Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 676 (30.7.1937)
- Date
- 1937-07-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 676 vom 30. Juli 1937 i der Verteidigung unberücksichtigt läßt. Die Autoren können nicht verstehen, daß es ein „u n p o 1 i t i s c h e r Prozeß" gewesen sein soll, obwohl alle Beteiligten, vor •allem auch die Z i v i 1 p a r t e i (die Vertreter der Witwe Gustloff), doch das politische Moment immer wieder hervorhoben; sie begreifen ebensowenig, daß das Gericht nicht als Grund der Tat die grauenvolle Verfolgung der Juden in Deutschland anerkennen will, weil nicht persönliche Verwandte betroffen sind. „Die Gesetze würden also einen Frankfurter, der einen Vater rächt, freisprechen. aber einen Frankfurter, der sein Volk rächt, verurteilen!" Es heißt in der Schrift: ..Die Richter von Chur erkennen zweifellos Teil als Nationalhelden an, aber wenn sie ihn zu richten hätten, würden sie ihn ohne Zweifel zu 18 Jahren Zuchthaus verurteilen, wenn nicht sogar noch härter, denn Teil war von robuster Gesundheit." Das Buch widerlegt an verschiedenen Stellen die Behauptungen des Staatsanwalts sehr wirkungsvoll. In vielen Punkten deckt sich die Beurteilung des Falles auch mit den sehr vorsichtigen Bemerkungen der Schweizer Prozeßjournalisten. Man gewinnt eben immer wieder den Eindruck, daß der unpolitische Prozeß nur aus politischen Gründen zu verstehen ist. Dies aufgeklärt zu haben, ist' das Verdienst der knappe 90 Seiten umfassenden Schrift. Oedanken zum italienischen Antisemitismus Die ».Neue Zürcher Zeitung" veröffentlicht einen Artikel ihres römischen Korrespondenten über die Frage des Antisemitismus in Italien, in dem es u. a. heißt: „Der Antisemitismus erscheint in Italien ärmlich und nebensächlich, vor allem, weil er mit entlehnten Ideen arbeitet, in der Hauptsache mit deutschen. Sein Ausfallstor gegen das Judentum und sein strategischer Leitfaden sind die berüchtigten .Protokolle der Weisen von Zion'. Seine Voraussetzung ist das unbewiesene Dasein einer jüdischen Weltorganisation, eines universaljüdischen Planes zur Unterjochung und Zerstörung der christlichen Welt. Zudem ist neuerdings der italienische Antisemitismus auch dem Rassenwahn verfallen. In einer römischen Zeitschrift konnte man unlängst eine längere Artikelfolge über die jüdische Rassenschmach lesen. Eine römische Zeitung veröffentlichte dieser Tage, zwar ohne Kommentar, doch offenbar zum Zwecke, der Diskriminierung zwischen Juden und Ariern, eine Liste von 165 jüdischen Familiennamen in Italien. Eine Zeitung in Cremona hat sich in antisemitischen Glossen spezialisiert. Was tut aber die Gegenpartei? Sie sieht bereits in verängstigtem Fernblick eine Aera der faschistischen Pogrome voraus, ein staatliches Verbot an die Arier, in jüdischen Geschäften einzukaufen, den wirtschaftlichen Ruin von 40.000 italienischen Juden. Der italienische Antisemitismus — so hört man längs der jüdischen Front flüstern — werde Italien noch an Deutschland verdingen, ja, er sei ein Zeichen dafür, daß der Faschismus dem Nationalsozialismus verfalle; der italienische Antisemitismus grabe einen unüberbrückbaren Abgrund zwischen den autoritären Staaten, wo es den Juden schlecht gehe (oder gehen werde), und-den demokratischen Ländern, und was die italienische Mittelmeerpolitik betreffe, so könne nur das eine gesagt werden, daß es Italien nicht konveniere, sich aus dem an den Mittelmeergestaden so zahlreich vertretenen Judentum einen zuverlässigen Feind zu machen. Infolge seines realistischen Sinnes und seiner intellektuellen