Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 675 (27.7.1937)
- Date
- 1937-07-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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\ Seite 2 DIE NEUIS WELT Kft vom 2«* Juli 1933} J! tagung, aondern erst in der Jänne r ta gung 1938 fassen. Zeit gewonnen, viel gewonnen. Aber der Zionistenkongreß ...? Was wir von. ihm wünschen, haben wir in der unserer heutigen Ausgabe vorangegangenen Nummer ausgeführt. Wir möchten noch gerne wissen, wer hinter den Kulissen mit Vertretern der englischen Regierung im Sinn des Teilungsplans verhandelt hat und welche Bindungen gegenüber Englands Plan seitens zionistischer Führer eingegangen wurden. Der Kongreß muß Rechenschaft verlangen über all das, was sich seit dem Peel-Bericht in London und Palästina zwischen der zionistischen Exekutive und der Mandatar« macht abgespielt hat. Denn es gehen — leider wohlbegründete — Gerüchte um, daß bei „glücklicher" Aenderung des TeÜungsplanes dieser auf dem Kongreß von einzelnen zionistischen Persönlichkeiten, die zu Weizmanns Vasallen gehören, befürwortet werden soll. Dieser Gefahr muß unbedingt begegnet werden. Es darf nicht geschehen, daß Männer, welche an der Vorbereitung des Verrats am jüdischen Volk mitgewirkt haben, noch weiter zionistische Aemter bekleiden oder gar als „gesunde Realpolitiker" Zürich verlassen.' ' Und noch etwas in letzter Stunde: Der Peel- Bericht enthält bekanntlich einen Alternative-Vorschlag (für den Fall der Ablehnung des Teilungsvorschlags), der sich hauptsächlich gegen die Juden richtet. Herr Ormsby-Gore und Herr Wauchope können sich für die ihnen im Unterhaus zuteilgewordene Blamage damit revanchieren, daß sie heute schon, bevor, noch die Frage des Teilungsplanes definitiv erledigt ist, den Administrationsapparat in Palästina gegen die Juden, gegen die zionistischen Bestrebungen, gegen die derzeit noch in vollem Umfang bestehenden Mandatsverpflichtungen spielen lassen, da sie wissen, daß die 400.000 Juden in Palästina auf das Wohlwollen dieses Apparats angewiesen sind. Und richtig! Wenn man von der Palästina- Regierung etwas Böses erwartet, wird man nicht enttäuscht. In antijüdischer Taktik, in der Verleugnung der ihr überantworteten Aufgaben ist sie Meisterin.. Sie findet Uebeltäter, nur wenn es ihr behagt; sie verhätschelt die arabischen Mordbanditen Usw. Noch sind nicht 24 Stunden seit der Peel-Blamage vergangen und schon sind die Beamten des Herrn Wauchope mit ihren antizionistischen Manövern auf den Plan getreten. Wie die palästinensische Presse nämlich schreibt, hat die Palästina-Regierung bereits eine Uebergangspolitik in Angriff genommen: Auf zahlreichen Gebieten ist die jüdische Arbeit bereits eingeschränkt worden. Dadurch verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage des Landes. Aber das interessiert den braven Oberkommissär nicht. Wenn man ihm in London das Konzept verdirbt,, rächt er sich in Jerusalem, . * Der Kongreß muß sich mit dieser wichtigen Frage beschäftigen. Lieber ein paar Schulreferate weniger, dafür aber den Blick aufs Land! Jeder Zionist wird dem Kongreß dankbar sein, wenn er, statt den Umfang der Kongreßzeitung zu vergrößern, Arbeit leistet. AUS ALLER WELT Nach einer Meldung des „Czernowitzer Morgenblatt" ist es in Panciu während der dort stattgefundenen Gemeinde- und Bezirksratswahlen zu schweren antisemitischen Ausschreitungen gekommen. Eine Gruppe von mehreren hundert Cuziaten zog durch die Straßen der Stadt, wobei jüdische Passanten angehalten und mißhandelt wurden. Die Huligans drangen auch in jüdische Geschäfte ein und demolierten die Einrichtungen. Dreißig jüdische Läden und Privatwohnungen wurden vollkommen zerstört. Die jüdische Bevölkerung von Panciu richtete an «den Ministerpräsidenten ein Protesttelegramm, in welchem auf die Ereignisse hingewiesen wird. Der Ministerpräsi- .dent hat den Auftrag erteilt, die Untersuchung unverzüglich einzuleiten und gegen die Schuldigen mit der ganzen Strenge des Gesetzes vorzugehen, (J, T. A.), .