Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 672 (16.7.1937)
- Date
- 1937-07-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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*. Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 672 vom 16. Juli 1937 3 x BERGHAM, I.: RABENSTEIG 3 HIMMELPFORTfl. 5 KÖLLNERHOFGASSE 1 Große Auswahl und Kinder-Wäsche, Weißwaren, Bettwäsche, Strick- und Strumpfwaren usw. usw. in Herren-Modewaren, Hemden, Unterhosen, Pyjamas, Dressinggowns, Trikot-Wäsche, Damen- Kleine Preise laments eine große Reliefkarte von Palästina und Trans- Jordanien mit den vorgeschlagenen Grenzen dea jüdischen und des arabischen Staates aufstellen zu lassen. Er begründete die Ablehnung damit, daß dadurch Mißverständnisse in einer Angelegenheit entstehen würden, für die nach dem Rat der Kommission eine Grenzkommission eingesetzt werden soll. (J. T. A.) Jabotinsky an Mitglieder des englischen Parlaments Aus London: Wladimir Jabotinsky hielt am Dienstag, 13. Juli, abends, in einem Saale des britischen Parlaments vor einer Anzahl Unterhausmitglieder eine Rede, in der er sich dafür einsetzte, daß die Erörterung des Berichtes der Kgl. Kommission durch die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes, die für den 30. Juli angesetzt ist, auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werde. Es sei, erklärte Jabotinsky, die Zeit für den Zusammentritt einer jüdischen Nationalversammlung gekommen; denn nicht eine zionistische Körperschaft, die eine halbe Million Anhänger vertritt, sondern eine gesamtjüdische Nationalversammlung auf Weltgrundlage habe die Befugnis, zu den Vorschlägen der Kgl. Kommission „ja" oder „nein" zu sagen. Wozu diese Ueberstürzung? fragte Jabotinsky. Minister Eden hat den Völkerbundsrat ersucht, die Mandatskommission aufzufordern, an die Erörterung des Teilungsplanes zu schreiten, bzw. ihre Zustimmung zu den Vorschlägen der Kgl. Kommission zu erteilen, bevor noch Juden und Araber Zeit gehabt haben, ihrerseits eine Stellungnahme zu einem Bericht von so überwältigender Bedeutung zu präzisieren. Bereits im September solle der Völkerbundsrat seine Zustimmung zur Aufhebung des Mandats erteilen. Niemand weiß jetzt, was der Völkerbund beschließen wird. Wir Juden aber sehen eine Gefahr, und wir werden nach Genf gehen, um vor öffentlichem Forum für eine Verschiebung der Erörterung zu kämpfen. Gibt es im Unterhaus Stimmen, die gegen eine so überstürzte Beschlußfassung sind, so werde das die Mitglieder der Mandatskommission ermutigen, auch ihrerseits zu erklären, daß sie sich nicht überrennen lassen wollen. Die Kgl. Kommission, erklärte Jabotinsky weiter, habe ihren Aufgabenkreis überschritten. Sobald der Text der Zeugeneinvernahmen veröffentlicht sein wird, werde man erfahren, daß kein einziger Zeuge über die Teilung befragt worden ist. Der Teilungsplan ist sonach nicht das Resultat der Untersuchung selbst, sondern ein „Nachgedanke" der Kommission. Er scherze nicht, wenn er die Erwartung ausspreche, daß vielleicht eine neue Kommission eingesetzt werden wird, um Zeugen zur Frage der Teilung einzuvernehmen. (J. T. A.) Aus dem arabischen Lager Pal cor meldet aus Jerusalem: Gedruckte, aber nicht unterzeichnete Anzeigen wurden gestern an der Omar-Moschee angeschlagen, in welchen behauptet wurde, daß Ragheb Nashashibi und Yacoub F a r r a j nicht die Araber vertreten und daß sie beide Verräter seien. Als Antwort auf ein Telegramm des Arabischen Obersten Komitees an den Ministerpräsidenten von Irak, in welchem dieser um seinen Rat und seinen Beistand im Kampfe gegen