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Die neue Welt · 1937-07-09 · Heft 670 (9.7.1937) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 670 (9.7.1937)
Date
1937-07-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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/ Nr. 670 vom 9. Juli 1937 DIE NEUE WELT Seite 5 RUNDSCHAU Des Hakenkreuzes Rache Toscanini braucht man dem Leser nicht vorzustellen. Die ganze Kulturwelt kennt ihn als großen Dirigenten und als großen Menschen. Toscanini hatt nämlich — im Gegensatz zu anderen Dirigenten, Musikern, Komponisten, Künstlern — öffentliche Beweise seiner edlen Denkungsart abgelegt und Zeugenschaft für seine Gesinnung. Toscanini ist bei seiner einzigartigen Hingabe an die Kunst kein l'art-pourl'art-Mensch. Ihm "haben wir — für die letzten Jahrzehnte wenigstens — den Beweis für die These zu verdanken, daß Genie und Charakter sich ohne Schaden in einem Menschen vereinen lassen. Als Toscanini in den stürmischen Tagen des faschistischen Regimes nach einer Operaufführung der Mailänder Scala aufgefordert wurde, die „Giovinezza", die italienische Faschistenhymne, mit seinem Orchester zu spielen, lehnte er dieses Ansinnen aus künstlerischen Motiven ab. Man zwang ihn nicht. Er fiel auch nicht in Ungnade. Der italienische Kulturmensch wußte damals, was man einem Manne vom Rang Toscaninis schuldig ist. Seither hat sich Toscaninis Feingefühl für Dinge der Humanität und der kulturellen Sphäre noch verstärkt. So hat er beispielsweise abgelehnt, in Bayreuth vor den Machthabern des Dritten Reiches zu dirigieren und gleichzeitig vor aller Welt durch seine Gastspiele im jüdischen Palästina als Dirigent des Huberman-Orchesters kundgetan, wofür sein Herz schlägt. Darum ist man ihm gram im nationalsozialistischen Deutschland. Die verbrecherischen Hirnen entsprungene Rasseverfemung und Schändung des Geistes hat Toscanini durch das offensichtliche Meiden Hitler- Deutschlands gebrandmarkt. Er hat nicht, wie andere seiner Zeitgenossen, der Ansicht gehuldigt, daß man doch schließlich als Künstler... Toscanini wird in Oesterreich, in Salzburg, einige Opernaufführungen während der Festspielzeit dirigieren. Um wieder einmal zu dokumentieren, wie er das heutige Deutschland einschätzt, hat er die Uebertragung der von ihm dirigierten Vorstellungen für den deutschen Rundfunk verboten. Eine natürliche Sache; etwas, wofür ihm Millionen Menschen Dank wissen werden. Die Verpestung des Aethers durch die Hetzreden des Herrn Goebbels soll nicht durch die Toscanini-Uebertragungen gutgemacht werden. Aber Hitler-Deutschland schweigt nicht zu dieser Brüskicrung. Es hat eine Rache ausfindig gemacht. Gegen den großen Toscanini selbst kann es nicht Sturm laufen, rassisch kann es ihm nichts anhaben (höchstens jüdische Versippung vorwerfen!), um so weniger, als man mit Italien vorläufig noch gut stehen will, also: verbietet die Reichstheaterkammer den reichsdeutschen Sängern das Auftreten in jenen Vorstellungen, die Toscanini in Salzburg dirigiert. Salzburg wird sich zu helfen wissen. Es gibt immerhin noch Sänger in der Welt, die der Rache. Nazi-Deutschlands die Ehre, unter Toscaninis Dirigentenstab zu singen, vorziehen. o. r. Nodh immer Siedlungspläne in Sowjetoußland Von Zeit zu Zeit wird aus Moskau bekanntgegeben, welche Fortschritte die staatliche Besiedlung von Biro-Bidschan durch die Juden macht. Seit Jahren wird diese Kolonisation forciert. Die Sowjetregierung hat sich zweifellos Mühe gegeben, das sumpfige Amur- Gebiet mit Juden zu besiedeln. Es wurden