* In Wien sollte ein jüdischer Verein zur Unterstützung notleidender russischer Juden durch Geld und Lebensmittelspenden unter Führung orthodoxer Wiener Juden ins Leben gerufen werden. Wie der J.-T.-A.- Vertreter erfährt, wurde die Gründung dieses Vereines von der Behörde untersagt. Als Begründung wird angeführt, daß durch das Bestehen eines solchen Vereines ein Zuzug notleidender russischer Süden nach Wien erfolgen könnte. .(j, T, A.)] # i In dem berühmten österreichischen Kurort Badgastein sowie in den umliegenden Ortschaften werden zahlreiche Flugzettel verteilt, in denen reichBdeutsche Gäste vor einer ganzen Reihe Hotels, Kaffeehäuser und 'Ausflugsorte gewarnt werden und ihnen eine Liste verschiedener Firmen, Prof essionisten und Aerzte arischer Abstammung besonders empfohlen wird. Bisher sind die Behörden gegen diese Boykottpropaganda nicht eingeschritten, k(J,!£> A,» v Das Geheimnis des Lord Strabolgi Aus der Oberhausdebatte vom 20. Juli ist die Rede des Lord Strabolgi nachzutragen. Lord StrabOlgi, der als Commander Kenworthy Mitglied des Unterhauses gewesen ist und sich als Abgeordneter sehr für den Zionismus eingesetzt hatte, sprach im wesentlichen über die militärische Seite de« Teilungsplanes. Er unterstützte grundsätzlich den Vorschlag von Lord Reading, eine Kommission von Unter und Oberhausmitgliedern einzusetzen. Er teilte mit, ihm habe eine militärische Autorität versichert, Palästina könne mit verhältnismäßig kleinen Streitkräften, etwa fünf oder sechs Betaillonen, und den notwendigen Flug geschwadern gehalten werden, wenn klar gesagt werden würde, daß England sein Versprechen einlösen wolle. Es gebe tausende junge Juden in Europa, die Not leiden. Wir sollten ihnen, sagte Lord Strabolgi, die Tore Palästinas öffnen, damit sie die Garnison der Zukunft bilden können. Viele von ihnen würden Soldaten werden wollen. Man sollte ihnen erlauben, sich zu bewaffnen und sich zu ver teidigen. Das wäre die einzige Alternative im Interesse des Britischen Empire. Als der Bericht der Kgl, Kommission veröffent licht werden sollte, führte Lord Strabolgi weiter aus, sprach der britische Botschafter in Rom bei Mussolini vor, um ihn zu bitten, sich nicht gegen den Plan auszusprechen. Nichts kann, erklärte Strabolgi, die Interessen des Führers der italienischen Nation mehr fördern, als dies. Mussolini und seine Freunde seien mit den Zionlsten bereits in Kontakt und hätten diesen allerlei verspro chen; es werde ihn nicht wundern, wenn er hören würde, daß Mussolini auch mit den Arabern in Verbindung stehe und auch ihnen allerlei versprochen habe. Auf den Zwischenruf Lord Melchetts, woher er die Information habe, daß die Italiener mit der Zionistischen Organisation in Verbindung stünden» erwiderte Lord Strabolgi, er habe es von einer sehr hochgestellten offiziellen Persönlichkeit der Zionistischen Organisation erfahren und sei bereit, ihm deren Namen privat mitzuteilen. Vom militärischen Gesichtspunkt sei der Teilungsvorschlag gänzlich unbefriedigend. Der Redner fragte den Luftfahrtsminister Viscount Swinton, ob bei dem Plan die Ansicht militärischer Fachkreise eingeholt worden sei. Er befürchte, daß man dies — .und zwar nicht zum erstenmal.