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Die neue Welt · 1937-07-27 · Heft 675 (27.7.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 675 (27.7.1937)
Date
1937-07-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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% ». W vom ——_. ' DIE NEUE WELT Seite^t^l 4&, j *r Tagesordnung Wien, 26. Juli. Die Juden Oesterreichs haben aufrichtigen Gerzens des toten Kanzlers Dollfuß gedacht. In allen Simpeln des Landes fanden feierliche Gottesdienste statt Die Wiener Judengemeinde veranstaltete eine große Gedenkfeier im Seitenstettentempel, wo die erschienenen offiziellen Persönlichkeiten, Vertreter Öer Regierung und der Gemeinde Wien, vom Vize- Präsidenten der Kultusgemeinde Oberbaurat Robert Stricker begrüßt wurden. In die Gebete für das Seelenheil des verewigten Kanzlers mischte sich die Genugtuung, daß der Opfertod des großen Oesterreichers die Besinnung und den Wunsch nach einem freien und unabhängigen Oesterreich noch verstärkte und die großen Erfolge in der inneren und äußeren Politik Oesterreichs einleitete. „Der Staat, in dem wir .heute leben", sagte der Präsident der Pressekammer, Gesandter Ludwig, „ist erfüllt von dem Geist dieses führenden Mannes. Denn die Fahne fiel nicht, sie!wurde von Dr. Schuschnigg aufgenommen, Oesterreichs Banner wird von sieghaften und siegreichen Ständen geführt und nach vorn getragen... mnd heute, drei Jahre nach dem Katastrophentag des 25. Juli, sind in heroischer Arbeit die Ziele Dollfuß', Oesterreichs Freiheit und Unabhängigkeit, gesichert." Spätere Tage werden erweisen, wie heroisch der Kampf war, den Dollfuß' Nachfolger zu führen hatte. Ein Stück Geschichte von weltpolitischer Bedeutung iBt hier abgerollt. Es ist natürlich und entspricht Jedem natürlichen Empfinden für Ehre und Dankbarkeit, des ermordeten Kanzlers zu gedenken. Aber man sollte hiebei auch — die Mörder nicht vergessen, ' * •r Seit dem sogenannten „Pressefrieden" zwischen Oesterreich und Deutschland versagen die normalen Nachrichtenquellen, und auch die Meldungen, welche von offiziellen Stellen ausgegeben werden, lassen nicht den ganzen Umfang der Wahrheit erkennen. Für die katholische Presse Oesterreichs ist dieser Zustand um so drückender, als sie jetzt nur schwer einen Ueberblick über den Stand der kulturpolitischen und religionskämpferischen Ereignisse im Dritten Reich gewinnen kann. Aber man weiß: Die Kirchenverfolgung hat drüben nicht aufgehört, vielleicht gar zugenommen. ' Die Wiener katholische „Reichspost" hat täglich Gelegenheit, die Angriffe des deutschen Hakenkreuzlertums gegen die Kirche zu registrieren. Sie bedarf hiebei keinerlei Assistenz, und wenn wir als zionistisches Organ diese Erscheinung verzeichnen, so geschieht dies nicht als Akt der Einmischung oder Kriük, sondern als Beispiel dafür, wie man sich durch die Presse gegen kulturpolitische Infamien zu wehren hat. Aber wir können bei dieser Gelegenheit unsere Verwunderung darüber nicht unterdrücken, daß die einflußreiche katholische Presse Oesterreichs es unterläßt, die anderen kulturwidrigen Erscheinungen im nazistischen Deutschland zu verzeichnen: die unerhörten Angriffe gegen das Judentum, die Schändung der jüdischen Ehre, die blasphemische Besudelung der jüdischen Religion und den Vernichtungsfeldzug gegen alles, was jüdisch und — jüdischversippt ist. Die christliche Presse bequemt sich zu dieser Haltung aus dem bis zum Ueberdruß öffentlich abgelegten Bekenntnis zum Deutschtum, zum deutchen Gesamtvolk und ähnlichen Formulierungen, die in der