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Die neue Welt · 1937-07-09 · Heft 670 (9.7.1937) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 670 (9.7.1937)
Date
1937-07-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite $ DIE NEUE WELT Nr. 670 vom 9. Juli 1Ö3T Besonders billig Alles für den Urlaub bei Schiff mann Wortschwall über mich ergehen und erwarte, ein.Mißverständnis vermutend, das Ende des Abenteuers.. Aber der liebenswürdige Greis, dessen ganzes Gesicht vor Freuden erglänzte, als ich ihm diese befriedigenden Auskünfte über meine Gesundheit erteilte, fuhr fort, ohne von meiner Ueberraschung Notiz zu nehmen: „Ich will Ihnen etwas sagen; Das, worauf man vor allem acht geben muß, ist die Sehkraft. Wie soll man mit schlechten Augen oder mit mangelhaften GRABSTEINE FR lEDLÄNDER &x DEUTSCH Wien, t. Bez., Seitenstettengasse 2. III Samstag XI.. Zenitaltrieahot, neb, d. 7. Tor. y\ geschlossen Brillen arbeiten? Sie stehen schon in einem höheren Lebensalter/Daher muß wohl Ihre Sehschärfe nachgelassen haben. Sprechen Sie offen zu mir. Haben Sie nicht über Ihre Augen zu klagen?" Aufrichtig gestanden, hatte meine Sehkraft seit einigen Wochen tatsächlich nachgelassen. Aber mein Besucher begann mir auf die Nerven zu gehen und deshalb erhob ich mich und antwortete kurz und bündig: „Nein, keineswegs. Ich sehe noch sehr gut." „Um so besser!" antwortete der hartnäckige Sprecher und blieb ruhig in seinem Armstuhl sitzen. „Wenn Sie so gute Augen haben, betrachten- Sie doch einmal dieses Kleinod." Und die vom: Handschuh befreite Rechte schob mir einen reizenden- Elzevirbänd in . feinster Ausstattung unter die Nase. : Kaum hatte ich ihn geöffnet, als der gute Mann sich erhob, mir die Hand auf den Arm legte und mit teilnahmsvollem Vorwurf sagte: „Oh, Sie haben mich getäuscht. Das ist nicht recht von Ihnen. Ieh'hätte das niemals von-Ihnen erwartet. Wie? Sie behaupten, daß Sie vortrefflich sehen; ich erkenne aber aus dem Abstand, in dem Sie mein Büchlein von-Ihren-Augen halten, um deit Text zuerkennen, daß Sie weitsichtig sind, im höchsten Grade weitsichtig. Die Linse Ihres Auges beginnt sich bereits zu verflachen. Da .heißt es Hoch -beizeiten Vorsorge treffen! Ach, :es ist . nicht schön von Ihnen, daß Sie "mich getäuscht haben." Ich warebenso flach gedrückt wie meine Linse und überdies ganz zerknirscht, das Vertrauen eines so guten Freundes mißbraucht zu haben. Jede Ausrede wäre mir recht.gewesen, um mich einigermaßen zu entschuldigen. Doch, ich kam nicht dazu, denn ein Maßstab erschien vor meinen Augen und bevor'ich überhaupt zum Bewußtsein kommen konnte, war mein Sehvermögen gemessen, und der wissenschaftliche Beweis für. meine Lüge erbracht. Ii Neu renoviert! Restaurant „Zum Braten II, Negerlegasse 2./ Tel A-42-110-Z .. . "IttO streng orthodox 1^3 Reichhaltige Menüs S —.90 bis S 2.30 Gute Küche ' Billigste Preise . „Nummer 2314", sagte in autoritativem Tone der Greis, zu seinem Sekretär, der sich bisher so mäuschenstill verhielt, daß ich seine Anwesenheit beinahe ganz übersehen hatte. Kaum waren diese Worte gesprochen, da brachte der junge Mann $ine flache Schachtel zum Vorschein, die.er beim Kommen auf den Boden gestellt hatte; er entfaltete eine Art von endlosem Fächer und vor meinen schier geblendeten Augen, zeigte sich ein Durcheinander vonblitzenden Qläsern, deren unruhige Keflexe das Zimmer gleichwie mit tanzenden Lichtern erfüllten. Ich war sprachlos, erdrückt von der endgültigen Niederlage, die ich erlitten. Ich ergab mich auf Gnade und Ungnade. Mein herrischer Wohltäter verzichtete nun darauf, seinen Sieg voll auszunützen;-er behandelte mich wie ein lebloses Wesen und drückte mir ohne ein Wort .zu verlieren, eine Brille, auf die Nase. O Wunder! Ich konnte nun im Elzevirbändchen ohne Anstrengung lesen. Die Buchstaben -erschienen mir jetzt