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Die neue Welt · 1937-07-20 · Heft 673 (20.7.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 673 (20.7.1937)
Date
1937-07-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Pr6iS 10 GrOSCtten Dienstag/ den 20« Juli 1917 H* Jahrgang Nr« 673 V«b«b» Zeitung vom Verleger versendet ___ ..Journal expgdiö par rediteur" R E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen, monatlich Zloty 1.50< vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel* jährig Dinar 40.—; Bnmänlen monatlich Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark, 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—j Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franc« 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaliung: IX, Universitätsstr,8,7el.A-20~2-78 — Erscheint Dienstag u.Freita 1 Der mißbrauchte Minoritätenkongreß Uns Juden ist der Begriff „Minderheit" so geläufig, daß wir, wenn wir ihn aussprechen hören, einen Umfangreichen Komplex von Gefühlen, Wünschen und Tatsachen mit ihm verbinden/Der unvergeßliche Name Leo Motzkin taucht auf, die Kämpfe ums jüdische Recht in den einzelnen Staaten, Erfolg und Niederlage wechseln auf diesem harten Boden ab. Minderheiten- Kongresse sind — leider — so billig wie Erdbeeren. Wir Juden wissen ein Lied davon zu erzählen. In London tagt, jetzt, kaum beachtet und erwähnt, der 13. Internationale Minderheitenkongreß, der sich auch „Europäischer Nationalitätenkpngreß" nennt. Man ßieht in ihm . einen schlechten Rest der einstigen europäischen Minderheitenbewegung, in der auch die Juden bestimmenden Einfluß gehabt hatten. Bekanntlich haben die jüdischen Minderheitengruppen nach 1933 den Kongreß und die Bewegung verlassen, da ein jüdischer Antrag, daß der Kongreß zu,der Verfolgung der Juden in Deutschland in einer Resolution Stellung nehme, abgelehnt wurde. Immer weitere fortschrittlich gesinnte Minderheitengruppen blieben seither dem Kongreß fern. Gegen- (A jeden Bart bezwingen! . wärtig;häben •£ a.s c h ts.t i^;9M'J^P^^::¥v^Pth4te^ demokratischer . "Staaten den maßgebenden Einfluß, #ährerid .demokratisch gesinnte. Minderheiten in. faschistisch regierten Staaten gar nicht in Erscheinung treten können. Es ist bezeichnend, daß der bisherige Präsident des Kongresses, Dr. WK'f an, der sich in den letzten Jahren noch bemüht hatte, die Juden zur Rückkehr in 'den Kongreß zu bewegen, den Vorsitz auf'diesem Londoner Kongreß nicht mehr führen: Wollte und sein Fernbleiben :mit „Krankheit" (!) entschuldigt hat. 1 1 ......Zu dem Kongreß sind besonders zählreich Delegierte der von Konrad H e'-i n l e i n geführten Sudetendeutschen Partei in der Tschechoslowakei erschienen. Ihr -Wortführer, Architekt. : R u t'h ä, durfte mehrstündig referieren, während der Delegierte des der tschechoslowakischen > Regierungskoalition angehörenden Bundes der Landwirte, Hacker, nicht zu Worte kommen "konnte. ' Das parteiliche Vorgehen der Kongreßleitung zeigte sich auch; in drastischer Weise im Falle der b a s k i s c h e n Minderheit,, deren Delegation die Verlesung der Referate nicht. gestattet worden is,t. Der baskisch,e Delegierte Vayenne stellte fest, daß der Kongreß , nicht einmal in moralischer Hinsicht den Basken Sympathie und Solidarität bezeuge, und verließ, mit den . Worten: „Ich w i IT mit dieser pan-' germanistisch en . M a ch e . nich t s zu tun h ab e n''!" den Saal., Namens der baskischen Delegation verlas. Di la Sota ein Schreiben, in dem erklärt wird, die Basken müßten , einen Kongreß verlassen, der ihren.'zu Tausenden "niedergemetzelten Brüdern keine Sympathie entgegenbringt; der Kongreß sei kein' Unterhaus und Amerika im Hintergrund In der zionistischen Presse wurden im Zusammenhang mit dem englischen Teilungsplan zwei wichtige und aktuelle Fragen aufgeworfen. Die eine bezog sich darauf, welche Haltung das englische Parlament in der Frage der Palästina-Teilung einnehmen werde. Die zweite beschäftigte sich mit der Tatsache, daß die Vereinigten Staaten auf Grund eines Abkommens mit England im Jahre 1924 die Uebertragung des Palästina-Mandats an England unter bestimmten Bedingungen akzeptiert haben. Die beiden Faktoren, Unterhaus und Amerika, bestärkten gewisse , zionistische Kreise in der Hoffnung, daß eine ungünstige Entscheidung verhindert werden könnte. Zwei Interpellationen im Unterhaus beleuchten den ganzen Gegenstand. Sie bezeugen, daß die