Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 674 (23.7.1937)
- Date
- 1937-07-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 674 vom 23. Juli 1937 OCR »EUE WELT Seite 5 RUNDSCHAU Für die Liebe zu Deutschland gefallen Durch den Ablauf des Genfer Abkommens über den Minderheitenschutz in Oberschlesien am 17. Juli 1937 ist dem Hitlerismus nun auch dieses Gebiet preisgegeben. Alle Methoden der Verfolgung und Verfemung der „jüdischen Rasse" werden nun auch in Obcrschlesien angewendet werden. Wieder ist ein Stück Europa verloren. Aber es gibt eine Kompensation: Der „Stürmer" bekommt hier Zutritt und macht alles wieder gut. Seine Zulassung für Oberschlesien begrüßt der ,.Stürmer" mit der" Herausgabe einer Nummer, die Oberschlesien gewidmet ist. In einem geschichtlichen Rückblick behandelt das Streicher-Blatt auch die Ab« sKmmungstagc des Jahres 1921. Er muß zugeben, daß damals die Juden zum größten Teil für Deutschland gestimmt hatten, aber er behauptet: „Der Jude stimmte ja nicht für das DeutscheVolk, sondern für die damalige, von seinen Rassegenossen geleitete Jüdenrepub 1 ik." Ueter der Ueberschrift „Opfertod eines schlesischcn Knaben" gedenkt „Der Stürmer" in ausführlicher Weise des Heldentodes des 15jährigen Gymnasiasten Rudolf H a a s e aus Rybnik, der, wie der „Stürmer schreibt, „im Kampf für das Deutschtum immer in vorderster Linie gestanden hat. Sein unerschrockenes Eintreten für sein Vaterland zog ihm den glühenden Haß seiner Gegner zu. ...Rudolf Haas e,.der fünfzehnjährige Obcrsekundaner, hatte seine Liebe zu Deutschland mit dem Tode besiegel t." Der „Stürmer" feiert also den Heldentod eines Knaben, der für Deutschland fiel. Allerdings unterläßt es Herr Julius Streicher darauf hinzuweisen, daß Rudolf Haasc, der beim Kampf um Oberschlesien fiel, Jude war, wie so viele andere in Obcrschlesien Gefallene. Aber hat jemand von Herrn Streicher, dem Busenfreund Hitlers, etwas anderes erwartet? Schluß mk dem Heiz^Mufii Bekanntlich haben die arabischen Terroristen ihre blutigen Angriffe und Zerstörungen in Palästina erst eingestellt, als ihnen seitens der arabischen Herrscher der Nachbarstaaten versichert wurde, daß sie, die Herrscher, sich bei der britischen Mandatsmacht für eine „gerechte Lösung der Palästina-Frage" einsetzen werden. Ein Teil der englischen öffentlichen Meinung wendete sich gegen diese Einmischung freni-! 94 ASCH. BILLIG UND BEQUEM 1 1 GRÖSSTE SICHERHEIT | Lk'bcrlaudsfatirUm nach allem Sommerfrischen, iiisbesoiulcro nach g 1KOBERSDORF I H Sauerbrunn, Baden, Vöslau, Semmering usw. n H zu ifußursl miißlgon Proteen Übernimmt 1 Hans Bergmann Wien II, Nickelgasse 3 | j=j Autotaxfunternemung / Telephon A-45-9-80 / nächst der Augartenbrücke jder Mächte in Palästina, und wies darauf hin, daß nur England allein als Bevollmächtigter des Völkerbundes für die Geschehnisse in Palästina verantwortlich sei. Jetzt, wo England sich scheinbar zu einem entscheidenden Schritt entschlossen hat, wenden sich die „Times" in einem Leitartikel scharf gegen die Erklärung des Ministerpräsidenten vom Irak, in der die Vorschläge der Kgl. Kommission angegriffen werden und die Meinung geäußert wird, daß kein arabischer Herrscher die Regierung des geplanten Araberstaates in Palästina übernehmen werde. Es sei zu hoffen, schreiben die „Times", daß die Regierung Sr. Majestät einer derartigen unverantwortlichen Einmischung des Ministerpräsidenten eines alliierten Staates keine Ermutigung gewähren wird. Nach