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Die neue Welt · 1937-07-30 · Heft 676 (30.7.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 676 (30.7.1937)
Date
1937-07-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 676 vom 30. Juli 1937 DIE NEUE WELT Seite 3 titoikmfUegd „Nsdit mehr Weizmann, sondern ein anderer Präsiden!" Der Misrachiführer Meir Berlin veröffentlichte im New-Yor;;er „Morning Journal" (Ende Juni 1931) einen „Zum 11. Zionistenkongreß" betitelten Artikel, worin es hieß: „Der Kampf gegen Weizmann ist kein persönlicher. Es gibt hunderttausende Zionisten, die in Weidmanns Prinzip nicht das sehen, was sie unter Zionismus verstehen. Und wenn es jemals die Gefahr einer Spaltung in der zionistischen Bewegung gab, so ist sie jetzt um Weizmann viel drohender. Deshalb muß man zum Kongreß nach Basel mit einem festen Entschluß kommen: Nicht mehr Weizmann, sondern ein anderer Präsidentl" Die furfisdhe Majorität Meir Berlins Worte erscheinen wie eine Vorahnung des Kommenden, wenn man sich an das Interview erinnert, das Weizmann auf dem Baseler Kongreß am 6. Juli 1931 der „Jüdischen Telegraphen-Agentur" gab. In diesem Interview sagte Präsident Weizmann: „Ich habe weder Sympathie noch Verständnis ■ für die Forderung nach einer jüdischen Majorität. Die Majorität garantiert nicht notwendigerweise auch die Sicherheit... Jüdische Mehrheit ist für die Entwicklung einer jüdischen Zivilisation und Kultur im Lande nicht erforderlich." Zwea Niaxi'ma M. M. Ussis chic in sagte auf dem 11. Zionistenkongreß in Basel: „Definitionen des Endsieles, wie immer auch es formuliert wird, begrenzen mein Ideal, das viel größer, viel breiter, viel höher ist... Wenn wir heute vor der Wahl stehen, für ewig auf unsere großen Hoffnungen zu verzichten oder auf Sie, Herr Dr. Weizmann, so werden wir auf Sie verzichten... Unser Programm muß eine Vereinigung zioeicr Maxima sein: des Maximums politischer und des Maximums praktischer Arbeit." Das altfe Lied Rabbi Dr. Stephen W is e sagte über die Rede Dr. Weizmanns auf demselben Kongreß: „Dr. Weizmanns Rede klang in der Hauptsache wie eine Erklärung von der englischen Regierung, meine Rede wird eine Erklärung an die englische Regierung sein." AUS ALLER WELT Die Vorfälle gelegentlich der letzten Wahlen in Panciu (Rumänien) beschäftigen gegenwärtig das Innenministerium. Ministerpräsident Tatarescu hat einen Zirkularerlaß an sämtliche Präfekten des Landes gerichtet, in welchem diese aufgefordert wurden, unter allen Umständen für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung zu sorgen und ähnliche Vorfälle mit allen Median Eckstein - Semuem^ Mitteln zu verhindern. Ueber Auftrag des Ministerpräsidenten hat sich ein Spezialinspektor nach Panciu begeben, um an Ort und Stelle die Recherchen über die antisemitischen Ausschreitungen einzuleiten. In einer am 23. Juli stattgefundenen Sitzung der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde wurde die Amtsniederlegung von Direktor Georg Kareski als stellvertretender Vorsitzender der Berliner Jüdischen Gemeinde zur Kenntnis genommen und Ministerialrat i. R. Fuchs zum Mitglied des Gemeindevorstandes gewählt. * Im amerikanischen Senat wies Senator Lozis aus Illinois darauf hin, daß durch den Teilungsplan mit amerikanischen Bürgern ungerecht verfahren wird. Er forderte, daß den Amerikanern im Falle der Teilung ein Mitbestimmungsrecht bei ihrer Transferierung von ihrem palästinensischen Besitz eingeräumt werde. Vor der Abreise der Delegation der Agudas Jisroel nach Genf hielt der Führer der Delegation, Rabbiner Blau, eine Beratung mit dem Mitglied der Exekutive, M. Shertok, ab. Er wurde ein volles Einverständnis über die im gegenwärtigen Zeitpunkt zu führende Politik erzielt. * An einer Rundfunkrede beschuldigte das Mitglied des amerikanischen Kongresses, John McOrmac, Deutschland, daß es die Vereinigten Staaten mit nationalsozialistischem Propagandamaterial überschwemme. In jeder bedeutenden Stadt Amerikas, insbesondere im Norden und Westen, betreibe die deutsche Jugend regelrechte militärische Uebungen unter der Anleitung nationalsozialistischer Instruktoren; man präge der Jugend Theorien ein, die sich gegen die amerikanische Regierung und Tradition richten. McOrmac beschuldigte Hitler, daß er sich seiner diplomatischen Vertreter in Amerika bediene, um „giftige Propaganda zu verbreiten, wobei den Deutsch-Amerikanern