die Teilung gebeten wurde, telegraphierte er an das Komitee, daß die irakische Regierung bereits ein Telegramm nach London gesandt und gegen die Teilung Palästinas protestiert habe. Er drückte seine Sympathien mit den arabischen Ansprüchen aus und versicherte, daß er seine volle Unterstützung den arabischen Bestrebungen zuteil werden lasse. Emir Kuwait antwortete in einem ähnlichen Sinne, während der Emir Abdullah versicherte, daß er seine Unterstützung der arabischen Sache gewähren werde. * Es verlautet, daß das Oberste Komitee die Entsendung von Delegationen nach London, Genf, Irak und Saudi-Arabien In Erwägung gezogen hat, die dort gegen eine Teilung Palästinas protestieren sollen. Das Komitee entschloß sich heute, eine Sitzung der Nationalen Komitees aus dem ganzen Lande für den 17. Juli einzuberufen. Die Oppositionspartei wird eine Sitzung im Laufe der nächsten Woche abhalten. * Die Oppositionspartei hielt heute abends eine Konferenz unter Vorsitz von Ragheb Bey Nashashibi ab. Delegierte aus dem ganzen Lande waren anwesend. Es wurde beschlossen, den Teliungsplan zu verwerfen und ein Manifest an alle Araber ergehen zu lassen, in dem erklärt wird, daß der Teilungsplan nicht den arabischen Ansprüchen entspricht, und das Volk zur Wahrung der Ruhe aufgerufen wird. * „Fal as t in" berichtet, daß eine britische Grenzkommission, die die Grenzen des jüdischen und des arabischen Staates ziehen soll, im nächsten Frühjahr ihre Arbeit beginnen wird. Jerusalem soll in zwei Gemeindebezirke eingeteilt werden, einen jüdischen und einen arabischen. Die Hauptstadt des arabischen Staates soll entweder Nablus oder Amman werden. * Dem „Haaret" wird aus Amman berichtet, daß die Mehrheit dort den Teilungsplan begrüßt, und zwar mit der Begründung, daß Amman die Hauptstadt des neuen arabischen Staates werden wird. Es wird allgemein angenommen, daß der Posten des Premierministers Ragheb Nashashibi angeboten werden wird. Mei'r Großmama in Warschau Aus Warschau wird uns berichtet: Am 10. Juli traf Meir Großmann, Vorsitzender der Weltexekutive der Judenstaatspartei und Vizepräsident des Aktionskomitees, in Warschau ein. Gleich nach seiner Ankunft wurde eine Pressekonferenz einberufen, auf welcher Großmann die judenstaatlerische Stellungnahme zum Bericht der Kgl. Kommission und zur Deklaration der englischen Regierung formulierte. Meir Großmann erklärte: Die Empfehlungen bedeuten ohne Zweifel einen Erfolg der Judenstaatsidee und der jüdischen Leistungen in Palästina. Gleichzeitig aber liegt hier eine Niederlage der großen zionistischen Aspirationen vor. Es wird ein Judenstaat vorgelegt nicht nur ohne Jerusalem, ohne Haifa und ohne den Negew, sondern auch ohne alle Landstriche mit bedeutenden Bodenschätzen. Das neue englische Mandat, das auf einem wichtigen Teil von Palästina geschaffen werden soll, ist an keinen Endtermin genüpft und schließt alle zionistischen Bestimmungen des Palästina-Mandats aus. Die beiden zu schaffenden Staaten, der jüdische und der arabische, sind keinesfalls lebensfähig. Das jüdische Volk muß mit allen' ihm zu Gebote stehenden Mitteln den Teilungsplan bekämpfen und eher die von der Kommission empfohlenen Alternativvorschläge annehmen. In diesem Falle hätten wir zwar während der nächsten fünf Jahre mit einer sehr geringen Einwanderung zu rechnen, doch ist dies noch immer der Teilung vorzuziehen, die alle großen Hoffnungen des Zionismus für ewig zerstören würde. AUS ALLER WELT Am 3. Juli 1936 hat sich im Saale des Genfer Völkerbundes Stephan Lux erschossen. Anläßlich des Jahrestages seines Freitodes gibt die