der Feststellung, daß die öffentliche Meinung Englands fast einmütig in günstigem Sinne auf den Bericht reagiert hat, heißt es in dem Aufsatz der „Tim es" weiter: „Das britische Volk will weder eine Politik der Unterdrückung befolgen, noch die Balfour- Deklaration als einen Fetzen Papier behandeln. Der britische Geist ist realistisch genug, um die Gefahren einer Außerachtlassung harter Tatsachen au erkennen und eine Kompromißlösung zu begrüßen. Es sei zu erwarten, daß im Parlament alle Parteien den Plan billigen werden, so daß der Kolonienminister das ganze Land hinter sich haben werde, wenn er am 30. Juli vor die Mandatskommission tritt." In derselben Ausgabe verlangt der Jerusalemer Korrespondent der „Times" offen die „Liquidierung des Einflusses des Mufti" Es übe eine lähmende Wirkung auf die arabische öffentliche Meinung Palästinas aus, daß der Mufti noch immer im Amt ist, von dem High Commissioner zu Rate gezogen wird, über die Mittel des Obersten Vlpslemitischen Rates verfügt und die während des Streiks im letzten Jahre geschaffene Propagandaorganisation leiten kann. Es bestehe die Gefahr neuer Unruhen, und kein arabischer Politiker werde es wagen, einen Vertrag zu unterzeichnen, der die Teilung anerkennt, solange der Mufti seinen Einfluß weiter ausüber kann. Es empfehle sich daher die Au f 1 ö s u n g d e s 0 b o rsten Moslemitischen Rates und die Bcseitigung des Mufti. Das, was sich nach der Meinung der „Times" jetzt empfiehlt, die Ausschaltung des Obersten Moslemitischen Rates und des Mufti aus dem politischen Leben Palätinas. wurde von zionistischer Seite schon seit langem gefordert. Es war und ist die Voraussetzung des friedlichen Zustandes im Lande. Berufsrisiko Es ist bekannt, und niemand wundert sich mehr darüber, daß die heutigen Machthaber Deutschlands jede Gelegenheit zu antisemitischen Redeexzessen benützen. Die Eröffnung des „Hauses der deutschen Kunst" in München wurde von fast allen Rednern in der gewohnten Weise ausgenützt. Es wurde auch von Kunst gesprochen, von den Aufgaben der Kunst und den Merkmalen der deutschen Kunst. Großes hat die deutsche Kunst im Verlauf der Jahrhunderte zustande gebracht. Von Albrecht Dürer bis Adolf Menzel, und über diesen Meister hinaus führt ein Weg höchster Kraft- und Phantasie- und Formentfaltung, und wenn beispielsweise nach dem Weltkrieg Gebilde geschaffen wurden, die dem Schönheitsempfinden breiter Schichten nicht entsprachen, so muß dieser Zustand auf das außer Rand und Band geratene seelische Gleichgewicht zurückgeführt werden* auf das Suchen nach neuen Formen und neuen ästhetischen Gesetzen. Ueberall war dieser Zustand zu verzeihen, bei Siegern wie bei Besiegten. Nun hört — soweit es eben noch Geduld, zu hören, hat — ein Publikum aus dem Munde des beutigen Führers Deutschlands, daß der jüdische Kuiturbolschewismus und die jüdische und liberale Kritik schuld seien an den Entartungserscheinungen der deutschen Kunst. Das Judentum habe es besonders unter Aunützung seiner Stellung in der Presse verstanden, das allgemeine gesunde Empfinden auf diesem Gebiet zu zerstören. Der Nationalsozialismus habe es sich zur Aufgabe gestellt, das deutsche Volk .von diesen Einflüssen zu befreien, die für sein Dasein verderblich sind. Mit der Eröffnung dieser Ausstellung habe das Ende der deutschen Kunstvernarrung und damit der Kulturvernichtung begonnen. Deutschland werde von jetzt ab einen unerbittlichen Krieg gegen die letzten Elemente deutscher Kunstzersetzung