außerordentlich deutlich.. Der Schleier, der seit einiger Zeit, ohne daß ich dessen bewußt gewesen, mein Augenlicht trübte, begann zu weichen. Ich konnte wahrhaftig meine Genugtuung nicht verbergen. Und mein Wohltäter war mit seinem Erfolg außerordentlich zufrieden; er ließ mich aber großmütigerweise seinen Triumph nicht fühlen. „Diese Gläser sind einzig in ihrer Art", sagte er. „Ich verfertige sie selber. Mein halbes Leben widmete ich der Berechnung der richtigen Stärke und Wölbung der Linse. Die Gläser sind unbezahlbar, denn sie ermüden nicht das Auge, zum Unterschied von anderen. Es ist eine noch nie dagewesene Entdeckung, die ich damit gemacht habe. Ich. darf wohl behaupten, dadurch ein; Wohltäter der Menschheit geworden zu sein. Ihre Dankbarkeit für den-Dienst, den ich Ihnen soeben erwiesen habe, wird mit Ihrem., zunehmenden.. Alter. immer größer - werden. Erhobeneil Hauptes * sage ich Seiden- 98 1 3 3 3 9 9 inr 98 98 98 K.-Seiden-Dirndi-Schurze in Pastellfarben . . . . S Tupf-Bafist-Bluse fürs üirndi, Rüschen- ' kragen ........ S Blumen-Dirndl oder Kretonne-Kleider schöne Muster . . . . S K.-Seiden-Jersey-Kleid, Kragen mit valenciennes- Spitzen garniert. . . . 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Krempe flüchtig mit der Rechten, wies auf zwei Brillen hin, die er auf ,, den Tisch gelegt hatte, und bemerkte nur so nebenbei: „Es macht bloß vierzig Francs aus." .....„Was Ihnen nicht einfällt!!' erwiderte ich, meine verlorene Tatkraft auf einmal wiederfindend. „Sie verlangen ja ums Doppelte zu viel!" - „Nur keine Aufregung!" sagte -Herr Mayer. „Niemand weiß besser als ich, was. die Gläser mich kosten, denn ich fertige sie selber an, ich ganz allein, verstanden? Ich habe es nicht von Ihnen erwartet, daß Sie; einer solchen Kleinigkeit wegen, mit mir herumstreiten werden, mit mir, der ich Ihnen doch soeben einen Dienst erwiesen habe, einen Dienst...". Er kam nicht zum Schlüsse seines Satzes. Ohne Zweifel verursachte ihm mein Geiz ein furchtbares Weh und nur aus Mitleid verschonte er. mich. Ich schämte mich nun wegen meines Benehmens. Er nahm die Haltung eines beleidigten Wohltäters'an und sagte ganz leise: „Geben Sie mir rasch dreißig Francs her und ich gehe schon." Seit diesem Tage bin ich weitsichtig. Soll ich noch erwähnen, daß ich späterhin ein gebrochenes Glas in der Brille des Herrn Mayer ohneweiters für vierzig Sous ersetzen lassen konnte? O Semiten, die man in aller Welt verunglimpft! Welcher Arier könnte es euch je gleichtun? Jüdi dies Kulturtheater Das Wiener „Jüdische Kulturtheater" wurde im Juni d. J. für eine . Tournee nach Litauen engagiert. Das erste Gastspiel fand "im Sommertheater in Kaunas vor mehr als tausend Zuschauern statt und gestaltete sich zu einem außerordentlichen Erfolg. Gegeben wurde „Die Grenz e", die in Wien eine Serie von über hundert Aufführungen erlebt hat. Die Presse feiert in Tönen des höchsten Lobes Ensemble und Aufführung. Weiters wurde in Kaunas schon „Jud Süß" von Lion Feuchtwanger, mit dem gleichen Erfolg wie „Die Grenze" gegeben. Die Truppe setzt jetzt das Gastspiel in der litauischen Provinz fort. Das Arrangement dieser Tournee besorgt die Wiener Konzertdirektion Hohenberg. Auf-Grund des Erfolges sind weitere Gastspiele in Estland, Lettland und Polen nicht ausgeschlossen. KINDERPENSION ,AUSTRIA< OLGA KAD1SCH BAD VÖSLAU, SCHUBERTPLATZ 3 TELEPHON 141 Erstklassige Verplegung, pädagogische Leitung, individuelle, liebevolle Behandlung, beste Erfolge bei schlecht essenden Kindern. Hofmeister, Kindergärtnerin, Lehrerin im Hause. Musik. Sport. Kein Massenbetrieb, Ganzjährig Große Bialik'Trauerfeier Der Bialik-Klub veranstaltete am 30. Juni (21. Tarn ua) am Sterbetage Ch. N. Bialiks (30. Jutii — 21. Tamus) im großen Saale des Hotel Continental eine sehr imposante Trauerkundgebung. Als erster Redner sprach Oberrabbiner