gedroht wird, man werde mit ihren Verwandten in Deutschland abrechnen, falls sie den Befehlen nicht Folge leisten würden". Weifkonferenz der Juden§faaf$par(ei eröffnet Aus Paris wird uns berichtet: In feierlicher Stimmung wurde hier Dienstag, den 27. Juli, im Saal der Societe des Savantes die Weltkonferenz der Judenstaatspartei eröffnet. Zu dieser bedeutungsvollen Tagung haben sich mehr als 50 Delegierte aus europäischen und außereuropäischen Ländern eingefunden. Die Eröffnungsrede hielt der Vorsitzende der Weltexekutive der Judenstaatspartei Meir Großmann. In seinem Expose entwickelte er die politischen Absichten der Mandatsmacht, welche in ihrer Verlegenheit zum Kompromiß des Teilungsplanes gegriffen habe, der unbedingt abgelehnt werden müsse. Im weiteren Verlauf seiner Rede griff Meir Großmann die zionistische! Exekutive an, weil sie entgegen der Resolution des A. C. ParitätsVerhandlungen führe. Vor kurzem habe in Jerusalem eine Besprechung zwischen zionistischen und arabischen Persönlichkeiten über die Frage der Parität stattgefunden. Die Konferenz, die, wie wir bereits mitgeteilt haben, vier Tage dauern wird, erhielt zahlreiche Begrüßungsschreiben, darunter von der Zionistischen Exekutive, den beiden nationalen Fonds, von einzelnen zionistischen Gruppen und Führern. — Wir werden über die Weltkonferenz und ihr Resultat ausführlich berichten. Was wir in Palästina wollen Aus London kommt eine Meldung, die kein Zionist ohne Interesse aufnehmen wird: Zwischen zionistischen Persönlichkeiten und gemäßigten Arabern finden in London Verhandlungen über die Möglichkeit einer gemeinsamen Palästina-Politik statt. Unter dieser ist der Versuch zu verstehen, sich über die Köpfe der Herren Wauchope und Ormsby-Gore und schließlich auch der Husseini und Nashashibi hinweg zu verständigen. Wie die „Morning Post" meldet, wird möglicherweise eine weitere gemeinsame Aussprache zwischen den beiden Gruppen außerhalb Palästinas, wahrscheinlich in der Schweiz, stattfinden. Dies wäre um so leichter möglich, als der Zionistenkongreß in Zürich und die Mandatskommission in Genf tagen, wohin sich Delegierte der Araber begeben haben. Es würde sich also um eine jüdisch-arabische Verständigung ohne englische Teilnahme handeln, ein nttfs Restaurant Stefanie II, Taborstraße 12 9 Telephon R<48-4*46 HUGO und JULIE HERLINGER, geb. Zollner Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl Reichhaltige Menüs von 1.60 aufwärts / Exakte Bedienung Schöner, schattiger Garten / Angenehmer Aufenthalt Ereignis, das — wenigstens für das erste Stadium — zu begrüßen wäre. Wenn beide Parteien vernünftig sind, wenn die arabischen Delegierten die rechtliche Basis des Mandats und der Balfour-Deklaration anerkennen, könnte die Diskussion irgendwelche Früchte bringen. Ohne Anerkennung des jüdischen Rechtes auf Palästina gibt es keine Konferenz, die Erfolg verspricht. Wenn wir schon unter dem Zwang der Verhältnisse und nach Einsetzung aller Machtmittel ger wisse Opfer bringen, dann tun wir es lieber unter englischer Assistenz als auf platonische Zusagen arabischer Führer hin. England kann ein guter Partner sein, wenn es den von ihm übernommenen Verpflichtungen das nötige Gewicht verleiht. Der arabische Kontrahent muß sich als Vertreter des arabischen Volkes in Palästina erweisen, weder als Vertreter einer gemäßigten Gruppe noch als Vertreter der Extemradikalen. Wir wollen Frieden und wir wollen unseren Staat aufbauen, aber weder unter vagen Versprechungen unserer gemäßigten, noch unter schändlichen Drohungen unserer terroristischen Nachbarn in Palästina. Etwas über das „dümmste Volk der Welt" Man muß sagen: Dr, Goebbels ist nicht faul. Er begnügt sich nicht damit, in alle vier Winkel der Welt seine braune Jauche zu spritzen, tausende Hetz- und Verleumdungsagenten in allen Erdteilen zu unterhalten, den Aether durch seine Radioreden zu verpesten. Er macht auch noch eine Fleißaufgabe: Nach Bei Erkrankungen der Harnwege und der Prostata hat ein Glas natürliches „Franz-Josef'-Bitterwasser des Morgens auf nüchternen Magen getrunken, ausgiebige und leichte Stuhlentleerung sowie ungestörte Verdauung zur Folge. Aerztlich empfohlen. mehr als vier Jahren, die seinerseits zum größten Teil der Verfemung des jüdischen Volkes gewidmet waren, bietet er seinen deutschen Volksgenossen und einigen lüsternen Ausländern eine Schau, wie sie zweifellos noch nicht da