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Die neue Welt · 1937-07-13 · Heft 671 (13.7.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 671 (13.7.1937)
Date
1937-07-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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TTr. 671 vom 13. Juli 1Ö37 tHBB KBÜB WELT Seite S Zur Tagesordnung * Die \ielgeriifimie Befriedung 11. Juli. Dies Datum kann nur mit Befangenheit hingeschrieben werden. Denn das meiste davon, was Schönes daran geknüpft wurde, hat sich als Phantom erwiesen, sogar für die öffentlichen Befürworter des Abkommens von heute, das einen modus vivendi zwischen zwei deutschen Staaten, hätte schaffen sollen. In moralischer Beziehung haben genug Vorfälle gezeigt, daß es noch immer Groll gibt; drüben jenseits der Grenzen; in wirtschaftlicher Beziehung sprach die maßgebende österreichische Presse von magerer Auswirkung; und was die, kulturellen Belange betrifft, kann wohl kein vernünftiger Mensch leugnen, daß ein deutschchristliche^ bzw. christlich betonter Staat mit einem germaniseh-wotanischen, bzw. rassisch betonten, nicht ohne böse Folgen für sich Kirschen essen kann. Wie sich der 11. Juli auf der beiderseits angestrebten Basis auswirken kann, das zu beurteilen ist Sache der autoritären österreichischen Stellen. Sie haben Abkommen zu hüten und sie den Staatsbürgern mundgerecht zu machen. Jüdischerseits ist hier weder Kritik, noch Anklage, noch Besser-Wissen-Wollen am Platz. Doch gibt es auch in diesem Bereich einen Punkt, der von seiten der jüdischen Bevölkerung Oesterreichs Beachtung verdient: der unbeachtete und ungew/ürdigte Judenpunkt. Als die Rede davon war, daß auf Grund des deutsch-österreichischen Abkommens vom 11. Juli gewisse reichsdeutsche Presseerzeugnisse nach Oesterreich strömen werden, äußerten wir Bedenken dahin, daß dieser Umstand eine nazistisch-antisemitische Presse nach Oesterreich schwemmen werde, die keinesfalls geeignet sei, der angestrebten Befriedung zu djenen. Das Erwartete trat ein. Den Reigen führte ein offizielles nationalsozialistisches Parteiblatt des Dritten Reiches an, die „Essener Nationalzeitung". Es bürgerte sich in Oesterreich das Blatt einer Partei ein, die in Oesterreich verboten ist. Und gerade dies Mirakel trug dazu bei, daß auf österreichischem Boden eine nazistische Judenhetze entfaltet wurde..., wobei die „Essener Nationalzeitung" — und das ist das Bezeichnende — sich, seitdem sie in Oesterreich zugelassen ist, zu einer Spezialistin in antisemitischer Hetze auf Grund österreichischen Materials herangebildet hat; ein Umstand, der zu denken gibt. Heute, ein Jahr nach dem vielgerühmten 11. Juli, ist es zur Gewohnheit geworden, daß die „Essener Nationalzeitung" sogenannte österreichische Antisemitica früher an der Hand hat als die autochtone österreichische Presse; und es ist ein offenes Geheimnis, daß diese Antisemitica mit Wollust von der österreichischen Provinzpresse nachgedruckt werden, die nun in einem offiziellen nationalsozialistischen Organ des Dritten Reiches die langersehnte Nachrichtenquelle gefunden hat. Zusammengefaßtstellt sich die Sachlage also dar: ein in Oesterreich auf Grund des 11. Juli zugelassenes nationalsozialistisches Parteiorgan betreibt innerösterreichische Judenhetze und dient der österreichischen Provinzpresse als Informationsorgan. Wer sich dies vor Augen hält, wird wohl zugeben müssen, daß des 11. Juli jüdischerseits nur mit Befangenheit gedacht werden kann. Nochmals: Man bedenke — ein reichsdeutsches nationalsozialistisches Parteiorgan als Informationsorgan für jüdische Dinge... Diese Befangenheit kann nicht unter dem Aspekt schwinden, daß Oesterreichs Unabhängigkeit gesichert sei, da ja Deutschland diese zu respektieren versprochen habe. — da Deutschland versprochen habe, Oesterreich nicht zu überfallen. Es nützt auch nicht die Erklärung des gewiß patriotisch geeichten „Neuigkeits-Weltblatts" das zum 11. Juli schreibt: „Die österreichische Regierung hat über den österreichischen Nationalsozialismus schon lange ihr letztes Wort gesprochen. Sie wird es unter keinen Umständen zurücknehmen... Die Ausschließung des österreichischen Nationalsozialismus aus der öffentlichen Debatte ist für Oesterreich wie für Deutschland die logische Folgerung aus dem Abkommen vom 11. Juli." Wie steht's aber mit der antijüdischen Hetze der deutschen nationalsozialistischen Presse auf Österreichischem Boden? Wo bleibt hier die logische Folgerung? Zum