Witwe, Frau Dora Lux, einen Brief des großen jüdischen Historikers, Professor Simon D u b n o w, an sie wieder, in dem es u. a. heißt: „Ich kann nur sagen, daß ich die Tat des Stephan Lux für so sehr historisch halte, daß ich beschlossen habe, sie in den neuen Epilog, den Schlußteil der kommenden Ausgabe meiner .Weltgeschichte des jüdischen Volkes', einzureihen, als ein Symbol des Reagierens des jüdischen Gewissens auf das Grauen unserer Zeit." * „Lidove" listy", das Blatt der tschechischen Katholiken, bringen eine Meldung aus Rom unter dem Titel: „Warum ernannte Pius XI. auch protestantische und jüdische Gelehrte der Akademie?" in der es. u. a. heißt: „Durch die Ernennung auch protestantischer und jüdischer Akademiker wollte der Heilige Vater dartun, daß die .Bemühungen um die Erkenntnis der Wahrheit in Religion und Wissenschaft ein göttliches Gut sind, das der ganzen Menschheit ohne Unterschied der Rasse, der Weltanschauung und der Religion anvertraut wurde' . . . Das Gründungsstatut der Päpstlichen Akademie ist ein bewußtes Bekenntnis zu allem, was im Menschen edel und gut ist, und eine bespielgebende Veranschaulichung, wie der Unterträglichkeit und der politischen Verdunkelung des Geistes auf der Welt zu begegnen ist." * Am Mittwoch, den 13, Juli, findet unter dem Vorsitz des Colonel Josiah C. Wedgwood Im Unterhaus eine Versammlung von Mitgliedern aller Unterhausparteien statt, auf der das Mltglld der Exekutive des Jüdischen Weltkongresses, Rev. M. L. Perlzweig, über die Läge der Juden in Ost- und Mitteleuropa referieren wird. Unter den Einberufern der Versammlung figurieren neben Colonel Wedgwood,, Führer der Liberalen Partei. * In P r t e m y h 1 sind mehrere jüdische Passanten Uberfallen und mißhandelt worden. Einer von ihnen, Mosche Doppelt, wurde schwer verletzt Ins Krankenhaus gebracht. Die Angreifer sind entkommen. In Podhajce wurde das Haus des jüdischen Einwohners Jakob Friedmann angezündet. Die Täter sind nicht ergriffen worden. In Zakopane wurden im Zusammenhang mit den In letzter Zeit gegen mehrere jüdische Geschäfte verübten Bombenanschlägen einige Nationaldemokraten verhaftet. * Der bisherige Abgeordnete des irländischen Dail, Robert Briscoe, ist trotz heftiger judenfeindlicher Propaganda in, «einem, Wahlkreis wiedergewählt worden. Abg. Briscoe, ein Mitglied der Regierungspartei, spielt seit vielen Jahren eine bedeutende Rolle in der irländischen Politik. Er ist mit Präsident de Valera eng befreundet und hat ihn auf seiner Amerikareise begleitet. Am jüdischen religiösen und Gemeindeleben nimmt Abg. Briscoe aktiv teil. Während der Wahl war der Finanzminister Sean McEntee aufgefordert worden, eine öffentliche Erklärung über die Politik der Regierung gegenüber den Juden abzugeben. Der Minister leistete dieser Aufforderung 'Folge. Er wandte sich in scharfer Form gegen jede Art der Judenhetze und erklärte, daß die Partei de Valeras alle Bürger Irlands ohne Unterschied der Religion und der Rasse in gleicher Weise bebandeln werde".' Zum Tode Helmut Hitsdis Aus Washington: Das Mitglied des amerikanischen' Repräsentantenhauses, Samuel Dickstein, brachte im Kongreß der Vereinigten Staaten eine Interpellation betreffend die Hinrichtung des jungen Juden Helmut Hirsch in Berlin ein. In der Interpellation wird auageführt, die öffentliche Meinung Amerikas sei über die Hinriöhtüng eines amerikanischen Staatsbürgers, der nicht in einem öffentlicher Verfahren verurteilt worden sei, außerordentlich aufgebracht. Dickstem wies dann auf die U m t r i e b e d c r N ationalsozialisten im Bereich von Chikago hin. Die Deutschen seien dort in regulären SA.