Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 674 (23.7.1937)
- Date
- 1937-07-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mittel lies Kampfes Von Dr» Martin Lichtner Wir geben im nachstehenden die Ausführungen unseres Mitarbeiters wieder, um sie zur Diskussion zu stellen. Die Red. Wir sind ein merkwürdigem Volk. Jahrhundertelange Beschäftigung mit Talmud und Pllpulistik, mit reiner Wortdiakussion und leerer, scholastischer Logik sind alich am Westjuden nicht spurlos vorübergegangen und sein Verstand kennt daher keine klare und eindeutige Antwort auf eine kläre Frage; er pflegt auch bei uns auf eine Frage mit einer neuen Frage zu reagieren. Jedes andere Volk würde auf die unglaubliche Zumutung, die uns die Königliche Kommission aufgetischt hat, nicht nur mit dem selbstverständlichen „Nein" antworten, sondern dieses Nein wäre begleitet von einem Sturm der Abwehr, von einem Aufschrei getroffener nationaler Leidenschaft, von ' einer Leidenschaft, geboren au» dem Gefühl des Betrogenseins. Von alldem ist sehr wenig bei uns festzustellen. Ich verstehe, warum es so ist: Wir haben in den letzten Jahren eine derartige Fülle von Unglück, Not, Katastrophen erfahren, daß wir müde geworden sind, abgekämpft, zerschlagen, krank und nicht mehr über genügende Kraftreserven verfügen, um eine entsprechende Reaktion zu ermöglichen. # Wie Neinsager hören immer wieder eine Frage: Was werdet ihr tun, nachdem ihr Nein gesagt habet? Welche Mittel des Kampfes stehen euch zur Verfügung? Es sei gleich gesagt, daß sich nicht alle Mittel des Kampfes öffentlich diskutieren lassen, und um mich verständlich zu machen, möchte ich^ einmal mit aller Deutlichkeit erklären, daß es absurd wäre, eine Gruppe, wie die etwa um Achi Meir konzentrierte, in einer Partei organisieren zu wollen. Jedes Volk kann in gewissen Augenblicken allerhöchster Gefahr Gruppen dieser Art benötigen und sie können sehr entscheidend mithelfen in einem Kampf, aber sie müssen durchaus auf eigene Verantwortung handeln und die. Verantwortung für ihre Taten auch selbst tragen. Von den Möglichkeiten ihrer Aktionen und von den Aktionen selbst zu sprechen oder, wie es gar ein revisionistisches Blatt vor kurzem für zeitangemessen fand, darüber zu schreiben, ist so abwegig, daß sich diesbezüglich jede weitere Diskussion erübrigt. Ich führe also nur Aktionen an, die als legal zu betrachten sind und von einer weltumspannenden Organisation durchaus durchgeführt werden können und in den kommenden Tagen auch durchgeführt werden müssen, wollen wir wirklich ernsthaft daran gehen, unser Nein entsprechend zu unterstreichen, und die Hoffnung nicht aufgeben> unser Nein zum endgültigen Siege zu führen. Abgesehen von der rein juristischen Seite der ganzen Sachlage, die vor den entsprechenden Instanzen vertreten werden muß, also Berufung auf das. Versprechen der Balfour-Deklaration, Hinweis auf die Bestimmungen des Mandates, die durchaus nicht von -zwei völlig gleichartigen Aspirationen sprechen, wie es jetzt die Königliche Kommission darzustellen versucht, sondern unsere nationalen Ansprüche auf Erez Israel anerkennt, während von den Arabern lediglich als bürgerliche und religiös zu schützende Gruppen gesprochen wird, abgesehen davon, daß es im Völkerbundstatut keine Möglichkeit gibt, ein Mandat zu