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Die neue Welt · 1937-08-06 · Heft 678 (6.8.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 678 (6.8.1937)
Date
1937-08-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. Ö78 vom 6. August 193? _■ —.— ■ i - * limine Nach Amerika mit Koscher-Küche auf den Dampfefn „QUEEN HARY", 81.000 t. §§ „AQUITANIA".......11. August 1 „BIRINOARIA"......U.August „QUHN HARY"......18. August I „AQUITANIA".......25. August I CUNARD WHITE STAR UM IT ED | WIENI,KÄRNTNERRING 4, TEL U-42-0-43, U-46-2-48 § akzeptierten Teilungsplan zu. Was er darüber sagte, schwankte zwischen ja und nein, ließ hier eine Ablehnung, dort ein Einverständnis zu, ganz in der Art gewisser Diplomaten, die der einen Seite gefällig sein, der andern hiebei nicht wehtun wollen. Das Wichtigste, was Weizmann über den Bericht sagte, war, daß er zwar in vielem den zionistischen Ansprüchen und Forderungen nicht genüge, aber dennoch ein brauchbares Instrument sei. Er, Weizmann, werde in einer späteren Sitzung des Kongresses zum Teilungsplan eingehend Stellung nehmen. Zum Schluß erklärte Weizmann, daß der Bericht und seine Empfehlungen einen konstruktiven Versuch zur Lösung des Palästina-Problems (!)' darstelle, und verstieg sich zu der Behauptung, daß der Bericht der Peel-Kommission an Herzls großen Traum von vierzig Jahren von der Schaffung eines Judenstaates anklinge. In welchem geistigen Zustand man sich in Zürich befindet, ist daraus zu ersehen, daß die Majorität der Delegierten zu der blasphemischen Erinnerung an Herzl Beifall (wenn auch nicht gerade überzeugend!) klatschte. Es war ein matter, von enthusiastischem Wollen weit entfernter Anfang. Nach Weizmanns Ausführungen und Jizchak Grünbaums Gedenkworten für Nahum Sokolow s. A. fällt für ein paar Tage der Vorhang. ' Wie verlautet, werden die nächsten Sitzungen des Kongresses nicht öffentlich sein. Das Dreivfertel-Ja Welzmanns FAHRR F A B R AD- I K LUMAG KINDEiRWAGEN- FABRIK von S 35.— '' Kinderwagen verkauf: VII, Neubaugasse 21 / XVII, Kulmgasse 34 X, LaxenburgerstraBe 82 / XX, JägerstraDa 41 Fahrradfabrik: VII, Burggasse 110 Bequeme Teilzahlung! Kataloge gratis! Amerika erhebt seine Stimme Aus New-York wird gemeldet: Zahlreiche angesehene amerikanische Politiker und Männer des öffentlichen Lebens mit dem Präsidenten des amerikanischen Palästina-Komitees, Senator Wiliiam King, und dem Präsidenten der amerikanischen Arbeiter-Föderation, Charley Rossel, an der Spitze haben einen Aufruf an das amerikanische Volk erlassen, in dem gegen die geplante Teilung Palästinas scharf Stellung genommen wird. In dem Aufruf heißt es: ' , , - ■)• „Amerika hat das schwere Opfer gebracht und ist an der Seite der alliierten Mächte in den Weltkrieg eingetreten. Dank der Hilfe der Vereinigten Staaten sind die alliierten Mächte aus dem Völkerringen siegreich 0 hervorgegangen, haben zahlreiche Völker ihre Freiheit bekommen, Einen besonderen Akt historischer Gerechtigkeit stellte dabei die Balfour-Deklaration dar, die später im Mandat verankert wurde. Leider schlägt jetzt die Mandatarmacht einen neuen Kurs ein, dessen Zweck es ist, die Versprechungen, die England dem jüdischen Volk und der Welt gegeben hat, zu annullieren. Juden und Araber würden weiterhin in Frieden und Harmonie miteinander leben können, würden nicht künstlich Unruhen hervorgerufen werden. Präsident Wilson hat an der Abfassung der Balfour-Deklaration mitgewirkt; Amerika hat England bei der Erlangung des Mandats über Palästina unterstützt. Es ist das Recht und die Pflicht Amerikas, seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß eine Vergewaltigung dieses internationalen Abkommens verhütet werde, die gleichzeitig einen Akt des Unrechtes gegen ein Volk darstellen würde, dem das Christentum eine alte Schuld abzustatten hat." Der Aufruf wendet sich an die Christen aller Gemeinden, die amerikanische Regierung aufzufordern, daß sie eine Aktion zur Verhütung eines furch\~ bar schweren Unglücks unternehme. England, heißt ea am Schluß, muß verstehen, daß Amerika nicht gleichgültig zusehen wird, wie das Palästina-Mandat abgeschafft und die dem jüdischen Volke feierlich gemachte Zusage, das jüdische Nationalheim in Palästina wiederaufzubauen, vergewaltigt wird. (J. T. A.) Aus Zürich wird uns gemeldet: Das bereits angekündigte