Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 672 (16.7.1937)
- Date
- 1937-07-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 672 vom 16. Juli 1Ö37 DIE NEUE WELT Seite 3 * Uetkmtuegel r'Kfattlls" „Wenn es ein Wort gibt, das das Schaffen Bialiks charakterisiert, so ist es der Begriff des ,Kinnus', Sammlung, das Ineinanderfließenlassen aller divergierenden Elemente zu einem alles aufsaugenden jüdischen Zentrum. Deshalb findet auch jede Form des jüdischen Lebens ihren Widerhall in Bialiks schöpferischer Arbeit." Dr. Max Nußbaum („Isr. Familienblatt", Berlin). Gerechtigkeit für den Talmud ,JDer Talmud ist keine Lektüre für leichtfertige und unreife Menschen, die im voraus parteiisch eingestellt sind und sich durch Affekte leiten lassen, oder für Menschen mit engem Horizont des Geistes, des Gerechtigkeitssinnes,' ja, sogar des Herzens. Er ist auch keine Lektüre für religiöse Fanatiker und für areligiöse Persönlichkeiten. Aber ein Mensch, der für Religiosität Verständnis hat und ehrlich erkennen will, was auf der anderen Seite der Grenzscheide vorgeht, tdarf ihn ruhig lesen. Vielleicht wird er einmal mittun bei der Zurückdrängung dieser Scheidewand oder gar bei ihrer völligen Zerstörung." Taddäus Zaderecki, „Der Talmud im Feuer d<Jr Jahrhunderte". Israel und Ismael von einst ,&ie nahe Verwandtschaft von Sprache und Rasse, die Juden und Araber verband, mußte diese auch für die jüdischen Glaubensformen empfänglicher machen, insbesondere nachdem dem Judentum auf der arabischen Halbinsel selbst feste Stützpunkte erstanden waren. Die Araber, die mit den biblischen Legenden vertraut waren, machten Ismael, den Sohn des Erzvaters Abraham, au einem ihrer Stammväter, und viele Bewohner des Landes traten zum Judentum über, was ihnen um so leichter fiel, als die Beschneidung bei ihnen von jeher aligemeiner Brauch war." Prof. S. Dubnow, Weltgeschichte des jüdischen Volkes. Komplimente tfür Peel Niemand wird bei gründlicher Lektüre des Blaubuches den Mitgliedern der Kommission das ehrliche Bemühen absprechen können, die Probleme des Landes zu verstehen und niemand wird leugnen können, daß sie sehr viele wichtige Punkte richtig gesehen und gut formuliert haben. Aber wieviele Meixschen werden den Bericht wirklich lesen? Die Volksmeinüng bei Juden und Arabern wird sich vermutlich auf Grund von Schlagworten bilden." „Jüd. Rundschau", Berlin. Ein schwacher Trost ,J2s wäre ungerecht, das ganze deutsche Volk mit der Partei, die es offiziell repräsentiert, zu identifizieren. Schweden, die kürzlich in Deutschland weilten, bezeugen, daß man in weiten Kreisen, nicht zuletzt in konservativen, Hitlers antijüdische Politik als unklug und ungerecht ansieht und daß die deutschen Juden als eine überwiegend loyale, reichsnützliche und menschlich hochstehende Bevölkerungsgruppe zu betrachten sind. Den deutlichsten Beweis dafür bieten die Klagen in den nationalsozialistischen Zeitungen, sogar im Franken Streichers, daß große Teile der Bevölkerung trotz aller ,Aufklärung( nicht antisemitisch seien, bei Juden kaufen und die ,volksfremdene Aerzte aufsuchen und daß die Juden es verstehen, die Sympathien der Bevölkerung zu erschleichen'." Hugo Valentin („Antisemitenspiegel", Verlag Dr. Heinrich Glanz, Wien, VIII). Was „ein berüchtigter Talmudjude" kann Wir lesen in einem Prager Blatt: „In Nürnberg ist ein Kaufmann wegen