zerreißen, obwohl man die ausdrücklichen Bedingungen des Mandats, nämlich Errichtung einer nationalen Heimstätte für die Juden nicht erfüllt hat; abgesehen davon, daß dasselbe Statut keine Möglichkeit gibt, ein Mandatsgebiet dem Gebiete des Mandatars einzugliedern usw. usw., wäre der Kampf meiner Ansicht nach hauptsächlich vom Standpunkt des Rechtes, erflossen aus den ewigen Grundsätzen der Humanität und Sittlichkeit, zu führen. Das heißt, praktisch gesprochen: Die gesamte zionistische Führerschaft, einschließlich der außerhalb der Zionistischen Organisation stehenden Zionisten, begibt sich zu einem planvollen, mit genauen Direktiven ausgestatteten Propagandafeldzug an alle jene Stellen der Welt, von wo aus die Beeinflussung" der öffentlichen Meinung Aussicht auf Erfolg hat. Massenmeetings in allen Großstädten der Welt, die hiefür in Frage kommen, verkünden der Welt unseren unbeugsamen Willen, * unser Recht, die Versprechungen und den Inhalt der Verträge. Sie zeigen an Hand von Tatsachenmaterial, von Karten, Statistiken und Zahlenangaben, wie groß die Flächen sind, die die Araber bereits als selbständige Staaten besitzen, wie groß ihre Bevölkerungszahl Im Vergleich dazu ist und wie klein und unbedeutend daneben unsere Forderung nach Erez Israel in seinen historischen Grenzen ist. Sie zeigen durch Bildmaterial unsere Leistungen in Erez Israel, wobei andere Bilder Vergleiche ermöglichen, was die Araber früher aus diesem Boden gemacht haben. Sie beweisen schließlich an Hand des nach gleichen Gesichtspunkten zusammengestellten Materials, wobei das Bild immer den Zahlen vorzuziehen ist, die entsetzliche Not, den Hunger und das Elend der Millionen unserer Volksgenossen, die nur gerettet werden können, wenn unser Recht auf Erez Israel voll erfüllt wird. Sie appellieren an das Rechtsgefühl, an das sittliche Empfinden und an die menschlichen Grundsätze der Völker der Welt. Parallel damit gehen Pressekonferenzen, die die großen Zeitungen des Landes informieren, Besuche bei Parlamentariern und Politikern des Landes, Audienzen bei Ministern und Regierungen des Staates, wobei in den Ländern jüdischer Massensiedlung die Gleichartigkeit der Interessen des Staates mit unseren Aspirationen klar und!I9" SCUlEFMMn Jftt «tfju&cn Jft Hicnn «U fcteft* -aelfrttUtf* <l«*f*ttf*-«isetgnl* tterfftumen! 'S Beispiele der Wunderpreise: Damen-Kniestrümpfe, Kunstseide oder Seidenfior, 2. Wahl, Hcrrcn-Noppeu-Knicstrümpfe, Gummizug, oder Damen-Charmcuse-Netzhoschen . .nur Groschen Hauskleider oder Charmeuse-Hemden oder Weiße Strandhosen.....nur S Ripsleinenbluscn, gcbl. Kretonne-Blusen, Schaf woll - Damen - Badeanzüge.. Ischlcr Trachten Westen ......n u r S Gemusterte Kleider, geblümte Dirndl, Herren-Modehemden, 2 separate Kragen nur S Charmeuse-Blusen, «Tupf-Schlafröcke iui r S Herren-Charmeusc-Hemden in. 