Sauberkeit glaubt der Italiener nicht an das Schreckensgespenst einer jüdischen Weltverschwörung gegen die Christenheit, nicht an die überstaatliche Macht des Judentums, nicht an das Vorhandensein eines jüdischen Plans zur Unterwerfung der Welt. Ebensowenig ist das italienische Volk in seiner Allgemeinheit für Rassentheorien empfänglich. In Rom waltet noch der Geist, nicht „Blut und Boden". Immerhin muß der Wahrheit gemäß festgestellt werden, daß im italienischen Volk eine instinktive Ablehnung des Judentums weitverbreitet ist. Rechtlich bedeutet dies aber nichts gegen die absolute Gleichstellung von Christen und Juden, solange diese letzteren nicht Anhänger internationaler oder außernationaler Bewegungen sind, die mit den nationalen Grundsätzen des Faschismus kollidieren." Die Kongreßzeitung (20. Zlonistenkongreß) (12 bis 13 Nummern) ist in der Bücherstube Rath & Co., IL, Taborstraße 20 a, Tel. R-45-305, einzeln oder im Gesamtabonnement zu haben. KINO-PROGRAMME $ C H WE D E N VonlOUhrvornubis 6 Uhr abends mmmmmmmm Lebende Zeitung A 49 - O > 60 Nur l/37 und 9 Uhr abends Metro - Qoldwyn > Mayer Festspiele Paul Hunl, Luise Rainer, TIHy Losch Vorverkauf für die nächsten 7 Tage täglich ab l/?10 Uhr vormittags ununterbrochen # Die* gute Erde*e. Emir Saud über Palästina Aus Lausanne wird berichtet: Emir Saud, der Sohn des Königs Ibn Saud und Thronfolger von Saudi- Arabien, gab dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur in Lausanne eine Erklärung ab, in der er sich entschieden gegen eine Teilung Palästinas aussprach und dazu ausführte: Die arabische Welt wird niemals einer Teilung Palästinas und Abtrennung eines Teiles des Landes zum Zwecke der Schaffung eines jüdischen Staates zustimmen. Die Empfehlungen der Kgl. Kommission, in Palästina einen jüdischen Staat zu errichten, bedeuten praktisch, daß England den Arabern Palästinas einen Teil ihrer Heimat wegnehmen will. Wir haben volles Verständns für die schwierige Lage, in der sich die Juden in zahlreichen Ländern befinden, aber warum sollen gerade die Araber die Kosten tragen? Zum Schluß betonte Emir Saud, daß sein Vater, König Ibn Saud, mit großem Interesse die Entwicklung der Dinge in Palästina beobachte. Dennoch, erklärte er, werde kein einziger Araber aus Saudi-Arabien während der Tagung der Mandatskommission, die sich mit dem Bericht der Kgl. Kommission zu befassen haben wird, in Genf aktiv auftreten. Die arabische Delegation in Genf werde nicht das Recht haben, im Namen von Saudi-Arabien zu sprechen, obwohl die Bevölkerung dieses Landes mit den Beschwerden der palästinensischen Araber voll übereinstimmt. (J. T. A.) Utiü$(tMttMk 4j WwWw9 WWWWFlflfWW*" Aelterer Herr, Isr., sucht Dame (Frau od. Fräulein) von angenehmem Aeußeren, gesund, von gutem Charakter u. untadeliger Lebensführung, fähig, einen Haushalt selbst zu führen. Anträge erbitte unter „Haustochter für Hausbesitzer" an die Adm. d. Bl. Polnische Stimmen zum projektierten Judenstaat Aus W/araohiau wärd gemeldet: Der den Wilnaer Legionär-Kreisen nahestehende „Kur jer Wilenski" bezeichnet den Tag, an welchem der Bericht der englischen Kgl. Kommission, der den Judenstaatsplan enthält, veröffentlicht wurde, als ein nicht nur für die Juden, sondern auch für Polen historisches Datum. „Der 8. Juli 1937 ist auch für Polen ein bedeutender Tag. Von diesem Tage an muß die negative Aera in den polnisch-jüdischen Beziehungen ein Ende haben und ein neues Leben, eine konstruktive Aera, beginnen", heißt es in dem Artikel. Palästina als unabhängiger Staat bietet zweifellos die Möglichkeit, das