große Geldmittel aufgewendet und aus jüdischen Brieftaschen flössen Millionen Dollar in die Kassen der Sowjetregierung, ohne Unterlaß, in einem Zeitpunkt noch, wo allen Einsichtigen klar geworden war, daß die Kolonisationsversuche nur ganz geringe Resultate geben können. Nun ist es um Biro-Bidschan still geworden. Wenn von jüdischen Dingen in Sowjetrußland die Rede ist, dann fällt ein jüdischer Name und ein Schuß, der dem Träger dieses Namens gilt. Man denke nur an die dunklen „Hochverratsprozesse", die Stalin gegen seine politischen Gegner führt. Man hört, wie gesagt, nichts mehr vom autonomen jüdischen Rayon, von der sogenannten jüdischen Republik, die Jahre hindurch als Konkurrenz gegen das zionistische Aufbauwerk Palästinas gedacht war. Damit soll aber nicht gesagt sein, daß die Sowjetunion alle Ansiedlungsversuche für ihre Juden aufgegeben hat. Wie wir aus Morkau hören, hat der Rat der Volkskommissäre Pläne für drei neue Ansiedlungsrayons ausgearbeitet. Im Jahre 1937 sollen 500 jüdische Familien-auf der Krim, 1044 in Aserbeidschan und 700 in Georgien angesiedelt werden. Auf der Krim werden 350 Familien aus der Ukraine, 50 Familien aus Weißrußland, 20 Familien aus dem westlichen Teil des Landes angesiedelt werden; der Rest der Siedler wird aüs anderen Distrikten kommen. Die neuen Siedler von Aserbeidschan werden sich aus den Juden der Umgebung, die keinen festen Wohnsitz haben und in Kollektivfarmen angesiedelt werden sollen, sowie aus Juden aus den übervölkerten landwirtschaftlichen Rayons der Republik rekrutieren. Der Krim-Republik wird zur Durchführung des Ansiedlungsplanes eine halbe Million Rubel zur Verfügung gestellt; die Republiken Aserbeidschan und Georgien werden je eine Million Rubel erhalten. Die jüdischen Siedler werden, wie in der offiziellen Erklärung des Rates der Volkskommissäre mitgeteilt wird, von den landwirtschaftlichen Banken langfristige Anleihen erhalten. Dieser Plan sieht sehr gefällig aus, wir zweifeln auch nicht daran, daß die Sowjetregierung sich bemühen wird, ihn durchzuführen. Aber die Umschichtung der Juden vollzieht sich ohne dem ethischen und volklichen Antrieb, der für die Besiedlung Palästinas durch das jüdische chaluzische Element charakteristisch ist. Die bisherigen gescheiterten oder nur zu geringem Teil erfolgreichen Versuche Sowjetrußlands, den jüdischen Luftmenschen oder Intellektuellen ländwirtschaftlich anzusiedeln, sind ein Beweis dafür, daß auf mechanischem Weg eine Verwurzelung mit dem Boden unmöglich ist. Zion ist ein Ideal, Biro- Bidschan oder Krim ein Stück Gegend auf der Landkarte. Auf den Sfmm det fidtsekm Uet- QMQiükeit Die Ausgrabungen in Samaria In einem überaus interessanten Vortrag gab Prof. Dr. A. L. Sukenik von der Universität Jerusalem einen Ueberblick über die Grabungen im nördlichen Reich Israel, in Samaria (Schomron), wo die Bestätigung über einzelne Erzählungen der Bibel gefunden wurde. Prof. Sukenik beschäftigte sich mit dem historisch berühmten Schomron, das die Residenz des Königreiches Israel vor 3000 Jahren zur Zeit der Herrschaft Achabs war. „Wir haben", erklärte der Gelehrte in seinem Vortrag, „in der Bibel wenig Einzelheiten über die Glanzperiode von Schomron aus der Zeit der jüdischen Königsherrschaft. Bloß durch die Ausgrabungen lebt in unserer Vorstellung die interessante, längst vergangene Epoche des jüdischen Glanzes auf. üdisches Kinder-Ferienheim Spital am Semmering (820 m) Inhaber und pädagogischer Leiter: TACUICHT Madernst Rituell Erstrangig Ständige ärxtl. Kontrolle. Glänzende