letzten Zeit in das Dogma: „Ein Volk, zwei Staaten" gemündet sind. Wir wollen mit dem Hinweis auf diesen Mangel nicht etwa einer Intervention zu unsern Gunsten das Wort reden. Wir kennen das Herz und die Nieren des Hitlerismus und wir wissen auch, daß mit sittlich begründetem Material das pathologische Gebilde, das sich Drittes Reich nennt, nicht berannt werden kann. Uns geht es um die heute in Europa schon anerkannte These, daß die stille Duldung des Schandfeldzuges gegen das Judentum zwangsmäßig Angriffe auf alles zur Folge hat, was als Kultur, Tradition, Humanität gültigen Wert besitzt. In Oesterreich brauchte man sehr lange, um zu erkennen, wohin die geduldete Hakenkreuzpropaganda führt. Wir schrieben vor Jahren, zu einer Zeit, da der Nationalsozialismus in Oesterreichs eine verhätschelte Marke war, daß die Justitia nicht nur eine Binde vor den Augen habe, sondern auch Watte in den Ohren, da sie die blutrünstigen Rufe „Juda verrecke!" nicht höre und sich lieber zu den rohen Genossen des Hakenkreuzlertums geselle, als sie hinter Schloß und Riegel zu setzen. Und nur den wunderbar festen, ästhetisch verfeinerten, traditionell gebundenen, von Gott begnadeten Schichten des „alten Oesterreichertums" haben wir es zu danken, daß das schöne Wien nicht weiter durch erwachte armhebende Spenglergehilfen geschändet wird... In Deutschland gehen die verbrecherischen Angriffe gegen alles, was abendländische Kultur heißt, weiter. Niemand ist seiner Freiheit sicher. Die „Staatsräson" greift in die private Sphäre. Unter dem Titel von Volksnotwendigkeiten werden täglich Einbrüche ina Recht und andere Einbrüche verübt. Die ganze Welt weiß es. Auch die katholische Presse Oesterreichs. Auch die „Reichspost". Endlich nimmt auch Nachtrag zur llnterhausdehaüe fViacMahon-Brief, BaIfour*Deklaration, Opposition sunt Teilungsplaw In der denkwürdigen Unterhausdebatte vom 21. Juli, deren Ergebnis ein deutliches Zurückweichen der britischen Regierung vor dem Parlament in der Frage der Palästina-Politik bedeutet, sagte Kolonienminister Ormsby-Gore u. a.: Ich habe im Jahre 1916 in dem arabischen Büro unter der Leitung von Sir Henry MacMahon gearbeitet und ich kann bezeugen, daß niemals irgend ein Mitglied des Büros sich vorgestellt hat, daß Palästina westlich des Jordans zu den Gebieten gehöre, in denen die britische Regierung arabische Unabhängigkeit zu fördern damals versprach. Sofort nach der arabischen Erhebung und in den Monaten danach wurde die britische Regierung, bevor Lloyd George Ministerpräsident geworden war, in dieser Sache von dem verstorbenen Sir Mark Sykes beraten; sofort nach dem MacMahon-Briefwechsel und dem Ausbruch der Revolution im Hedschas wurde dieser von der damaligen Regierung beauftragt, mit den Regierungen Frankreichs und der alliierten Mächte Fühlung über die Zukunft dieser Gebiete zu nehmen. Es folgten Verhandlungen zwischen England und Frankreich. Frankreich hatte damals ganz Palästina bis zur ägyptischen Grenze als französischen Besitz proklamiert und ist dann einem Abkommen beigetreten, das in dem Bericht sehr ausführlich dargelegt wird. Die Balfour-Deklaration, die erst im November 1917 erlassen wurde, war das Ergebnis wochenlanger Auseinandersetzungen; einige Persönlichkeiten in England leisteten heftigsten Widerstand gegen sie; sie wurden veröffentlicht, nachdem Verhandlungen mit Frankreich und Italien geführt worden waren und Präsident Wilson über ihre genauen Bestimmungen zu Rate gezogen worden war. Sie stellte einen höchst überlegten Akt dar. Nicht nur Sir Mark Sykes, sondern