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Die neue Welt · 1937-08-03 · Heft 677 (3.8.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 677 (3.8.1937)
Date
1937-08-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis in Groschen Dienstag/ den Aug»** 1117 W* Jahrgang Nr« 677 V; b. b» Zeitung vöm Verleger versendet „Journal expedtö par l'editeur*1 Titt. Universitätsbibliothek Wien, I. R E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich 8 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jnffoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel« jährig Dinar 40.—; Bum&nien monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—,. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.-ü Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion a. Verwaltung: lX,Universitätsstr.8,7 el. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Bewegung* U* Qe*4 Siehe Seite 3 Vor Beginn de§ Kongresses Aus Zürich wird gemeldet: Zahlreiche Delegierte aus allen Teilen der Welt sind bereits zur Teilnahme am XX. Zionistenkongreß, der am 3. August in der Züricher Tonhalle eröffnet wird, eingetroffen. Die zionistische Exekutive hat bereits ihre Büros geöffnet. Freitag, den 30. v. M., begaben sich Weizmann und Ben Gurion nach Genf, um der Tagung der Ständigen Mandatskommission beizuwohnen. Zwischen den Mitgliedern der Exekutive und den Führern der verschiedenen zionistischen Fraktionen wurden bereits Beratungen über die aktuellen Kongreßprobleme abgehalten. .Am Eingang zum Hauptbüro der Jewish Agency im Claridenhof zu Zürich ist eine' S p e z i a 1 g a r d e, bestehend aus uniformierter Polizei und, Kriminalbeamten, postiert worden. Die Polizeibehörden von Zürich haben umfassende Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Während der ganzen Dauer des Kongresses wird die Tonhalle bewacht werden, da man von nazistischer Seite Störungen befürchtet. -Mehrere Parteien innerhalb der Zionistischen Weltorganisation haben bereits i^e Sonderkdnfereiizen ^eröffnet, um ihren Standpunkt zu den wichtigsten auf der Tagesordnung'des Kongresses stehenden Fragen zu formulieren. Die Weltkonferenz des Misrachi ist am Mittwoch, den 28. Juli, in Anwesenheit von 150 Delegierten eröffnet worden; am gleichen Tage fand auch die Eröffnung der Konferenz der Linken (Arbeiterflügel) statt, die auf dem Kongreß über nahezu 50 Prozent aller Delegierten verfügen wird. In der Ansprache, mit der er? die Misrachi-Konferenz eröffnete, erklärte der Präsident der. Misrachi-Weltorganisation, Rabbiner Wolf Gold, New York, daß der Misrachi der Teilung Palästinas opponieren werde. (J. T* A.); Judenstaat oder Ghetto Bisherige Kongveßwalil« Ergebnisse Nach den bisher bei der Zionistischen Exekutiv« gemeldeten Ergebnissen der in verschiedenen Ländern zum XX. Zionistenkongreß vorgenommenen Delegiertenwahlen erscheinen vorläufig 432 Delegierte als gewählt. Von ihnen gehören 201 Delegierte dem Arbeite rflügel an, 1J.0 den Allgemeinen Zionisten, Gruppe A (Weltvereinigung), 70 dem Misrachi, 33 den Allgemeinen Zionisten, Gruppe B (Weltverband) und 8 der Judenstaatspartei. 10 gewählte Delegierte haben keine bestimmte Gruppenzugehörigkeit. Eden führt die englische Delegation heim Völkerbund Aus London: Wie amtlich mitgeteUt wird, wird Außenminister Anthony Eden die englische Delegation fürdie: Septemb.ertagung des Völkerbundes, führen; Bekanntlich, soll sich diese Tagung auch mit dem Palästina-Problem befassen. (J. T. A.)] Juden Italiens auf dem Kongieß vertreten ''Au^JRom: Ministerpräeiident Mussolini hat den Oberrabbiner von Rom, Prof. Davide Prato, empfangen und ihm versichert, daß die Juden Italiens durchaus taerepbtlgt Beiern, sich auf dem Zionistenkongreß in Zürich vertreten zu lassen und an ihm teilzunehmen. (J. T. Ä.) „iig'a der ftächer^ droht Samuel, Weizmann und Rabbi - ■■>.