Banditi'smus /«erwacht" Unter den Zeitungen, die sich mit dem plötzlich aktuell gewordenen Plan der Teilung Palästinas beschäftigen, befindet sich auch die — in Oesterreich auf Grund des 11. Juli zugelassene — „Essener Nationalzeitung", die der Sache unter dem Titel „Teile und herrsche" einen Leitaufsatz (9. Juli 1937, Nr. 187) widmet. Im Zusammenhang damit, was ich in der vorstehenden Betrachtung ausgeführt habe, verdient der nationalsozialistische Leitaufsatz unsere Aufmerksamkeit. List und Tücke, Lüge und Verleumdung, Bosheit und Geraeinheit haben sich in diesem Aufsatz ein Stelldichein gegeben. Alle schäbigen Instinkte der wachgewordenen „nordischen Seele" leben sich darin aus, Amerika soll Schritte unternehmen Aus Washington wird uns gemeldet: Auf Grund eines Abkommens aus dem Jahre 1924 haben die Vereinigten Staaten das Recht, von England alle Aufklärungen über die Verwaltung des Mandatsgebietes Palästina und über das Schicksal des jüdischen Nationalheims zu erhalten und hier ein gewichtiges Wort mitzureden. Dieser Umstand brachte es mit sich, daß die Frage der Teilung Palästinas im amerikanischen Senat angeschnitten wurde. Redner war der bekannte Senator Royal S. Copeland, einer der drei amerikanischen Parlamentarier, die seinerzeit eine inoffizielle Erhebung über die Ursachen der Unruhen in Palästina durchführten. Copeland erklärte, daß durch die Verwirklichung des Teilungsplanes die englisch-amerikanische Konvention über Palästina vom Jahre 1924 in einen wertlosen Fetzen Papier verwandelt werden würde. Er forderte, daß die amerikanische Regierung Schritte unternehme. Weiters wird aus Washington gemeldet: Di« amerikanische Pro-Palästina-Vereinigung hat an den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Franklin D. Roosevelt, eine Petition gegen die Teilung Palästinas gerichtet. Der Präsident wird gebeten, noch vor Mittwoch bei der englischen Regierung zu intervenieren und einen Aufschub der Veröffentlichung des Berichtes der Kgl. Kommission zu erwirken, damit die Vereinigten Staaten die erforderliche Zeit zum Studium der Situation gewinnen. In der Petition wird davor gewarnt, daß durch die Teilung die „Grundlagen eines künftigen arabisch-jüdischen Krieges" gelegt werden würden. Die Petition ist von führenden Männern des öffentlichen Lebens Amerikas, u. a. von William Green und C. E. Rüssel, unterzeichnet. Das Echo der Weif Teilung — Gefahr für Englands Sicherheit Aus London berichet J. T. A.: Die Abendzeitung „Star" gibt der Meinung Ausdruck, daß der Veröffentlichung des Peel-Berichtes ein erbitterter Kampf folgen werde. Bei den Juden gebe es eine geschlossene Gegnerschaft gegen die hauptsächlichsten Vorschläge der Kommission. Auch im Unterhaus würden sicherlich Abgeordnete aller Bekenntnisse und Parteien heftig gegen den Bericht Stellung nehmen. Aber auch das Ausland habe ein Wort mitzureden. Genf, dem das letzte Wort in dieser Sache zusteht, werde voraussichtlich der Schauplatz empörter Proteste sein. Dos Blatt weist weiter darauf hin, daß die Enttäuschung bei den Zionisten nicht dadurch hervorgerufen wird, daß das Siedlungsgebiet eingeschränkt werden und Jerusalem als nationale Hauptstadt verlorengehen soll, sondern auch durch die Unbestimmtheit des Versprechens der Gewährung des Dominion-Status. Augenscheinlich soll dieser Status bei der Schaffung des Staates nicht gewährt und auch später nicht in vollem Umfange verwirklicht werden. Es könnte jedoch sein, daß die Juden eine starke Unterstützung von einer Seite erhalten, von der man es nicht erwartete, nämlich von den militärischen Kreisen, die über die mögliche Rückwirkung einer Teilung Palästinas auf die Sicherheit dea Reiches in Sorge seien, insbesondere von dem Committee of Imperial Defende. Palästina sei eine der Säulen der Verteidigung Aegyptens und des Suez-Kanals. Ein einheitliches Palästina würde gegen einen feindlichen Angriff leicht zu verteidigen sein, dagegen könnte ein Palästina, das aus zwei kleinen und gegeneinander mißtrauischen Nachbarstaaten besteht, eine positive Gefahr für seine britischen Verteidiger darstellen. Waudiopes Beratungen mit den arabischen und den jüdischen Führern Aus London: High Commlssioner Sir Arthur W auchope hat in Jerusalem eingehende Beratungen mit den Führern der Araber, der Juden und der mohammedanischen Opposition über den Bericht der Kgl. Kommission abgehalten. Der Oberste Arabische Ausschuß trat daraufhin vormittags zu einer Beratung zusammen, um