Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 673 (20.7.1937)
- Date
- 1937-07-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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DBB NETTE WTEtT ffr. 673 vöjü $Ö. Juli 1Ö3T 1 RUNDSCHAU Seit« 2 die Industrie Palästinas besitzen. Ferner dürfte die Teilung nicht den ungeheuer wertvollen Transithandei fördern, den das gesamte Palästina hatte; poiitleche Grenzen werden jetzt Straßen und Eisenbahnen durchschneiden und die Häfen werden von den Hauptstädten abgeschnitten sein. Es ist sehr zweifelhaft, ob beide Staaten die gleiche Handelspolitik verfolgen werden. Vor allem, heißt es zum Schluß, wird der neue jüdische Staat Ziön nicht enthalten und nie die Hoffnung auf die «chließliche Repatriierung eines großen Teües des jüdischen Volkes bieten. Die gesamte Judenfrage wird 4aher in Palästina keine endgültige Lösung finden, (J, T. A.), Amerikas Interesse an Palästina %m Londont Im Unterhaus teilte der Kolonienminister Ormsby-Gore mW, daß der Palästina- Bericht der Kgl. Kommission an die Regierung der Vereinigten Staaten geschieht wurde. Dies sei mit RUoksJeht auf die bestehenden englisch-amerikanischen Vereinbarungen über Palästina notwendig gewesen. (J. T. A.) Mufti toll abgesetzt werden Aus London wird gemeldet: Die palästinensischen Berichterstatter der „Times" und des „Daü y Telegraph" melden, daß dem zu einem Kompromiß in der Teilungsfrage bereiten Teil der arabischen Bevölkerung von dem Mufti mit Terror gedroht wird. Sie fordern die Absetzung des Mufti. (J. T. A.) * Jahrelang hat der Mufti gegen die Juden gehetzt und die Aufhebung des Mandats verlangt. Er hat gemeinsam mit der antizionistischen Beamtenschaft der Palästina-Regierung die Sabotage des Aufbaues propagiert, ohne daß englischerseits etwas unternommen wurde. Auch die blutigen Aufstände 1929 und 1936 sind auf sein Schuldkonto zu setzen. Alle Versuche, seinen Einfluß zu brechen, sind seitens der Wauchope-Administration auf Widerstand gestoßen. Jetzt, wo des Mufti Treiben gegen die englischen Interessen verstößt, wird seine Absetzung gefordert. Anti-Nazi-Boykott in Amerika Aus New York, wird gemeldet: Im Hotel „Edison" bat unter dem Vorsitz des Advokaten S. Untermyer eine von der „Unparteiischen An ti-Nazi-Liga" einberufene Konferenz stattgefunden, an der Vertreter von 143 jüdischen und nichtjüdischen Organisationen teilnahmen. Es wurde beschlossen, den Anti-NazUBozkott kott zu verstärken. Die Katholiken und Protestanten der ganzen Welt werden aufgefordert, den Kampf gegen die Verfolgungen, denen die Kirche in Deutschland ausgesetzt ist, zu intensivieren. Je schneller die gemeinsame Aktion gegen den Nationalsozialismus alle Menschen ohne Unterschied von Rasse und Religion umfassen wird, desto schneller werde das deutsche Volk aus den Klauen des nationalsozialistischen Regimes befreit werden. Der .Deutsch-Amerikanische Kulturbund, der in den Vereinigten Staaten mehr als 150.000 Mitglieder zählt, ist vor kurzem der Anti- Nazi-Aktion beigetreten. (J. T. A.)J Polen droht mit //Verschärfung de* Lage" Aus Warschau wird gemeldet: Die Polnische Telegraphen-Agentur (PAT.) teilt mit: „Der amerikanische Botschafter Polens, P o t o c k i, hat den Staatssekretär Hüll, im Zusammenhang mit dem Protest amerikanischer Juden gegen eine angeblich schlechte Behandlung der Juden in Polen, über den Standpunkt der polnischen Regierung unterrichtet. Im Zusammenhang mit dem Protest der amerikanischen Juden habe der polnische Botschafter der Presse erklärt daß Schritte .