Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 677 (3.8.1937)
- Date
- 1937-08-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712302--6644-2720423- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
«telte 4 DIE NEUE WELT dM.iT*,>> r.« . i i Inn I Nr. 677 vom 3. August 193t Wehe, wenn sie losgelassen. Mit deutscher Gründlichkeit ■ ■ Wenn man auch noch so sehr abgestumpft ist gegen die Nachrichten, die aus dem erwachten Deutschland kommen, so wird man doch immer wieder von Schmerz und Erbitterung erfaßt über das, was das Hakenkreuz den in Deutschland lebenden Juden antut. Mit scheinheiliger Miene erzählen die hitleristischen Helden den Besuchern des Dritten Reiches, daß die Judenfrage durch das Gesetz geregelt sei. Sie verschweigen aber die Tatsache, daß der Bestialität der Nationalsozialisten gegenüber die Gepeinigten wehrlos sind. Gäbe es nicht eine Presse, so wüßte man nichts von den Verbrechen, die die Anhätiger und Trabanten Hitlers in reicher Fülle an unschuldigen Menschen täglich begehen. Die Geschichte einer Aschenurne Wie ein Sonderberichterstatter der J. T. A. erzählt, wird der wirtschaftliche Vernichtungsfeldzug in unvermindertem Maße fortgesetzt. In zahlreichen Provinzstädten werden die Juden gezwungen, ihre Läden an „Arier" abzutreten. Wiederum sind zahlreiche Fälle bekannt geworden, in denen Juden, die sich weigerten, ihre Läden an Arier zu verkaufen, von der Gestapo festgenommen und so lange in Haft gehalten wurden, bis sie dem Verkauf, das heißt der Verschleuderung, zustimmten. Besonders kraß ist folgender Fall: Ein jüdischer Kaufmann wurde in Haft genommen, weü er sich geweigert hatte, sein Geschäft zu verkaufen. Seiner Familie war es verboten worden, ihn zu besuchen oder sonstwie einen Kontakt mit ihm aufrechtzuerhalten. Einige Tage nach seiner Verhaftung erhielt die Frau von der Gestapo eine Urne mit der Asche ihres Mannes samt der Weisung, die Beisetzung habe so unauffällig wie möglich zu erfolgen. Tatsächlich war bei der Beisetzung auf dem jüdischen Friedhof außer den engsten Familienangehörigen nur der Ortsrabbiner anwesend. Kurz nach der Beisetzung wurde der Witwe ein von ihrem Manne eigenhändig unterschriebenes Dokument vorgezeigt, laut welchem er das Eigentumsrecht an seinem Geschäft einem Arier überträgt. Noch immer Ritualmordmächen. In Bamberg (Oberfranken) haben die-Nazibehörden im Zusammenhang mit dem Tod eines achtjährigen deutschen Kindes das Ritualmordmärchen wiedererstehen lassen. Unmittelbar nach'Ableben des Kindes verbreiteten sie das Gerücht, daß das Kind von Juden zu rituellen Zwecken ermordet worden sei. Nach . einer gerichtlich durchgeführten Untersuchung stellte sich jedoch heraus, daß das Ge-. „ rücht jeder Grundlage entbehrt. Hierauf griffen die lokalen Nazi-Stellen den Fall auf und acht Juden wurden verhaftet. Drei von ihnen wurden bald darauf wieder freigelassen, die anderen fünf befinden sich noch immer in Haft. Offizielle Persönlichkeiten der Nationalsozialistischen Partei besuchten das Grab des Kindes; es wurde beschlossen, alljährlich an, seinem Todestage einen D emonstrationszug zum Grabe zu veranstalten. Staatenlos — Freiwild Besonders unhaltbar hat sich die Lage der staatenlosen Juden in Deutschland gestaltet, von denen die meisten seinerzeit aus Rußland vor den Bolschewiken geflohen waren. Auf Grund der bestehenden internationalen Rechtsvorschriften und auch weil kein Land sie aufnehmen will, können Staatenlose nicht ausgewiesen werden. Dennoch wenden die Nazis alle möglichen Mittel an, um diesen Juden das Leben so schwer zu machen, daß ihnen nichts übrig bleibt, als das Land zu verlassen. In Berlin werden staatenlose Juden immer wieder verhaftet, manche von ihnen vier- und fünfmal in kurzer Folge. Stets werden sie aufgefordert, aus dem Lande zu gehen. Einigen drohte man, sie in ein Konzentrationslager zu bringen, falls sie dieser Aufforderung