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Die neue Welt · 1937-08-03 · Heft 677 (3.8.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 677 (3.8.1937)
Date
1937-08-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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fett« 2 DIB NEUE WELT Nk. 677, vom 3. August bietes", meistens ia der englischen Zone, einige tausend auch im „arabischen Gebiet" befinden. Zu diesem Falle wird die Lage kauni geändert werden und die Dinge werden so b 1 eiben, wie sie sind — ob Teilung oder Nichtteilttng. Welters muß im Gegensatz zur Beweisführung der Anhänger des Teilungsplanes bemerkt werden, daß der jüdische Landbesitz im „jüdischen Gebiet" nur 11 Prozent dieses Gebietes beträgt. Das Verhältnis hängt natür lieh von den Grenzen ab, denn bedingt durch die außergewöhnliche Lage, ergibt es sich, daß je größer das „jüdische Gebiet", desto geringerdas.Verhält nis des jüdischen Landbesitzes ist. Das einzige Gebiet, in dem Bevölkerung und Landbesitz jüdisch sind, ist T e 1-A v i v. Der jüdische Staat wäre also nur dann völlig jüdisch, wenn er sich auf Tel-Aviv beschränkte. Selbst nach Darstellung derKgl. Kommission wäre die Zahl der jüdischen und der arabischen Bevölke* rung im jüdischen Gebiete gleich. Unter diesen Um ständen entsteht das nicht leicht 2U lösende Problem der Zweisprachigkeit der Schulen und Aemter, zweier lei Feiertage usw. Es ist traurig, daß der kleine „S p i e 1 z e u g-J u d e n s t a a t" von Anbeginn der ungeheuren Aufgabe gegenüberstünde, mit einer feindlichen Minorität, die der „Majorität" fast gleichkäme, fertigzuwerden. Der Berieht nennt die 30 Prozent Juden in Palästina einen „furchtbar großen (formidable)" Bruchteil der Bevölkerung. Waa muß man dann zu den 49 Prozent Arabern im Judenstaat sagen? Wenn ein friedliches Nebeneinander zwischen den zwei Völkern von der Königl. Kommission für unmöglich^ befunden wird, dann muß auch für den „Judenstaat" diese Lage als schlecht, wenn nicht schlechter befunden werden. ' Austausch von Land, und Le.ut.en, wie er im Bericht vorgesehen wird,, ist praktisch keine Lösung unserer Schwierigkeiten.. Während die Araber 89 Prozent des Landes im jüdischen Gebiet besitzen, beträgt der jüdische Landbesitz im ärabi-. sehen Gebiet weniger als 10 Prozent. Das gilt ebenso für die Bevölkerung. 10.000 bis 12.000' Juden im arabischen Staat werden 225.000 Araber (nach Angaben der Kommission) im jüdischen Staat gegenüberstehen, Austausch ist offenkundig unter solchen Umständen unmöglich. Nebenbei gesagt, werden die Araber, die im jüdischen Gebiet ein b e s s e r e s Leben führen und führen werden, unter keinen Umständen mit einem Austausch einverstanden sein. Sie;kennen die schwierigen Lebensbedingungen im.arabischen Transjordanien und verspüren kein Verlangen, ihren hohen Standard dagegen einzutauschen.. Palästina, wie es jetzt besteht, ist ein kleines Land, und sein- Wohlstand ist allein 'das Resultat großer jüdischer Anstrengungen, zum Zwecke der Errichtung eines jüdischen Nationalheims. Die Juden sind sicher, daß sie . unter gewissen Bedingungen imstande wären, das Land auf eine solche wirtschaftliche Höhe zu bringen, daß es eine Bevölkerung von einigen Millionen ernähren könnte. Das jüdische Gebiet, das offenkundig nur ein Bruchteil Palästinas sein kann, durch Korridore in einzelne Fragmente geteilt, von den z w e i w i c htigsten historischen, administrativen und wirtschaftlichen Zentren des Landes Jerusalem und Haif a, abgeschnitten, wird wirtschaftlich und politisch derart v er kr üp-, polt sein, daß es kaum eine größere Anzahl jüdischer Einwanderer aufzunehmen imstande wäre. Daher ist die angegebene Zahl von zwei oder drei Millionen Juden und ein paar Millionen Arabern, im