politische Referat des Präsidenten Dr. Weizmann (Mittwoch, den 4. d.) ging dahin, daß zwar der Vorschlag der Englischen Regierung unannehmbar sei, daß er aber gewisse Perspektiven, für die Zukunft eröffne, welche man nicht von der Hand weisen dürfe. Weizmann spielte damit auf das Begrüßungsschreiben des Kolonienministers O r m s b y - G o re an, worin dieser erklärte, daß sich der englische Teilungsplan späterhin als nützlich für die Juden erweisen könne. Aus Weizmanns Ausführungen war klar zu ersehen, daß der Präsident der Zionistischen Organisation einer Teilung Palästinas zustimme, aber gewisse Voraussetzungen daran knüpfe; zunächst die, daß dieser Judenstaat die quantitative und qualitative Grundlage für den Aufbau eines jüdischen Nationalheims biete. Weizmann deutete auch an, daß der Kongreß den englischen Plan in seinen Grundzügeh annehmen müsse, da man sich in einer Zwangslage befinde. Das wichtigste Moment in diesem politischen Referat war die Ankündigung Weizmanns, daß die ■IWD Restaurant Stefanie WS II, Taborstraße 12 Telephon R*48-4-46 HUGO und JULIE HERLINGER,-geb. Zollner Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl Reichhaltige Menüs von 1.60 aufwärts / Exakte Bedienung Schöner, schattiger Garten / Angenehmer Aufenthalt Zionistische Exekutive in den nächsten Tagen eine » Resolution vorschlagen werde, welche die ' Exekutive ermächtigen solle, mit der britischen Regierung in Verhandlungen über die Modalitäten ■ des Teilungsplanes zu treten. Vor dieser politischen Pointe übte Weizmann scharfe Kritik an der Palästina - Administration, welcher er die von der Opposition seit fünfzehn Jahren gerügten Eigenschaften, nämlich Schwäche und Unfähigkeit, vorwarf. Er mußte auch die von den Judenstaatszionisten in Wort und Schrift behauptete Tatsache zugeben, daß die Palästina-Regierung bei gutem Willen in der Lage gewesen wäre, in aller Kürze die sogenannte Araberrevolte zu unterdrücken. Weizmann jonglierte weiterhin, mit einem Appell an. das Gewissen Englands und sprach die Hoffnung aus, daß die englische Regierung entschlossen sei, die Errichtung des Nätionalheims zu fördern. Er ließ ferner durchblicken, daß die englische Regierung selbst Aenderungen an ihrem Projekt erwäge. Diese Wendung hatte den Zweck, die unbedingten Nein-Sager umzustimmen und vornehmlich auf die amerikanische Delegation Eindruck zu machen. Schließlich gab Weizmann der zionistischen Verständigungsbereitschaft mit dem arabischen Volk Ausdruck. Bei Hartleibigkeit entleert und desinfiziert ein Glas natürliches „Franz-Joseff'-Bitterwasser, des Morgens auf nüchternen Magen genommen, den Nahrungskanal und regelt hiebei die Darmtätigkeit, stärkt den Magen, verbessert das Blut, beruhigt die Nerven und schafft so allgemeines Wohlbefinden und klaren Kopf. Die Argumente Weizmanns waren so formuliert, daß der Kongreß den Eindruck empfangen sollte, man befände sich in einer Zwangslage und eine Ablehnung des Projekts würde die Situation nur verschlimmern. Man konnte sich des 'Endruckes nicht erwehren, daß hier mit ähnlichen Dingen manipuliert wurde, wie seinerzeit mit den sogenannten Alarmdepeschen aus Palästina. Jedenfalls muß der objektive Betrachter zugeben, daß es Weizmann durch seine angedeuteten Drohungen gelungen ist, bei gewissen Delegiertengruppen einen Stimmungswechsel zu , erzeugen. Ussischkin/ der große Patriot M. M. Ussischkin, der Präsident der jüdischen Nationalfonds, hat seine bereits in Palästina zum Ausdruck gebrachte oppositionelle Stellung gegenüber dem Teilungsprojekt beibehalten und kann als der Uensiau tekstem - Semnemf Führer der stärksten Weizmann-Opposition betrachtet werden. Geschlossen an seiner Seite stehen die Judenstaatspartei, der M i s r a c h i mit Meir Berlin an der Spitze, und zur Ueberraschung des ganzen Kongresses der Arbeiterführer Berl Katzene 1 s o n, der zum erstehmal in seiner politischen Laufbahn sich in Uebereinstimmung mit den rechten Gruppen befindet. Daraus ist zu ersehen, daß die Beurteilung des Teilungsplanes innerhalb der Fraktionen nicht einheitlich ist. Als der große Gegenspieler Weizmanns erwies sich diesmal der 75jährige Ussischkin, der Präsident des XX. Zionistenkongresses. Warnung vor Gefahren In sehr temperamentvollen Ausführungen wandte sich Ussischkin gegen die rationalistische Einstellung Weizmanns und