierten richtete Ussischkin den Appell, gegen den Teilungsplan zu stimmen. Jede jüdische Hand, die diesen Plan unterzeichnen *" wird, wird verflucht sein, Der Vorsitzende der Exekutive, David B e n- Gurion, wandte sich gegen die Auffassungen Ussischkins. Er vertrat den Standpunkt, daß eine Teilung unter angemessenen Bedingungen dem gegenwärtigen Mandatszustand vorzuziehen sei. Rabbi Meir Berlin unterstützte die von Ussischkin vorgetragenen Gründe und sprach sich ebenfalls schärfstens gegen die Teüung aus. Er forderte die Amerikaner auf, sich auf dem Kongreß den Neinsagern anzuschließen. Die amerikanische Landsmannschaft beschloß, sich nicht an die von der Zionistischen Organisation Amerikas gefaßte Resolution zu halten, in der die amerikanischen Delegierten verpflichtet werden, geschlossen gegen dieTeilungzu stimmen. Es wurde festgestellt, daß in dieser Frage nicht Fraktionszwang herrschen soll. Vielmehr wird jedes Mitglied der Abordnung das Recht haben, so zu stimmen, wie es seinen persönlichen Ueberzeugungen entspricht. Eine Gruppe von zwölf amerikanischen Delegierten unter der Führung von Rabbi Brickner und Elihu Stone hat erklärt, daß sie entschlossen sei, für die Teilung zu stimmen, falls für den geplanten Judenstaat günstigere Grenzen gesichert werden. Dieser kleinen Gruppe kommt vorläufig keine Bedeutung zu, es ist aber charakteristisch, daß sogar die mutigen Neinsager in der Züricher Kongreß-Atmosphäre der def artistischen Stimmung der Exekutive erliegen, Nach EREZ ISRAEL m if den vorzüglichen Schiffen •f MARCO POLO tft . „ESPERIA", IS „GAULEA" und „GERUSALEMME Monatlich 8 Abfahrten von TRIEST und GENUA Auskünfte und Anmeldungen: ffl Generalagenfur, Wien F, Kärntnerring 6 Tel. U-47-5-60 u. Reisebüros „Adriatlcn Die bisherigen Kongreß'* Vorgänge Dienstag, den 3. August, 8 Uhr abends, In der Tony halle Zürich Eröffnung. Eröffnungsrede Präsident Doktor Ch. Weizmann. Begrüßungen, Gedenkrede Jizchak Grünbaums für Nahum Sokolovv. Mittwoch, den 4. August, Wahl des Kongreßpräsi* diums. Präsident M. M. Ussischkin. Politisches Referat Dr. Weizmann „Die politische Lage", Stellungnahme Ussischkins, Misradja-Weltkonferenz geschlossen Aus Zürich: Die Weltkonferenz des Misrachi ist, am Montag, den 2. August, geschlossen worden. Der Schluß"- sitzung wohnte auch der Kommandant der Jüdischem Legion im Weltkrieg, Kolonel Patterson, bei. Die Konferenz nahm einstimmig folgende, für die; Delegierten des Misrachi auf dem XX. Zionistenkongreß bindende Entschließung an; 1. Die Weltkonferenz des Misrachi verwirft entschieden jeglichen Vorschlag, das traditionelle! historische Erez Israel zu teilen. Das religiösnationale Judentum wird sich auf keinen Fall mit .einem Verzicht auf irgend einen Teil des Landes, das uns durch; Unsere Thora und unsere Propheten feierlich, verheißen worden ist, einverstanden erklären; 2. Die Weltkonferenz des Misrachi verlangt, daß das Mandat, wie es vom Völkerbund1 und den Vereinigten Staaten garantiert wurde, weiter in Kra'ft bleibt. 3. Die iWeltkonferenz des Misrachi lehnt die Behauptung der Kgl. Kommission, daß das Mandat un-i durchführbar sei, kategorisch ab. 4. Die Weltkonferenz des Misr-ächi stellt fest," daß; die Mandatarmacht bisher in Palästina nicht im Geiste des Mandats regiert hat und daß die! Haltung der Administration gegenüber den Ruhestörern in Erez Israel und die systematische Ignorierung der Ver-< wirklichung des Mandats das Land in chaotische Zustände gebracht hat. 5. Die Weltkonferenz des Misrachi fordert die Mandatarmacht auf, eine Verwaltung in Palästina einzusetzen,; :SanRemo,PensioneFetice Corso deJI' Impero 184.' Unter Aufsicht des Hamburger Vereines. Direktion: Dr. med. Alex Schwarz die das Land gemäß dem Geist und Wortlaut der Bai« four-Deklaration und des Mandats regiert. 6. Die Weltkonferenz des Misrachi bringt ihren scharfen Protest gegen die Pläne, die jüdische Ein« Wanderung nach Palästina einzuschränken, und gegen die Begrenzung des Bodenerwerbes durch Juden zum Ausdruck, da diese Pläne in vollständigem Gegensatz zur Balfour-Deklaration und zum Mandat stehen. (J. T. A.), ( /Der Zionistenkongreß ist nicht ets mächtig!/ Palästina zu teilen' Aus «Zürich, wird gemeldet: Die Kongreßdele« gierten, die absolute Gegner des Teilungsplanes in jeder Form sind, bemühen sich, die Anhänger ihrer, Anschauung aus allen Parteilagern zu einem festen Block zusammenzuschließen, der gegen jede Resolution zugunsten der Teilung stimmen will. Am Montag, den 2. August, nachmittags, hat eine Konferenz der Neinsager stattgefunden, an der M. M. U s s i s c h k i n, der palästinensische Arbeiterführer Berl Kätznels o n, der Misrachiführer Rabbi Meir Berlin und andere prominente Persönlichkeiten teilgenommen haben. Man einigte sich auf einen Plan zur Bekämpfung jeglicher Resolution, die sich für die Annahme irgend eines Teilungsplanes aussprechen sollte. Es wurde die Losung ausgegeben: „Der Zionistenkongreß ist ermächtigt, Palästina aufzubauen; nicht aber, es zuteilen." (J. T. A.)