berügerischer Geschäftsmethoden zu elf Monaten Gefängnis verurteüt worden". Wir zitieren einige Worte aus dem Gerichtsbericht der „Fränkischen Tageszeitung", Nürnberg, — einem Streicher-Blatt: „Wer sich mit Juden einläßt, geht daran zugrunde. — Echt jüdische Geschäftspraktiken — Talmudmanöver — Geschäftsgebaren auf jüdischen Grundsätzen aufgebaut — jüdische Gier, um , jeden Preis Geschäfte zu machen — jetzt kann er fast, ein Jahr über seine volksschädigenden jüdischen Geschäftsmethoden nachdenken." Aha, sagt sich der Leser, hier kam ein jüdischer Betrüger ins Gefängnis. Das soll sich der Leser auch sagen. Aber es stimmt nicht. Vielmehr zeigt es sich bei aufmerksamer Prüfung des Berichtes, daß in den Adern des verurteilten Kaufmannes Karl Windisch rein arisches Blut rollt. Aber dieser Windiach war „Lehrling bei einem berüchtigten Talmudjuden", und später erwarb er „von dem ebenfalls berüchtigten Juden Korngold dessen Konfektionsgeschäft". Das heißt: der Jude Korngold, der ' einen sauberen, ordentlichen Handel führte (sonst hätte sich die „Fränkische Tageszeitung" eine Aufzahlung seiner Untaten keinesfalls entgehen lassen), der Jude Koungold wurde wie viele andere Juden um sein Geschäft gebracht. Dieses Geschäft ging —- wie viele andere jüdische Geschäfte — „in arische Hände Über". In die Hände eines rein arischen Betrügers. Wer ist schuld an den wenig schönen Methoden, die von Stund an einrissen? Der Ganner selbst? Woher denn! Der Jude, dem das Geschäft abgejagt wurde, und ein zweiter Jude, bei dem der arische Betrüger als Stift in die Lehre ging. ... Ob ein Arier Gaunereien treibt oder ein „Artverwandter", oder ein nationalsozialistischer Anführer — gegangen und bespuckt wird der Jude, Mandat ausüben oder zurückgeben „Sinnlose Beschneidung Palästinas" Aus Paris wird gemeldet: Der J. T. A.-Vertreter hat den früheren Ministe? und jetzigen Senator Justin Godart, Präsident des Komitees France-Palestine, über seine Meinung, betreffend den Peel-Bericht und die Entscheidungen der englischen Regierung hinsichtlich der Zukunft Palästinas befragt. Godart äußerte sich u. a. wie folgt: „Wunderbare Tatsache! Verwirklichung der Prophezeiungen! Das Königreich Israel ist wiedererrichtet, anerkannt, verkündet. Das Ereignis ist an sich bedeutsam. Die Tatsache, daß in einem offiziellen Dokument zum erstenmal der Ausdruck „Jüdischer Staat" sinnvolle Anwendung findet, rechtfertigt den ewigen Glauben an die Gerechtigkeit. Dennoch revoltiert die Vernunft gegen eine Politik, die diese wunderbare Auferstehung zu einem unannehmbaren Handelsobjekt herabwürdigt und damit nur eine Lösung der Schwierigkeiten sucht, denen sich die Mandatarmacht gegenübergestellt sah, weil sie ihre Rolle nicht mit der gebotenen Autorität und Voraussicht durchzuführen verstand. Das Mandat hatte als Ziel die Ecolution Palästinas zu seiner Autonomie hin und die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims. Der Teilungsplan läuft auf eine in geographischer Hinsicht sinnloseBeschneidung Zionistische Proteste Großbritannien und Irland Aus London: Die Exekutive der Zionistischen Föderation für Großbritannien und Irland faßte eine Resolution, in der der Vorschlag der Kgl. Kommission auf Dreiteilung Palästinas scharf zurückgewiesen und das Argument der Kommission, daß das Mandat undurchführbar sei, als vollkommen grundlos bezeichnet wird. Gegen