-lieser Art als unberufene Versuche der Einmischung fremder Faktoren in innere Angelegenheiten Polens zu betrachten seien, die nur zu einer Verschärfung der Lage in Polen beitragen können." •jr Prager Zeitungen melden aus Warschau, daß die polnischen Regierungskreise durch den von Dr. Stephen S. Wise dem State Department in Washington überreichten Protest des American Jewish Congress gegen die Judenverfolgungen in Polen in eine starke Verlegenheit versetzt worden sind. (J. T. A'.V Weizmann beim polnischen Gesandten in London Aus London: Präsident Dr. Chaim Welzmann hat den polnischen Gesandten in London, Raczinski, besucht und besprach mit ihm eingehend den englischen Plan der Teilung Palästinas. „Willy" führt fabelhaft schöne Schuh-Modelle von nur hervorragender Qualität in ftlesenauswahl für jeden Bedarf und Geschmack. TJnd jetzt... zur Sommer-Räumung...- sind die Preise für die schönsten und besten Schuhe so unbegreiflich niedrig, daß, wer sie sieht — kaufen muß! Auch für Sie lohnt sich besonders der Weg ins Qualitätsschuhhaus fcWUly",. in die Pilgramgasse 6. E Eine interessante Denkschrift Die Vereine zur Abwehr des Antisemitismus sind in die Versenkung geraten. Niemand gedenkt mehr ihrer, obwohl sie — vom Standpunkt ihrer Gründer und Befürworter — niemals so notwendig waren wie gerade heute; wie gesagt: vom Standpunkt ihrer Gründer und Befürworter. Dennden anderen, den an der jüdischen Nätiönalidee Geschulten, den Zionisten, war es klargeworden, daß man des Judenhasses nioht mit den Mitteln der landläufigen Aufklärung Herr werden könne. Unserer Schutzlosigkeit Voraus* setzung war der Zustand der Minorität, in der wir uns befanden; die Unmöglichkeit, mit den normalen Mitteln der Völker und Staaten Angriffe zurückzuweisen — abgesehen von der pathologischen Seite des Antisemitismus, zu deren Beseitigung man schon in die tieferen Abgründe der Seele steigen muß... Seit Jahrzehnten schon gibt es Tagungen gewisser internationaler oder übernationaler Organisationen, die in einer ihrer Resolutionen den Antisemitismus verdammen. Auch heuer können wir von dergleichen lesen. Man hat viel aus dem reichsdeutschen Nationalsozialismus gelernt. Zuerst die Juden, dann die christliche Kirche — war die Erkenntnis christlicher Gruppen, deren Auge durch keinerlei Sympathie für den „Aufbruch der Nation" vernebelt war. Auf der Welt-Kirchenkonferenz in Oxford erklärte ein Pfarrer, daß der Antisemitismus das Leben der christlichen Kirche in vielen Ländern gefährde. Auf der in Paris abgehaltenen Internationalen Juristenkonferenz führte der ehemalige italienische Ministerpräsident Nitti (der allerdings außerhalb Italiens lebt) aus, der Antisemitismus sei der erste Schritt zur Reaktion. Professor Vermeil, von der Sorbonne, wiederholte die bekannte These, Rassismus und Judenhaß im heutigen Deutschland seien das Resultat des Minderwertigkeitskomplexes Hitlers. Aber diese Tatbestände bringen uns nicht weiter. Der natürliche Instinkt der Abwehr kann sich mit dergleichen Feststellungen nicht begnügen. Immer Blut-, Haut- und Nervenkranke erreichen durch den Gebrauch des natürlichen „Franz-Josef "-Bitterwassers — morgens ein Glas voll genommen — vollkommene Reinigung des Magendarmkanals und durchaus geordnete Verdauungsverhältnisse. Es wird ärztlich bestens empfohlen. E wieder tauchen die Rezepte auf. Das jüngste ist, in einem Memorandum festgelegt, durch das Ständige Komitee des Weltkongresses v der jüdischen Frontsoldaten in Wien formuliert und an sämtliche Regierungen der Kongreßteilnehmer geschickt worden. Es handelt sich zweifellos um eine interessante Denkschrift. Denn