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Die neue Welt · 1937-08-03 · Heft 677 (3.8.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 677 (3.8.1937)
Date
1937-08-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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vom L ttÜ NBÜB WESJt i*H*^*t&it'!'l fitStt $ Weltkonferenz der Judenstaabparfei (In Paris vom 2«. bis 30. Juli.) Am 28. Juli um 6 Uhr Abends wurde die Konferenz ift Anwesenheit von 66 Delegierten (Frankreich, Belgien, England1, Vereinigte Staaten, Palästina, Oesterreich, Polen, Litauen, Rumänien usw.) durch den Präsidenten Melr Größmann eröffnet. Zum Vcrslteenden der Tagung würde der Präsident der französischen Judenstaatspaftei Advokat J.'Fr an ckei (f»arW), zu seinen Stellvertretern Rösensteln (Bukarest), Grubner (Oesterreich), Mag. Kehn (Pdlen) und au Schriftführern Richter (Wien) und Fürdus (Farlä) gewählt. Alle Verhandlungen wurden für Ö f f e n tli ch erklärt, und eine große Zahl von Gästen war ständig ii«we«eiia:Tiiid Verfölge öle vielfach sensationell wirkenden Referate und Debatten mit größter Spannung. Zuerst erstatteten die Herren Großmann und Stricker ihre. Referate. Großmänn Schilderte die Läge im Zionismus und ging «odann auf die Besprechung des Planes der Teilung Palästinas über. Die Judenstaatspartei als einzige Oppositionspartei wird auf dem kommenden Kongreß die Teilung mit allen Kräften, bekämpf*«. Sie wird aber auch die Abdankung Weltmanns im* «einer Gefolgschaft in der »tonistlschen Leitung fordern. Durch seine von der Jüdenstaatspartel seit jeher bekämpfte Politik haben Weiamann und seine Kollegen ständige Niederlagen herbeigeführt. Nur dank dieser Niederlagen konnte der verhängnisvolle Teilungsplan entstehe». Die Judenstaatspartei hat zur Politik Weiamanä« kein Vertrauen, vor allem aber erachtet sie ihn nicht als ÄUvftf*, lässigen Vertreter des Zionismus' in der heutigen, So schwierigen L&ge^ im Kampf gegen die Teilung. Stricker behandelte in seinem Referat das Verhältnis zwischen Galuthjudentum, Zionismus und Palästina. Er besprach die Folgen der „palästinozentrischen" Tendenz, welche seit mehr als zehn Jahren, im Zionismus herrschend geworden sind. Man hat das Weltjudentum aus dem Kreis der zionistischen Politik ausgeschaltet und sich nur mit dem heute bestehenden jüdischen Palästina beschäftigt. Man hat ganz daran vergessen, daß der Zionismus vom Galuthjudentum und für das Galuthjudentum geschaffen wurde. Bin Zionismus, der nicht die Lösung der gesamten Judenfrage, sondern nur das Schicksal der Juden in Palästina zum Gegenstande hat, ist ein Widerspruch, ein Unsinn. , i' Dieser Zustand hatte einen bedrohlichen Rüokgang des zionistischen Gedankens im Weltjudentum und das Entstehen egoistischer und partikularistischer Tendenzen in Palästina zur Folge, Gleichgültigkeit in der Galuth und Mangel an judisphem Patriotismus in Palästina. Der Referent forderte die Rückverlegung des Schwerpunkte« zionistischer Politik, Organisation und Propaganda' in die Galuth, um das Weltjudentum für den Zionismus zu mobilisieren. Weinstein (Tel-Aviv) sprach über zionistische Ideologie und schilderte in. meisterhafter Weise die ideologisch« Zerfahrenheit, in welche die Bewegung, vor allem die j.