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Die neue Welt · 1937-07-27 · Heft 675 (27.7.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 675 (27.7.1937)
Date
1937-07-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen Dfemtag, den W. JftH IM? DIE NEUE Nf*075 V. b. Itnng vom Verleger veraendet roornal expMtö par Mdltem« REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN t Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—: Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jngoslawlen monatlich Dinar 14.—, viertel* jährig Dinar 40.—; Itumänlen monatlich Lei 60.—. vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, Vierteljahr«? Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.-, vierteljährig,Lewa 80.—; ItaUen monatlich Lire B.—. vierteljährig Lire 14.-5 Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlieh. Redaktion U.Verwaltung: IX, Unwersitäfsstr.8t7eLA-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag jyDa draußen/ da draußen ♦ + So oft der Frühling durch das offene Fenster, lieziehungsweise der Sommer in die Großstadt einzieht, gelangt die Sommerfrischenfrage auf die Tagesordnung und das Studium der Prospekte wird zu einer ebenso amüsanten wie ermüdenden Beschäftigung. Es fcomnit aber noch etwas Pikantes hinzu: es stellt sich nämlich heraus, daß Gott, der Schöpfer aller Dinge, gewisse Gegenden (Landschaften und Unterkünfte) nicht für a'l l e Menschen, sondern nur die von H, St., Chamberlain, Alfred Rosenberg, Julius Streicher und den „Wieher Neuesten Nächrichten" entdeckten „Arier" gemacht hat. Das ersieht man aus gewissen Prospekten. So. schrieb ein Wiener Verkehrsbüro an einen niederösterreichischen Sommerfrischenort: ( „In den uns übermittelten Prospekten wird unter anderem erwähnt, daß W . . . eine beliebte arische Sommerfrische und das dortige Lehrerheim ,nur für Arier' zugänglich ist. Mit Rücksicht auf diese Bemerkung sind wir außerstande, Ihre Prospekte an das äu'skunftauchende' Publikum . abzugeben. Wenn Sie einverstanden wären, könnten wir die Wörter .arische'; und .Arier' unkenntlich machen, damit die Prospekte für unsere Zwecke verwendbar werden.-Im gegenteiligen Falle wollen Sie uns mitteilen; was wir. mit den "^Pxospek'teW "'■ - v,-.U:iV-.'M;.' ..., Das Wiener", Verkeh'rsbürb - ist in Verlegenheit.\ Es soll für Oesterreichs 'landschaftliche und gastronomische Reize, Propaganda machen, und da kommt ein niederösterreichischer Gastwirt, der, sein Leben dem Studium der. oben angeführten Autoren gewidmet hat,} daher, und verlangt, man möge ihm; ausschließlich „arische Kunden" liefern. Das kann ein Verkehrsbüro natürlich nicht tun. Es will allen Kunden dienen, und nicht . j,e n e , verlieren,, bei denen. solch eine hhiboistische -Auswahl Anstoß erregen könnte. Die ^Wiener Neuesten. Nachrichten" (beziehungsweise ihr \ Sonntagsplauderer). sind anderer Ansicht. Sie schreiben nämlich zur Stellungnahme des Verkehrs-! büros: , . , '<' 1! ',;Es ist doch kaum ein Zweifel möglich, daß jeder t Sommerfrischenort das, unbestreitbare Recht besitzt, solche Gäste zum Besuch einzuladen, die ihm genehm.» sind. Und was.die Haltung des betreffenden Verkehrsbüros anbelangt: Gibt es unter den Interessenten nicht "auch .viele, die gerne in eine arische Sommerfrische ... gehen?.Paß in der Bevölkerung des in Frage stehenden;. f Ortes« <Üe Ansicht der Wiener Fremdenverkehrsstelle <■ nichts weniger als Zustimmung findet, ist durchaus be- ' greiflich."; Gevviß igt die Ansicht des Blattes richtig, daß jede, Sommerfrische sich die Gäste einladen kann, die ihr genehm sind. Niemand kann etwas dagegen haben, daß der Gastwirt X in Prospekten ausschließlich für ajrische, Gäste wirbt. Es ist aber schwer, solches von einem Verkehrsbüro zu verlangen, das dem Land und nicht der politischen Einstellung eines Herbergsvaters zu dienen hat. Die