englische Regierung — wenigstens im Anfangsstadium — gewillt ist, ihren Absichten ohne Rücksicht auf andere Faktoren Geltung zu verschaffen. Aus London wird nämlich berichtet: Im Unterhaus antwortete Ministerpräsident Neville Chamberlain auf die Frage des Abgeordneten Vyvyan Adams, ob die Vorschläge der Regierung über die Zukunft Palästinas dem Parlament als "Vyeißbuch oder in Form eines Statuts vorgelegt werden würden, oder ob die Regierung beabsichtige, von ihrer -Prärogative Gebrauchzu ' maichen und eine' Reihe entsprechender Verträge; ohne Zustimmung oder; Willen des Parlaments zu schließen : ,;Die sofortigen Absichten der .Regierung werden in dem Command, Paper dargelegt, das dem Parlament vor den Ferien unterbreitet. werden wird. Das Parlament wird über die künftige Politik durch Command Papers oder auf. andere Weise in vollem Umfange, auf dem Laufenden gehalten werden. Das ini Zusammenhang mit den in dem Bericht erwähnten Verträgen anzuwendende' Verfahren wird später zu erwägen sein." Auf. die Frage des Abgeordneten Leach, ob der, Ministerpräsident geneigt sei, eine freie Abstimmung des Hauses über diesen Gegenstand zuzulassen, schüttelte Chamberlain verneinend den Köpf. Auf ein Anfrage des Abgeordneten R. D. Denman, ob die wichtigsten verbündeten Mächte im Weltkriege, die Vereinigten Staaten von Amerika, das Britische Reich, Frankreich, Italien und Japan diejenigen Minderheitenkongreß, sondern ein pangerm'änis t i s c h e r Kongreß. Der Kampf der Minoritäten um ihre Rechte'im Staat wird nach diesen schlimmen Erfahrungen nicht mehr auf Kongressen, sondern mit anderen Mitteln geführt werden müssen. Wenn die Minoritäten, wie in unserem Fall . die sudetendeutsche, imperialistische Politik betreiben, dann ■ geht deren Rechtsbasis verloren. Der Nazismus der Henlein-Herren darf , nicht zum Ausganspunkt einer neuen Kampftaktik gemacht werden. Mächte seien, die Seine britannische Majestät .zum Mandatar für Palästina erwählt haben, und ob der Außenminister, wenn dies der Fail sei, die Meinung dieser Mächte über die in dem Bericht der Kgl. Kommission für Palästina vorgesehene Schaffung souveräner Staaten feststellen wolle, gab der Unterstaatssekretär für Aeußeres, Viscount Cranborne, folgende schriftliche Antwort: Die in der Präambel des Palästina-Mandats erwähnten hauptsächlichsten verbündeten Mächte, die Seine britannische Majestät für Palästina erwählt haben, sind die gleichen Hauptmächte; die den Vertrag von Sevres unterzeichnet haben, nämlich Frankreich, Italien und Japan. Diese Mächte waren Mitglieder des Völkerbundrates, der im 24. Juli 1922 dieses Mandat bestätigte und seine Bestimmungen festlegte. Artikel 27 dieses Mandates bestimmt, daß für jede Aenderung des Mandats die Zustimmung d e s V ö 1 k e r b tÄtfr a t e s erforderlich ist.. Später wurde das Mandat unter gewissen Bedingungen von der Regierung der Vereinigten Staaten-durch das Abkommen vom 3. Dezember 1924 akzeptiert. Die Regierung Sr. Majestät beabsichtigt ü n t e ir den gegebenen Umständen nicht, Schritte zu unternehmen, um die Ansichten -der hauptsächlichsten alliierten' Machte als"äölc#er •festzustellen.- - Ist der Teilungsplan durchführbar? .Wirtschaftliche Bedenken Aus London wird berichtet: In angesehenen englischen Wirtechaftszeitschrifteoi werden ernste Zweifel an der Durchführbarkeit des von der Kgl. Kommission vorgeschlagenen Planes der 'Teilung Palästinas geäußert. , .' Die Schwierigkeiten weiterer wirt* schaftlicher Erschließung in dem verkleinerten jüdischen Siedlungsgebiet werden.insbesondere von der Zeitschrift „Statist" her-» vorgehoben. Der neue jüdische Staat, schreibt das Blatt, wird der weiteren Einwanderung sicher eine Grenze setzen, auch wenn das schwierige Problem , dieser. Einwanderung in jüdische. Hände gelegt wird. Die jüdische Einwanderung war. erfolgreich, weil sie von einem star» ken Einströmen von Kapital begleitet war; bei der Begrenzung der wirtschaftlichen Möglichkeiten des winzigen jüdischen Staates könnte das Einströmen des Kapitals aufhören, was unabsehbare Folgen haben könnte. enhatkd e eedtdLLfin Folgen haben könnte. Die von der Kommission . empfohlene" Aenderung des Artikels 18 des Mandates wird sicher das Au ffinden neuer Märkte erleichtern, doch wird die Ausbreitung des Exports in der Zukunft eine" schwere Aufgabe sein; auch werden-die Juden kein Monopol auf

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