■;.: . Bim - ■ :: Aus Jerusalem: Das Büro der Agudaa Jisroefc hat' einen die Unterschrift ,;L i g a der Rächet tragenden Btief erhalten, in welchem mehreren Personen, unter. ihnen'. Viscount Herbert5Samuel, Dr. Chaim Weizmann und Rabbi Mosche Blau, mit dem Tode gedroht ' wird* In dem Brief heißt es weiter, daß aUe, die für den Teilungsplan sind, als „Verrater" den Stod finde» werden, (J. T« A.)j . Von I. M. Machower (London), Vor wenigen Tagen ist unter dem Titel „Jewish State o r G h e 11 o" ein neues Buch von I. M» Machower (Verfasser des von uns besprochenen Buches „Um die Begierungsform in Palästina") erschienen, welches in meisterhafter Weise den Teilungsplan der englischen Regierung auf Grund aller offiziellen Dokumente behandelt. Die „Judenstaatspartei", welche die Herausgabe dieses epochalen Buches veranlaßte, hat das Buch bereits allen Mitgliedern der Mandats-« kommission übermittelt. Wir bringen nachstehend in Uebersetzung das Schlußkapitel: „Zusammenfassung und Schlußfolgerungen des Buches", welches jetzt das wertvollste Instrument im Kampfe gegen den Teilungsplan ist. H? Es ist notwendig, die Gründe, welche für und gegen die Teilung ' Palästinas sprechen, zusammenfassend aufzuzählen. jeden Bart bezwingen! Die. hervorstechendste Eigenschaft des Planes, t der von der . Königl. Kommission sowohl über die Teilung als auch über die Kantonisierung Palästinas ausgearbeitet wurde, ist: Aufgeben des Mandats und Ergänzung desselben durch die Aufteilung des gegenwärtigen Territoriums in einzelne Bruch"« stücke. Es ist eine sogenannte britische oder neu-, trale Zone vorgesehen, welche die heiligen Städte (Jerusalem, Bethlehem, Nazareth usw.), ferner Haifa, Tiberias, Safed, Akko, Akaba und einige andere Orte enthält. Das übrige Palästina soll nach dem rassischen Prinzip in zwei unabhängige Reiche, „Staat.en", einen arabischen und einen jüdischen, geteilt werden. Die Grenzen sollen im Prinzip so gezogen werden, daß die Küstenstriche den jüdischen, das Hügelland den arabischen Staat bilden würden. Gründe für die Teilung Die Königl. Kommission stellt fest, daß es zwischen Juden und Arabern keine Gemeinsamkeiten gebe und die Gegensätze zwischen diesen Nationen unüberbrückbar seien. Die Verpflichtung, welche von England vor zwanzig Jahren übernominen wurde,, habe sich als undurchführbar erwiesen, Nationale Assimilation zwischen Juden und Arabern sei ausgeschlossen. Die Hoffnung auf Harmonie unter den beiden Völkern habe sich als unerfüllbar erwiesen. Die Gegensätze seien durch die Lage vom Anfang an bedingt. Wenn man am bestehenden Mandat festhält, gäbe es keine Hoffnung auf immerwährenden Frieden in Palästina. Nur wenn man mit; drastischen Methoden an die Behandlung des Problems heran* güige, bestünde einige Aussicht auf Erfolg. Nichts —r auch * nicht Vers,chleierungsversuche, - welche ■ die Königl; Kömmission vorschlagen würderkönne die Mißstände beseitigen oder ihre Wiederholung vorbeugen. ' Der Konflikt würde verstärkt' werden.. Die ein» »ige Hoffnung auf Beseitigung derselben liege in einer c hi r-u r g i s c h e n O p e na ti on,: Teüung biete wenigstens eine Chance auf endgültigen Frieden.; Wären die beiden Nationen territorial:getrennt, SQ be» stünde weniger Möglichkeit zu Reibungen. Teilung bedeute Schutz für die arabischen. Oe-; xneinwesen; sie befreie sie endlich von der'Furcht vor „Verdrängung" durch die Juden und