einen Beschluß über die von den Einige Zitate mögen meine Kritik bestätigen.. Zunächst: „Unter den jüdischen Bauern und Arbeitern in Palästina herrscht das aus den primitivsten Verhältnissen stammende Ostjudentum vor, daneben handelt es sich vielfach um Mischlinge, die aus anderem Bluterbe als dem jüdischen den Sinn für Arbeit an der Scholle mitbekommen hätten." Welch nazistische Lumperei! Welch Tollkühnheit, die natürlich immer ins Lächerliche umschlägt! Da das Blatt dem Juden nicht den Sinn für Arbeit an der Scholle zubilligen will, stempelt es ihn zum — Mischling (!!) und hängt ihm ein Blubo um! Weiters: „Die Spekulation mit Land begann, die Preise stiegen, in wenigen Jahren waren über 11.000 arabische Pächter arbeitslos!" Nach authentischen Darstellungen gab es in ganz Palästina 400 bis 500 Pächter, welche sich durch Verkauf ihres Bodens (im Verlauf von fünfzehn Jahren) „landlos" gemacht hatten. Sogar der judenfeindliche Simpson-Bericht gibt nicht einmal ein Fünftel der Nazi-Ziffer an. Ueber einzelne Ziffern — so gibt es nach der „Essener Nationalzeitung" insgesamt 8 Millionen Juden, davon 300.000 in Palästina — wollen wir kein Wort verlieren. Unkenntnis der Tatsachen ist für uns kein Angriffspunkt. Wir wenden uns gegen die bewußte Verefälschung der Tatsachen zwecks Herabsetzung und Schändung des jüdischen Namens in der Welt..Man höre: „Die Tatsache, daß man in aller Welt die Palästinafrage als eine jüdische Existenzfrage betrachtet, ist wieder einmal ein Beweis dafür, wie sehr es die jüdische Propaganda versteht, ihre Interessen in den Vordergrund zu rücken. In Wirklichkeit handelt es sich vielmehr um eine arabische Lebensfrage, wenn von dem Konflikt in Palästina die Rede ist." Die „Nationalzeitung" will also nicht von ein<jr Balfour-Deklaration, einem Mandat, einer Völkerbundverpflichtung und einer — Judennot wissen, von KINO-PROGRAMME » saaaEBBWT \jl\,m\iKBBammsaBamBttt'\w»>Mm,>hi ii.irmiimi i , ii'v IC Ii III IS ABN VonlOUhr vorm. bis 7 Uhr abends i DIE LEBENDE ZEITUNG A - 49 O 60 Nur l/48 Uhr und V410 Uhr abends Es geschah zu Silvester Donnewttf, dtn 10.fe, Prtmltrt; „DU DÜTI MDB« einer Judennot, die zum Himmel schreit, und an der sie, die „Nationalzeitung" als Schrittmacherin des haken« kreuzlerischen Feldzuges gegen das Judentum, in hohem Maß mitschuldig ist! S o sieht ein aus Ignoranten- und Banditentum zusammengesetztes Hakenkreuzorgan das welthistorische Palästina-Problem an. Mehr auf Verderb als auf Gedeih Es ist traurig, sagen zu müssen: so oft man Betrachtungen über österreichische Filmproduktionsfirmen anstellt, hat man einen Nachruf zu halten. Das ist bei uns so Sitte — unter dem Zwang der Verhältnisse. Die Misere begann damit, daß die österreichischen Produzenten deutschsprachiger Filme der Impression erlagen, daß ihre Produktion ohne den reichsdeutschen Markt unrentabel sei, und sich dem Diktat der Berliner Reichsfilmkammer, d. h. in den Parolen des Goebbelschen Propagandaministeriums unterwarfen. Auf einmal gab es keinen österreichischen Film mehr. Die wenigen Ausnahmen — sie hatten allerdings Welterfolg — konnten den Zustand nicht korrigieren. Die jüdischen Filmherren standen den arischen nicht nach. Sie machten die Gleichschaltung mit ausgestreckter Hand mit. hoffend, daß in diese Hand — wenn sie sich schnorrend umdreht — ein paar Hitler-Mark fallen werden. Sie wurden um diese Hoffnung betrogen. Oft genug warnten wir diese Herren, sich am Hakenkreuz anzuhalten. Oft genug appellierten wir an ihr Gewissen, sich nicht wegen ein paar lumpiger und dabei noch zweifelhafter Hitler-Mark an der Ehre und Würde des jüdischen Volkes zu vergreifen. Es half nichts. Es gab sogar welche unter ihnen, die zu Herrn Goebbels nach Berlin fuhen, um sich's dort „zu richten", um Gnade für sich zu erbetteln, damit er ihnen erlaube, ihr Geld in „arische Filme" zu investieren... Einer nach dem anderen blieb auf der Strecke. Das kultivierte Ausland fand keinen Gefallen an dem getarnten Mist, die Gelder froren im Dritten Reich ein. Alles war verloren. Nur eines blieb: die Pleite. Soeben lesen wir von der Atlantis-Filmgesellschaft. Allerdings nicht in der Rubrik „Neue Filme", sondern in der Rubrik „Insolvenzen". Die Herren, die Arierparagraph-Filme gedreht haben, können jetzt ihrem Geld nachweinen. Es möge ihnen zum Trost gereichen, daß sie genügend Vorgänger haben und genügend Nachfolger haben werden. o. r.*

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