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Die zentrale Leitung dieses Kampfes läge in der Hand eines Kampfkomitees, dem möglichst alle nationalen und positiv zu Erez Israel stehenden religiösen Organisationen angehören müßten. Die Krönung der ganzen, gewaltigen und wirklich weltumspannenden Aktion wäre die Massenpetition des ganzen jüdischen Volke* an die Regierungen ihrer Staaten, an den Völkerbund und an die englische Krone. Ich gehörte seinerzeit zu den Mitunterzeichnern der Petition, die seitens der Revisionisten durchgeführt wurde. Ich stehe auch heute noch auf dem Standpunkt; daß diese Petition nicht zur Unzeit durchgeführt wurde und daß sie, wäre sie nicht seitens der Z. O. sabotiert-worden, Millionen, von Unterschriften erreicht und es wahrscheinlich unmöglich gemacht hätte, daß man heute wagt, uns mit solch, einem dreisten Vorschlag zu kommen. Heute ist sich eine ganze Reihe zionistischer Politiker im klaren, daß der Z e i t p u n k t f ii r d i e Petition jetzt erst gekommen ist. Der Streit, wer recht hat, ist heute überflüssig. Wenn wir gemeinsam die Petition in die Wege leiten, so sind wir imstande, mit Hilfe der vorhandenen Organisationen in wenigen Wochen Millionen von Unterschriften zu bekommen. Dr. J. Schwarzbart h, ein Führer der Allgemeinen Zionisten, hat bereits zu dieser Aktion aufgerufen (es war ungeschickt seitens der Revisionisten, mit Ressentiment und Spott darauf zu reagieren). Dr. E. Margulies hat sich auf denselben Standpunkt gestellt und ich glaube, daß diese Idee heute durchführungsreif ist. Das ist in kurzen Zügen unsere Vorstellung von den Mitteln und Methoden des Abwehrkampfes gegen den Angriff auf unser Leben und unsere nationale und physische Existenz, wenn bereits das Nein vom Kongreß erschollen sein wird. Es ist der Kampf, den wir zu führen haben, für unser Recht, für unser Leben, für unsere Zukunft und für die Existenz aller Generationen, die nach uns kommen werden. Ein Kampf; der uns aufgezwungen wurde, ein Kampf, der nicht nur für uns geführt wird und für unser Volk, sondern der geführt werden muß. wenn Menschlichkeit keine Phrase sein soll, wenn Recht kein Spott werden soll und wenn der heilige Eid, den uns England geschworen, nicht untergehen soll in Betrug und Lüge. Zu Dr« E» M* Zweigs 00« Geburtstag Ich hatte den Vorzug, Dr. Egon Michael Zweig schon in den ersten Jahren seiner zionistischen Laufbahn kennen zu lernen, ihn an der Arbeit zu sehen. Energie, Treue, Gewissenhaftigkeit und in in schwierigsten Stunden aufrechter Optimismus, der sich in reizvollem H u m o r äußerte, das waren die Grundzüge des Zweigschen Wesens. Nun ist unser Egon Michael Zweig ein Sechziger. Ich wünsche ihm, es möge sein goldenes Herz weiter für Herzls Ideee pochen, und drücke ihm die Hand; — Oskar Rosenfeld. * « Wir erhalten folgende Zuschrift aus Jerusalem: ./Anläßlich des 60. Geburtstages von Dr. Zweig sitzen seine Freunde beisammen und gedenken seiner und der Wiener Gesinnungsgenossen". Unterfertigt sind Mitglieder der Olej Austria, darunter Robitschek, Dr. Kiwe, Tilde Bernheim-Welner, Dr. Hugo Bojko u. a. Anläßlich des 60. Geburtstages des Herrn Dr. E. M. Zweig (Jerusalem) gratuliert herzlichst Gcrson Wittlin, den SeineslerscIiliilJ im Mulmunldes-liutitut. Sain.Hag, „v-.i ii. Juli, liielt Herr Dr. A. Kanilnka seinen Schlußvortrag. Nach den ausgezeichnete» Ausführungen de» Vortragenden ergriff Kulturvorsteher Dr. Landau .(Vizepräsident des Kuratoriums) daa Wort, um dem Dozenten wie auch dem administrativen Leiter, Herrn Hirsch Intrator, :1m Namen aller HUrer sowie auch im Namen des Vorstandes üer'f Isr. Kultusgemeinde Dank auazusprechen. Der Vorschlag,; H^rrn Intrator zum Obmann des tu wählenden Kuratoriums au ernennen, wurde mit begeisterter Zu» Stimmung angenommen.