führen. Die Deutschen mögen die Kunst produzieren, die ihnen genehm ist, und ihre Führung möge den Stil kommandieren, den sie für angemessen hält. Aber bei der Rede Hitlers waren schließlich außer den engsten Parteiangehörigen auch ausländische Diplomaten anwesend, für die es eine moralische Erniedrigung bedeuten sollte, sich Reden über Welt- und Kunstanschauung anzuhören, gegen die sich das Empfinden jedes Kulturmenschen sträuben muß. Jüdischerseits ist man schon seit langem abgestumpft gegen die Besudlung jüdischer Ehre und gegen die läppischen Phrasen von „jüdischem Kulturbolschewismus". Aber die ausländischen Diplomaten? Sind sie Fatalisten? Haben sie sich mit derlei Pein schon abgefunden? Ober buchen sie das Anhören solcher Reden auf „Berufsrisiko"? Dr* Emil Margulies — ein Sechziger Mitten in den Stürmen unserer Zeit, mitten in den Tagen des Ringens um unser Recht und um unsere Zukunft, feierte am 16. Juli Dr. Emil Margulies, Leitmeritz, seinen 60. Geburtstag. Vom ersten Beginn der zionistischen Bewegung an, dient er der Idee, mit dem ganzen Feuer seines stets jugendlichen Elans, mit der ganzen unversiegbaren Kraft seiner suggestiven Persönlichkeit. Fast alle zionistischen Orstgruppen der deutschen Provinz Böhmens verdanken ihm ihre Gründung und immer wieder wurde er der Initiator für ihre zionistische Arbeit. Eine ganze Generation zionistischer Arbeiter gingen durch seine politische Schule, sind heute vielleicht seine Gegner geworden oder seine politischen Freunde geblieben, aber alle, ohne Ausnahme sind Freunde seiner Persönlichkeit. Sein Wahrheitsfanatismus, seine Opferbereitsohaft, seine hinreißende Leidenschaft in seiner Liebe zum Volke, seine Fairness dem Gegner gegenüber waren immer beispielgebend und vorbüdlich. Seine hervorragende Arbeit in den internationalen Organisationen, des Minderheitenrechtes, den Völkerbundligen, dem Minderheitenkongreß, gibt ihm europäisches Format, seine Kleinarbeit bei der Organisation des Kultusgemeindestatuts, der Jüdischen Partei. Sein Name bleibt für immer verbunden mit jenem großangelegten Versuch des Rechtskampfes gegen das Dritte Reich, wo es ihm allein gelang, dem Dritten Reich eine moralische Niederlage vor dem Forum des Völkerbundes zu bereiten und durch die Bernheim-Petition den Juden Oberschlesiens wenigstens ein paar Jahre den Frieden zu geben. Freunde und Gegner wünschen Margulies viele, ungezählte Jahre, die er leben möge, in gleicher Jugend und in gleichem ununterbrochenem Dienste für sein Volk, L, AUS PALXSTINA Großzügige Pläne der Pica in Palästina Aus Jerusalem: Die Palestinc Jewlsh Colonization Association (Pica) beabsichtigt einen großzügigen Ausbau ihrer Tätigkeit. Im Zusammenhang damit ist der vof kurzem neu ernannte Generaldirektor der Gesellschaff, G o 111 i e b, zu einem kurzen Besuch in Palästina eingetroffen. Die von Baron Edmontl de Rothschild gegründete Pica war die erste Gesellschaft, die in Palästina Böden zur Ansiedlung von Juden erworben hat. Heute umfaßt ihr Bodenbesitz in O b e r-G a 1 i 1 ä a allein 60.000 Dunam, fast den ganzen in jüdischen Händen befindlichen Boden dieses Landcsteiles. Auch jetzt noch nimmt die Pica weitere Bodenkäufe vor und sucht durch Zusammenlegungen ihren Bodenbesitz abzurunden. Besondere Aufmerksamkeit widmet die Gesellschaft zur Zeit der B ewässerung ihrer Terrains. In den letzten Jahren wurden in ihrem Auftrag 10.000 Meter neue Brunnenbohrungen vorgenommen, was einen Kostenaufwand von 