lehnte seine Vorschläge rundweg ab. Oft von stürmischem Beifall, vor allem der Juden« staatler und des Mlsrachi, unterbrochen, forderte .Ussischkin, daß man die Imponderabilien berücksichtige, und verlangte, daß man die moralischen. Kräfte der jüdischen Welt mobilisiere und einsetze. Dann werde man Erfolg haben. Der Zionismus könne auf keinen Teil des Mandatsgebietes verzichten, und ein solcher Verzicht würdt auch eine Unehrlichkeit bedeuten, da das jüdische Palästina niemals innerlich einen solchen Verzicht akzeptieren würde und daher die Gefahr einer Irredenta ständig bestehen bleiben würde. Zunt Schluß erklärte Ussischkin, die von Weizmann geforderte Ermächigung zu Verhandlungen mit England lehne er ab. Ussischkins Ausführungen und ihr Widerhall lassen erkennen, daß harte Kämpfe im Kongreß ausgefochten werden müssen, bevor dieser zu einer Entscheidung kommen wird. Jedenfalls hat Ussischkins Rede großen Eindruck gemacht und die Herzl-Zionisten, in ihrer oppositionellen Haltung gegenüber den Weizmannianern gestärkt. Wir verlangen Rechenschaft Eine Vorkongreßnachricht, die uns so absurd \or» kommt, daß wir sie nur mit schwerstem Widerstreben registrieren: Beim Züricher Zionistenkongreß sind auch Vertreter der reichsdeutschen Presse anwesend! Zum Züricher Zionistenkongreß sind auch Vertreter der reichsdeutschen Presse zugelassen worden! Der erste Reflex dieser Meldung ist Scham, der? zweite — Empörung! Der Jude, der Ehrgefühl im Leib hat, kann es nicht fassen, daß Zeitungskorrespondenten in einen Raum zugelassen wurden, in dem vielleicht das Schicksal des jüdischen Volkes für lange Zeit entschieden werden wird; Zeitungskorrespondenten eines Staates nämlich, in welchem dieses Volk als Abschaum der Menschheit hin-' gestellt wird, als Untermenschentum, von dem man sich' absentieren müsse; Zeitungskorrespondenten, die unter . Deine besten Begleiter f. Reise u.Weekend Bind die altbekannten C1€BHÜ| Feinwurst« und Selch« ElvCPI waren - Spezialitäten Zentrale und Fostversand: Wien II, Boten« sterngasso 13 . " ' Q Goebbels Leitung die Pflicht haben, die Welt mit antijüdischen Lügen und Verleumdungen zu überschütten; Zeitungskorrespondenten, die alles zu loben haben, was das gegenwärtige deutsche Regime dem Judentum antut; Zeitungskorrespondenten, die im Auftrag von Goebbels und Rosenberg von Haus aus schon in ihrer Presse das jüdische Verlangen nach Eigenstaatlichkeit als verkapptes Manöver zur Erringung der Weltherrschaft dargestellt haben; Zeitungskorrespondenten schließlich, die nach der Generallinie ihrer Auftraggeber und im Sinne ihres Führers ihre deutsche Ehre verwirkt haben, wenn sie sich bewußt neben einen Juden setzen. Dieses Schändliche hat uns .die Leitung des Kongresses, bzw. die yon den Linken {beherrschte Exekutive, angetan. Es scheint hier ein Gegengeschäft mit der deutschen Reichsregierung vorzuliegen: Wahrscheinlich wurde den dreißig deutschen Kongreßdelegierten die Reise nach Zürich nur unter der Bedingung erlaubt, daß, die reichsdeutschen Pressevertreter zugelassen werden. Ein unwürw diger Handel! Die deutschen Kongreßdelegierten hätten, ohne Schaden für den Kongreß, ruhig zu Hause bleiben können. Die Interessen des deutschen Zionismus würden auch in Abwesenheit der deutschen Kongroßdelogierl<;n gewahrt worde« sein — es sei denn, daß den gegenwärtigen Machthabern des Kongresses viel an der Stärkung der Weizmann-Front durch die bewährten deutschen Weizmann-Anhänger gelegen .war. (Wir haben bereits einmal einen ähnlichen Fall erlebt, im Frühjahr 1083, wo Vertreter der zionistischen Arbeiterpartei und ihre Sachverständigen mit der Hitler- Regierung unmittelbar nach dem 1. April 1933, dem berühmten nazistischen Boykott-Tag, das Transferabkommen trafen und dadurch bewirkten, daß das jüdische Palästina mit Waren aus Hitler-Dcut&chUiml nahezu Uberschwemmt wird und daß die deutschen Palästina-Emigranten Opfer dieses Transferabkommens geworden sind.) Es scheint aber noch ein zweites Geschäft vorzuliegen: Der Kongreß darf sich öffentlich nicht mit der Deutschland frage beschäftigen! Nur unter dieser Bedingung wurde den deutschen Kongreßdeieglorten edo Reise nach Zürich erlaubt . Ein trauriger Anfang! Er steht im Einklang mit der Eröffnungsrede ejes Präsidenten Weizmann. ■t

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