-Formationen zusammengefaßt und .hielten in der Umgebung der Stadt in voller Uniform Nachtübungen ab. Dickstein verlangte ein Sondergesetz gegen derartige Vorgänge auf dem Boden der Vereinigten Staaten. (J. T. A.) Terrorsieg der Antisemiten in Bukarest. Aus Bukarest: Am Sonntag, den 11. Juli, haben in Bukarest die Wahlen in die Advokatenkämmer stattgefunden. Ebenso wie bei der vor einigen Monaten stattgefundenen Wahl, die inzwischen annulliert wurde, haben auch diesmal die antisemitischen Advokaten, unterstützt von Studenten, einen beispiellosen Terror gegen die jüdischen und demokratischen Anwälte ausgeübt. Kein einziger jüdischer Anwalt wurde zur Stimmabgabe zugelassen, die demokratischen Anwälte wurden ebenfalls terrorisiert und enthielten sich deswegen der Stimmabgabe: Das Resultat war, daß die christlich-nationale antisemitische Liste einstimmig gewählt wurde. Die bekannte rumänische Advokatin Ella N egruzzi gibt in der demokratischen Presse eine Schilderung des Wahlterrors und erzählt, ihr selbst 'sei ein „Kollege" mit dem Stock in der Hand entgegengetreten und habe ihr erklärt, er dürfe nur christlich-national gewählt werden. (J. T. A.) Die luden« und Minderheitenverfolgungen in Polen und in Deutschland Aus Washington: 130 Geistliche aller Glaubensrichtungen in Cleveland, der Hauptstadt des Staates Ohio, haben eine Petition an die Regierung der Vereinigten Staaten unterschrieben, in der diese aufgefordert wird, der Verfolgung der Juden in manchen Ländern Europas entgegenzuwirken und zur Milderung der jüdischen Not in diesen Ländern beizutragen. Namentlich wird in der Petition auf die schreckliche Lage der Juden in Polen hingewiesen, einem Staate, an dessen Wie-' deraufrlchtung die amerikanische Regierung mitgeholfen hat; sie habe auch Ihre Unterschrift unter den Vertrag, der diesen Staat schuf, gesetzt. Das'frühere Mitglied des Obersten Gerichtshofes der USA. und jetziger Präsident des amerikanischen Amateur- Athletikverbandes, Jeremiah T. M a h o n c y, hat der amerikanischen Regierung die Anregung unterbreitet, daß die Vereinigten Staaten keinerlei Handelsverträge mit Ländern abschließen, in denen die nationalen und religiösen Minderheiten Verfolgungen ausgesetzt sihd und deren Regierungen den Schutz der Minderheiten ablehnen. (J. T. A.) An alle xionistisdien Ottsgruppen und Korporationen Wir erhielten nachstehende Zuschrift: üle zionistische Ortsgruppe Z w 111 a u, welche »He Parteirichtungon umfaßt, hat beschlossen, an den Kongreß den folgenden Appell zu richten. Zlonisten, folget linserein Beispiel und beweist damit dem Kongreß unsere ßutschlossonheit! An die Delegierten des XX. Zionistenkoiigresges. In größter Sorjro um das Schicksal tfroz Israels, des jüdischen Volkes und der Idee des Zionismus, fordern wir die Delegierten des XX. ZionlntenkongrcsseB auf, unbedingt Jeden Teliungsplan Palästinas abzulehnen. Wir sind überzeugt, daß das jüdische Volk lieber einen harten Kampf mit allen seinen Konsequenzen auf sich nehmen wird, als sich durch Annahme von Scheinlösungen seiner ewigen Hechte zu begeben. Per vorgeschlagene Teliungsplan stellt einen eklatanten Bruch der uns im Mandat gegebenen Zusicherungen dar. Wir glauben, dal), wenn das jttdisohe Volk lest bleibt, die Nationen» die das Mandat unterschrieben haben, uns ihre Unterstützung nicht versagen werden, da bestimmt keine der beteiligten Mächte an eine solche Lösung der Palästina*Frage gedacht hat. Delegierte des Kongresses! Das ganze jüdische Volk blickt auf euch. Es geht um unser Schicksal» #