300.000 Pfund erforderte. Dadurch ist es gelungen, 12.000 Dunam des Bodenbesitzes der Pica zu bewässern. Eine zweite wichtige Aufgabe erblickt sie darin, ihre Siedlungen von extensiver Mono-Kultur auf gemischte Wirtschaft umzustellen, um auf diese Weise Platz für neue Siedler zu schaffen. Zu diesem Zweck hat die Pica einen Konsolidierungsplan ausgearbeitet, durch den es den drei Kwuzot, Kfar Gileadi, Ajelet Haschachar und Gescher Delnamia ermöglicht werden soll, wirtschaftlich unabhängig zu werden. Die Durchführung dieser Konsolidierungsaktion ist auf vier Jahre berechnet und wird etwa 50.000 Pfund erfordern. Ferner veranlaßt die Pica jetzt eine Erweiterung des Tabakanbaues in Ro'sch Pina, wobei zur Bedingung gemacht wird, daß in den Pflanzungen nur Juden beschäftigt werden. Die Entwässerungsarbeiten der Pica in dem Kabara-Sumpfgebiet stehen vor dem Abschluß. Nach den mit einem Kostenaufwand von 150.000 Pfund durchgeführten Entwässerungsarbeiten werden mindestens 100 jüdische Familien auf dem ehemaligen Sumpfgelände angesiedelt werden können. Gegenwärtig wh'd eine Untersuchung über die Kulturen durchgeführt, die für das neugewonnene Gelände in Betracht kommen. Bei ihren Intensivierungsplänen muß die Pica vielfach gegen den Widerstand der alten Kolonisten ankämpfen, besonders derjenigen, die Boden an Araber verpachtet haben. Es waren sogar Prozesse notwendig, um diesen Boden für jüdische Neubesiedlung frei zu bekommen. Aber auch von der P a 1 ä s t i n a-R e g i erung werden der Gesellschaft Schwierigkeiten bereitet; sowohl bei der Ablösung der arabischen Pächter und bei neuen Bodenkäufen, als auch bei der Erledigung rein juristischer Formalitäten; so ist der Gesellschaft bis heute noch nicht ein offizieller Kontrakt für die Kabara-Konzession erteilt worden. Man hofft, daß der Besuch des Generaldirektors Gottlieb dazu beitragen wird, diese dringenden Probleme der Pica-Arbcit in Palästina einer schnelleren Lösung zuzuführen. 10.000 Angestellte In Palästina. Aus Tel-Aviv: An der in Tel-Aviv abgehaltenen Landeskonferenz des Angestelltenverbandes haben 51 Delegierte aus dem ganzen Lande teilgenommen. Aus den Berichten ging hervor, daß es über 10.000 jüdische Angestellte in Palästina gibt. Von ihnen sind 60 Prozent in der Histadruth organisiert. Im Mittelpunkt der Beratungen stand die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und die Stärkung des Einflusses des Verbandes in den Privatunternehmungen. Schutzzoll für Bier in Palästina. Aus Jerusalem: In Anbetracht der Klagen, die von der jungen Brauindustrie Palästinas seit einiger Zeit über die drückende Konkurrenz des zollfrei eingeführten syrischen Biers erhoben wurden, hat die Palästina-Regierung beschlossen, vom 1. Juli 1937 ab einen Einfuhrzoll von 10 Mill (zirka 30 Groschen) pro Liter für syrisches Bier zu erheben. Das Budget von Tel-Aviv Aus Tel-Aviv: Bürgermeister Rokach teilte in der letzten Stadtratssitzung mit, daß das Budget für 1937 Einnahmen von 455.000 und Ausgaben von 488.648 Pfund vorsieht, so daß sich trotz der politischen Krise nur ein Defizit von 30.000 Pfund ergibt. Es gelang im Jahre 1936, die Stadtschuld auf 50.000 Pfund herabzusetzen. KINO'PROtiRAMME i q IIw E PEN Von 10Uhr vorm'bis 6Uhrabends wmmmmmmm Lebende Zeitung A 49 O 60 Nur l/j7 und 9 Uhr abends Metro« Gold wyn - Mayer Festspiele Paul Muni, Luise Rainer, Tilly Losch Vorverkauf für die nächsten 7 Tage täglich ab VjlO Uhr vormittags ununterbrochen A Die* $ute Erde**,