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Die neue Welt · 1937-07-23 · Heft 674 (23.7.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 674 (23.7.1937)
Date
1937-07-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 674 vom 23. Juli 1937 DIE NEUE WELT Seite 3 tootUehSfdefet Die Illusion Madagaskar Aus der Entsendung der polnischen Kommission nach Madagaskar auf die Unterstützung einer Massenwanderung durch die französische Regierung zu schließen, wfire eine Illusion. Madagaskar ist finanziell autonom und unterhält einen großen Beamtenstab. Obwohl die Einfuhrzölle und die Steuern hoch sind, ist die Staatskasse meist leer. Es ist schon viel versprochen, wenn Frankreich bereit ist, bei Irgend welchen Ansiedlungsexperimenten in Madagaskar mitzuwirken. Dr. W. J. H. N y 6 s g e n (Madagaskar). Aussterbendes Iudenftuni Die Ueb er Sterblichkeit (in Deutschland) wird erschreckende Dimensionen annehmen. Vielleicht dat3 die Jugend einen Teil der Aelteren Ins Ausland sieht, sonst wird das Judentum in Deutschland nur noch eine Greisenschicht repräsentieren; die zahlenmäßig wenigen jungen Menschen werden schon aus der seelischen Vereinsamung immer wieder zur Emigration getrieben werden. Dr. Felix A. Teilhaber (Berlin). Die Kongreßmasdiine Kurt Blumenfeld sagte kürzlich in einer kleinen Wersammlung in Jerusalem: „Bei uns ist man nicht mehr neugierig (auf den Kongreß), man weiß das alles schon vorher". Unsere Beschlüsse sind fast immer auch schon vor dem Kongreß bekannt; sie werden nicht nach der freien Meinung des Einzelnen, sondern nach dem Schema des Parteisystems gefaßt. Hier haben aoir wieder einmal einen Beweis für die Notwendigkeit der Reform unseres Parlamentarismus. Felix Isaak (Jerusalem). Etwas zum Na dt denken Nun war es sogar den Zweiflern klar geworden, daß der „Landpfleger" vom Kaiser nicht zu trennen sei und daß in der römischen Herrschaft als solcher die Wurzel des Uebels liege. Die Wogen der Revolution gingen von neuem hoch. Unter dem Einfluß des zur Zelotenpartei übergegangenen Vorstehers der Tempelwache Eleasar, eines Sohnes des ehemaligen Hohenpriesters Chananja, wurde beschlossen, die üblichen Opferdarbringungen zu Ehren des Kaisers einzustellen. Es war dies eine Art Kriegserklärung in theokratischer Form. Simon Dubnow, „Weltgeschichte d. jüdischen Volkes". Hoffnung der Gläubigen Die Lage unseres Volkes ist zur Zeit außerordentlich ernst. Jedes fühlende Herz empfindet die Wunden unseres zerrissenen und zerspaltenen Volkes. Wir leiden doppelt an Leib und Seele. Viele bittere Leiden, die bis ans Leben gehen, haben uns getroffen, und dabei ist die Zerstörung der inneren Werte weit größer als die Zerstörung der äußeren. Aber seit jeher sind wir an Leiden und Prüfungen gewöhnt, und der allmächtige G-tt hat noch stets seine Worte in Treue gehalten: Jede Not hat noch immer zu unserem geistigen und sittlichen Aufschwung geführt, alle geschichtlichen Erscheinungen dienen ihm. Im Schmelztiegel der Armut wurde unser Volk geläutert, daß es strahlend in Reinheit und Glanz aus ihm hervorging. Und so können wir trotz der Schwere der Gegenwart uns trösten und hoffen, daß für unser Volk aus allem Herben Beglückendes erstehen wird. Aus dem Aufruf der Agudas Isroel zur Knessio Gedaulo, 1937. Eine wichtige Konferenz Der Misrachi, die Allgemeine Zionisten-Gruppe B und die Judenstaatspartei haben beschlossen, für den i. August nach Zürich eine Konferenz der „Nein-Sager" einzuberufen, die die gemeinsame Haltung der drei Parteien auf dem XX. Zionisten-Kongreß festlegen soll. J. T. A.-Meldung aus Jerusalem. Wenn ich dein vergäll9. Jerusalem.. §« Die luden im republikanischen Spanien Aua Amsterdam meldet die J. T. A.: Der J. T. A.-Vertreter hatte Gelegenheit, den spanischen Botschafter in Den Haag, den bekannten Schriftsteller und Philosophen Prof. Dr. Jose" Maria de Semprun T Gurrea, über die Zukunft der in Spanien zu befragen. Der Botschafter betonte, daß die Verfassung der spanischen Republik allen Bürgern die volle Gewissensfreiheit garantiere, jedem die Möglichkeit gebe, seine religiösen Bräuche und Vorschriften frei und ungehindert zu befolgen. Prof. Semprun erklärte, er habe vor wenigen Tagen, anläßlich seines Aufenthaltes in V a- 1 e n c i a, Gelegenheit gehabt, mit dem spanischen Premierminister Negrine zu sprechen, der ihm, wie schon bei früheren Anlässen, versichert habe, daß die spanische republikanische