polnisch-jüdische Problem zu lösen. Hätte ich, schreibt der Verfasser, die Möglichkeit, auf einer jüdisch-polnischen Versammlung als Redner aufzutreten, würde ich sagen: „Wir haben miteinander gestritten, wie eben Menschen, die in einem engen Raum zusammengepfercht sind, miteinander zu streiten pflegen. Plötzlich hat sich den Bedrängtesten ihr alter Lebensraum geöffnet. Wir haben nichts mehr gegeneinander. Wir wollen uns die Hände reichen und gemeinsam das Werk der Umschichtung von Menschen und Dingen in Angriff nehmen. Auch das Organ der polnischen Militärkreise „Polska Zbroina" widmet der Frage des jüdischen Staates einen längeren Artikel, betitelt „Aus der Diaspora ins Vaterland". Der Verfasser führt aus, die Zionisten hätten lieber erst ganz Palästina allmählich mit Juden füllen wollen, um dann, wenn das ganze Land im wirtschaftlichen, kulturellen und administrativen Sinn praktisch jüdisch sein würde, die Entscheidung über den politischen Status des Landes treffen zu lassen. Die Lösung, wie sie die Kgl. Kommission vorschlage, Sethe in keinem Verhältnis zum Umfang des Problems. Dennoch müsse ein Volk, dem einmal eine konkrete Staatsplattform geboten wird, die künstlichen Hemmnisse, die sich seiner Entwicklung entgegenstellen, durchbrechen. (J. T. A.) Etat von Jerusalem und TehAviv Die „Palestine Gazette" veröffentlicht eine Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben der Städte Jerusalem und Tel-Aviv während des am 31. März 1937 abgelaufenen Finanzjahres. Die Einnahmen von Jerusalem sind mit 77.812 Pfund um rund 1000 Pfund hinter dem Voranschlag zurückgeblieben. Die tatsächlichen Ausgaben betrugen 120.962 Pfund, um 15.500 Pfund weniger als in dem revidierten Voranschlag vorgesehen war, jedoch um 15.000 Pfund mehr als nach dem ursprünglichen Voranschlag erwartet wurde. Die Abrechnung enthält keine Angaben über die Abdeckung des 43.000 Pfund betragenden Defizits, Es werden auch keine näheren Angaben über die 51.387 Pfund betragenden „außerordentlichen Ausgaben" gemacht. Die Einkünfte der Stadt T e l - A v i v dagegen waren um 8000 Pfund höher als die Ziffer des Voranschlages. Sie betrugen 472.305 Pfund. Die tatsächlichen Ausgaben machten 466.907 Pfund aus, um 22.000 Pfund weniger als die entsprechende Ziffer des Voranschlages. Etwa 10.000 Pfund wurden beim Gesundheits-, Er* ziehungs- und Wohlfahrtswesen eingespart; die Ausgaben für außerordentliche öffentliche Arbeiten blieben um 7700 Pfund hinter dem im Voranschlag angesetzten Betrag zurück. Für das Finanzjahr 1937138 sind Einnahmen in der Höhe von 548.593 Pfund vorgesehen. Man erwartet um 80.000 Pfund höhere Einnahmen als im Finanzjahr 1936137 aus Gemeindesteuern, Lizenzgebühren usw. Die Ausgaben werden mit 478.373 Pfund veranschlagt. Davon sollen auf den Gesundheitsdienst 122.000, auf Erziehungswesen und Sozialfürsorge 141.000 Pfund entfallen. Der Betrag für Pensionen und Gratifikationen wird von 1518 auf 7850 Pfund erhöht, dagegen wird der Posten für außerordentliche öffentliche Arbeiten von 80.000 auf 58.000 Pfund herabgesetzt. (J. T.-A.) Die Hand des Mufti in Transjordanien. Aus Jerusalem: Der Generalstreik, der in Aman und Es Salt ausgebrochen ist, beginnt sich, wie in Jerusalem verlautet, auf ganz Transjordanien auszubreiten. Man ist überzeugt, daß die Streikbewegung von Emissären des Mufti entfacht worden ist, die die Stimmung der transjordanischen Araber gegen den Teilungsplan mobilisieren wollen. Die Polizei hat den Bruder des Generalsekretärs des Obersten Arabischen Ausschusses Auni Bey Abdul Hadi, Fuad Abdul Hadi, in Ramien verhaftet, wo er sich seit ein paar Tagen verborgen gehalten hatte. In der transjordanischen Hauptstadt Amman wurden drei Araber aus Jerusalem verhaftet, die beschuldigt werden, eine Verschwörung gegen das Leben mehrerer transjordanischer Notabein geplant zu haben. In ihrem Besitz wurden Bomben, Zündstoffe sowie Listen mit den Namen und Adressen der Notabcln gefunden. (J. T.