Nazi und ihre „betonten" Nachläufer wissen auch ohne Prospekte, wo sje ihren —•' oft vom Staat bezahlten — Urlaub zu verbringen haben. Sie bedürfen der Prospekte nicht. . ••> Anders steht es um die Menschen im A us 1 a n d, die* nach Oesterreich kommen wollen, ohne sich um die rassischen Bedürfnisse der Hoteliers kümmern zu: niüssen. Salzburg zum Beispiel hat seinen groß-, artigen Aufschwung allein der Tatsache zu verdanken,, daß es die künstlerische Tradition und Würde Oesterreichs wahrt und pflegt und diejenigen1 Menschen an den Festspielen mitwirken läßt, die von. den Kulturkreisen aller Länder als Prominente geschätzt werden. Und auch die Gäste bleiben nach der rassischen Provenienz hin. ungesiebt. Würden beispielsweise die Salzburger Hoteliers durch Verkehrs-' büros Prospekte verteilen lassen, die ausschließlich frische" Gäste zum Besuch einladen, müßte das ganze Ausland,, nicht zuletzt die christlichen Kreise der Vereinigten' Staaten Amerika* gor üebets Gruß an die Judenstaatlep Zur Pariser Weltkonferenz Wien, den 26. Juli, Dienstag, den 27. Juli, eine Woche vor dem Züricher Zionistenkongreß, treten die Vertreter des Weltverbandes der Judenstaatszionisten in Paris zu ihrer Konferenz zusammen. Es ist ein Augenblick höchster Spannung in der zionistischen Welt und auch in den politischen Kreisen der großen Völker, die alle, willens oder nicht, Utt: Schicksal Palästinas und an der1 Zukunft des zerstreuten jüdischen Volkes interessiert sind. \ ■ Gerade solch ein Augenblick verpflichtet und darum werden sich die Beratungen der Judenstaatszionisten in Paris in einem breiteren und bedeutungsvolleren Rahmen"'abspielen, als' dies sonst bei'zionistischen Gruppenkonferenzen der Fall ist. Der J u d e hst aatsgedanke ist gerade in den letzten Wochen in der Weltöffentlichkeit' zur Diskussion gestanden, und diese, Diskussion, in ihrer Wirkung noch nicht abgeschlossen, ' hat auch jene, welche in schwächlicher öder ve^antwprtungslöser. Weise nicht Rede und Antwort, stehen wollten, zu einer Stellungsriahme heraus-. gefordert.;,.:'"^'^J .';' '....„ ..'______'. [ ' Die. 'jud^tä&jdotätä^ waren die einzigen, die ipi logischer Kohseijuenz döf Herz^ ^^Ön&'die;'^un1g deV" Jüdenfra ganzen; Umfang unentwegt auf die Tagesordnung ihres poHti-* ILFEÄ» jeden Bqrt bezwingen! sehen Lebens und der zionistischen Kongresse setzten, und wenn jetzt unter dem Zwang der Verhältnisse, die andern, die Schwächlichen und Verantwortungslosen, von einem Judenstaat stammeln, so darf man nicht vergessen, daß dieses Stammeln nur eine Verlegenheit bedeutet, aus der sie weiß Gott wer befreien soll. Die Judenstaatszionisten werden in Paris, schwere Entschlüsse zu fassen haben. Eine kleine, aber wackere Schar, eine kleine, aber kampferprobte Opposition wird sich für den Züricher Kongreß stählen müssen. Die Männer, welche den Weltverband der Judenstaatszionisten führen, erwarten zwar eine moralische Stütze seitens anderer Gruppen, die mit ihnen Herzls! Erbe wahren; sie werden , zwar Abrechnung halten mit jenen Elementen, welche bereit waren und sind, das im Teilungsplan ausgesprochene Todesurteil, wenn nur der Henker ein wenig milder verfährt, zu unterschreibend Aber sie hätten viel lieber mit ihren Freunden von gestern, den Revisionisten, an einer Front gestanden und für die große Sache gerungen, als diese fem von sich zu wissen, den einer oft unverständlichen Kampfmethode huldigenden patriotischen Zionisten, deren-Zusammengehen mit den Judenstaätlern, gerade jetzt von ausschlaggebender Bedeutung gewesen wäre. : Die die. Kerntruppe, um 4ie sich die Massen des Herd-Zionismus schären Können. ■ v Der Augenblick ist günstig. Man ergreife ihn, ehe es zu spät ist. In Paris werden hoffentlich Beschlüsse gefaßt werden, die dem Zionismus zur Ehre, dem jüdischen Volk zum Wohl, dem ungeteilten Palästina zum Segen