jüdischen Gebiet ebenso unmöglich und phantastisch wie der Plan selbst. - Die theoretische Einbeziehung von Haifa, Akko, Tiberia und Safed in den JudenStaat wird den Juden wenig helfen, da diese vier Städte auf ünge wisse Z«it unter Mandatsgewal.t gestellt würden. Nach dem Prazedenssfall Aegyptens könnte diese, zeitlich* Verfügung Jahrzehnte, ja vielleicht ewig dauern. Mit Recht sagt man, daß nichts so. lange dauere wie eine zeitweise Verfügung., Dia Einwohner dieser vier außerhalb des Judenstaates, gelegenen Städte werden niqht Bürger des J u d e n s t a a t e s. sein, und in bezug auf seine Rechtsprechung und Finanzen „Freunde" bleiben. Gemäß der Empfehlung der Kommission .. würde sich die Balfour-Deklaration nicht auf sie bezieh e n, Englisch wäre ihre einzige offizielle Sprache.1 Das sollte von diesen Menschen beachtet werden, die geneigt sind, alles nach dem äußeren Schein zu beurteilen. Die Küstenebene ist dicht bevölkert. Selbst wenn die Dichte des Judenstaates durch seine industrielle Entwicklung Belgien, dem meistbevölkerten Lande der Welt, gleichkäme, reichte sie nur für eine Verdopplung der gegenwärtigen1 Bevölkerung des „jüdischen Gebietes". Das heißt, ohne Rücksicht auf den natürlichen Bevölkerungszuwachs könnte das Land nur 400.000 oder 500.000 neue Bewohner aufnehmen, Durch diesen Mangel an E^pansionsmöglichkeiten wäre der Judenstaat tatsächlich nur ein neues Ghetto an der Küste des Mittetmeeree, und , den Hungers sterbenden jüdischen Massen Osteuropas wäre jede Hoffnung auf 'Ein w a n djlr^iiJggge i|0|n|m en. Es wirft Behauptet', dM' die Juden durch die Teilung bestes Land in fruchtbaren Ebenen bekommen; daß die Araber wertvolle Orangenplantagen an die Juden verlieren usw. Das ist Unsinn. Die vorgesehene* Errichtung eines Judenstaates würde an sich keineswegs mit arabischem.. Bc-* SitzrechtinWiderstreitstehe n. Nicht ein einziger Dunam arabischen Bodens würde durch die Bildung dieses Staates jüdisch werden. Wie . bisher, würde das Land in arabischem Privatbesitz bleiben und höchstens zu a s t r o n o m i s c h e n P r e i s e n verhandelt werden. Es ist klar, daß der Judenstaat keine Enteignungspo.litik treiben könnte. Die Verbesserung der internationalen Lage des Weltjudentums durch die Aufnahme des Juden- ' Staates in tien Völkerbund stünde in keinem Verhältnis zur Verschlimmerung seiner nationalen Position in Palästina. Die Juden würden wenig, gewinnen «und fast alles verlieren. Man darf nie vergessen, daß, wie das Beispiel Transjordaniens lehrt, die Bildung eines neuen arabischen Staates ipso facto zum vollständigen Ausschluß der Juden aüs diesem Gebiet führt. Das ganze Gespräch von diesem JudenstaatistnurAugenauswischerei. In Wirklichkeit bedeutet Teilung nichts anderes als territoriale Absonderung, oder die Einsperrung der Juden in besondere Reservationen, verbunden mit dem Verbot des Landkaufes außerhalb dieser Reservation. Solche Pläne passen für das schwärzeste Afrika, aber nicht für eine ,;Schweiz", wie sie den Urhebern des Teilungsplanes vorschwebte. Die Araber würden ein stark unterbevölkertes Land zu beiden Seiten des Jordan zur freien Verfügung haben, dessen Zuteilung zum arabischen Staat ihnen kaum nützen könnte. Sie werden leicht ins „Jüdische Gebiet" eindringen können, geschweige denn in die anderen arabischen Staaten. Andererseits bedeutet für die Juden, für welche Palästina das einzige Land der Welt ist, in dem sie sich rechtmäßig, nicht geduldet, niederlassen können, Absonderung eines Gebietes,- unter welch ' hochtrabendem Namen dies auch immer geschehen möge, ein mor-alrsches, politisches und wirtschaftliches Unglück.; >• '•<■.,-. <' •-!