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Die neue Welt · 1937-07-16 · Heft 672 (16.7.1937) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 672 (16.7.1937)
Date
1937-07-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 672 vom 16. Juli 1937 DIE NEUE WELT Seite 5 "1 RUNDSCHAU Wo das Hakenkreuz mit den Semiten sympathisiert Unter den Kommentatoren des englischen Teilungsplanes für Palästina befindet sich auch Alfred Rosenberg, der Außenpolitiker des.reichsdeutschen Nationalsozialismus, der Lehrer Hillers in kulturellen Dingen und der maßgebende Völkerpsychologe des Dritten Reiches. Seine These von der Minderwertigkeit der semitischen Rasse ist zum Dogma der Hakenkreuzler geworden. Sein Haß gegen die nomadisierenden Wüstensöhne trägt pathologischen Charakter; er wächst aus der Anschauung, daß durch die bloße Existenz des nirgends seßhaften, scholleverachtenden, labilen Semiten der organisatorisch durchgebildete, strengster Zucht huldigende, der Führerdisziplin gehorchende germanische Mensch in Gefahr sei. ... Dieser Alfred Rosenberg, der vor der Wissenschaft längst schon als eitler Schwätzer, Plagiator, Dilettant usw. demaskiert ist, nimmt jetzt im Zusammenhang mit dem englischen Projekt der Teilung Palästinas die bisher verachteten Wüstensöhne, allerdings die Araber, in Schutz, indem er erklärt, daß die Teilung einen schweren Schlag für die Araber bedeute, den England, -die panarabische Bewegung nicht mehr fürchtend, mit Hilfe des Weltjudentums sich zu führen erlaube. So wie seine verehrten Parteigenossen nimmt es Herr Rosenberg mit der Wahrheit nicht genau. Bekanntlich bildet der geplante jüdische Teil Palästinas nur einen Bruchteil des ganzen Landes. Nach Rosenberg aber „planen die Zionisten, zunächst zwei Drittel Palästinas in ihren Judenstaat einzubeziehen, um dann den Rest des Landes mit Gewalt zu okkupieren." Wie viel Worte, so viel Unsinn. Aber Rosenberg läßt nicht locker. Er fabelt von Deutschlands Handelsinteressen, die irgendwie durch die Teilung, bzw. durch einen jüdischen Staat am Mittelmeer geschädigt werden könnten, um schließlich die „Aufmerksamkeit der Welt" auf die „finsteren Pläne" des Judentums zu lenken. Denn Rosenberg wäre nicht Rosenberg und der Hitlerismus wäre nicht der Hitierismus, wenn nicht am Schluß das Märchen von der jüdischen Weltverschwörung im Stil der Protokolle der Weisen von Zion herhalten müßte. Rosenberg, schreibt also, wie zu erwarten war: ,»Durch diesen Versuch, politische' Ambitionen des Weltjudentums zu verwirklichen, werden bestehende Gegensätze verschärft und neue Konflikte geschaffen." Rosenberg warnt England, sich mit den Juden in politische Geschäfte einzulassen; er warnt England, den Juden gar einen Staat zu geben. Deutschland könnte, meint er, sich am Mittelmeer geschädigt fühlen und die durch den Spanienkonflikt hervorgerufene Spannung vermöchte sich noch zu verschärfen. Die Juden, will Rosenberg sagen, sollen überall in der Welt solche Parias sein, wie sich Deutschland sie zugerichtet hat. Das ist der Sinn der Rosenbergschen Ausführungen. Wir kennen den Nazismus und wissen, was wir von ihm zu erwarten haben. Wenn ihm ein jüdischer Staat am Rand des Mittelmeeres gegen den Strich geht, dann wissen wir, daß wir ihn anzustreben haben. Nazistischer Haß ist ein guter Wink für uns. Rosenbergs Sorge um die „armen Araber" ist uns ein Beweis dafür, daß wir auf dem rechten Zionsweg sind. Wenn der „Völkische Beobachter" flucht, können wir Segen erwarten. Ein tschechischer Film Welche Freude, nach langer Zeit wieder einem Film zu begegnen, der fernsteht der landläufigen Filmindustrie! Er heißt „Tanz unter dem Galgen" und sein Regisseur ist der Tscheche M. Fric, der zu den Avantgardisten des kompromißlosen Films gehört. Der Titel des Films ist ein wenig irreführend. Man denkt an eine Kriminalgeschichte und wird von etwas überrascht, das echt und hinreißend und naturhaft und heldisch ist. Janosik, der Feind der Knecht- und Leibeigenschaft, ein Kind der slowakischen Landschaft, zeigt sich legendär dem Volk und dem — Kinobesucher. Ueber die technische Seite des Films ist nicht viel zu sagen. Er ist „schnittig", bravourös wie etwa Eisensteins „Sturm über Mexiko", arbeitet mit starken Kontrasten, mit sich überschlagendem Tempo. Die Fabel ist locker, lyrisch. Aber tief drinnen pocht das Herz eines Volkes, das zur Freiheit strebt; eines gläubigen, starken Naturvolkes; eines Volkes, das Nation werden will. Dieser tschechische Film gibt uns die Impression eines nationalen Films im guten Sinn. Er deklamiert nicht und übertreibt nicht. Er widersteht der nationalen Phrase, die so locker in der Feder sitzt. Volk als Legende — das ist der Sinn dieses wundervollen, unprogrammatischen, unpropagandistischen Films. Die jüdischen Filmschöpfer sollten sich den tfanosik-Film ansehen und studieren. An ihm lernen. Weg von der Keren Hajessod-Schablone des „werdenden Palästina" zur reinen Landschaft und zum vege tativen Menschen! Der tschechische Film des Regisseurs Friö kann ihnen als Wegweiser dienen. Jüdischer Weltfasttag Die Leiden der Juden in Osteuropa, insbesondere in Polen, nehmen kein Ende. Wieder sind Pogrome an der Tagesordnung. Läden und Wohnungen werden verwüstet und geplündert und Juden nach alter Kosakenmanier mit Messer und Revolver angegriffen Die letzte Spur von Scham ist verschwunden. Sogar ein Teil der Regierungspresse verzeichnet all die fürchterlichen Dinge, die Polens Namen in der Welt schädigen, ohne Funken von Bedauern, ohne ein Wort der Warnung ... Im Hinblick auf diese Zustände hat der pol nische Rabbinerverband beschlossen, einen jüdischen Weltfasttag zu proklamieren. Die Rabbinerverbände aller Länder haben zugestimmt und nun ist der Fast tag für den 29. August festgesetzt worden. Altjüdische Art! Im Unglück, im Gedenken schmerzlicher Vergangenheit beten, sich kasteien, fasten! Das erhabenste Symbol für diese Haltung — Israels Beten an der Klagemauer! Solch seelische Erhebung lindert den Schmerz, schafft Hoffnung, schließt das Band um die zerstreuten Kinder des jüdischen Volkes enger. Zum Glück haben dieser religiöse Akt, der Schrei des Gebets eine Ergänzung gefunden. Nicht bloß fasten, sich kasteien, bei dem, dessen Name unaussprechlich ist, Heilung erflehen. Das neue jüdische Geschlecht will nicht länger Gefangener der Galuth sein. Es baut sich seine Heimat wieder auf, allen Gewalten zum Trotz, allen Muftis und allen Kgl. Kommissionsberichten zum Trotz. Ferien in Dalmatien! Mit dem Jüd. Akad. Techniker verband nach HVAR (bei Spalato) 3 Wochen Aufenthalt S 168.