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Die neue Welt · 1937-07-23 · Heft 674 (23.7.1937) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 674 (23.7.1937)
Date
1937-07-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELjl Nr. 674 vom 23. Juli 1937 13 x BEROMAHIt 4 RABENSTEIG 3 HIMMELPFORTG. 5 f KÜLLNERHQFGASSE 1 ^^^^j^^^j^^^^^^^^!^!^^ Große Auswahl und Kinder>Wäsche, Weißwaren, Bettw8schof Strick- und Strumpfwaren usw. usw. in Herren-Modewaren, Hemden, Unterhosen, Pyjamas, Dressinggowns, Trikot-Wäsche, Damen- Kleine Preise Das Wichtigste aus dem Unterhaus 99 Kein Schritt ohne Völkerbund i« Aus London wird uns unter dem 21. Juli berichtet: Heute Mittwoch, den 21. Juli, fand die seit langem angekündigte Unterhausdebatte über den Tellungsplan vor überfülltem Haus statt. Das Interesse, hauptsächlich der jüdischen Kreise, war außerordentlich groß, so daß Einlaßkarten sogar mit 10 Pfund honoriert wurden. Zuerst ergriff Kolonienminister Orrasby- Gore das Wort, indem er erklärte, daß Palästina nicht nur die künftigen Beziehungen zwischen Judentum und Islam, sondern auch zwischen Abendland und Morgenland berühre. Er stellte fest, daß niemals daran gedacht worden sei, westlich vom Jordan Palästina in ein Gebiet einzuschließen, in welchem England die Unabhängigkeit der Araber zu unterstützen gewillt war. Andererseits haben England und die anderen Völkerbundstaaten sich nicht verpflichtet, den Juden Palästina als Heim zu geben, sondern ein jüdisches Nationalheim in Palästina zu schaffen. (Es ist das die bekannte Interpretation des Mandats seitens der antizionistischen Kreise und der palästinensischen Mandatsbeamtenschaft, welche stets, den jüdischen Aufbau des Landes sabotiert hat. Die Red.) Ormsby-Gore führte des weiteren die Bedeutung der heiligen Stätten aus, die besonders behandelt werden• müßten, und stellte fest: „Wenn die Teilung rechtspraktisch erfolgreich sein soll, muß sie zwischen den drei Parteien: Juden, Arabern und Engländern, abgeschlossen werden. Großbritannien muß die Mittel haben, die ihm anvertraute Aufgabe durchzuführen, und das Recht, die hiezu notwendigen militärischen Kräfte bereitzuhalten. Wenn die Fortdauer unserer Verantwortung vom Völkerbund bestätigt werden sollte, wenn diese Fortdauer das Mittel sein kann, die Teüung für die Juden und Araber annehmbarer zu gestalten, so soll es geschehen. Unsere weitere Anwesenheit in Palästina ist notwendig. Auf Zwischenrufe Lloyd Georges bezüglich des Schutzes der Minderheiten erklärte der Minister: „Die Frage, ob wir den Schutz der Minderheiten in den beiden neuzuschaffenden Territorien übernehmen sollen, muß vom Völkerbund entschieden werden. Es bann in der Frage des künftigen Schicksals Palästinas kein Schritt getan werden, che der Völkerbund entschieden hat." Der Kolonienminister beschäftigte sich zum Schluß mit der Frage der Verteidigung des jüdischen und des arabischen Staates, wobei er erklärte, der Völkerbund werde niemals die Entstehung zweier unabhängiger Staaten erlauben, wenn sie nicht als Mitglieder des Völkerbundes die daraus resultierenden Verpflichtungen übernehmen. Schließlich teilte der Minister mit, daß die Regierung des Irak nichts unternehmen werde, um, wie bisher, die Araber Palästinas in ihrer Ablehnung des Teilungsplanes zu stärken. In der Debatte sprach zunächst der Labour- Abgeordnete Jordan Johns. Er verlangte, daß der Bericht, ehe das Parlament über ihn entscheide, von einem gemischten (Unterhaus und Oberhaus) Komitee geprüft werde, und schlug gleichzeitig eine Round- Table-Konferenz unter Teilnahme der Juden und der Araber vor. Er beschuldigte die englische Regierung der schlechten Ausübung des Mandats und bezeichnete den Vorschlag, Jerusalem nicht in .das jüdische Gebiet einzuschließen, als ungewöhnlich harte Maßnahme. Als Führer der oppositionellen Liberalen erklärte Sir Archibald Sinclair, er könne den Bericht nur mit dem Gefühl der Demütigung lesen. Die Juden befänden sich in einer Zwangslage und könnten den Teilungsplan ins Auge fassen, wenn gewisse Modifikationen durchgeführt werden. Churchill erklärte, er werde nicht für