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Die neue Welt · 1937-07-23 · Heft 674 (23.7.1937) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 674 (23.7.1937)
Date
1937-07-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 674 vom 23. Juli 1937 JlaUet vot (fO& Amerikanisches Allerlei Von A. Ä I m i (New York) In diesen schweren und traurigen Zeiten tut ein wenig- Heiterkeit gut. Ein paar Geschichten aus dem freien Amerika, aus dem Lande, auf das Millionen jüdischer Augen blicken, will ich erzählen... . Die eine Geschichte handelt von Sidney Horowitz und Sinclair Levy. Diese beiden sind wahrscheinlich auch drüben in Europa bekannt. Sinclair Levy ist der Schriftsteller» der vor. einigen Jahren den Nobelpreis bekam, und Sidney Horowitz gehört zu den namhaften amerikanischen Dramatikern'. Sinclair. Levy hatte mit seinem Roman „Mister Dodsworth" einen außerordentlichen Erfolg. Sidney Horowitz dramatisierte den Roman und die. amerikanischen, Bühnen rissen sich um diesen Schlager. Der Ruf des Stückes war auch nach Berlin gedrungen und Hans Bartsch, der Reichsbühnen wart, wendete sich an die beiden Autoren wegen Erwerb des Stückes, indem er von ihnen die eidesstattliche Erklärung verlangte, daß sie Arier seien. Daraufhin schrieben ihm die Autoren folgenden Brief: „Wir fürchten, daß wir Ihnen beim besten Willen keinen dokumentarischen Nachweis über unser Ariertum geben können. Wer kann wissen, was für Eltern wir in den letzten Jahrhunderten hatten? Wir sind dessen ebenso wenig sicher, wie bezüglich Ihrer Eltern... Wir bitten Sie nur, uns an unsere wirklichen, echten Namen zu antworten. Sidney Horowitz und Sinclair Levy." Selbstverständlich heißt Howard nicht Horowitz und Louis nicht Levy. Aber es war ein Hieb gegen den Arierwahnsinn der deutschen Nazi, und Amerika lachte ... * Aber Amerika weint auch. Maker ist gestorben. Maker, der berühmte amerikanische Held, der auf den französischen Schlachtfeldern soviel Ruhm und Ehre erntete, zählt nicht mehr zu den Lebenden. Alle Zeitungen widmen dem verstorbenen amerikanischen Helden Trauerartikel, erzählen von seinem Heldentum im Weltkrieg, veröffentlichen sein Bild und besingen ihn in den höchsten Hymnen. Ein Begräbnis hatte er, ein großartiges, mit militärischen Ehren, wie es einem Kriegshelden zukommt. Maker war eine — Taube. Eine Taube. Eine Brieftaube. Im Weltkrieg trug Maker kleine Zettel, Nachrichten, in seinen zarten Beinchen, er flog zwischen Bomben und. Kugeln, und zeichnete sich derart durch rasches Fliegen aus, daß die Amerikaner und ihre Verbündeten dank der Leistung Mak.ers einige große Schlachten gewinnen konnten. Einmal wurde Maker . verwundet, aber . er hielt sich heldenhaft, flog weiter und kam glücklich im amerikanischen Lager an. Nach dem Weltkrieg brachte man ihn nach Amerika zurück. Hier lebte er still und zurückgezogen, in Ruhe und Ehre und in Frieden, wie es für das Symbol des Friedens paßt... Maker ist für die heutige Kriegsstimmung nicht verantwortlich. Und er ist zur rechten Zeit gestorben, in- . mitten der Vorbereitungen zu einem neuen Weltkrieg. - - * Mosche, der Neger ... Man kann ihn jeden Tag im vegetarischen Restaurant auf dem East Broadway treffen, in einem Kellerraum, nicht weit von den jüdischen Zeitungsredaktionen. Es ist dies ein vegetarisches Restaurant für die radikalen Vegetarier, die weder Eier noch Butter, noch Milch genießen. An allen Wänden sieht man Sprüche aus der Bibel, Zitate vom amerikanischen Dichter Walt Whitman, von Shelley; von verschiedenen Philosophen und Religionsstiftern, da und dort ein Wort von Hillel Zeitlin, J. Ch. Brenner und Feinberg. Hier ist Mosche, der Neger, Stammgast. Schwarz wie Kohle, mit gekräuseltem Haare, spricht er fließend Jiddisch und er kann es auch, wie er sagt, unterrichten. Er beschäftigt sich mit Unterricht, er lernt schwarze Juden Jiddisch und beten. Woher er stammt? Er sagt, daß seine Eltern aus Abessinien hiehergekommen sind, er ist also — ein Letzter Termini! AUTOCAR-GESELLSCHAFTSREISE nachZürich zum 20. Zionlstenkongreß und nach P3NS zur Weltausstellung Kombinierte bequeme Autocar- und' Bahnfahrt. Teilnehmerpreise: Wien—Zürich—Wien im Autocar (inkl. Stadtrundreisen, Versicherung und Kongreßlegitimation).......S 78.