nicht bis zu einem bestimmten Terrain nachkommen. Das Arbeitsrecht wurde diesen Juden ganz entzogen. Die einzige Hüfsorganisation für jüdische Flüchtlinge aus Rußland, der Verein russischer Juden in Deutschland, ist von der Gestapo aufgelöst worden. Das Bauben verstehen sie Wie wir seinerzeit melden konnten, haben die nationalsozialistischen Behörden die Bne-Brith-Logen aufgelöst und deren Vermögen beschlagnahmt. Dieser hitlerisßsche Raubzug trug einige Millionen Mark ein. Es ist zum erstenmal in der Geschichte der Zivilisation, daß eine Regierung offen vor aller Welt seine eigenen Staatangehörigen beraubte und sich solcher Tat rühmte. Aber das ist noch nicht alles. Man muß tiefer hineinschauen in die mit schamloser Brutalität gemischte deutsche Gründlichkeit. In Stuttgart schritten die Nazis zur Liquidierung des Vermögens der Bne-Brith-Loge. Der Räuber muß wissen, wie groß sein Raub ist. Er macht Bilanz und schenkt dem Opfer nichts. Und nun, Europa sojj es hören, Europa soll es wissen, wer in seiner Mitte lebt* Die Stuttgarter Nazi-Behörden sandten an alle Bne-Brith-Mitglieder, welche Beiträge schuldig \varen, ein Rundschreiben, in welchem sie zur prompten Begleichung der Rückstände aufgefordert wurden. Die Bre-Brith-Mitglieder zahlten und die eingeflossenen Beträge wanderten in die Kasse der Nazis, die von Gott eingesetzt wurden, die europäische Kultur zu retten! Da 9ieht man wieder die deutsche Gründlichkeit! | SeUlEpMMij 'S Sem ine Beispiele der Wunderpreise: Damen-Kniestrümpfe, Kunstseide oder Seidenflor, 2. Wahl, Herren-Noppen-Kniestrümpfe, Gummizug, oder Damen-Charmeuse-Netzhöschen . * nur Groschen Charmeuse-Kleider, graue Wickelschoßen, Beinseide - Imprim'eV - Kleider, Noppen- Schaf woll-Badeanzüge . j•',. < , nur S Mongol- oder Flamisol-KIeider, Einzelstücke, K.-S.-Pique-Westenblusen, K.- Seide - Imprime - Kleider, Noppen - Sportkleider » «„ c * « * « , >nurS Urlaubs-Garnitur: K.-Seiden-Leinenkleid . . . . _ 1 Paar Leinen-Trotteurachuhe 1 Paar K.-Seiden-Kni«»«rümple I 1 Modehut mit Blumenputz . . 1 alles zusäfnme'n nur S M JRemseide-Georgette-Kleider, 3 teilig, Zephir- Dirndl mit Bluse und Schürze, Pique- Imprime-Kleider " 4 »'■*'». » . nur S Morigol-Imprime-Kleider oder K.-Seid6n- Flamisol-KIeider. ..■ -* . , » w nur S 'faffet-Schotten-Dirndl mit Etaminbluse . j e t z t S ßonnengold-Imprime-Kleider oder Trachten- .Jkosttirae, grün geputzt » s * » nur S K,-S,*Cloque-Kostum, Schoß und Jacke jetzt S Besondere Okkaslonen f ür s t a r k e Frauen 98 190 6.90 9.80 12.90 14.90 19- Tennisschuhe .... . mit Crepe-Gummisohle, für Dqmen und Herreh, Große'SIp-äe.'iunkuraiit', nur S Herren-Leinenschuhe ■ für-Strand und Straße,, mit Absatz, Ia. ünkurant ............ S Leinen-Trofteurschuhe schöne Modelle, Bindespangen . oder Pumps, Ia, unkurant, alle Größen 'nur S Rauhlederschuhe Spalt, für Damen, alle Farben nur S Rest-und Einxelpaaro beispiellos billig! 2.90 3.90 4.90 7.90 «RESTEN-Schlager: Hemüen-Oxforde, schöne Streifenmuster (Reste 3 bis 6 m), # , per m Groschen Etamin-Imprim6, Ia Kleiderqualität, schöne Muster (2 bis 7 m) . . per m Groschen Pique-Imprime, feine Qualitiät, kleine Dessinfehler (2 bis 7 m), i » , per m S Mongol-Imprime, prima Qualität, neueste Kleidermuster, 90 cm (2 bis 7 m) * i S Waschstoff-Reste i . per m ab Groschen Reinseiden-Musselin, 90 cm breit, Reinselden-Imprlme, 93 cm (Reste bis 5 m) S Geblümter Lpinen-Piquö-Imprime, 80 cm, oder Lyon-Mattseide-Imprimö A , t k S CrSpe-Mongol-Reste, 9Q cm % ■ i * i S Kunstseide-Lavable für Blusen u. Wäsche S K.-Seiden-Taft-Schotten oder K.-Seiden- Noppen für engl, Kleider » » j . . S K.-S.-Flamisol-Imprlme, schöne , Tupf -Dessins i hu i i i i t | a t nur S Crepe-Satln-Imprlme, ' schöne Dessins t » S 65 1.50 2. It?*- 1.75 1. 1. 