- inkl. Fahrt, Verpflegung. Wohnung, Bad, Abgaben usw. Abfahrt: 25. Juli 1937 / Anmeldungen bis spätestens 20. Juli d. J., Freitag, Montag, Dienstag 13 bis 14 Uhr, Montag, Dienstag auch 7 bis 9 Uhr im Verbandslokal, IX, Alserstraße 26 Zur Lage der Juden in Polen Eine Reihe von Nachrichten aus Polen bezeugt, daß mit einem Aufhören der antijüdischen, nationalradikalen Welle vorläufig nicht zu rechnen ist. Die J. T. A. meldet: Aus iWilna: Eine. Gruppe von nationalradikalen Huligans ist in das Lokal des „Makkabi" in Wilna eingedrungen und hat das gesamte Inventar demoliert. Mehrere Mitglieder der Ruderabteilung des Makkabi, die sich zufällig in der Nähe des Lokals befanden, eilten, mit den Rudern bewaffnet, herbei. Es kam zu einem Handgemenge. Schließlich ergriffen die Huligans die Flucht. Aus Warschau: Der polnische Verein der Kaufleutc hat sich mit einem Memorandum an das Handelsministerium gewendet, in dem verlangt wird, daß es jüdischen Kaufleute» verboten sein soll, in „christlichen Gassen" Läden zu eröffnen. Als „christliche Gassen" werden jene Gassen bezeichnet, in denen vorwiegend Nichtjuden wohnen. Aus Kattowitz: „Goniec Warszawski" berichtet, daß die Verwaltung der Eisenbahnen in Polni sc h-Oberschlesien S o n-d e r w a g g o n s für Jvu d e n eingestellt hat, um Mißhandlungen jüdischer Passagiex-e, wie sie sich öfters ereigneten, zu vermeiden. Den Juden ist es verboten, andere Waggons zu benutzen. Die in Warschau erscheinende jiddische Zeitung „H a j n t" fordert die Regierung auf, gegen diese Maßnahme, die gegen die Verfassung verstoße, einzuschreiten. Aus Warschau: Zwanzig bekannte polnische Schriftsteller und Gelehrte haben einen scharfen Protest gegen Judenpogrome veröffentlicht. In dem Protest heißt es, die Vorfälle in Brest-Lito wsk und Czcnstochau seien das Ergebnis einer in verschiedenen Ortschaften durchgeführten verbrecherischen Aktion. Die politische Oeffentlichkeit habe allzu lange zu diesen Vorfällen geschwiegen, die eine Gefahr für die Kultur Polens seien. Die Pogromaktion, die von den Ausschreitungen in Brest-Litowsk und Czenstochau ihren Ausdruck in Ueberfällen auf die hilflose arme jüdische Bevölkerung, in der Vernichtung und Beraubung jüdischer Arbeits- und Werkstätten, in dem von einigen Gesellschaften gefaßten Beschluß, die jüdischen Mitglieder auszuschließen, In der Mißhandlung jüdischer Kollegen und Kolleginnen auf den Universitäten ihren Ausdruck gefunden habe, sei schon aus der zaristischen Zeit wohl bekannt. Es sei eine Schmach, die die gesamte polnische Oeffentlichkeit treffen werde, wenn diese Pogromaktion sich jetzt in dem befreiten Polen erneuert. Zum Schluß wird im Namen der erhabensten Ueberlieferungcn Polens, im Namen der Freiheitsideen, denen es seine Wiederherstellung verdankt, zur Bekämpfung dieser Erscheinungen aufgerufen. Aus Washington: Eine Abordnung des American Jewish Congress unter Führung des Präsidenten des Kongresses, Rabbi Stephen S. Wise, hat dem Staatssekretär Cordell H u 11 ein Memorandum überreicht, in welchem die Regierung der Vereinigten Staaten ersucht wird, bei der polnischen Regierung Vorstellungen zur Wiederherstellung der vollen Bürgerrecht« der Juden in Polen zu erheben. Amerika sei dazu um so eher berufen, als es einen Hauptanteil an der* Schaffung des unabhängigen Polen habe. Die Abordnung überreichte dem Staatssekretär ferner eine von .146 christlichen Pädagogen und Geistlichen unterzeichnete öffentliche Erklärung, in der gegen die Verfolgung der Juden in Polen scharf Stellung genommen wird; die demokratischen Kräfte in Polen werden aufgefordert, der antisemitischen Doktrin in Polen wirksam entgegenzutreten. Aktion in England gegen die Unterdrückung der Juden in Polen. Aus