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Die neue Welt · 1937-08-06 · Heft 678 (6.8.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 678 (6.8.1937)
Date
1937-08-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Kongreß hat f 185 T.% Preis 20 Ort .<en Freitag, den 6« August 1937 II* Jahrgang Ii. ' --^^f^l^^^^^^^^^^S^^ Nr* 678 V«b»b+ Zeitung vom Verleger versendet „Journal expödle par rediteur" REVU E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUOSBEÖINGUNOBW: OMtörrelch monatlich S 1*40. vierteljährig S 4.—, ganzjährig S IG.—; Pölert, monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.60: Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—i vierteljährig Kc 18.--: Jugoslawien monatlich Dinar 14.—. vierteljährig Dinar 40.—; Bumämeii monatlich Lei 60.-. vierteljährig Lei 150.—; Dentschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—5 Schwei« und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaltang: IX, Universitä'sstr.8, lel.A-20-2-78 - Erscheint Dienstag it. Freitat! Ferienreisen nach Polen] Billig / bequem / D-Zug / Platzkarten / Abreiten J«d«n Sonntag I Leitung: Dr. TOCKER I Auskünfte und Anmeldungen: „IN D!E WEIT", W. M. RENNER. Wien IX. Ltechtenstelnstr 2, Tel A-l4^5-04. (Nächst Schottenri IER. I ing) fl Die Judensfaatler rechnen ab . Mei'r Großmanns Referat auf der Welt* konferenz der Judenstaatspartei in Paris .Noch vor zwei Jahren hat man die Judenstaatspartei in Palästina verboten, weil .ihre Zielsetzung nach dem Judenstaat eine ^gefährliche" sei. Noch vor wenigen Jahren hat man uns ironisiert, als wirt auf den Zionistenkqngressen eine klare Zielsetzung verlangten. Heute; ist der Begriff Judenstaat nicht nur ein Teil, der Forderungen der Königlichen Kornnüssion, er hat auch Kreise der jüdischen ,Massen ergriffen,; die'sich von', einem Blendwerk bluffen lassen. Es..ist-nicht so. leicht,, „nein" zu sagen,,. wenn man zu uns - im....l&meri'"' eines' Ju densta;ates; spricht, zu uns Judenstaatlern, die wirr für, diesen Begriff gekämpft 'haben., Darum isj es um .'so not- ■wendiger, daß gerade wir diese Frage mit der, größten Rühe'und Zurückhaltung behandeln/ Man hatte für uns imnier nur: die Bezeichnung „Phantasten" und „Extremisten": In einer schweren Zeit, eeweist sich, daß wir die .politischen Realisten waren, daß unsere Warnungen Bich;In. besorgniserregender, Weise .erfüllen. Die von, uns bekämpfte Politik £er ständigen Def ensive hat uns an den Rand des. Abgrundes gebracht. Wir haben davor gewarnt, die zehntausende Menschen und Millionen Pfund die ,wir in Bewegung .gesetzt haben, ohne Sicherung und Garantien für die Zukunft zu lassen. Wir waren die Realpolitiker! ' ' Die zionistische Bewegung hat. sich als sehr konservativ, als zu konservativ erwiesen. Wir haben eine Exekutive, die ,eine Nie derl age nach der anderen er^ ei.de t und, siqh .noch immer im Amt. befindet. Ich bin überzeugt, daß die Ereignisse der letzten zwei Monate die zionistische Bewegung nicht ohne t i e f g r e i f e n d e V e ränderungen lassen können. 1 Wir können an die Behandlung der Tagesprobleme nicht herantreten, ohne dief spezielle Lage der J u d e no t a-a t s p a r t e i zu behandeln. Wir sind die einzige zionistische Partei, die nicht in der Exekutive vertreten ist ünd;. keine Vera n t w o r t u n g f ü r d e r e n p o 1 i t ische Arb e it und vor allem an ihren politischen Niederlagen trägt. Ich erinnere-Sie an den letzten Luzerner Kongreß, wo man alle unsere Anträge frivol a b g>e 1 e h n t hat, die sich wenige Monate später als einzig fichtig erwiesen haben. Unser Kampf gegen die Exekutive war berechtigt auf dem Kongreß, war berechtigt während, der Unruhen, da die Exekutive vollkommen untätigf war,' und er war tausendfach berechtigt, als die Exekutive, bzw. deren verantwortlicher Führer'Weizmann den Vorschlag der Pa r i t ä t'zwisohen