von de* Möglichkeit, sich ihrer Herrschaft unterwerfen au müssen. „Haß und Verdächtigung" würden aufhören, den fortwährenden Verleumdungen, Hader und $lu> i vergießen wäre ein Riegel vorgeschoben. Als Entgelt für den Verlust an Territorium würde der arabische vom jüdischen'Staateine Subvention und vom britischen Schatzamt zwei Millionen Pfund erhalten. Die Engländer wären von der unerfreulichen Aufgabe, mit Bajonetten zu regieren, befreit. Gleichzeitig wurden aber durch Bildung einer englischen Zone die strategischen Interessen Großbritanniens gewahrt bleiben. Die Juden, fährt der Bericht der Königl. Kommission fort, werden in der Ebene, die schon zum größten Teil in „jüdischen Händen" ist, konzentriert. So wäre also die Teilung, die politische Anerkennung einer vollendeten Tatsache. Teilung sichere die Errichtung eines jüdischen Nationälheimes, und das ursprüngliche Ziel des Zionismus (Judenstaat) wäre so erreicht. Sie versetze die Juden in die Lage, im wahrsten Sinne des Wortes ihr Nationalheim ihr eigen zu nennen, denn sie verwandle es in einen „J;U d e n s t a a t". . Die Bürger dieses Staates könnten die' Aufnahmsfähigkeit dieäes Staates selbst bestimmen und zwei oder drei Millionen Juden könnten sich im „Judenstaat" niederlassen. Der „Judenstaat" könnte Mitglied des Völkerbundes werden 1 und dadurch die Lage des Weltjudentums bessern. Das sind in Kürze fast wörtlich die Gründe f ür die Teilung. Es raubt einem fast den Atem, wenn man das idyllische Bild, das von den Anhängern der Teilung entworfen wird, betrachtet. Man hat das Gefühl, als ob Jesajas Prophezeiungen Wahrheit würden. Dagegen spricht, daß die Teilungsplane die realen Tatsachen absolut nicht berücksichtigt und einer reichen, fast orientalischen Phantasie freien Spielraum lassen. Gründe gegen die Teilung Die Feststellung der „U n d u r c h führbari k e i t d e s Mandats" wurde schon des öfteren be* handelt. Es befaßten sich damit sowohl die britische Regierung als auch der Völkerbund durch seine Mandatskommission, eine Körperschaft von Experten, welche zu diesem Zweck eingesetzt wurde. Beide erklärten, daß nacheinander alle englischen Regierungen, den Bedingungen und dem Geist des Mandats entsprechend, den Standpunkt einnahmen, daß die Verpflichtungen, welche den Juden und Arabern gegenüber übernommen wurden, n i c h t u nvereinbar seien. Das wurde zuletzt im S e pt e m b e r 1936 durch eine E r k 1 ä r u n gi d e r e n glischen Regierung bekräftigt Die Beipflichtung der Regierung zu den gegenteiligen Beschlüssen und Ansichten der Kommission, ist also ein völliger Umschwung in der Politik, die tapfer und konstant, seit 1922 geführt wurde. Der Mißstand in Palästina ist, wie gezeigt wurde,' auf das Konto derjenigen skrupellosen arabischen Politiker, zu;s,chreiben, welche Palästina in ein r ein, a r a b i s c h e s L a n d, wie es vor dem Krieg war, umwandeln wollen, und die nicht nur die Jude n; sondern auch die.Engländer und alle anderen „Freunde" zu vertreiben suchen. Es ist nicht richtig, daß die jüdische und arabische Bevölkerung in Palästina so verteilt ist, daß die Teilung nur eine v e r f a s s,u n g sr echt liehe Anerke n n u n g. best e he nder T a t Sachen ist. Wie auch immer die Grenzen gezogen würden, wird es im Anfang eben s o viele A r a b e r wie Juden , im „ j ü d i s c h e n , G e b i e t" geben und immer eine beträchtliche arabische Minorität bestehen bleiben. Andererseits wird sjch ein beträchtlicher Teil — praktisch die H ä 1 f t e der 400.000 Juden Palästinas — außerhalb des „jüdischen Ge- (; t a> "

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