Regierung fest entschlossen sei, die volle Gewissensfreiheit zu respektieren. Die Juden würden nach dem endgültigen Sieg der Republikaner in ganz Spanien volle Freiheit und Gleichberechtigung genießen. Gegenwärtig leben in Spanien etwa 8000 Juden; davon sind nur 2000 spanische Staatsbürger. Was, die jüdische Einwanderung nach Spanien betreffe, erklärte de Semprun, so hänge diese von der internationalen Lage ynd dem Ausgang des ßürgerkrieges ab. 99 Der 18. Juli stand in jüdischen Palästina im Zeichen der Trauer und des Protestes. Auf diesen Tag fiel nämlich heuer der Tischa b'aw (9. Ab), der Jahrestag der Zerstörung des Zweiten Tempels, und so war es natürlich, daß sich die Kundgebungen insbesondere gegen die Abtrennung Jerusalems vom jüdischen Staat richteten. In Jerusalem selbst fanden sich am Vorabend des 9. Ab mehr als 20.000 Juden in geschlossenen Zügen vor der Klagemauer ein, um gegen den Teilungsplan zu demonstrieren. Tausende Juden preßten ihre Gesichter an die rauhen Steine und küßten sie mit dem Schwur: „W enn ich dein vergaß', J e r nlem, verdorre meine Rechte!" Die Demonstration wurde von starken Polizeiabteilungen bewacht und verlief in vollster Ordnung. Debaffe im Oberhaus Aus London wird uns unter dem 20. Juli gemeldet : Heute, Dienstag, den 20. Juli, wurde im Unterhaus der Bericht der Kgl. Kommission behandelt. Die Diskussion über die Empfehlungen des Berichtes wurde mit heftigen Angriffen des Vertreters der Labour Party Lord S n e 11 eröffnet, der bereits im Jahre 1930 am berüchtigten Simpson-Bericht schärf ste Kritik geübt hat. Lord Snells Kritik galt vornehmlich inge i$wm -kl bei Kauf einer Werbepackung, aber nur bis 31. Juli d. J. Daher kauft jedermann — der Vorteile schätzen kann: nur noch die Swing den Schlußfolgerungen des Berichtes, die besagen, daß die Weiterführung des Mandats im bisherigen Stil ein friedliches Zusammenleben zwischen Juden und Arabern nicht gewährleiste. Die Vivisektion Palästinas „Es gibt", führte Snell aus, „meiner Ansicht nach bessere Wege der Verständigung, und Zusammenarbeit der beiden Völker, als der Bericht sie vorschlägt. Das Problem wurde bisher nur deshalb nicht gelöst, weil niemand den Willen dazu hatte, dies zu tun. Ich glaube, daß von keiner Seite, weder von den Juden noch von den Arabern und den bisherigen Regierung, genug zur Befriedung des Landes getan wurde. Hat die Regierung überhaupt die Vereinigten Staaten in dieser Frage konsultiert, und hat die Regierung von U. S. A. der Vivisektion Palästinas zugestimmt? Wir haben aus einer der ehrenvollsten und wichtigsten Aufgaben, die je vom Gewissen der Menschheit einer einzelnen Nation anvertraut wurden, ein v o 11kommenes Chaos gemacht, und jetzt müssen wir eingestehen, daß wir unfähig waren, das auszuführen, wozu wir uns feierlich vernichtet haben. iirant Stefanie ntps II, Taborsttaße 12 © Telephon R-48-4-46 HUGO und JULIE HERLINGER, geb. Zollner Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl Reichhaltige Menüs von 1.60 aufwärts / Exakte Bedienung Schöner, schattiger Garten / Angenehmer Aufenthalt A Soll der jüdische Staat eine freie und unabhängige Republik sein, soll er aus dem britischen Common Wealth hinausgedrängt werden? Man könnte sagen, daß die Juden selbst um die Aufnahme ins britische Weltreich ansuchen werden. Aber möglicher^ weise werden sie das nach den bisher gemachten Erfahrungen nicht tun. Der Völkerbund könnte sagen: Ihr habt es mit dem Mandat ohne Erfolg versucht, jetzt wollen wir es jemand anderem übergeben. Dieses Spielzug königreich kann gerade groß genug sein, um den Juden ein kulturelles Heim (ohne das kulturelle Zentrum, die Hebräische Universität Jerusalems. Die Red.) zu geben. Aber damit rührt man gar nicht an das jüdische Problem. Wenn der Plan angenommen werden sollte, müßte die Regierung daran denken, für die jüdische Bevölkerung in den judenfeindlichen Ländern ein weiteres Ventil zu schaffen." Peels Ausrede Auf diese Angriffe und klaren Formulierungen erwiderte zunächst der Vorsitzende der Kgl. Kommission Lord Peel, indem er die im Bericht dargelegten Argumente für die Teilung wiederholte, wobei er zu folgender These kam: „Die Tragödie der Situation liegt im Zusammenschluß großer rivalisierender Ansprüche. Ich will es ganz kühn sagen, daß, wenn wir nicht Erfolg haben, die Ursache des Scheiterns nicht an uns liegt, sondern Im Zusammenhang mit mehreren Affichen, in denen zu