• In .einer Hinsicht haben''die' Anhänger der Teilung recht: Teilung is't kein Kompromiß. Es mutet fremd an, auf englisch'er Seite soviel Verachtung' für „Kompromisse'* zu"'finden -—-wenn mäh bedenkt, daß ein besonderer Genius für politische^ Kompromisse als einer der größten V o r z ü g'e* des britischen Charäkters gewertet Wurde, auf welchen die' meisten Erfolge britischer ■ Staatsmänner zu werten-' sind. - - " ' ' ' ' . ' Teilung ist tatsächlich kein Kompromiß. Sie ist eine y q' 11 s' t'ä nd i g e u ri d' b e d in gungs'lose Ühterwerfuhg unter die arabischen Terroristen. Das Schlechteste ist, daß diese Unterwerfung den Engländern keine Vorteile bietet.' Es bedeutet einfach, sich'den' Arabern ausliefern.' Durch ihre Erfolge aufgepulvert; würden die arabischen Terrorbanden allen Grund haben, ihre mörderische und destruktive'Tätigkeit fortzusetzen, in "der Hoffnung, die Juden (und die Engländer!) aus dem Lahde zu vertreiben und so ihren Sieg zu vervollständigen. Die Spannung zwischen den Heiden Völkern wird vergrößert anstatt verringert werden. Die Hügel waren immer die Zentren und der Unterschlupf arabischer Terrorbanden. Aber Während bis jetzt die Banden sich, nicht öffentlich organisieren durften Und sich auf die Methoden eines Guerilla- Krieges stützen mußten, werden sich im Augenblick der dfÜttdung des arahiSche-n Staates die Terrorbanden in eine ' reguläre Armee verwandeln, und die Einfälle in den Judenstaatwerden ein* regeliriäßigfe, alltägliche A rige-« 1 e g e n h e i t werden. An Stelle der Befriedung würde ein dauernder Kriegszustand treten. Die Engländer müßten eine ganze Armee aussenden, um das Land vor Anarchie zü retten, da man von den Juden, denen man nicht zu verteidigende. Grenzen aufgezwungen hatte, nicht verlangen kann, eine künstlich gegen ihren Willen und ihre Interessen durch Teilung geschaffene schwierige Lage zu meistern.-. Gewollt oder ungewollt werden imperialistische Erwägungen die britische Regierung zwingen, zu intervenieren, um Frieden und Ordnung herzustellen, doch wird das dann zehnmal schwerer und kostspieliger, als jetzt sein. * Auch dlefinanzielleSeite muß betrachtet werden.! Während Palästina derzeit dem britischen Steuerzahler nicht einen Heller kostet, ihm sogar größe Ausgaben erspart, die er bei Wegfall der großen jüdischen'Einwanderung bezahlen müßte, wäre die Teilung ein kostspieliges Experiment für-den britischen Steuerzahler, da der britische-Schatzkanzler die.Konten iäei} Verwaltung-, der Verteidigung usw. des neuen arabischen Staates zahlen müßte, wie er es jetzt flli! Transjordanien tut. Die erwähnten englischen 2 Millionen Pfund Wären unter diesen Umständen bloß ein kleiner Beitrag zu diesen Kosten. Die Zumutung, daß die Jiidän für das Gebiet, das sie nicht einmal r ec h t m ä ß i g b e t re t e n dürften, einen Tribut zahlen sollen, ist so unfair, ungerecht und erniedrigend, daß kein Jude einer solchen Möglichkeit zustimmen kann. Das einzig greifbare Resultat nach Annahme des Teilungsplanes wäre die Errichtung eines vorübergehenden Regimes für ungewisse Zeit, während der die jüdische Immigration und der Landkauf im arabischen Gebiet verboten wären. So wären die frechen Forderungen der arabischen Terroristen zur Belohnung von sechsmonatigem Terror und Blutvergießen erfüllt. Aller, Wa3 die Juden , davon haben werden, wird die „moralische B el w u n d g v u n g" der Welt für ihre Zurückhaltung gegenüber dem furchtbaren. Terror sein. N. Z. ©♦ und Aguda an Diu Weiimann Aus London wird berichtet: Der Präsident der Neu-Zionistischen Organisation, Vladimir Jabotinsky und der Präsident der Weltorganisation Agudas Jisroel* Jakob Rosen hoi m, haben gemeinsam an den Präsidenten Professor Cbaim Weizmann, eüi Schreiben gerichtet, in welchem der Vorschlag gemacht wird, im Hinblick auf die Besorgnisse, die die Vorschläge