Erholungserfolge. Arzterefarenzen SEKRETARIAT: Wien IX, Schwarxspanierstrane 12 Telephon A-26-3-73 Die e/sten Ausgrabungen in Schomron sind dank der Finanzierung durch den bekannten jüdischen Philanthropen Jakob Schiff (Amerika) im Jahre 1907 möglich geworden. Damals hat man einige wichtige Aufschriften der biblischen Epoche gefunden. In den Jahren 1931 bis 1935 hat die Jerusalemer Universität zusammen mit der Joint-Expedition (an welcher Prof. Sukenik sich beteiligte) die Ausgrabungen begonnen. Jedes Jahr hat man vier Monate gearbeitet. Jetzt mußte man diese Arbeit wegen Geldmangels unterbrechen, und wir bereiten einen Bericht über all das vor, was auf diesem Gebiet von der Jerusalems Universität geleistet würde." Nach diesen kurzen Erklärungen ging Professor1 Sukenik zur Demonstrierung von Lichtbildern über. Vor unseren Augen stiegen Bilder der Lebensart des legendären Altertums auf, Zeugen aus jener Zeit, wo die Juden in ihrem eigenen Land lebten. Wir blickten erstaunt in die Vergangenheit und konnten feststellen, daß die Juden schon vor ein paar tausend Jahren zu bauen verstanden haben. In symmetrisch behauenen Felsen liegen gut passende Steine, in welche hebräische Buchstaben eingeritzt sind. Prof. Sukenik zeigt Reste des königlichen Palastes von Schomron mit verschiedenen Ornamenten, ferner Höhlen, wo man die Toten zu begraben pflegte. Es wurden in Samaria auch Zeugnisse dafür gefunden, daß das offenbar aus Holz verfertigte Mobiliar einen Schmuck aus Elfenbein trug, aus diesem kostbaren, vom Altertum dem Gold gleichgehaltenen Material; ferner Bettgestelle mit Basreliefs, Löwen aus Elfenbein mit Gold überzogen. Man bekam auch allerlei Keramik (Tongefäße) zu sehen: Krüge, Töpfe und Schalen zum Fußwaschen. Im ganzen und großen wurden viele Details der Bibel, hauptsächlich in bezug auf die Regierungszeit des Königs Achab von Jisrael, durch das interessante Referat Prof. Sukeniks bestätigt. Akademischer Verein jüdischer Mediziner In Wien, IX., Alserstraße 26. Wir teilen den Kollegen mit, daß unser Forialdienst (Amts- und Bibliotheksstunden) an folgenden Tagen zwischen 14 bis 15 Uhr stattfindet: 2„ 7., 14., 21., 28. Juli, 18. August, 1., 8. September. Jene Abiturienten, die im kommenden Wintersemester mit dem Medizins tudlum beginnen wollen, finden an diesen Tagen bei uns Beratung und Auskunft. Seefeld in Tirol 1203m U.d.M. Haus Sonneck Är" In zentraler sonnigster Lage, mit prächtiger Aussicht und allem Komfort. Neu renoviert. Mäßige Preise. Näheres auch IX., Porzellangasse 5, Tür 9 AUS ALLER WELT Das Präsidium der jüdischen Gemeinde von Athen hat an die Nationale Regierung eine Ergebenheitsadresse gerichtet, in der dieser der Dank der griechischen Juden für die Wiederherstellung von Gesetz und Ordnung im Lande und vor allem für die besondere Aufmerksamkeit, die die Regierung jüdischen Problemen schenkt, zum Ausdruck gebracht wird. „Niemals", heißt es in der Kundgebung, „werden die Juden die Sympathie vergessen, die die Regierung unserem Volke entgegenbringt". Premierminister General John Metaxas richtete an die Jüdische Gemeinde Athen ein Antwortschreiben, in dem es heißt: „Ihr Dank bewegt mich tief. Er verleiht mir die Kraft, meine schweren Aufgaben fortzusetzen." Die gesamte griechische Presse befaßt sich mit der Loyalitätskundgebung der Jüdischen Gemeinde Athen und lobt den Patriotismus der griechischen Juden. * Vor einigen Tagen sind in Varna (Bulgarien)' 140 Mitglieder der vor kurzem gegründeten faschistischen, antisemitischen Organisation der „Fortschrittskämpfer