die Beschränkung jüdischer Einwanderung und Siedlung wird Protest erhoben. Litauen Aus Kaunas: Die Allgemeinen Zionisten (Gruppe B), der Misrachi, die Judenstaatspartei, die Revisionisten und die Agudas Harabonim haben ein gemeinsames Komitee unter dem Vorsitz von Oberrabbiner Schapira eingesetzt, das die Protestaktion gegen die geplante Teilung Palästinas leiten soll. Der Regierung wird eine tfenkVchrift überreicht, in der die Ablehnung des Teilungsplanes durch die Juden begründet wird. Rumänien Aus Bukarest: Die Zionistische Organisation Rumäniens hat an das Colonial Office und an 1»D Restaurant Stefanie ittn II, Taborstiaße 12 ® Telephon R*48-4-46 HUGO und JULIE HERLINGER, geb. Zollner Erstklassige renommierte Küche, große Auswähl Reichhaltige Menüs von 1.60 aufwärts / Exakte Bedienung Schöner, schattiger Garten / Angenehmer Aufenthalt die britische Gesandtschaft in Bukarest ein Telegramm gerichtet, in dem die Vorschläge der Kommission bemauert und mißbilligt werden. Die Neu-Zionistische Organisation hat in den jüdischen Stadtvierteln massenhaft Protestflugblätter gegen den Teilungsplan verteilt. In allen zionistischen Kreisen Rumäniens herrscht tiefe Enttäuschung und Niedergeschlagenheit, während die antisemitische Presse die Situation zu Angriffen auf die Juden ausnützt. Zum Jahresbericht der PalästmasRegierung Ormsby-Gore hat ihn nicht gelesen. Aus London: In der am 7. Juli stattgefundenen Sitzung des Unterhauses richtete Abg. W e d g'w o o d an Kolonienminister Ormsby-Gore die Anfrage, ob diie, Palästina-Verwaltung einen Sonderbericht über die Unruhen im Jahre 1936 abgefaßt habe und ob dieser vor seiner iWeiterleitung nach Genf zuerst dem Colonial Office zugestellt worden sei. Der Kolonienminister erwiderte,, daß die Palästina-Verwaltung dem Völkerbund keinen Sonderbericht über die Unruhen erstattet habe. Sie habe lediglich den üblichenJahresberichtfür 1936 über die Verwaltung von Palästina und Transjordanien, der u. a. einen Tatsachenbericht über die Unruhen enthält, dem Völkerbund auf dem gewöhnlichen Wege zugeleitet. Dieser sei am 21. Juni veröffentlicht worden. In dem Jahresbericht werde nicht der Versuch unternommen, die Ursachen der Unruhen oder die Politik zu behandeln. Diese Angelegenheiten behandle der Bericht der Kgl. Kommission. Auf die weitere Anfrage des Abg. Wedgwood, ob der Bericht der Palästina-Verwaltung vor seiner Veröffentlichung dem Colonial Office vorlag, antwortete der Minister, der Bericht werde von der Palästina-Regierung immer dem Colonial-Qffice zur .Weiterleitung an den Völ- und auf die Errichtung von Grenzen hinaus, die an die Stelle von Zusammenstößen und Ueberfällen aus dem Hinterhalt, welche eine umsichtige Polizei unterdrücken kann, den organisierten, den unseligen Krieg setzen. Der Plan, der einen notf) immer unerreicht aU ®efimbf)ett§- unb Äroft» brot. s«Reidj an ben jo wichtigen 9läfjtfal3en, <3ef)t bequem: @imon§&rot*©d)mttenpätf<$en in (Stanniol. f$rücf)tenbrot: Sluf&au» unb 2>arm»8?eguIator. $u ija&en in geinfoftfjanblungen unb in ötelen SBäcfereien. B6imon§brotfnbrtf 2ßien*$agran 55. £ägl.$ofiberf.