Arabern und Juden brachte. Darum,, müsse» wir hier und auf der Tribüne des'Zionistenkongress^s feststellen, daß wir, zu den ,Menschen, die die,zionistische Politik führen, kein Vertrauen, haben. (Starker; * Bei-! fall.) Weder zu ihren politischen Methoden noch zu; ihrer Fähigkeit, die politische Situation in «England richtig abzuschätzen. Man hat uns Jahrelang einzureden versucht, daß1 die^i verantwortlichen Herren^ die besten V e r b i ndungen und Beziehungen besäßen, daß sie die englischen Politiker sozusagen in der Hand hätten. Ich komme soeben aus London und muß feststellen, daß das Ergebnis im englischen Parlament (Ablehnung des Teilungsvorschlages) für die Herren unserer Exekutive die größte Ueberraschung war. Weder ihre Verhandlungen noch ihre Verbindungen haben dieses Ereignis herbeigeführt, sondern es ist'idas. Resultat ernster Ueberlegungen britischer (Politiker. Diese Menschen haben erkannt, daß die?" impe« Weizmann$Rede—ein trauriger Anfang ...... Zürich, 4L-August 1937. Nach einer Welle vriiächtiger Proteste aller patriotischen Zionisten, verständnisvollen Freunden des jüdischen Volkes^ und ehrenhafter Engländer erschien es hunderttausenden Optimisten in der Zionistischen Organisation als selbstverständlich, daß der Versuch der Mandatarmacht, sich ihrer Verpflichtungen gegenüber dem jüdischen Volk in Palästina durch einen Gewaltstreich zu entziehen, am jüdischen Widerstand scheitern werde. Nur in bezug auf den Präsidenten der Zionistischen Organisation war man skeptisch. Denn die Gerüchte, daß sich Dr. Chaim Weizmann mit einer „angemessenen Teilung" bereits einverstanden habe, verdichteten sich von Tag zu Tag, um schließlich Gewißheit zu werden. Diese Gewißheit trat in der Eröffnungsrede Weizmanns auf dem Züricher XX. Zionistenkongreß zutage, den man einen historischen Kongreß schon jetzt vor seinem Abschluß zu nennen beliebt. Die Ereignisse spielten sich folgendermaßen ab r Dienstag, 3. August, kurz nach 8 Uhr abends, wurde in der Züricher Tonhalle im Beisein von etwa 5 0 0,D e- Te giert e n und Virilisten,; von Vertretern der schweizerischen Eidgenossenschaft, der Stadt Zürich, der schweizerischen Judetiheit; und einer Reihe diplomatischer Vertreter yewcKiedener Staaten, sowie';' einigen tausend Gästen aus':'allen Teilen der Welt ,der 4lr ^von** def1 ^x^kütive'' iind > vom Aktionskömftee1 der Zionistischen 'Organisation als Präsident5des XX. Köngresses, und zwar'für. die gesamte Kongreßperiode,' gewählt wurde. ' ' : . f; M. M. Ussischkin eröffnete denKongreß unteraußerordentlicher Spannung der tausenden Zuhörer mit einer kurzen Ansprache,' in der er - Delegierte' -und';! Gäste 'auf das wärmste begrüßte und auf die außer-' ordentliche historische Bedeutung des XX/Kongresses' hinwies, der ein Jubiläumskongreß und auch Marki stein der großen geschichtlichen Epoche von vierzig Jahren politischem Zionismus sei. Ussischkin "erteüte hierauf das Wort dem Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Ghaim .Weizmann. ' ' t Dieser gab zu Begmn semer, Eröffnungsrede, eine Analyse der Lage der Juden, in den verschiedenen Ländern Europas . und in Palästina und kam zu dem ■ Schluß,, daß . 'sich die jüdische. Situation . :sd4- ^em XLX; Kongreß noch verschlimmert habe; kam' sodann auf die gegenwärtige Lage in Palästina zu sprechen, sprach dann vom geschichtlichen Stadium nach vierzigjähriger Wüstenwanderung und davon, daß' der XX. Kongreß der Ausgangspunkt für eine neue große Epoche des Judentums werden könne. Nach dieser mehr dogmatischen Einleitung wendete sich der Präsident der Organisation dem im Peel- Bericht empfohlenen und von der englischen Regierung rialen Interessen Englands durch die Teilung des Landes gefährdet und viel größere Militärkontingente zum Schutze; des geteilten Landes notwendig wären. Vor, wenigen Tagen noch glaubte man, daß der