auch andere haben die Aufmerksamkeit der Regierung darauf gelenkt, daß Versprechungen allgemeinen Charakters den Arabern gegeben worden waren; die Regierang war des MacMahon-Briefwechsels durchaus eingedenk, als die Balfour-Deklaration erlassen wurde. Ich möchte klarstellen, daß das gesamte Kriegskabinett durchaus einheitlich entschlossen war; die Vorstellung, daß es sich hier um ein besonderes Geheimmittel Lord Balfours oder einer anderen Einzelperson gehandelt habe, kommt gar nicht in Frage. Ich möchte weiter sagen, daß der ursprüngliche Entwurf Balfours nicht derjenige war, der schließlich vom Kriegskabinett (bewilligt wurde. Der Entwurf, zu dem das Kriegskabinett und später die Regierungen der Alliierten und der Vereinigten Staaten in der Resolution des Kongresses ihre Zustimung gaben und der schließlich in dem Mandat verankert wurde, stammte von Lord Milner.- Es soll verstanden werden, daß die Regierimg Sr. Majestät niemals zugeben konnte, weder damals noch jetzt, und daß sie es nicht zugeben wird, daß Palästina westlich des Jordans in das dem Sherif von Mekka gegebene Versprechen eingeschlossen war; sie war sich stets dessen bewußt, daß die künftige Regierung des Heiligen Landes gesondert erwogen werden muß. Der einzigartige Charakter Palästinas ist von den arabischen Delegierten bei der Friedenskonferenz anerkannt worden. Er wird in der ganzen Welt anerkannt. Der Sprecher der Opposition, Abg. Morgan Jones, führte zur Begründung des Oppositionsantrages, eine gemeinsame Kommission zur Prüfung der Vorschläge der Kgl. Kommission einzusetzen, bevor das Parlament sich festlege, aus, es spreche viel dafür, daß an den jetzigen Uebelständen nicht das Mandat als solches, sondern die schlechte Verwaltung des Mandates die Schuld trage. „Auch wenn man annimmt", erklärte er, „daß das Mandat aufgehoben und eine Teilung in irgend einer Form vorgenommen werden muß, sind die Vorschläge der Kommission ganz unmöglich, In jedem der Teilstaaten würden dieselben Verhältnisse herrschenwie jetzt in dem Gesamtgebiet. Wenn eine Million Araber nicht mit 400.000 Juden zusammenleben und der Nr. 200 vom 22. Juli 1937) über die Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmen kirchlicher Amtspapiere berichten, über Dinge, die zu schweren Erschütterungen geführt haben: „Die hier sich vollziehenden Erschütterungen reichen über das kirchliche Gebiet hinweg schon weit in das allgemeine Rechtsleben hinein". In das allgemeine Rechtsleben gehören eben die Attacken, die im Dritten Reich täglich gegen unschuldige Menschen geübt werden, von denen die „Reichspost" und die andere christliche Presse bei uns -arbeiten können, wie würden es dann 325.000 Arabeil mit 258.000 Juden tun! Wenn man einen Judenstaati von 2000 Quadratmeilen die Erfüllung der gegebenen Versprechungen nennt, dann ist es schade, daß diese Versprechungen nicht lange vorher deutlicher gemacht wurden. Unter den Arabern in dem trockenen, unproduktiven Bergland werde tiefe Unzufriedenheit herrschen. Man bedenke die Wehrlosigkeit des jüdischen Staates im Zusammenhang mit dieser Unzufriedenheit bei den Arabern. Es bedeutet einen Mißbrauch des Ausdruckes Souveränität, wenn man ihn auf den Judenstaat anwendet, der weniger als 2000 Quadratmeilen groß ist, und dem keine Stadt bleibt außer Tel-Aviv, wo die Juden noch nicht einmal die volle Hafenkontrolle haben sollen." (J. T. A.), Prof* Klau§ner klagt an In der jiddischen Zeitschreift „Unser Welt" befindet sich ein Interview des Korrespondenten M. Barasch mit Prof. Josef Klausner von der Hebräischen