^ jüdischen Staat ohne Zion schafft, tötet den Zionismus, dessen Mystik ein zerstreutes Volk aufrechterhält. Er schlägt brutal die auf Palästina gerichtete Begeisterung der Verfolgten nieder, indem er den Jüdischen Staat auf ein lächerlich kleines Gebiet beschränkt." Godart schloß mit den Worten: „Der Buchstabe und der Geist des britischen Mandates sind verletzt. Großbritannien soll das Mandat in dem Sinne ausüben, in dem es ihm übertragen wurde oder aber es zurückgeben." kerbund übergeben. Das Ministerium sehe ihn durch und sende ihn dann weiter. Abg. Wedgwood: „Sollen wir annehmen, daß dieser Bericht, der den Juden in Palästina so viel Aergernis verursacht hat, den Charakter einer Entschuldigung oder Verteidigung des Verhaltens des High Commissioner trägt?" Minister Ormsby-Gore: „Bestimmt nicht. Es handelt sich dort nicht um irgend eine Verteidigung. Die ganze frage der Unruhen, der Ursachen und alles d?ssen, was damit verbunden ist, wird in dem Peel-Bericht be« handelt. Der Jahresbericht ist nur eine objektive Darstellung von Tatsachen, eine reine Aufzählung. Ich glaube nicht, daß er im Vergleich zu dem Bericht der Kgl. Kommission von irgennd welcher Bedeutung ist." Abg. Wedgwood: „Hat der Kolonienminister ihn gelesen?" Minister Ormsby-Gore: „Nicht persönlich." (!) Abg. de Rothschild: „Darf ich fragen, ob die in dem Bericht an den Völkerbund angeführten Tatsachen von dem Colnial Office überprüft und für richtig befunden wurden oder ob man sie für richtig hält?" Der Kolonienminister: „Man hält sie für richtig."(!) (J. T. A.) Brodetsky zu den Vorschlägen der Kgl. Kommission Aus London: Das Mitglied der Exekutive Prof. Selig Brodetsky nahm auf einem Massenmeeting in Leeds scharf Stellung gegen die Vorschläge der Kgl. Kommission. Die Balfour-Deklaration, erklärte Brodetsky, bezog sich auf ein Gebiet** von ungefähr 45.000 Quadratmeilen. Nach der Lostrennung Transjordaniens seien noch immer 10.400 Quadratmeilen geblieben. Nun empfiehlt die Kgl. Kommission, daß von diesem Gebiet 1900 Quadratmeilen den Juden gegeben werden sollen, d. h. weniger als ein Fünftel Westpalästinas. Die Araber werde keine geographische Aufteilung des Landes, wie immer sie aussehen möge, befriedigen, denn sie wollen weniger die Juden loswerden, als die Engländer. Es stehe außer jedem Zweifel, daß die Juden mit den projektierten Grenzen des jüdischen Staates nicht einverstanden sein können. (J. T. A.) Bei Fettsucht, Gicht und Zuckerharnruhr verbessert das natürliche „Franz-Josef'-Bitterwasser die Magen- und Darmtätigkeit und fördert nachhaltig die Verdauung und den gesamten Stoffwechsel. Die Aussagen der in geschlossener Sitzung von der Kgl. Kommission vernommenen Zeugen werden der Mandatskommission nicht vorgelegt Aus London: In der Unterhaussitzung vom 12. Juli gab Kolonienminister Ormsby-Gore m Beantwortung einer Frage des Abg. Oberst Nathan bekannt, daß die Aussagen der von der Kgl. Kommission in geschlossener Sitzung vernommenen Zeugen der Mandatskomm ission nicht vorgelegt werden würden. Diese Aussagen seien ausschließlich der Kg\. Kommission vertraulich gemacht worden und seien stets geheimgehalten worden. Auch die für die Veröffentlichung bestimmten Aussagen würden bis zur Tagung der Mandatskommission noch nicht gedruckt sein. Der Bericht der Kgl. Kommission aber sei so vollständig und erschöpfend und mit allen materiellen Tatsachen ausgestattet, daß die Vorlage des Aussagen-Protokolls, das erst in eine» Monat veröffentlicht werden wird, überflüssig sein würde. Der Minister lehnte schließlich die von dem Abg. Nathan gegebene Anregung ab, in dem Teeraum , des Par-