Vorschlag, der Königlichen Kommission» ein endgültiger sei und;nie- IL¥E^0 jeden Bart bezwingen! mand, am allerwenigsten wir, die Möglichkeit hätte, eine Aenderung herbeizuführen. Wir glauben daran, daß England ein demokratischer Staat ist, mit einer freien öffentlichen Meinung. Es ist ein. Irrtum, zu glauben, daß die Sache : heute bereits 'vollkommen erledigt ist. s Wir haben daher heute Möglichkeiten, diese Ideeder Teilung zu bekämpfen. In dieser Hinsicht aber hat. der verantwortliche Führer der zionistischen Bewegung, Professor Weizmann, nicht geholfen, sondern gestört. In einer Zeit, da Männer wie Churchill' und Lloyd George von einem „w a h n s i n n i g e n P1 a n" gesprochen haben, haben sich. die verantwortlichen Führer, inDebatten und Verhandlungen eingelassen, noch bevor' wir. den Kampf versuchten. Statt sich vom ersten Moment an auf, den Standpunkt zu' stellen, daß . die zionistische Bewegung diese zweite Teilung Palästinas unter -gar keinen Umständen zulassen kann, haben'die Führer mit der Kommission kooperiert. Darin besteht das Verbrechen dieser Exekutive und deshalb muß endlich einmal der Begriff der' V e r a n t w o r t u n g klar* formuliert werden. Es geht nicht an, daß man Beschlüsse:der' Organisation einige Wochen später durch Verhandlungen in London ins Gegenteil verwandelt und dadurch 1 ächer- 1 ich macht. Wie ich die Stimmungen in unserer Partei kenne, werden wir nicht Chaluka-Zionisten werden, Nachkommen der, Chaluka-Juden, sondern wir werden eine Linie fortsetzen: Kampf gegen jeden1 Verzicht und g'egen #.e.de. Liquidation. (Starker Beifall.). Die letzten Debatten im^'englischen Parlament^hatoeri -uns neue: ' Kraft gegeben. Denn was der zionistische Führer, was die Exekutive-nicht zu machen als notwendig erachteten h,aben britische Politiker, getan, denen man nicht yor- , halten kann, daß siek„zionistische Extr emis,t en* seien. Wenn man uns - vorhalten wird, ,daß wir keine Realisten sind, dann werden wir daran erinnern,• daß . einstens auch die Assimilation-den Kampf, gegen die. zionistische Bewegung im Namen der „Realitäten" geführt hat. Wenn wir Judenstaatler vom Judenstaat gesprochen haben'; hat man uns ausgelacht. Wenn wir vom Aus- . täusch der Bevölkerung redeten,! hat man uns für Narren gehalten. Forderten wir Agrarreform, bezeichnete man uns als Utopisten. Heute stehen diese Probleme ira Mittelpunkt der Diskussion. Jetzt sehen wir unsere Ideen, auftauchen, aber verkrüppelt, weil man sich abgewöhnt hat, im Geiste Herzls zu denken. Wir werden auf dem Kongreß versuchen, .die parteiischen Grenzen zu durchbrechen und einen Block aller jener zu bilden, die auf dem Standpunkt der Unteilbarkeit von Erez Israel stehen und bereit sind, den Kampf zu führen.; Wir sind uns der schweren. Aufgabe auf diesem 'Kongx'eß bewußt. Die Judenstaatspartei wird sich weder. .. von'Parteiinteressen, noch1 von Symbolik, noch von; Leidenschaft und Haß verführen . (lassen. Wir, werden dahin trachten, daß die Männer, die ' die Politik zum ' heutigen! Zustand des Zusammenbrüchs geführt haben, ^verschwinden, Ich glaube nicht, daß Weizmann .weiter", beruf en sein darf, mit der englischen Regierung, über zionistische Politik, zu verhandelnd Aber auch; Menschen, die der Meinung sind, daß eine'Teilung v ,u n y e r m e i d 1 i c h sei, und wir versuchen müßten, ein Maximum herauszuholen, werden wir bekämpfen müssen. Wir haben keinen Anteil am Budget der Organisation, den Fonds und dem Apparat. Wir sind frei, da» macht uns stark, Die heutige zionistische Politik ist auf; einem Programm aufgebaut, das sich Kompromissen anpaßt. Wir sind aber überzeugt, daß wir ,' die Zustimmung weiter zionistischen Kreise und vor allem, die Unterstützung jener Delegierten finden werden, die '. persönlich' frei7 und ungebunden sind. * <Sl

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