— Inkl. Verpflegung und Nächtigung während der Reise S 98.— und Zürich—Basel im Autocar, Basel—Paris Im D-Zug und retour Zürich, als Anschlußarrangement mit Ausatellimgslegltimation..............S 60,— Detto bei voller Verpflegung auf der Reise und 4 Tage Pari» In gutem Hotel inkl. Frühstück und Mittagessen sowie Trinkgelder und sonstigen Abgaben......S 100.— Abfahrt: Wien. 25. Juli 1937 und 1. August 1937. Rückfahrt am 8. August und 15. August. Auskünfte, ReiBeproiframm und A^mel"ungen: Täglich von 5 bis 7 Uhr abends im Verband der Judenstaatszlonlsten, II.. Prater- »traße 30, Tel. R-45-160-U, und Jüdische Kulturstelle, Wien, I., Kai 3, Tel. R-28-2»36. GASTE WIM/KOMMEN \ * Die alte Präger Legendensammlung . „Sippurim", wie sie um die Mitte des 19. Jahrhunderts von einigen Prager jüdischen Buchhändlern gesammelt und herausgegeben wurde, ist, vom Prager Schriftsteller Heinz Politzer frei nachgestaltet und von Friedrich F e i g 1 mit Zeichnungen versehen, in einer Neuausgabe beim R. Löwit-Verlag, Wien und Jerusalem, erschienen. Ein Stück jüdischer Geschichte wird in diesem Buch lebendig. Die Nachgestaltung •* ' kann als gelungen bezeichnet werden: Sie bleibt im Ton des Originals, versteht die Stimmung von Märchen, Legende und Historie wiederzugeben. Wir gehen heiteren Auges und beglückten Herzens durch die „Goldene Gasse" — voller Kindheitssehhsucht, wir gehen durch-den wunderbaren Duft dieser „Goldenen Gasse", die mit den schönsten und ergreifendsten Bildern gepflastert ist. Verleger, Nachdichter und Illustrator können des Dankes einer beschenkten Leserwelt gewiß sein. » Das Werk betitelt sich „Die goldene Gasse". Der Ewige, sein Name sei gelobt, hatte Jerusalem schon den Flammen bestimmt und den Tempel, in dem das abtrünnige Volk ein Götzenbild aufgerichtet hatte, dem Untergang geweiht. Da flehten die Engel, Israel vor der Vernichtung zu bewahren. Der Herr aber erhörte sie nicht, .sondern offenbarte sich, Jeremias und befahl ihm, seinen Zorn zu verkünden. Jeremias folgte und weissagte den Untergang Jerusalems solange, bis man ihn in Ketten warf. Doch jammerte den Propheten die Zukunft des Volkes und mit Hilfe des Wächters stahl er sich eines Nachts davon. Er eilte nach Hebron, wo die Erzväter schlummern, denen der Herr Israels Ewigkeit gleich der Ewigkeit von Mond und Sonne verheißen hat. Die Erzväter erwachten. Sie wallten aufwärts und flehten an der | Himmelspforte um Einlaß. Da sandte sie die Stimm© des Herrn zu den Gräbern zurück, aus denen sie gestiegen waren. „Einem Götzen opfern sie in meinem Heiligtum." Die Uralten wandten sich, in Wehmut ergeben, und wanderten zu ihrer Gruft. Am Heimwege aber begegnete ihnen Rahel, denn auch nach Ramah war Jeremias geeilt, wo die Mutter begraben liegt. Als die Erzväter sie sahen, verhüllten sie das Antlitz, um ihr zerstörtes Wesen zu verbergen. Rahel atier schritt weiter, begehrte Einlaß und, als auch ihr die Antwort wurde „Mein Heiligtum ist geschändet", begann sie: „Herr, den ich rufe, gedenke der Schwachheit des Menschen, der sündigt, solange er lebt. Und dennoch, habe ich nicht um der Schwester willen meine Schwäche abgestreift wie ein zerrissenes Kleid? Du weißt es, Herr, wie sehr ich mich Jakob in Liebe ergeben hatte, und als Laban, der Vater,,mir seine List