— übersehen habe. Er glaube, in drei oder vier Jahren werde man Palästina wieder erobern müssen, wenn es in einem weit schlimmeren Zustand sein werde als heute. Es werde eine sehr, schlechte Sache für England werden, wenn die Regierung die gegenwärtigen Vorschläge verwirklichen sollte, Palästina-Mandat für Amerika»?, •*' Aus L o n d o n wird gemeldet? Der Wortführer der liberalen Partei, Abgeordneter Geoffrey Mander, wird am 27. Juli im Unterhaus folgende Anfrage an die englische Regierung richten: „Ist die englische Regierung bereit, die Mandatsverwaltung Palästinas aüf Grund der für sie unlösbaren Schwierigkeit den Vereinigten Staaten von Amerika zu übertragen?" Eine englische Stimme Aus London wird gemeldet: Im Reuter-Bericht wird vermerkt, daß alle Redner im Verlaufe der Debatte darin übereinstimmten, daß die Aufrechterhaltung des gesamten Mandats wünschenswert gewesen wäre. — „Daily Herald" schreibt, daß die Palästina-Debatte eine der umfangreichsten Debatten gewesen ist, die das englische Parlament je abgewickelt hat. — „Daily Telegraph" schreibt, die Erklärung des englischen Kolomenministers, daß die Regierung bereit sei, weitgehende Abänderungswünsche und -Vorschläge zu berücksichtigen, habe um so größeres Aufsehen erregt, als noch während der tags zuvor im Oberhaus stattgefundenen Palästina-Debatte der Sprecher der Regierung eine unnachgiebige Haltung eingenommen habe. Aufschlußreich sei der Satz in der Rede Ormsby-Gores, wonach die Regierung sich nicht auf einen spezifischen Plan festgelegt habe und das Parlament um seine Zustimmung ersuche, falls grundlegende Aenderungnn. vorgenommen werden müßten. Aus London wird berichtet: Das tschechoslowakische Preßbüro verbreitet die folgende, anscheinend aus offiziöser Quelle stammende Auslassung: Die gestrige Palästina-Debatte in den beiden Häusern des britischen Parlaments hat keinerlei neue wesentliche Gesichtspunkte zu der Letzter Termin II AUTOCAR-GESELLSCHAFTSREISE ZÜRICH nach zum 20. ZionistenkongreQ Kombinierte bequeme Autocar- und Bahnfahrt. Teilnehmerpreise: Wien—Zürich—Wien Im Autocar (Inkl. Stadtrundreiaen, Versicherung und Kongreßlegitimation) ....... S 78.—. Inkl. Verpflegung und Nächligung während der Reise S 98.— Bückfahrt am 8. August und 15. August. Auskünfte, Belseprogramm und Anmeldungen: Täglich von 5 bis 7 Uhr abends im Verband der Judenataatszlonlsten. IL. Praterstraße 30. Tel. R-45-160-U, und Jüdische Kulturstelle« Wien. L» Kai 3»!2&U B*28f&>a& GÄfiTJS WÄLKOMMEIit m * i ganzen Frage gezeitigt. Die englische Regierung bekämpftj jede weitere Verzögerung der Lösung nicht zuletzt aus dem Gesichtspunkte der dringlichen Befriedung dea Nahen Ostens und der notwendigen Ausschaltung und Bekämpfung der starken ausländischen und namentlich] italienischen Propaganda. (J. T.-A.), OrmsbyiGores Purzelbaum Politische Unfähigkeit Wie die J. T. A. aus London meldet, ist die Stimmung der englischen Presse für den Teilungsplan nicht einheitlich. Im ganzen und großen ist man glücklich, daß „Zeit zur Ausarbeitung eines zufriedenstellenden Plans" gefunden wurde. Der konservative „Evening Standard" lehnt den Teilungsplau ganz und gar ab. Ormsby-Gore habe einen Purzelbaum gen schlagen, der ebenso erstaunlich wie kennzeichnend! für seine politische Unfähigkeit sei. Das Ergebnis dieses Versuches überhasteter Staatskunst sei für die Regierung nicht glücklich und für den: Kolonienminister noch weniger verdienstvoll. Er habei aber den einen Vorteil, daß mit einem schlechten Ge« schäft ein schnelles Ende gemacht wurde. „News C h r o n i c 1 e" meint, es lasse sich vor* stellen, daß Juden und Araber, die beide so sehr gegerfi die Teilung sind, den Streit beilegen und dem Mandat eine faire Chance geben werden. j Teilungsplan unmöglich In einem Artikel im „Evening Standard" nimmti Winston Churchill scharf gegen den Teilungst plan Stellung. Palästina habe, so erklärt er, bis zu der Zeit der Judenverfolgungen in Deutschland und dem Aufleben des Antisemitismus in anderen Teilen der! Welt, die ihr Gegenstück nur in der Zeit der Hugenot« ten finden, einen beispiellosen Aufschwung genommen* Die ganze Last sei