es werden hierin Förderungen aufgestellt, die aus der Nebulösität der bisherigen „Abwehr"-Ideen in die Wirklichkeit, Realität, Möglichkeit hineinragen — wiederum unsererseits unter dem Aspekt, daß erfolgversprechende Maßnahmen nur mit Machtmitteln durchzuführen sind. Die Forderungen gehen dahin, Gesetze gegen den Antisemitismus als staatsfeindliche Bewegung zu schaffen und jede' antisemitische Organisation, welche die wirtschaftliche Vernichtung eines Bevölkerungsteiles anstrebt, aufzulösen. Die Formel des Kongresses der jüdischen Frontsoldaten greift an die Wurzel des antisemitischen praktischen Uebels und sie hätte zweifellos Erfolg zu verzeichnen, wenn es eine Regierung gäbe, die den wirtschaftlichen und moralischen Schutz aller Staatsbürger gesetzlich gewährleisten könnte. Vorläufig besitzt der jüdische Bevöikerungsteil eines Staates, wenn das Judentum als solches geschmäht oder wirtschaftlich getroffen wird, keine Klagelegitimation, darum können sich unsere iieben antisemitischen Mitbürger jede Pauschalverdächtigung erlauben. Hier ist ein Weg vorgezeichnet. Rasch beschritten, könnte er segensreich werden, besonders an der schönen blauen Donau, die ihre Originalfarbe seit Jahren schon gegen eine andere eintauschen mußte. Peels Fleißaufgabe Je länger man sich mit dem Bericht der Kgl. Kommission beschäftigt, der in einzelnen Teilen zweifellos von informativem Werte ist, desto deutlicher erkennt man die Absicht der Peel-Herren, über ihre Aufgabe hinauszugehen. Lord Peel und seine Kommission wurden beauftragt, die Gründe der Unruhen zu erforschen. Sie taten es in gewissenhafter Weise. Aber sie verbanden ihre Aufgabe mit einer weiteren, ihnen nicht übergebenen: Politik zu machen; der britischen Regierung Vorschläge bezüglich der einzuschlagenden palästinensischen Politik zu unterbreiten; das Mandat neu zu interpretieren. Aus diesem einen Punkt heraus resultiert die heutige Lage. Hätte sich Lord Peel streng an seine Pflicht gehalten, würde die britische Regierung es nicht notwendig gehabt haben, die Karikatur eines politisch-geographischen Planes einer teils erstaunten, teils empörten Welt vorzulegen. Text und Geist des Mandats sind klar. Im Peel- Bericht selbst wird zugegeben, daß stets nur an ein Jüdisches Nationalheim mit allen Attribute» eine« solchen gedacht war. Aber Peel kann auch ander«. Da er niemand unrecht tun will, teilt er Wohlwollen naeh beiden Seiten, nach der arabischen wie nach der jüdischen, aus. Zuerst nach der jüdischen: Die Juden haben ein Anrecht auf ein jüdisches Palästina« Dann nach der a rftbilöhen: „Die jüdische iDinWänderung in der Hoffnung zu fördern* daß sie letzten Endes zur Schaffung einer, jüdischen Mehrheit und der Errichtung eines Judenstaates mit der Zustimmung oder wenigstens einem Sichfügen der Araber führen werde, war ein Ding* Ein ganz anderes Ding war es, die zwangsweise Umwandlung Palästinas in eineen Judenstaat gegen den Willen der Araber, wenn auch entfernt, ins Auge zu fassen. Denn das würde Geist und Absicht des Mandatssystems klar verletzen! fis Würde bedeuten, daß nationale Selbstbestimmung verweigert wird, wenn di« Araber die Mehrheit in Palästina sind, und nur gewährt wird, wenn die Juden die Mehrheit sind. £3* würde bedeuten, daß den Arabern die Möglichkeit der Selbständigkeit verweigert wurde: daß sie nach einem Intervall des Konfliktes tatsächlich die türkische Souveränität gegen jüdische Souveränität eingetauscht hätten. Es ist richtig, daß im Lichte der Geschichte jüdische Herrschaft über Palästina nicht als Fremdherrschaft in demselben Sinne wie