den Regierungsantrag stimmen. Mehrere liberale and konservative Abgeordnete traten für eine Periode des Zuwartens ein, während welcher man die Frage gründlich studieren könnte. Während im Oberhaus die Debatte ohne Abstimmung abgeschlossen wurde, gelangte, wie Reuter meldet, im Unterhaus eine Resolution zur Annahme, die ein Pompormiß darstellt. Die Entschließung besagt: Das Unterhaus erklärt sich in der gegenwärtigen Phase nicht gebunden, die TcHung Palästinas zu genehmigen. Die Entschließung besagt ferner: „Die Vorschläge des Weißbuches, das ein politisches Expose der Regierung über Palästina enthält, werden dem Völkerbund vorgelegt, nm die Regierung in die Lage zu versetzen, nach entsprechender Untersuchung dem Palament einen endgültigen Plan zu unterbreiten, der den Empfehlungen des Weißbuches Rechnung trägt." Damit ist die Erledigung über den Teüungsplan der britischen Regierung bi3 zur Tagung des Völkerbundes im kommenden September hinausgeschoben. Die Araber revohieren wieder Schießereien und Verwüstungen Aus Jerusalem wird gemeldet: Am 9. Ab flackerte im Jerusalemer Distrikt der arabische Terror wieder auf. Die jüdischen Siedlungen Beth- Hakerem und Atarot wurden beschossen. Die jüdische Sonderpolizei vertrieb die Angreifer. Auch aus Nablus, Jenin und Tulkarem werden Bombenanschläge, Schießereien, Brandstiftungen und Baumfrevel berichtet. Militärabteilungen sind um die Au3findigmachung der Täter bemüht. JDer Distriktskommissär von Nablus sprach gegen sechs Araber die Verbannung aus. In einem Dorf bei Haifa wurden Gewehre und Revolver beschlagnahmt. Wo ist der Mufti? Aua Jerusalem wird gemeldet: Die Polizei nahm eine überraschende Haussuchung in den Büros des Obersten Arabischen Ausschusses vor, beschlagnahmte eine größere Menge Schriften und verhaftete den anwesenden Safeder Verwalter des Waqf (mohammedanischer Religionsfonds), Subha Bey el Khadra, der ein führender Agitator und enger Mitarbeiter des Mufti ist. Aus London: „Times" melden: In Jerusalem waren am Sonntag Gerüchte in Umlauf, die von einer KINOERPENSION ,AUSTRIA< OLGA KADISCK BAD VÖSLAU, SCHUBERTPLATZ 3 TKLEPHON 141 Erstklassige Verplegung, pädagogische Leitung, Individuelle, liebevolle Behandlung, beste Erfolge bei schlecht essenden Kindern. Hofmeister, Kindergärtnerin, Lehrerin im Hause. Musik. Sport. Kein Massenbetrieb. Ganzjährig geplanten Verhaftung des Mufti sprachen, doch haben sich die Gerüchte nicht bewahrheitet. Der, Mufti war jedoch am Sonntag weder in seinem Hause noch in seinen Büros aufzufinden. Zwischen der Leibwache des Mufti und der Polizei ist es zu Zusammenstößen gekommen. Blutige Ausschreitungen in Bagdad Aus Bagdad wird berichtet: In Bagdad kam es im Anschluß an eine riesige arabische Protestdemonstration gegen den Plan der Teilung Palastinas zu schweren antijüdischen Ausschreitungen. Zahlreiche Juden wurden verletzt und eine große Anzahl jüdischer Geschäfte geplündert. Es verlautet, daß zwei Personen ihren Verletzungen erlegen sind. Die Demonstration wurde von dem Mitglied des Obersten Arabischen Ausschusses in Palästina und Führer der Istiklal-Partei. Auni Bey Abdul Hadi, geleitet. Die Polizei konnte nur mit Mühe die Demonstranten davon zurückhalten, in das jüdische Stadtviertel einzudringen. Sämtliche jüdische Geschäfte in Bagdad waren geschlossen. Geyen Emir Abdullah Aus Jerusalem wird gemeldet: Die Palästina- Regierung hat die Abhaltung der von dem Obersten Arabischen Ausschuß für den 17. Juli einberufenen Konferenz aller arabischen Lokalkomitees Palästinas verboten. Die arabische Aktion gegen den Teilungsplan nimmt immer schärfere Formen an und ist verbunden mit heftigen Angriffen gegen den EmirAbdullah, Die Palästina-Regierung ist bemüht, dieser Agitation entgegenzuwirken und eine Reihe arabischer Notabein für die Vorschläge der Kgl. Kommission zu gewinnen. Der Distriktskommissär hat zu diesem Zweck in Nablus und anderen Städten eine Reihe von Besprechungen abgehalten. AUS ALLER WELT Der antisemitische Franco-Oencral Die antisemitische Tageszeitung „PorunCa Vreniiu (Bukarest) veröffentlicht einen Brief des früheren spanischen Gesandten