Universität Jerusalem, worin dieser sich u. a. über die gegenwärtig« Lage äußert, indem er die einzelnen Fragen des Interviewers präzise und ausführlich beantwortete. Wir veröffentlichen im nachstehenden einige Teile des Gespräches. Frage: Wer ist, laut Ihrer Meinung, Herr Professor, für die geschaffene Lage verantwortlich? Prof. Klausner: Seit 20 Jahren sieht Dr. Weizmann und die ihn stützende Partei nur einen Weg vor sich: den Weg des Nachgebens, der Deutungen, der Beruhigung der Oeffentlichkeit und der „Hawlaga". S}e haben die Engländer daran gewöhnt, in uns Juden ein untertäniges, versklavtes Volk zu sehen, welches nur ein Ziel hat: das Niveau des arabischen Volkes zu heben und um die Araber zu sorgen. Nimmt es denn Wunder, daß der ganze Bericht der Kgl. Kommission proarabisch ist? Alles hat sich gegen uns gewendet, alles ging auf unsere Kosten. Die Linken hätten doch gegen die Teilung sein müssen. Auf diesem nichtigen Flächlein wird doch eine große Arbeitereinwanderung unmöglich sein. Abgesehen gar von der Lösung der Judenfrage in ihrem ganzen Umfange. Unsere Sozialisten hoffen aber, in dem „Staate" die Macht an sich zu reißen und hier einen sozialistischen Staat zu errichten, wo die Thora von Marx herrschen soll. Sie sind bereit, Jerusalem, Hebron, Tiberias und Safed preiszugeben, nur um „Minister" und Herrscher in diesem lächerlichen „Jüdischen Staat" zu werden. Frage: Glauben Sie, Herr Professor, daß Doktor Weizmann dem Plane zustimmte? Prof. Klausner: Ja! Kategorisch ja! Ohne eine Zustimmung könnte der ganze Plan nicht aufkommen. Die Erklärung der Londoner Jewish Agency macht den Eindruck, als würde man einen Handel, um einige „Zertifikate" führen, als würde es sich nicht um das Schicksal des jüdischen Volkes handeln; als stünde der Zionismus nicht vor der Gefahr seiner vollständigen Liquidation. Mit wieviel Heuchelei, mit wieviel kaltem Zynismus „protestieren" sie gegen den Bericht? Und man will die Oeffentlichkeit beruhigen, um sie später vor die vollendete Tatsache zu stellen. Tief gerührt und erschüttert ruft Prof. Klausner aus: Wenn der jüdische Zorn in seiner ganzen Glut nicht aufbrausen wird und sich der schrecklichen Tat und dem Unrecht nicht widersetzt, desgleichen die jüdische Geschichte auf ihren blutigen Blättern noch nicht vermerkt hat, werden wir wissen, daß kein jüdisches Volk existiert, daß es keinen Zionismus gibt, daß keine Hoffnung atif die volle Erlösung besteht ... Es wird sich das zweite Mal wiederholen, was im Jahre 1933 geschehen ist. Die ganze Welt schaute mit Spannung in den Tagen der Machtergreifung Hitlers und der ersten Verfolgungen auf den Zionistenkongreß. Man erwartete die Tat und es kamen kriecherische Formeln, es kam ein großer Geschäftsabschluß laut Vorschlag des toten Arlosoroff mit Hitler. (Gemeint ist das Transfer-Abkommen der zionistischen Exekutive mit der deutschen Reichsregierung.)\ So werden sie es jetzt in Zürich machen. Man erwartet, die Naiven erwarten eine Tat und nach dem Donnern einiger Alten wird der Geschäftsabschluß kommen, die kriecherischen versklavt-jüdischen Formeln. KINO.PROGRAMME t schweigen aus — Kulturyerbundenfyeit mit dem. ^iKeaßtA &m.s^^ -'.'*> '• C H WE D E N Von 10 Uhr vom< bis 6 Uhr abcöda mmmmmmmm Lebende Zeitung A - 49 O - 60 Nur i/s7 und 9 Uhr abends Metro• Goldwyn -Mayer-Festspiele Paul Muni, Luise Rainer, Tilly Losch Rjg Vorverkauf für die nächsten 7 Tage täglich ab Vi 10 Uhr vormittag» ununterbrochen 0 ^S^SSfflBWPSRSW?!^^ gute Erde *4 „i «Äy.-H^^W1.

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