Bulgariens" verhaftet worden. Ihre Führer sind der Sofioter Advokat Gabrowski und der Universitätsprofessor Kantardschiew. Die Verhaftung leitete Innenminister KrasnoWski, der zu diesem Zwecke aus Sofia in Varna eingetroffen war. Vor dem Minister hatten sich bereits zahlreiche Polizeiagenten aus Sofia nach Varna begeben, weil sich die örtlichen Polizeiorgane als unfähig erwiesen hatten. Man glaubt, daß unter den Verhafteten die Urheber der Bombenanschläge zu suchen sind, die in den letzten Wochen in Varna gegen die Synagoge und mehrere Häuser reicher jüdischer Kaufleute unternommen wurden. Die Explosionen hatten bekanntlich erheblichen Sachschaden verursacht. * Der berühmte englische Dirigent Dr. Malcolm S a r g e n t, unter dessen Leitung die Krönungs-Festkonzerte des Palästina-Symphonieorchesters stattgefunden haben, mächte bei einem ihm zu Ehren vom Anglo-Palestine-Club in London veranstalteten Empfang den Vorschlag, in Palästina unter Mitwirkung des Hubermanschen Symphonie Orchesters, regelmäßig Musikfestspiele nach dem Vorbild von Bayreuth und Salzburg zu veranstalten. Er gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß Musikfreunde aus der ganzen Welt zu diesen Veranstaltungen nach Palästina kommen würden. Ueber seine Erfahrungen mit dem Palästina-Orchester und dem palästinensischen Musikpublikum sprach Dr. Sargent mit großer Begeisterung. In Namen der englischen Judenheit sprach der Vertreter des Board of Deputies, Dr. Israel Feldman, Doktor Sargent den Dank aus. Für den palästinensischen Jischuw, der in ihm den Vertreter der englischen Musik begrüßt habe, sei sein Besuch eine Ehre gewesen. Für 4ie Zionistische Organisation sprach Rev. M. L. Perlzweig. Das Palästina-Symphonieorchester, so führte er aus, sei ein Zeichen der Gesundheit und schöpferischen Kraft des Jüdischen Nationalheims. Für die Zionisten sei es nicht nur wichtig, Boden zu erwerben und Menschen anzusiedeln, sondern auch geistige Werte zu schaffen. Das Märchen von der „Jüdischen Herrschaft" in Holland Aus Amsterdam: Eine Reihe holländischer Zeitungen veröffentlicht einen Aufsatz des jüdischen' Bankiers Th. M. van der Beugel, in welchem die Behauptung des holländischen Naziführers A. A. Mussert, daß die Juden Holland „beherrschen", durch folgende Tatsachen widerlegt wird: Von den 50 Mitgliedern der Ersten Kammer des holländischen Parlaments ist kein einziges Jude, fünf stammen von jüdischen Müttern ab. Von den hundert Mitgliedern der Zweiten Kammer sind nur drei Juden. Unter 65 Mitgliedern der Exekutivausschüsse der Provinzen sind vier Juden; unter den 590 Mitgliedern der Provinzialverwaltungen sind 30 Juden; von den Bürgermeistern der 20 größten Städte Hollands ist kein einziger Jude; lediglich unter den 73 Stadträten dieser Städte sind fünf Juden. Unter den 990 Mitgliedern der höheren und niederen Gerichte sind 46 Juden; in der Admiralität und im Heeresgeneralstab sitzt kein einziger Jude. Die Verwaltungen der Großindustrien sind fast judenrein, lediglich der Uni-Lever-Konzern hat unter seinen 24 Direktoren 4 Juden. Nur zwei der holländischen Banken haben einen jüdischen Direktor. Die Börsenbesucher setzen sich nur zu 18 Prozent aus Juden zusammen. Wie der J. T.-A.-Vertreter dazu noch erfährt, ist auch Mussert Behauptung von dem jüdischen Einfluß auf die holländische Presse ohne Grundlage. Keine einzige der großen Tageszeitungen Hollands hat einen jüdischen Chefredakteur, die Direktoren des offiziellen Pressebüros sind Nichtjuden. (J. T. A.)

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