anvertraute, Jakob mit Lea, der Dürftigen, zu täuschen, da empörte ich mich in meinem Herzen. Schon stand ich vor Jakob, um ihm den Plan aufzudecken, da dachte ich an Leas dürftige Gestalt und an die Bitternis, die sie in ihrer Jugend erlitten hatte. So ließ ich von meinem Vorsatz ab. Jakob aber, der dem Vater nicht traute, steckte mir Zeichen und geheime Losung zu. Da stahl ich mich zur Schwester und überredete sie, dem Vater zu folgen. So verriet ich Jakob und mein eigenes Herz. Lea fürchtete, daß Jakob sie an ihrer Stimme erkennen würde, da verbarg ich mich, als die Brautnacht gekommen war, im dunkelsten Winkel des Gemachs, in dem sie beieinander lagen, und lauschte und antwortete, wenn Jakob Lea fragte, mit meiner Stimme, so daß er die Täuschung nicht vor dem Morgen erkannte. Ich war eifersüchtig nach Menschenart und habe die Schwäche dennoch von mir abgetan, um eines Menschen willen, der meines Blutes war. Du aber, Herr, du eiferst gegen ein blödes Götzenbild?" Da schlug eine Harfe an und die Stimme sprach: „Halte ein vom Weinen die Stimme, von Tränen das Auge. Deine Mühe findet ihren Lohn, der Ewige verheißt es. Sie kehren wieder aus Feindesland, deinen Kindern sprießt Hoffnung auf, der Herr hat es verheißen. Sie kehren wieder, die Söhne, in ihr Gebiet." Fallascha. Bs geht aber das Gerücht um, daß er ein Ger, ein das Judentum angenommener Neger ist oder der Söhn eines solchen. Wie dem auch sei — Mosche, der Neger, hat alle jüdischen Leiden auf sich genommen und am meisten ist er über die Nürnberger Gesetze entrüstet. „So eine Gemeinheit, zu sagen, daß wir Juden eine, niedrige Rasse sind! Unsere Rasse, die der Welt Religion, Moral, die höchsten ethischen Werte gegeben hat — eine niedrige Rasse? Nur Verbrecher und Idioten können so etwas sagen!" Wenn ich auf sein Negergesicht' mit den dicken Lippen, der breiten Nase und dem gepräuselten Haare sehe, weiß ich nicht, welche Rasse er im Sinne hatte, als er sagte „Unsere Rasse!" Immerhin ist er unterhaltend, Mosche, der Neger. Er ist stolz auf seine Abstammung, auf seine — Rasse. die faotöem de* eituetfak StMoiideus »»nnfwnr?» vnrvwwwviiv Ein interessantes Buch Im Verlag Dr. Heinrich Glanz (Wien) ist soeben ein Buch Einleitung in die Probleme des .rituellen S c hlachtens" von Dr. Oskar Räbi'nowicz (Prag) erschienen, das in wissenschaftlichen Fachkreisen ernste Beachtung findet. Der Autor weist darin, wissenschaftlich begründet, einwandfrei nach, daß gerade der von antisemitischen Tierschützlern bekämpfte rituelle Schächtschnitt die beste" Betäubungsmethode für die schmerzlose Tötung des Tieres darstellt. Damit liefert er dem Judentum ein sehr beachtenswertes ■ wissenschaftliches Argument gegen die Forderung und Pläne mancher Regierungen, das Schlachten der Tiere nur nach, vorhergehender Betäubung zu gestatten. Er beweist ferner, daß diese humanste Schlachtmethode der Juden auf dem biblischen Verbot .der Tierquälerei und der biblischen Pflicht des Tierschutzes basiert, und begründet mit zahlreichen Belegen aus der gesamten einschlägigen Literatur den tiefen ethischen Sinn, der im rituellen Schlachten liegt; welches „der Masse entzogen und dem einzelnen — dem Schächter — übertragen wurde, damit jene sich vom Blutvergießen fernhalte". Rabinowicz weist ferner nach, daß auch die talmudische „T r ep ha- Lehre auf dem Prinzip der Tierschonung aufgebaut ist und sogar die Tierquälerei bis über den Tod hinaus durch Untersuchung festzustellen anordnet und den Fleischgenuß von einem Tiere, welches zu Lebzeiten Qualen, verursachende Verletzungen erlitt, verbietet. Die „Trepha"-Lehre, mit den Grundsätzen der pathologischen Anatomie verglichen, gewinnt medizinische Bedeutung und macht den Nichtjuden die Schechita- Probleme um vieles