üdisc.he Jugend, geraten.Ist. Ais erste Redner in der Generaldebatte sprachen Lichtheim und Dr. Soakin. Beide stellten die Teilung Palästinas als eine so gut wie tollzogen« Tatsache hin und traten dafür ein, sich daher mit dem Teilungsplan abzufinden und in Verhandlungen über das Ausmaß der Teilung, über Grenzziehung und wirtschaftliche und politische Bedingungen einzutreten. Die Ausführungen dieser beiden Redner versetzten die Konferenz in Erregung. Alle anderen Redner, besonders eingehend Stricker, Großmann, Machower und Rosenstein, nahmen gegen die- Anträge Lichtheims und Soskins energisch Stellung. Unter dem Eindruck der einmütigen Stellungnahme der ganzen Konferenz erklärten beide Herren ihren Austritt aus der Judehstaätspartei. Nachdem Großmann den beiden scheidenden Mitgliedern den Dank für ihre bisherige Tätigkeit Inl Dienste der Partei ausgesprochen Mite, nahm dl« Konferenz den Austritt zur Kenntnis. Die Referate Und die Generaldebatte, insbesondere aber die Erörterung des Planes der Teilung Palästinas, hatten einen so großen Teil der für die Konferenz: bestimmten Zelt ih Anspruch genommen, daß die Behandlung der von den Kommissionen (Politik, Organisation, Jugend); ausgearbeiteten Anträge im Plenum nicht m«hr erfolgen konnte, wurde daher die Fortsetzung der Konferenz in Zürich beschlossen. Wir werden Über die auf der Konferenz erstatteten Referate noch eingehend beriohten. KlN<M>ROflRAMME CHWEDEN I VonlOUhr vdttttkbli 6Uhr Abends Labancto Zeitung A - 40 - 0 flO Nur l/,7 und 8 Uhr abend» Metro.Ooldwyn - Mayer Fsstsplile Paul Muni, Luise Rainer, Tllly Loscti Vorverk&uf für die nächsten 7 Tage tag: ab VjJO Uhr vormitl Dle^ v*c +r i $111! EMB^ Bewegung In Genf Aus Genf wird gemeldet: Unter allen Anzeichen einer großen Spannung ist ftteitag, deü 30. Mi, um 11 Uhr vormittags die Ständige Mandatskommission des Volkferbuftdfes zusammengetreten. Verhaftdlühg3gegenstand ist der Plan der englischen Regierung, Palästina in drei Teile, einen jüdischen, einen arabischen und einen uhtefr' englischem Mandat stehenden, zu teilen. Den VoWlitÄ führte der Belgier Pierre 011 a. Stellvertretendet "Vorsitzender ist der bekannte schweizer Gelehrte Prof. William Rapparä. Das italienische Mitglied der kommission ist Graf Teodoli, der bisher Vor* Sitzender der Kommission war. Infolge der noch immer wegen des Spanien-Konflikts «wischen Italien und England bestehenden Spannung ist die Haltung TeodoliS unbestimmt. Weitere Mitglieder der Kommission Sind der Japaner S a k e n o b e, der Engländer Lord Haily, der Franzose Girod, der Spanier Palacios, der Portugbm Giitöta und dte Norwegerin DanaeVig, Grat Tel doli, der italienische Delegierte, ist in Genf hioht erschienen. Entscheidung Hegt beim Völkerbundrftt Die erste Siteung endete um 4 Uhr nächtoltt&gs. Dia Kommission nahm einstimmig eine Tagesordnung an, die die Prüfung und Erwägung des Berichte«* der itgh Kommission sowie des Statement of Policy (polltischen Vorschläge) der britischen Regierung tnthalt. . . Öer .Vorsitzende der Mandatskommission, Pierre Ort«, führte aus, die Kommission habe sich mit der Prüfung des Berichts au befassen und ein Referat darüber ku erstatten, während definitive Entscheidungen auf Grund die* sea Referate dem Völkerbundrat, der sich in seiner 8eptcmbcrta£ung damit beschäftigen wird, vorbehalten bleiben. Hierauf .* setzte im Namen der britischen Regierung kolöriienminlster Ormsby-Gore in eingehenden Ausführungen den Standpunkt Englandsauseinander, wie er in dem bereits bekannten Statement enthalten ist. OrmSby-Gore verteidigte mit Eifer den Standpunkt der britischen Regierung, wobei er betonte, daß für England die von ihm übernommenen Verpflichtungen auch im Rahmen des Teilungsplanes bindend geblieben sind. Allerdings werde nur die Grundlinie des Mandats eingehalten, da die bisher praktizierte Durchführung sich als unmöglich erwiesen habe. Ormsby- Gore bat zum Schluß die Mandatskommission, ihr Gütachten auf Grund der britischen Statement of Policy au erstatten. Proteste Wie wir erfahren, sind bei der Mandatskommission hunderte Proteste von jüdischer und arabischer Seite gegen" den Teilungsplän eingelaufen. Die N.