türkische angesehen werden kann; aber die internationale Anerkennung des; Rechtes der Juden, in ihre Heimat zurückzukehren, schloß nicht die Anerkennung des Rechtes der Juden; ein, die Araber in diesem Lande gegen ihren Willen zu; beherrschen." Lord Peel weiß ganz genau, daß es sich nicht um Beherrschung, Unterwerfung,Unterdrückung der Araber handelt. Er weiß, daß eine gerechte, sinn* gemäße und zugesicherte Handhabung der Balfoür- Deklaration und des Mandats zu einer Judaisierung Palästinas, zu einer jüdischen Majorität in Palästina und als deren Folge zu einem Judenstaat führen müßte. Darum Verfälscht Lord Peel plötzlich die Grundlage seiner Folgerungen. Es geht, nach 20 Jahren, nicht an, am Balfour-Text herumzudeuteln und die Mandatsverpflichtung nur insoweit gelten zu lassen, * als 3ie die Araber im Status quo beläßt. Der Sinn aller englischen und völkerrechtlichen Verpflichtungen und aller zionistischen Bestrebungen in Palästina ging dahin, den Status quo zu ändern, jenen aithistorischen Status herzustellen, wie er zur Zeit der Existenz des jüdischen Reiches bestand, kurzum die Repatriierung der Juden durchzuführen. Diesem einen Ziel war alles andere unterzuordnen. Wer es nicht verstehet! oder anerkennen wül, der bleibe außerhalb der De* batte — möge er Lord P.eel oder, ßhaim Wejzmanij heißen. Polens positive Stellung zum Zionismus Aus Warschau wird berichtet: 1 Der Jüdischen Telegraphen-Agentur wird aus polnischen politischen Kreisen die folgende Erklärung über, die Stellung Polens zu dem im Zusammenhang mit dem Bericht der Kgl. Kommission und dem Statement o$ Policy der englischen Regierung . aktueilgeworlfinea Palästina-Problem übermittelt: Die polnische Regierung hat dem Streben verschiedener Völker nach Selbständigkeit stets größte Sympathie entgegengebracht. Besonders sympathisch ist Polen seit je den Bestrebungen und Idealen des Zionismus gegenübergestanden, dessen 'Ziel es ist, Palästina wieder aufzubauen und dort ein Helm für Millionen Juden zu schaffen. Hieran ist Polen selbst stark interessiert. Die positive Stellung der polnischen Regierung dem Zionismus gegenüber Ist bei verschiedenen Gelegenheiten auf internationalem Forum zum Ausdruck gebracht worden. i Ein Plan der Teilung Palästinas könne daher nuc insoweit begrüßt werden, als er die Entstehung eines un« abhängigen jüdischen Staates tatsächlich be« sch leunigt. Das kleine Gebiet, das gemäß dem Be« rieht der Kgl. Kommission für den jüdischen Staat vor« gesehen ist, wird jedoch dessen Aufbaumöglichkeiteü stark, beschränken. Die projektierten Grenzen sind für die Juden, die ein rühriges Element darstellen, ungünstig ausgefallen. Die Juden werden wohl in den ersten Jahren der Eigenstaatlichkeit eine größere Einwanderung in ihre Heimat lenken können; sehr bald jedoch werden sie gezwungen sein, die Einwanderung ganz einzustellen, jedenfalls sehr zu begrenzen» Daher erscheint die starre und unelastische Grenzziehung vom Standpunkt einer allmählichen jüdischen Expansion unerwünsoht. -Es ist noch verfrüht, zu sagen, was Polen in bezugf auf das Statement of Policy der britischen Regierung vor dem internationalen Forum unternehmen wird. Der Inhalt des Peel'Berichtes und der Regierungserklärung wird gegenwärtig sorgfältig studiert. Es werden auch die Stimmen und, Ve^schläge der interessierten Parteien, ins« besondere der polnischen Juden, gesammelt. Das gesammelte Material wird genau bearbeitet und den pol« nlschen maßgebenden Kreisen, die zu dem ganzen Fragen« komplex endgültig Stellung zu nehmen haben werden« zur Orientierung dienen. (J. T. A.) «