verständlicher. Dem Autor ist es gelungen, die Synthese der Jahrtausende alten Scheahita mit den modernen Wissenschaften herzustellen. Er gelangt zu dem Ergebnis, daß die hervorragendsten Autoritäten die Bdhechita als die humanste Tötungsabsicht bezeichnet und empfohlen haben, sie praktisch in den öffentlichen . Schlachthäusern einzuführen. „Auch jüdischerseits", schreibt Rabinowicz, „kann nur der Wunsch ausgedrückt werden, daß die Regierungen diese humanste Tötungsweise einführen, ohne daß damit natürlichauch <Jof religiöse Motiv, der, Bohechito verbunden weHe, welche bloß für Israel heilig ist. Vom Standpunkte der Ethik, der Hygiene, der grötmöglichen Schonung der Tiere wäre die Einführung der praktischen SchecMta ein bedeutender Schritt nach vorne auf dem Wege menschlicher Veredlung." In einer Reihe von konkreten Vorschlägen, die das Studium des Rabbiners (veterinäres Doktorat), die Stellung des Schächters (als geistigen Arbeiter), die Schaffung eines 8chechita-LehrStuhles an der Hebräischen Universität in Jerusalem, die Umstellung breiter Kreise der jüdischen Gemeinschaft auf die Schechita (Rückkehr zu den Heiligtümern Israels) und nicht zuletzt die zu erwirkenden gesetzlichen Bestimmungen betreffen, wird ein praktischer Weg gewiesen, wie dieses schwierigste Problem der jüdischen Diaspora zu lösen wäre. Ausgrabungen in Meggido Palcor meldet aus Jerusalem: Die archäologische Expedition des Orientalistischen Instituts von Chikago hat in Meggido ein Palais, das wurde, zu Licht gebracht. Drei Räume enthielten noch geschnitzte Elfenbeinschnallen, Goldgeschirr, Juwelen und Parfümkrüge. Eine Gedächtnisfeier für Xobl Taubes s. A. wurde vom Verein Jüdische Volksbibliothek „Z i o n" und vom Klub der Freunde der Jüdischen Volksbibliothek ,,Z 1 o n", Wien, jüngst abgehalten. Vor einem dichtgefüllten Saal wurde der Abend durch Oberkantor Josef Schiffmann mit einem Trauerpsalm eingeleitet. Hierauf ergriff Vizepräsident Direktor W i 111 i n das Wort, begrüßte alle Erschienenen, Insbesondere, die Kinder des Verstorbenen, Herrn Dr. D. Taubes und Frau Krämer, ferner die Frau Oberbaurat Stricker, Rabb. Salomon Friedman, Dr. Goldhammer, Dr. Finkelstein usw. lieber Bitte des Redners wurde durch den Sohn, Dr. Taubes, das NescRomolicht angezündet. Der Gedenkredner des Abends, Dr. Finkelstein, skizzierte in einer formvollendete Rede in Jiddisch den Menschen und Zionisten Taubes. Herr S, Haber las dann aus der Selbstbiographie des Verstorbenen vor. Sodann brachte Oberkantor Schlfmann das El Mole Rachamin zum Vortrag. Zum Schluß dankte Herr Direktor W 11111 n allen Mitwirkenden herzlichst, teilte mit, daß Im Ausland ein Komitee gegründet wurde, das die SchrlftendesVergtorbenen sammeln und edieren wird. Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes) Tschechoslowakei: Tanz unterm Galgen. Frankreich: Roman eines Schwindlers — Die Perlen der Krone — Der geliebte Vagabund — La belle Equipe — Menschen unter Menschen. Amerika: Die Insel ohne Sünde — Kopf in der Schlinge — Drei kleine Gangster — Hochverrat — Sonnenmädel — Motiv unbekannt — Verfluchtes Gold — Es geschah zu Silvester — Golddiggera 1937 — Safari — Hokuspokus — Liebe nicht genügend — Susy — Held von Texas — Die gute Erde — Drei süße Mädels — Der Jazz- Kadett. Filme unter Arierpairagrapli Zurück In die Heimat — Die ganz großen Torheiten — Amtsschimmel — Entführung an der Riviera — Schwindeln ist keine Sund'... — Etappeithase — Ich bleib' nicht Junggeselle — Die Göttliche — Das Mädel vom Ballett — Abenteuer in Lissabon — Heiratsinstitut Ida Wüst & Co. — Wie der Hase läuft — Die un-eihörte Frau — Der lustige Witwenball — Stärker als Paragraphen — DiO graue Dame — Das große und das Kleine Glück,

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