gereichen werden. Revision der Palästina-Politik. Was wird weiter geschehen? Der Geburtstag des jüdischen Staates, wie ihn die Herren Peel und Ormsby-Gore uns in die Wiege legen wollten, ist durch die Debatte im englischen Unterhaus hinausgeschoben worden. Wir wissen zwar nicht, .wie. schließlich, das Kind aussehen wird, aber wir haben- Zeit gewonnen und das heißt manchmal: viel. gewonnen. Die Palästina-Politik der Mandatarmacht hat eine Niederlage erlitten, und es ist Hoffnung vorhanden, daß sie sich ihren nächsten Schritt jpündlicher überlegen wird. Ihr Teüungsplan liegt nicht mehr so fest wie unmittelbar nach den Aeußerungen. des Kolonienministers, und * wenn das Kabinett sich nicht noch einmal blamieren will, dann, wird es die ihr aufgezwungene Pause "ur: Ausarbeitung eines vernünftigeren Planes benützen müssen. . An der Mandatarmacht liegt es und' nicht an uns, Palästina so zu verwalten; daß "1. die Mandatsverpflichtungen erfüllt werden und zeugung gelangen, daß in Oesterreich jener Geist dominiert, der im Dritten Reich zur Absetzung der Menschenwürde geführt hat. ■: . : > " -: Die' österreichischen Sommerfrischen ^können, ohne daß jemand sie darum' beneidet, sich ihre Gäste: wählen1 und ihr Herz ausschließlich nach „arischen^ Besuchernpochen lassen. Niemand darf ihnen darob ' gram sein, niemand wird ihnen in ihr Gusto dreinreden. Aber < einem Wiener Verkehrsbüro den Vorwurf, machen,' daß es den Verkehr zwischen den arischen" Sommerfrischen und den arischen Sommergästen unterbindet, weil es Prospekte mit Arierparagraph nicht verbreiten will, finden wir ein wenig übertrieben. Die österreichischen Kurorte und Sommerfrischen werden ohnehin bald „nichtarjer"-arm werden, wenn inan, draußen erfährt, daß sich nicht nur die österreichische Presse, sondern auch die Herbergsväter aus arjafhem. 3follb^tte»g g^clehöf^ltw wo0«i, cvä daß 2. die Erfüllung dieser Pflichten gleichzeitig auch die Ruhe im Land gewährleistet. Herr Ormsby-Gore ist auf der Reise nach Genf begriffen. Dort beginnt am Freitag, den 30. Juli» eine Sondertagung der Mandatskommission des Völkerbundes, die sich ausschließlich mit Palästina zu -beschäftigen haben wird: mit dem Bericht der Kgl. Kommission und dem Vorschlag der englischen Regierung. Wäre die Palästina-Politik des Herrn Ormsby-Gore vom englischen Unterhaus gebilligt worden, würde es die Mandatskommission mit ihrem Studium und ihren Schlußfolgerungen leicht haben. Sie könnte sich auf die Meinung des britischen Parlaments und der. öffentlichen Meinung berufen, und dem Völkerbundrat . empfehlen, sich der englischen Stellungnahme anzuschließen. . Diesmal aber ist es nicht so. Die Mandatskonimission hat einen Bericht in die Hand bekommen» der kein'definitiver ist, dessen Inhalt vom englischen Unterhaus nicht genehmigt wurde, im Gegenteü: sie weiß, daß man sich noch fern von einem Definitivum befindet. Die Mandatskommission wird das ihr über« gebene Material verarbeiten und es dem Volkerb.un.dr.at vorlegen, der Anfang September in Genf tagt. Der. Völkerbundrat wird Beschlüsse f assen und sie an: die Mandatarmacht weiterleiten. Diese Beschlüsse werden für die weiteren Schritte der englischen Regierung von ausschlaggebender Bedeutung sein. Aber . . . Soweit wir informiert.sind,.wird der Völkerbundrat sich nicht binden. Er wird, da das ihm vorgelegene Material nicht die Büligung des englischen Unterhauses gefunden hat, nicht voreilig sein und warten. Denn das englische Unterhaus hat verlangt, daß die Palästina-Frage nochmals von einer parlamentarischen Kommission geprüft und das Ergebnis dem' anfangs Oktober tagenden Parlament vorgelegt werde. Daher wird der Völkerbundrat erst die Stellungnahme des englischen Parlaments abwarten und : grundlegende Beschlüsse nicht in der bevorstehenden Herbst»

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