Demonstrationen gegen die Teilung aufgefordert wurde, verhaftete die Polizei sechs Mitglieder des revisionistischen Zentralkomitees. Der Distriktskommissär verfügte ihre Freilassung unter der Bedingung, daß sie sich dreimal täglich bei der Polizei melden; einer von ihnen, der sich vor Gericht zu verantworten haben wird, mußte eine Kaution von 50 Pfund hinterlegen. Am Vorabend des Tischa b'aw trugen die Städte in Palästina ein Trauergepräge. Die Synagogen, in denen die Kinot (Klagelieder) vorgetragen wurden, waren überfüllt. Die Vorträge wurden durch in den Straßen aufgestellte Lautsprecher, vor denen tausende Juden und Jüdinnen standen, übertragen. an dem unnachgiebigen Charakter de9 Materials, mit dem wir es zu tun haben." Starre Haltung der Megferung Im Namen der Regierung sprach der Unterstaats« Sekretär im Kolonienministerium Lord Dufferin. Seine Ausführungen gipfelten in der Behauptung, daß die britische Regierung den Teilungsplan nicht aus Schwäche, sondern aus Stärke gefaßt habe. „Wir wollen", erklärte er, „einer Situation ein Ende bereiten, die für England unerträglich geworden ist". Die Teilung bedeutet nicht, daß England Palästina aufgibt. Die englische Regierung wird, nachdem sie ihre Entscheidung getroffen hat, nicht dulden, daß seitens einer der beiden. Parteien neuer Zünf.itoff verbreitet wird. Sie ist auch nicht zu weitgehenden Modifikationen ihres Planes bereit, es sei denn, daß zwischen, Juden und Arabern eine Einigung erzielt wird. Die Regierung verpflichtet sich allerdings, jedes Ansuchen der beiden Staaten um Aufnahme in den Völkerbund zu, unterstützen. Es werden Müitärverträge bezüglich der Sicherheit der Häfen, Straßen, Eisenbahnen und Oelleitung getroffen werden und die Regierung wird in den nächsten acht Monaten, falls die wirtschaftliche Aufnahmsfähigkeit des Landes es erlaubt, 8000 Einwanderer aller Kategorien ins Land lassen. Außerdem wird die Regierung, falls die beiden Parteien, d. i. die Jewish Agency und eine zu bildende repräsentative arabische Körperschaft, (wie steht's mit dem Obersten Arabischen Komitee? D. Red.), ihre Zustimmung zum Teilungsplan gegeben haben, Garantien zum Schutz der Minderheiten in den beiden neuen Staaten durch einen neuen Vertrag festlegen. Englands Wortbrudt Lord Melchett (als Vorsitzender der Jewish Agency) erklärte, das jüdische Volk habe eine bessere Behandlung seitens Englands verdient. Die englische Regierung lasse sich von den arabischen Terroristen beeinflussen. „Ich muß," rief er aus," „der Judenheit berichten, daß England die Balfour-Deklaration mißachtet, sein Wort gebrochen hat. Auf jeden Fall werden wir für unsere gerechte Sache kämpfen. Der Erzbischof von Canterbury lehnte den Teilungsplan nicht ab, verlangte aber eine jüdisch-arabische Konferenz, auf der die Möglichkeiten einer Lösung ohne Teilung des Landes erörtert werden sollen. Phantasien Herbert Samuels Eine Ueberraschung bildete das Auftreten des kürzlich geadelten Viscount Herbert S a m u e 1, der bekanntlich der erste Oberkommissär Palästinas war und als solcher den wegen der Jaffaer blutigen Unruhen im Jahre 1922 zu Zuchthaus verurteilten Hüsseini zum Großmufti ernannte. Dieser war bekanntlich der Urheber der arabischen Revolten der Jahre 1929 und 1936 und der Organisator der extremradikalen nationalistischen, antienglischen Bewegung. Herbert Samuel lehnte den von der Peel-Kommission empfohlenen Teilungsplan als unnzweckmäßig ab und legte einen anderen Plan zur Lösung des jüdischarabischen Problems vor, einen Plan,, der— wie alle seine bisherigen, auf Palästina bezüglichen Maßnahmen — die zionistischen Aspirationen" und Mandatsverpflichtungen auf ein Minimum reduziert. Herbert Samuel schlug nämlich eine Begrenzung der Einwanderung in der Weise vor, daß die Araber weiterhin die Majorität im Lande behalten und ihre nationalen Bestrebungen erreichen können. England soll unter Mitarbeit Frankreichs und der — Zionistischen Organisation einen großarabischen Staatenbund schaffen, der Arabien, Syrien, Libanon und Palästina zu umfassen, hat. Inzwischen soll England das Mandat weiter behalten. Herbert Samuel gab zu diesem Plan einige Anregungen administrativer Natur. Im wesentlichen ging sein Plan dahin, durch die Schaffung eines großarabischen Staatenbundes die palästinensischen Araber von der Furcht einer Majorisierung durch die Juden zu befreien,

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