-Z. 0. hat der Kommission ein Memorandum überreicht, das „konstruktive Alternatlvvorschläge" enthält, wonach das Mandat mit geringfügigen Modifikationen erhaitea bleiben soll. Arabische und jüdische Delegationen Vor Beginn der Tagung empfing Kolonienminister Ormsby-Gore eine vom extremradikalen Propagandisten Auni Bey Abdul Öadi geführte Delegation des Obersten Arabischen Ausschusses und eine die gemäßigte Gruppe Nashashibi repräsentierende Delegation und ließ sich die arabischen Ansichten vortragen. Präsident Dr., Chaim Weizmannist am 20. Juli in Genf eingetroffen und hat eine Reihe Konferenzen mit verschiedenen Staatsmännern abgehalten. Rabbi Stephen W i s e weilt mit einer amerikanischen Delegation ebenfalls in Genf. Zionistische Mhrer halten mit Vertretern des Waad Leumi (Jüdischer Natiönalrat in Palästina) Besprechungen ab. Ferner sind in Genf Delegationen der N.-2. 0. und der Agudas Jisroel eingetroffen, die über eine gemeinsame Basis des Kampfes gegen den TeUungsplan beraten., TdhiniHptart in den Hintergrund gerückt Aus London wird berichtet t Der „D a i 1 y H e r a I d" gibt m feinem Leitartikel dem Wunsch Ausdruck, daß kölöhieniftltilster Ormsby-Gore davon absehen möge, öle Dinge In Genf mit alfcu großer Elle zu betreiben. Die Möglichkeit werde immer größer, daß die Teilung eich als überflüssig envelwn könnte, wenn sie nicht mit übergroßer Elfe dUrthgMruckt wird. Ite wäre klug, Palästina die Ühonce für eine neue Behandlung der Sachlage zu geben. Schon ata Donnerstag hatte der .Abgeordnete We'dgWööd in einer Zuschrift an den „Daily Telegraph« ' darauf hingewiesen, daß die Situation in Palästina Sich kaleidoskopartig ändere. Die Teilung die vor wenigen Tagen unmittelbar bevorzustehen schien, sei jetet bei weitem nicht mehr gewiß, ja vielleicht sei der Teilungsgedanke schon tot. Weder von den Arabern, noch von den Beamten in Palästina werde die Teilung jet*t gewünscht. Auch funktionlere die Polizei Wieder. Die Verhaftung des Obersten Arabischott aus«ohnsses wurde jetzt keine Schwierigkeiten machen. Haussuchungen nach Waffen, die man früher als undurchführbar bezeichnet habe, gehen jetzt glatt von- «tatten. Nachdem es sich nunmehr erwiesen habe, wie kioht es ist, ddr Anarchie ein Ende ztt machen, bestehe kein Grund mehr für einen Mandatsverzicht Englands und für die Teilung. Der Peel-eBiicht habe festgestellt, daß die Wirtscbaitllehe Aufnahmefähigkeit mit Steigender Einwanderung wächst. Alan solle daher den Juden selbst die Kontrolle über die Einwanderung in den für sie bestimmten Teil Palästinas überlassen» Die Araber Wünschten jetzt das Verbleiben Englands in Palästina, aber die Juden'dürften ea kaum wünschen, solange die Gefahr der Einschränkung der Einwanderung auf 13.000 jährlich und der Hervorrufung neuer Unruhen durch eine schwache Regierung Übär ihrem Haupte hängt. (J. T. A.) Protest g^gen die engliiche Palästinapoliiik im Uu & A«»ttepr3fenlanfontiaus Au* Waehington: Der Abgeordnete Leon Sack brachte im Repräsentantenhaus der U. S. A. eine Resolution ein, in der gegen den Plan der Teilung Palästinas protestiert und England ersucht wird, die ihm aus dem Palästina-Mandat erwachsenden Verpflichtungen „voll und fair" zu erfüllen. (J. T. A.) Iii) in .Iii -i . i .Ii i ■! Die ätimMtuttjg im den arabischen lindern Aus London wird berichtet: Wie den „TimeS" aus Jerusalem gemeldet wird, dürfte nach den Debatten des Parlaments über den Teilungsplän in Palästina eine an Zwischenfällen weniger reiche Äeltperiode beginnen. Auf