Dr. Taglicht. In schlichten Worten schilderteder Oberrabbiner Wiens' das Lebenswerk des Dichters und Meisters des hebräischen Wortes, der dem Volke Lehrer und Wegweiser war. Nach, dieser Rede verlas Herr M. U n g e r f e3 d die Rede des plötzlich erkrankten Präsidenten Dr. Rothblum. Das Schreiben des Klubpräsidenten Dr. Rothblton in der Sprache des Dichters, gab einen Umriß der Persönlich*- keit und der unsterblichen Verdienste unseres nationalen Hero3. Der Freund Bialiks beklagt mit größer Wehmut den allzu früh von uns gegangenen „Gaon und G|on ha- Umah". Ergreifend sang dann.Oberkantor Marg.uljea das Gebet, welches stehend von allen Anwesenden mit großer Rührung angehört wurde. Oberkantör Maiigulies erwies sich als der meisterhafte Sänger der Trauer seines Volkes. Konzertsänger Segall-Rosenbach brachte hierauf Bialik-Lieder zum Vortrag. Die Interpretin der jüdischen und hebräischen Lieder Frau Hüde-Dulitzkaja'sang'einfühlend Bialik-Lieder. Am Flügel die bekannten Begleiter Fräulein Riegler und Kapellmeister G. May. Es war .eine erhebende und würdige Feier für'den großen Toten-, ~ Dr. Moschßh Elijähu K1 a r m a n n. I0SEF LEITMANN 1 vorm. Paul Planer A.B., ■ I Wienil, Praterstrafie 17, Telephon R-47-5-10 I Elektromaterial / Radioapparate / Beleuchtungrs- M körper / Dauerbrandöfen / Gasappar4te / Sprech- § maschinen / Elektrokosmetik / Elektroapparate / I Glühbirnen in allen Starken stets lagernd / Befügte | Radio-Reparaturwerkstätte ' Günstige Tauschf gelegenheit / Bequemes Teilzahlungssystem I Erklärung dies Verbandes der jüdischen Relagionslehrer an öslerr* Mittelschulen Wir erhalten folgende Zuschrift:. .„Seit längerer Zeit werden von gewisser Seite gegen einige'Kollegen bei den Behörden, bzw. bei der Vaterländischen Front, immer wieder völlig grund- und haltlose B e-s.ah.tfi; d-i g u a g.'e;a erhoben, in denen die religiöse und vaterländische ■ Gesinnung der betreffenden Kollegen in Zweifel gezogen wird. Beschuldigungen, deren Haltlosigkeit sich :bisher stets erwiesen hat, die jedoch geeignet sind, den betreffenden Kollegen in ihrem Fortkommen zu schaden, ja; unter Umständen sogar ihre Existenz zu vernichten; In letzter Zeit hat sich dies gegenüber zwei' ehrenwerten Kollegen in ganz besonders krasser Weise wiederholt. Es ist jedoch ein unwürdiger und unerträglicher Zustand, daß derartige Dinge sich Überhaupt ereignen können; daher sieht sich der Verband ver4nläߣ, dieses Vorgehen in aller Oeffentlichkeit aufs schärfste zu verurteilen und zu brandmarken, um so mehr, als (Jer Verband selbst ein standeswidriges Vorgehen seiner Mitglieder nicht dulden würde. . Das Vorgehen -der anonymen Angeber ist noch schwerer zu. verurteilen,- weil . es geeignet ist, zur Erit- weihüng des göttlichen Namens (Dt£?n Vl^H) zu führen, Dr. Glaser, Dr. Kupfer, Dr.' Papo, Dr. R'äpp'aport, Dr. Mencze.r, Dr. Schieber, Dr.. Wefncr, Dr. We i ß köpf. Wien, im Juli 1937. Dr. Edmund Frankel teilt mit, daß seine Promotion zum Doktor der Philosophie (Chemie) Mittwoch, den 7. Juli, im großen Festsaal der Universität Wien stattgefunden hat. ' Georg Berg er wurde Mittwoch, den7. Juli, an der Wiener Universität zum Doktor der PhUosophie (Kunstgeschichte) promoviert. Uestmtmd Biäet <Vffj Bestie u um mieiie K'ü,che REICHHALTIGE MENÜS & S 1.90 UNO 3.00 : C H W t L h - I t h ti K A Ü ll,Hammcr-PurgstaII-Ga$se3 (näüisi Sal2torbrück8) Tei.A-41-0-25 WOCHEN--KALENDER FÜR DAS JAHR 5697 Juli 3N '. 'mn . Ab Freitag 9 1 «nn V,rc«ra|3 7*30 Samstag 10 2 Sabbätausgang 8.40 Sonntag . 11 '. 3 .. Montag 12 4 Dienstag 13 5 Mittwoch 14 6 Donnerstag 15 7 Eigentümer, Verleger, Herausgeber: Oberbaurat Robert Stricker. Verantwortlicher- Redakteur: Fritz. Kolb." •— Druck: Druckerei- und Verlags-A.-G. Ignas Steinmana* alle Wien, IX.,. UaiversJtätsi8traße;-6.8; \

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