2.40 2.75 1.50 Nazistische Umtriebe in Ungarn. Die politische Sektion de? Büdapester Oberstadt« hauptmannschaft ist einer illegalen politischen Organisation auf die Spur gekommen, die, wie das offiziöse Kor« respondenzbüro mitteilt, nicht über daä Anfangsstadium hinaus gediehen ist. „Pester Lloyd" ergänzt diese Mit-» teilung durch die Meldung, daß ein gesellschaftlich« politischer Verband die ungarische Oeffentlichkeit und die Behörden in Rundschreiben zur Gründung eines neuem „nationial-uassisohen Verlagshauses aufgefordert hat, das wahrhaft ungarisch-rassische Bücher für, das rassenechte Publikum veröffentlichen soll, denn „durch eine geheimnisvolle Verschwörung der. Verleger werde dem ungarischen Publikum Gift statt geistiger Nahrung vorgelegt, da aus der derzeitigen Literatur eind der ungarischen Rasse fremde Weltanschauung spreche**« OTüttett 6ie Mefes grofoügige 33er&auf$*ffreigitte au Sutern Vorteil aus! Taborstraße 48 5>te größten Schlager — Die ftletnftett greife I Sdtmufyiqe Hände In den sogenannten zivilisierten Ländern spricht man von einer Z i g e u n e r p 1 a g e wie von einer — Wanzenplage. Damit soll unsererseits bei Gott nichts gegen, das Nomadenvolk gesagt sein, dessen Herkunft ebenso dunkel ist wie dessen Haar- und Hautfarbe und dem, sogar in Rumänien, der „bessere Mensch" ausweicht. Zigeuner — das ist nun einmal ein Außenseiter der Völker; ein wenn schon nicht verasiateter, so doch-nicht zu Europa gezählter Volksstamm; ein Stück Romantik, das sich für Opern und Romane -besser eignet als für den Salon; kurzum etwas, dem nicht einmal der extremste, politische Revolutionär die eigenen staatlichen politischen und sozialen Rechte zubüligen würde. Würde man beispielsweise einem Rumänen, der doch dem Zigeuner stammesverwandt sein soll, sagen, daß der Zigeuner, den er nicht an seinen Tisch läßt, sein politischer Partner sein könne, würde der Rumäne verständnislos den Kopf schütteln. Und doch gibt es so etwas. . Der rumänischen Antisemitenpartei der Herren Cuza und Goga ist es vorbehalten geblieben, die Zigeuner zur politischen Zusammenarbeit heranzuziehen. Das Organ dieser Partei, „Tsara Nostra" (Unser Vaterland), hat eine Beilage in der, Zigeuner" spräche herausgegeben, in der der Beitritt der rumänischen Zigeuner bekanntgegeben wird. Da die Zahl der Zigeuner in Rumänien sehr groß ist, kann man erwarten, daß die antisemitische Partei; der Cuza und Goga „bei kommenden „Wahlaktionen" sich der Zigeuner bedienen, das heißt sie zum Terror gegen die jüdischen Wähler verwenden wird. Man fragt sich allerdings,1 was sich die Zigeuner von, ihren Parteigenossen Cuza und Goga, den bekannten Hitler-Verehrern, erwarten. Die Frage hat rasch ihre Antwort gefunden: Vor kurzem,hat ein in Bukarest abgehaltener Zigeunerkongreß von; der Regierung Maßnahmen gegen die jüdischen Musiken (Jazsz) ver» langt, durch deren Konkurrenz angeblich die Arbeitslosigkeit unter den Zigeunern, den „Vertretern der wahren Volksmusik", wachse. Und das antisemitische Hetzblatt „Porunca Vremi" fordert alle patriotischen Rumänen auf, Unterhaltungsstätten mit Jazzband zu boykottieren und hur Zigeunermusik zu hören. Eine schmutzige Hand wäscht die andere. Das Geschäft ist gemacht. Die Hitlerianer Cuza und Gogai die Anhänger des Rassenpunktes, verbrüdern sich mit den Zigeunern, wenn's gegen die Juden geht. Und umgekehrt. Das ist die nationalsozialistische Schule, Wehn nächstens ein, reichsdeutscher Germane nach Rujnäiu^ kommt, werden ihm die Zigeuner ein musikalisch ein« wandfreies, arteigenes Ständchen darbringen, ■ V'*' Blutstauungen im Unterleib, HiUnorrholdenbildung und Leberauschoppung werden durch das natürlich,:? ,,Frähz-josef"^tte'rwasser — morgens und abends, davon ein Gifischen — meistens bald beseligt. Bs wirdi ärztlich bestens, empfohlen. B Eigentümer, Verleger, Herausgeber: Oberbaurat Robert Stricker. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kolb. Druck; *'D*uckere'i- Veriags-A.-G., Ignaz, eteinmanm \ alle Wien, IX., Universitätsstraß« 6-8«