arabischer Seite hätten die Debatten dazu geführt, daß die durch die Furcht vor der Teilung entstan» flehe Spannung gemildert und die Geneigtheit zu Verhandlungen mit den Juden über ein Abkommen, durch das die Teilung vermieden werden könnte, stärker geworden l*t. Es habe sich schnell eine für solche Besprechungen £u»*tigc Atmosphäre-entwickelt. Man gebe *u, dtft der Einfluß des Mufti ein Hindernis für diese Bestrebungen ist. poch glaubt man nicht, daß dieses Hindernis angesichts der Volkstümlichkeit des Gedankens entscheidend tein wird, besonder.«, da das Prestige des M'ti-f#«ehr. |tjftei* ÜAfc > Man könne auch feststellen, daß der uhmittel* bare Ausbruch von ünruhen weniger wahrscheinlich geworden sei. Die Haltung der Araber sei im allgemeinen eine versöhnlichere geWörden, und dann-WiSSC der Mufti auch, daß sofort das Kriegsrecht verkündet und er bestimmt verhaftet werden würde. Aus Jerusalem: In den arabischen Kreisen ist die Ansicht verbreitet,. daÄ der Standpunkt der Herrscher des Irak, des Hedschäs und Jemens in der Frage der Teilung Palästinas von demjenigen des Emirs A b d ü.l 1 ä h yön Transjordanifen nicht wesentlich abweicht* Öie arabischen Herrscher seien bereit, über das Palästina-Problem auf der Grundlage der Teilung zu verhandeln. Aus Jerusalem: Es bestätigt sich, daß der Mufti in der letsten Zeit seine auf dem .Gebiet der Omar-Moschee liegende Wohnung nicht mehr verlassen hat. Einer arabischen Abordnung aus Hebron, die ihn dort besuchte, erklärte der. Mufti, er wisse ganz gut, daß man ihn eines Tages desLandesverweisen werde. Aber er sei eher bereit, das E*il auf sieh zu nehmen, als isieh in Abhängigkeit zu begeben. (J. T. a.) Englische Fasditaten singen das Horsr* Wessel.Ued Prag: Die „Tlmeö" melden1 aus Berlin: Gauleiter Julius Streicher empfing in Nürnberg eine Abordnung von 20 britischen Faschisten, die sich gegenwärtig auf einer Reiae durch Deutachland befinden. In seiner Ansprache drückte Streicher Bewunderung für die britische Schwarzhemdenorganisation aus und sagte: „Warum weigert sich die englische Nation noch immer, ihre Hand . den Deutschen entgegenzustrecken?, Darauf gibt es nur eine Antwort: Wenn das englische Volk die Wahrheit kennen würde, würde es Deutschland die Hand reichen, aber in England haben die Jüden und das jüdische Geld sehr viel tu sagen. Aus diesem Grund, und das wird meine Ucberaeugung bia zu meinem Tode sein, darf der Kampf gegen die Juden niemals" aufhören. In diesem Sinne betrachte ich Sie als meine Brüder und Kameraden in unserem Kampf. Wir haben nur einen gemeinsamen Feind, das ist das Judentum, wir müsaen es besiegen. Die Zeit wird kommen, wo die Welt von dem Satan Alljuda befreit sein Wird. Vielleicht ist der Tag näher, als wir glauben, da unsere beiden Völker nicht mehr gegen, sondern miteinander für die Zukunft der Welt arbeiten werden, England und Deutechiand zusammen und vom Judentum befreit, wären imstande, der Welt ein neues GeSdcht zu geben," Die Besucher brachten ein dreifaches Siegheil auf Hitler und Streicher aus imd Überraschten ihrsh Gastgeber dadurch, daß'sie das Horst-Wessel-Lied auf Englisch sangen. * Schon seit langem bemühen sich die deutschen Nationalsozialisten, die Sympathien Englands für sich au gewinnen. Bs geht da*um, Utogland von Frankreich *u trennen, um dieses, falls es seinem Verbündeten im östen zu Hilfe kommen sohlte, , au &er»Chmettern. Was allerdings das Horst-Wessel-Lied betrifft, wissen die britischen Schwarzhemden beÄimmt'nicht, wer der Mann war, für den sie sieh begdS.tem,*$iä auch nicht, wessen KAliben Julius Streicher ist*

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