der Kgl. Kommission in der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit hervorgerufen haben, eine Körperschaft einzusetzen, die die gesamte propalästinensisch eingestellte Judenheit umfaßt und die Stellungnahme des jüdischen Volkes zu der Zukunft Palästinas endgültig festlegen soll- Als erster Schritt zu diesem Ziele solle unverzüglich eine Round -Table-K o,n f crenz von Vertretern der Jewisii- Agency, der Neu-Zionistischen Organisation und. der Agudas Jisroel einberufen. werden. Im Schreiben an Dr. Weizmann heißt es u. a.: „Da in der ganzen jüdischen Welt die Befürchtung zunimmt, daß die Vorschläge der Kgl. Kommission Sinn und Seele der jüdischen Heimstätte-Bewegung zu. .vernichten drohen, wird es mehr denn je gebieterisch notwendig, daß über die Stellung des jüdischen Volkes zur Zukunft Palästinas von einem Organ endgültig entschieden wird, das die gesamte propalästinensische Judenheit der Welt repräsentiert. In vollem Bewußtsein der wesentlichen .Unterschiede zwischen den Anschauungen der unterzeichneten Organisationen halten wir es dennoch für unsere gemeinsame Pflicht, der Zionistischen Organisation, der Jewish, Agenoy und der jüdischen und nichtjüdischen Welt im allgemeinen unsere Forderung vorzulegen, daß die jüdische Stellungnahme zu der Zukunft Palästinas der Entscheidung einer besonderen Versammlung unterworfen werde, die die gesamte propalästinensischa Judenheit der Welt ohne Rücksicht auf Gruppenzugehörigkeit repräsentiert. Als ersten Schritt in dieser Richtung schlagen wir vor, daß unverzüglich eine Roun d-Table-Konferenz unserer :drei Organisationen, geleitet durch einen neutralen Vorsitzenden; einberufen werde, damit wir gemeinsam über die Mittel und Wege entscheiden, um den in dem vorangehenden Absatz dargelegten Gedanken zu verwirklichen.''' Amevihanisdter {vewerksdiaftsbund geseii TeaBttrtg PaBäsisnas Aus Washington: Der amerikanische Gewerkschaftsbund hat eine von seinem Vorsitzenden, William Green,' iihterzelchneto Erklärung gegen den Plan Eng« lands, Palästina zu teilen, veröffentlicht und alle Amerilainer aufgefordert, dagegen zu protestieren. In der Er- Idärung wirrt der Plan als „ungerocht Und unmenschlich" gegenüber Millionen Juden bezeichnet* deren einzige Hoffnung Palästina ist, und denen Im Fall der Teilung Vernichtung droht. Das Mandat sei England nicht gegeben worden, um Palästina zu teilen, sondern um dort gemäß dem von England der Weltjuüenheit ge-» gebenen Vorsprechen die Errichtung einer Heimstätte zi| fördern. (J. T. A.) Der Standpunkt de* Naditzionisten In einem „Vor dem Züricher Kongreß" überschriebenen Leitartikel hebt Dr.: Alfred Hirsch« berg in der „G.-V.-Zeitung" (Organ der reich«- deutschen Assimilahten) die besondere Bedeutung de« XX. Zionistenkongresses und der anschließenden Coimcil-Taguiig der Jewish Agency hervor. Er betont gleichzeitig den Anspruch der Nichtzionisten, daöi ihre Stimme diesmal stärker beachtet wird, denn fUr das gefährdete jüdische Werk in Palästina müßten alle erfor« derllchen . moralischen und materiellen jüdischen Kräftti eingesetzt werden. In dem Artikel heißt es weiter: Kein Jude wird über ein mögliches Fiaßko. des politischen Zionismus oder der traditionell 1 e n z.i onistischpnPolitik Genugtuung empfinden« Ein in der ganzen Welt sichtbares jüdisches Werk iat gefährdet, und für seine Erhaltung müssen alle erforderlichen moralischen und materiellen jüdischen Kräfte ein* gesetzt werden. , Darum haben . diesmal auch die Nichtzionisten', schon vor der Agency-Tagung das Recht, ihre Auffassung zu, äußern, denn die Agency wird weitgehend durch die Kongreßbeschlüssp präjudiziell, und diese Wir« ken -auch auf die Nichtzionisten zurück.

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