dann auf Palästina gefallen. Churchill meint, er sei versucht, anzunehmen,, daß sich durch Geduld und Ausdauer ein Ausgleich der Gegensätze erreichen lassen müßte. Würde heute noch eine Persönlichkeit wie Lawrence leben, so würde in kürzester Zeit eine Verständigung erzielt werden,' Der Teilungsplan in seiner jetzigen Form be- > deute das Ende des Zionismus. Es sei unmöglich, daß das Land von der Größe einer englischen Grafschaft Raum für die aus vielen Ländern vertriebenen Juden bieten könne. Besonders abzulehnen sei der Plan aus militärisch-strategischen, Gründen. Der jüdische Staat gehe ohne besondere Grenzen! in den arabischen über und liege völlig offen. Tatsäch-i lieh müßte der Staat bis zu den Zähnen bewaffnet sein. In seiner Durchführung müßte der Plan unver-« meidlicherweise dazu führen, daß sich England aus Palästina zurückziehe. Eine derartige Entwicklung wäre aber höchst gefährlich. Abschließend gibt Chur-t chül der Hoffnung Ausdruck, daß in der durch den' Ausgang der Unterhausdebatte entstandenen Pausa Araber und Juden zur Besinnung kommen und angesichts der drohenden Zerstückelung des Landes eind Former finden werden, die für beide Teile annehmbar! erscheine und die Unversehrtheit des Landes sichere^ Der palästinensische Sonderberichterstatter deri „Times" schreibt, wenn man annehmen wollte, daß! der Teilungsplan ein macchiavellistischer Versuch ge«* wesen sei, die beiden streitenden Parteien zur Ve r-i ständigung zu zwingen, dann zeigen sich in den; letzten Tagen Anzeichen dafür, daß er möglichei^geiso den gewünschten Erfolg haben werde. > Vortrag Jabofinskys im Unterhaus Aus London wird gemeldet: Wladimir Jaboi tinsky hat am 13. Juli in einem Saale dea britischen! Parlaments vor einer Anzahl Unterhausmitgliederj eine Rede gehalten, in der er sich dafür einsetzte, daß die Erörterung des Berichtes der Kgl. Kommission durch die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes, die für den 30. Juli angesetzt ist, auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werde. Bs sei die Zeit für den Zusammentritt einer jüdischen Nationalversammlung gekommen. Minister Eden hat den Völkerbundrat ersucht, diel Mandatskommission aufzufordern, an die Erörterung des; Teilungsplanes zu schreiten, bzw. ihre Zustimmung zu, dem Vorschlägen der Kgl. Kommission zu erteilen, bevor nochi Juden und Araber Zeit gehabt haben, ihrerseits eind Stellungnahme zu einem Bericht von so überwältigender) Bedeutung zu präzisieren. Bereits im September solle deri Völkerbundrat seine Zustimmung zur Aufhebung des Man« dates erteilen. Niemand weiß jetzt, was der Völkerbund! beschließen wird. Wir Juden aber sehen eine Gefahr, und] wir werden nach Genf gehen, um vor öffentlichem Forum! für eine Verschiebung der Erörterung zu kämpfen. Gibt! es im Unterhaus Stimmen, die gegen eine so überstürzte! Beschlußfassung sind, so werde das die Mitglieder deri Mandatskommission ermutigen, auch ihrerseits zu er* klären, daß sie sich nicht überrennen lassen wollen. Die Kgl. Kommission habe ihren Aufgabenkreis; überschritten. Sobald der Text der Zeugeneinvernahme! veröffentlicht sein wird, werde man erfahren, daß kein! einziger Zeuge über die Teilung befragt worden ist. Der! Teilungsplan ist sonach nicht das Resultat der Untersuchung selbst, aondern ein „Nachgedanke" der Korn* mission. Er scherze nicht, wenn er die Erwartung ausspreche, daß vielleicht eine neue Kommission eingesetzt werden wird, um Zeugen zur Frage der Teilung einzuvernehmen. Bei Stuhlverstopfung und Magenbeschwerden mit Kopfschmerzen, Nervenreizbarkeit, Schlaflosigkeit, Mattig* kelt und Niedergeschlagenheit bewirkt am Morgen ein Glas natürliches „Franz-Josef-Bitterwasser sofortige Be-' lebung der darniederliegenden Verdauung und gründliche, ReJnj£Uö£ des Magendarjnkanal^