-A.) Erklärung Uer transjordanischen Regierung. Aus London wird berichtet: „Exchange Telegraph" meldet aus Jerusalem: Die Regierung von Transjordanien veröffentlicht ein offizielles Kommunique, worin sie kategorisch die im Ausland erschienenen Nachrichten dementiert, wonach der britische Plan einer Teilung Palästinas in zwei unabhängige Staaten von ihr gebilligt würde. "Die Regierung von Transjordanien erklärt, daß sie keinen Augenblick den neuen britischen Teilungsplan gutgeheißen habe. Inzwischen erhält der Emir Abdullah unzählige Drohbriefe, weil man allgemein annimmt, daß er mit dieser Teilung, durch die er König eines arabischen Palästina würde, einverstanden sei. Die Leibwache des Emirs mußte bedeutend verstärkt werden« (J. T.-A.) DollfußjGedenkfeier in Bad Gleichenberg Herr Dr. Julius Iinbcrmunii schreibt uns aus Gleichenberg: J)ic jüdischen Kurgäste in Bad Gleiclienberg feierten im Rahmen des Freiing-Abendgebetes am 23. d. im ßcetsaal des Hotel „Theresionhof" in besonders weihevoller Stimmung die Wiederkehr des Todestages des verewigten Bundeskanzlers I)r. DollfuU. Als ^Repräsentant der Vaterländischen Front wohnte Bezlrksleitor Magister It o d a der Feier bei. Die Gedenkrede hielt Itabbincr Professor Dr. K. Kupfer aus Wien. Er erinnerte an den Wochenabschnitt des vergangenen Samstages (Trauersamstng), in welchem von der Zerstörung des Heiligtums die Kode ist. Genau so wie Titus bei der Zerstörung des Allcrholligsten mit seinem Schwert den Vorhang zerschnitt und dann glaubte, das Judentum und den jüdischen Gedanken für alle Kelten vernichtot zu haben, so dachten die Gegner DollfuU', durch seinen Tod sein Werk zu zerstören. Dieser Mann, der die Liebe des Ocsterrcichcrs zu seinem Vaterland wieder wachgerufen hat, war das Opfer seiner Idee; die Idee wird aber heute von Keinem Nachfolger, Bundeskanzler Dr. Schuschnigg, weiter und zum Erfolg geführt. Die der Feier würdige weihevolle Stimmung wurde durch den Vortrag des vorgeschriebenen Gebetes für das Seelenheil de» Verstorbenen, gesungen von Herrn Oberkantor A. B r a u n aus Wien, besonders gehoben und von den Anwesenden andächtig, stehend angehört. Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes) Tschechoslowakei: Tanz unterm Galgen. Frankreich: Roman eines Schwindlers — Dia Perlen der Krone — Der geliebte Vagabund —■ La belle Equipe — Menschen unter Menschen — Liebe macht blind. Amerika: Die Insel ohne Sünde — Kopf in der Schlmgc — Drei kleine Gangster — Hochverrat — Sonnenmädel — Motiv unbekannt — Verfluchtes Gold — Es geschah zu Silvester — Golddiggera 1037 — Safari — Hokuspokus — Liebe nicht genügend — Susy — Held von Texas — Die gute Erde -— Drei süße Mädels — Der Jazz- Kadett — Mord Im Opernhaus. Filme untet Anerparagrapli Zurück in die Heimat —- Die ganz großen Torhelten —• Amtsschimmel — Entführung an der Riviora — Schwindeln ist keine Sund'... — Etappenhaso — Ich bleib' nicht Junggeselle -— Die Göttliche — Das Mädel vom Ballett — Abenteuer in Lissabon — Heiratsinstitut Ida Wüst & Co, — Wie der Hase läuft — Die un-erhörte Frau — Der lustige Witwenball — Stärker als Paragraphen — Die graue Dame — Das große und das kleine Glück — M1U lionärc.