war. Jede Großstadt hat ihr Panoptikum, München aber, die Stadt der deutschen Kunst, hat ihr „Politikum": „Der ewige Jude." Wir kennen vorläufig noch nicht die Einzelheiten dieser neudeutschen Kulturtat, wir wissen nur, daß sie aus Lichtbildern, Akten, Urkunden über die Rasse und Herkunft der Juden, ihre Bildung, Religion und Rechtsauffassung bestehen wird und daß Herr Goebbels mit ihr „das schädliche Wirken des Judentums in der ganzen Welt veranschaulichen" soll. Daß die Ausstellung nicht unter dem Aspekt einer kulturhistorischen Uebersicht, sondern zum Zweck einer wissenschaftlich drapierten Hetzpropaganda geschaffen wurde, braucht nicht erst gesagt zu werden. Die Ausstellung soll zwar, wie der ,,Völkische Beobachter" schreibt, die Judenfrage „einzig und allein vom deutschen Standpunkt aus" behandeln und das „Endziel der Juden — die Eroberung der Weltherrschaft" aufzeigen. Aber es liegt hier ein Widerspruch vor, der sich nur aus dem Charakter der Veranstalter erklären läßt. Einerseits wird der Versuch unternommen, zu zeigen, wie klein und niedrig, wie schäbig-kapitalistisch und wie gemein-unheroisch das Judentum ist, andererseits wird diesem selben Judentum das heroische Ziel: „Die Eroberung der Weltherrschaft", unterschoben. Natürlich darf man dem neudeutschen Mephisto Goebbels wegen dieses Widerspruches nicht gram sein — weder ihm. noch seinen Anhängern. Es stimmt auch sonst nichts. Auf der einen Seite wird der nordischgermanische Mensch als die Elite der Schöpfung hingestellt, andererseits muß man die nordisch-germanische Frau durch das Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes vor dem Sex appeal des Juden, des „Auswurfs der Menschheit", schützen. Derselbe Jude, den der nordisch-germanische Mensch wie eine Wanze zertreten kann, ist diesem Menschen der Angsttraum der Nächte. Und das Volk, das Hitler als das dümmste Volk der. Welt bezeichnet hat, jagt dem nordisch-germanischen Dr. Goebbels so viel Schreck ein, daß er jeden Augen* blick die Welt zu seiner Vernichtung aufrufen muß. Das ist nur ein Querschnitt durch die Psychologie des Hitlerismus. Wenn man die Presse des gebildeten Auslandes liet, wird man zum Schluß kommen, daß sie die Haßgesänge der Hakenkreuzanbeter nicht sehr ernstnimmt. Aber im Dritten Reich wird für all die Herren Professoren, Schriftsteller und Chauffeure, die sich Herrn Dr. Goebbels zum Teil auch ohne unmittelbaren Zwang unterworfen haben, die Ausstellung „Der ewige Jude" eine Delikatesse sein. Herr Julius Streicher wird sie, so denken wir, eröffnen. Guten Appetit! Eine Sdiande Im Verlauf seiner Ansprache im englischen Oberhaus (House of Lords) sagte Lord Herbert Samuel, der jüdische erste Oberkommissär für Palästina, am 20. Juli folgendes: „. . . Ich würde folgendes vorschlagen: Ich glaube, daß die Juden bereit sein müssen, ein Opfer zu bringen. Sie müssen die Araber beruhigen. Sonst können wir nicht weiter. Sie müssen einer Beschränkung der Einwanderung zustimmen, die durch andere Faktoren als durch den Grundsatz der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit bestimmt wird. Sie müssen das von der Königlichen Kommission in Vorschlag gebrachte Prinzip — nämlich, daß politische Erwägungen mit in Betracht zu ziehen sind — akzeptieren." Daß Herbert Samuel in England in den Rang eines Lords erhoben wurde, ist nicht verwunderlich. Aber daß eine Straße in Tel-Aviv nach ihm benannt, daß ihm jüdischerseits solch eine Ehre zuteil wurde, ist wahrlich beschämend. Mit welchen Gefühlen müssen unsere Brüder im jüdischen Jischuw durch diese Straße gehen! Der Fall David Frankfurter Soeben ist in dem politisch neutralen französischen Verlag Edition Denoel unter dem Titel „L'affaire Frankfurter" eine interessante Schrift erschienen. Die Autoren, der bekannte Deputierte Pierre Bloch und Didier Meran, stellen zunächst fest, daß die Welt infolge dec vielen Ereignisse den Prozeß Frankfurter nicht gebührend beachtet habe. Nun soll die Schrift nachträglich zur Auf* klärung der französischen Oeffentlichkeit dienen. Die Verfasser begnügen sich nicht mit einer einfachen Tatsachenwiedergabe, sondern die Ausführungen' sind ein sehr wirkungsvolles Plaidoyer füp Frankfurter gegen die Behauptungen des Staatsanwalts und das Urteil, das „nicht eine Synthese zwischen Anklage, und Verteidigung" gesucht hat, sondern die Ausführungen

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