in Bukarest und jetzigen Propaganrlaageuten des Generals Fr an Co in Rumänien, Pratt S o u t z o, in welchem dieser die antisemitischen Rechtsanwälte zu ihrem „Überwältigenden" Sieg bei den Wahlen in die Advokatenkammcr beglückwünscht und schreibt: „Ich bin überzeugt von der Gerechtigkeit Ihrer Sache und von ihrem sicheren Erfolg." (Bekanntlich wurde die christlichnationale antisemitische Liste nur dadurch einstimmig gewählt, daß die antisemitischen Advokaten, unterstützt von Studenten, einen beispiellosen Terror gegen die .Jüdischen und demokratischen Anwälte ausübten und keinen von diesen zur Stimmabgabe zuließen. In diplomatischen Kreisen wird der Brief Soutzos lebhaft kemmentiert. Man ist der Ansicht, daß er eine Ein m i aanun g in Jnnere Angelegenheiten Rumäniens darstellt. Die Staatsbürgerrechte der Juden Bulgariens In Sofia ist soeben eine Enquete über „Rassismus und Antisemitismus" durchgeführt worden, auf die eine Reihe hervorragender Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Bulgariens unter ihnen der frühere Außenminister S o u r o f f, der frühere Ministerpräsident und Außenminister N. Mouchanoff und der frühere Minister Grigor Vassilerff, geantwortet haben. In sämtlichen Beiträgen wird der Ansicht Ausdruck gegeben, daß die Juden Bulgariens Anspruch auf die gleichen R.echte haben wie die übrige Bevölkerung des Landes. Jüdische Solidarität Zum Zeichen des Protestes gegen die Judenverfolgungen in Ost- und Mitteleuropa haben die Juden in Uruguay einen Fasttag veranstaltet und Geld- Sammlungen für dio Opfer durchgeführt. Unbequeme Zeitung verboten Der rumänische Innenminister hat die in Klschinew erscheinende jüdische Tageszeitung „Unser Zeit" für die Dauer eines Monats verboten. Obpohl keine Begründung des Verbotes angegeben wird, nimmt man an, daß es deshalb erfolgte, weil das Blatt die Regierung in dem der jüngsten Gemeindawahlcn vorangegangenen Wahlkampf nicht unterstützt hat. Baron Rothschild — Pica-Vorsitzender In der „Offlcial Gazette" (Jerusalem) wurde ein Beschluß der Generalversammlung der Palestinc Jowish Colonization Association (PICA) veröffentlicht, demzufolge der § 34 der Gesellschaftsstatuten dahin abgeändert wird, daß dem gegenwärtigen Vorsitzenden James Edmond de Rothschild dieses Amt auf Lebenszeit verliehen und Ihm das Recht gegeben wird, für den Fall des Todes oder des Rücktrittes seinen Nachfolger zu bestimmen. Bundisfen und PoaleffZiom'sten in Polen verhaltet Die offizielle polnische Telegraphen-Agentur (PAT) hat im Ausland eine Mitteilung über Massenpx-opaganda jüdischer Kommunisten verbreitet und hinzugefügt, daß ,,vielc Juden, die sich an dieser' umstürzlerischsn Tätigkeit beteiligt hatten, verhaftet wurden". Man erklärte sich diese polnische antijüdische Propaganda im Ausland als eine Repressalie für den Protest des American Jewish Congress beim amerikanischen Staatssekretär Hull gegen die Judenverfolgungen in Polen. Wie sich jetzt herausstellt, war die Polizeiaktion in Warschau und Lodz nicht so sehr gegen Kommunisten, als gegen den jüdisch-sozialistischen „Bund" und die linken Poale Zion gerichtet, gegen Organisationen also, die gegen Moskau eingestellt und in der sozialistischen Tl. Internationale organisiert sind. Hierzu meldet die französische Agentur Hayas aus Warschau: * „Der Führer der jüdisch-sozialistischen Partei „Bund" und Vorsitzender der jüdischen Gewerkschaften in Lodz, Efraim Lel3er Zelmanowicz, ferner ein Mitglied des Zentralausschusses und oin Mitglied dos „Bund" wurden gestern verhaftet und in das Konzentrationslager in Berez eingeliefert. Die Lokalbehörden in Lodz beschlagnahmten drei Blätter, die zugunsten des republikanischen Spanien Sammlungen veranstaltet haben." Wie weiter aus Lodz gemeldet wird, wurde dort auch der linke Poale-Zionist Chajim Brand verhaftet. Die antisemitische Presse in Polen beschuldigt die Juden Polens, daß sie die amerikanischen Juden zu dem Protest bei Staatssekretär Hull ermutigt haben, und fordert die Regierung auf, die Angelegenheit zu untersuchen und die „Schuldigen" zu bestrafen.

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