London: Rund fünfhundert jüdische Organisationen, von den Synagogenvereinen bis zu den Arbeiterverbänden, sind eingeladen worden, Delegierte zu einer für den 21. Juli nach London einberufenen Konferenz zu entsenden, in der Beschlüsse gefaßt werden sollen, in welcher Form die englische Judenheit der Verfolgung der Juden in Polen entgegenwirken könne. Die Konferenz wird u. a. einen Trauer- und Prot est tag wegen der Judenverfolgungen proklamieren; sämtliche jüdischen Läden sollen an diesem Tag einige Stunden lang geschlossen bleiben, die jüdischen Arbeiter werden zu gleicher Zeit die Arbeit ruhen lassen. Die Konferenz wird von dem jüdischen Arbeiterzirkel, den Poale Zion, der. Jüdischen Jugendbewegung und dem Jüdischen Volksrat arrangiert. (J, T. A.) Juden dürfen mdit zitieren Aus Prag: Das Reichspropagandaministerium, Sonderreferat Hinkel, dem alle in Deutschland erscheinenden jüdischen Zeitungen, Zeitschriften und Gemeindeblätter unterstehen, hat diesen vor kurzem eine Verfügung zugestellt, durch die folgendes verordnet wird: 1. Es ist verboten, aus deutschen Zeitungen, Zeitschriften und Büchern zu zitieren, oder auf den Inhalt Bezug zu nehmen'. Es ist danach nicht nur jedes Zitieren aus der gesamten deutschen Literatur ohne besondere Genehmigung verboten, sondern das Verbot erstreckt sich auch auf alle Publikationen von Gesetzen, Verordnungen, Gerichtsurteilen, die Angelegenheiten der Juden in Deutschland betreffen. 2. Es ist verboten, an Maßnahmen der polnischen Regierung Kritik zu üben. 3. Es ist verboten, zur italienischen Kolonialpolitik kritisch Stellung zu nehmen. Drohung Aus New York (J. T. A.): Dr. Issat Tannous, Mitglied des Obersten Arabischen Ausschusses, der sich gegenwärtig in Amerika aufhält, um die amerikanische öffentliche Meinung und die maßgebenden Kreise für die arabischen Bestrebungen in Palästina zu gewinnen, erklärte vor Vertretern der amerikanischen Presse, daß, falls die jüdische Einwanderung nicht vollkommen eingestellt wird, das Aufflammen eines arabischen Aufstandes zu erwarten sei, dessen Folgen für die Juden Palästinas weit schlimmer sein würden, als die der Unruhen im verflossenen Jahr. Die Erfindung eines Juden dient zum Nachweis der arischen Abstammung Aus Berlin (J. T. A.): In der deutschen amtlichen Sammlung von oberstgerichtlichen Entscheidungen wird eine ^Entscheidung veröffentlicht, derzufolge ein Kind auch bei Fortbestand der Ehe seiner Eltern ohne Zustimmung seines Vaters das Recht hat, dessen Vaterschaft zu bestreiten und feststellen zu lassen, ob es von einem deutschblütigen oder einem jüdischen Mann gezeugt ist. Das wichtigste Beweismittel für die Abstammung ist das von dem getauften Juden Landsteiner erfundene Mittel der Blutprobe. So wird die Erfindung eines Juden zur Grundlage genommen, um den „Ariernachweis" zu erbringen. Direktor Kichmond scheidet aus dem Amt Aus Jerusalem: „Haarez" meldet, daß der Direktor des Departements für Altertumsforschung bei der Palästina-Regierung, R i c h m o n d, aus seinem Amt scheidet. Richmond ist wegen seiner pro-arabisehen Einstellung bekannt. KINO'PROGRAMME t CHWEDEN A 49 60 Von 10 Uhr vorm. bis 6 Uhr abends Lebende Zeitung Nur l/27 und 9 Uhr abends Metro- Qoldwyn-Mayer- Festspiele Paul Muni, Luise Rainer, Tilly Losch Vorverkauf für die nächsten 7 Tage täglich ab 7,10 Uhr vormittags ununterbrochen £ Die * gute Erde k t

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