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Die neue Welt · 1937-07-09 · Heft 670 (9.7.1937) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 670 (9.7.1937)
Date
1937-07-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seit« 4 MB NEUE WBt/T Nr, 1670 vom 9. Juli ml 1 3 * B ER GM ANN, I. ■; RABEMSTEIQ 3 HIMMELPFORTG^^ KÖLLNERH0FQAS3E 1 Große Auswahl und Kinder.Wäsche. WeiOwaren, Bettwäsche, Strick- und Strumpfwaren usw. usw. In Herran-Modawarert, Hemden, Unterhosen, Pyjamas, Dressinggowns, Trikot-Wäsche, Damen« Kleine Preise debatten gedacht hat. Dieser Kampf kann tatsächlich führen zu Noncooperation, stop Immigration und derartigen, außerordentlich unpopulären Kampfparolen. Werden sich aber genügend zionistische Politiker finden, die es wagen werden, so offen die Volksgunst aufs Spiel zu setzen? Es ist Sache der zionistischen Massen, die verstehen, daß all das am Spiele steht, was wir bis nun unter Zionismus verstanden, den Anfang zu machen und den Politikern zu zeigen, daß sie zum Kampfe bereit sind. Meir Groftmann in Rumänien Aus Bukarest wird uns geschrieben: Gerade in einem Zeitpunkt, wo es um lebenswichtige zionistische Entscheidungen geht, ist Meir Großmann, der Vorsitzende des Weltverbandes der Judenstaatszionisten, in Rumänien erschienen, um vom Podium aus die zionistischen Massen mit der Lage vertraut zu machen und sie in ihrer Opposition gegen alle das jüdische Palästina beschränkenden Maßnahmen zu stärken. Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß insbesondere das Auftreten Großmanns in Bukarest eine Sensation bedeutete. Sein Vortrag machte ungeheuren Eindruck. Von Bedeutung für den Judenstaatsgedanken in Rumänien ist, daß der gewesene Deputierte und namhafte Rechtsanwalt Misu W e i ß m a n n der Judenstaatspartei beigetreten ist und als Listenführer der Partei bei den Kongreßwahlen fungiert. Meir Großmann sprach weiter in Cernauti, Seret, Chisinau, Jasi, Cluj und in Galatz. Alle Versammlungen waren ausgezeichnet besucht und gaben Zeugnis von der Popularität des Judenstaatszionismus, so daß mit einem entsprechenden Erfolg bei den Wahlen zum 20. Ziohistenkongreß gerechnet werden kann. Verb« cL ludenstaalszionfslen Öcslerrei§<5is Der Verband der Judenstaatszionisten gratuliert herzlichst seinem Mitglied Herrn Dr. Edmund F r ä n k e 1 zu seiner Promotion zum Doktor der Chemie. Der Verband der Judenstaatszionisten und die Ortsgruppe Knittelfeld der Judenstaatszionisten sprechen ihrem verdienten Mitglied, Herrn Max B i b r i ri g, anläßlich des schweren Verlustes, den er durch das Ableben seines Vaters erlitten hat, ihr tiefgefühltes Beileid aus. Stimmen der Presse „Haarez" (Tel-Aviv): Das Blatt führt Klage über die große Einfuhr fremden Mehles. Allein Tel-Aviv kauft jährlich für 240.000 Pfund amerikanisches Mehl. Die jüdische Weizenproduktion beträgt 60.000 Tonnen und könnte den Bedarf der Juden in Palästina leicht decken. Die Lage der jüdischen Landwirtschaft ist nicht so gut, daß sie auf den heimischen Markt verzichten kann, und der Jlschuw kann die Abgabe so hoher Summen an das Ausland nicht rechtfertigen. Dabei ist der Preis des ausländischen Weizens weit höher als der des heimischen. Allein die Mehrausgabe, die Tel-Aviv durch den Bezug des ausländischen Mehls erwächst, beträgt 96.000 Pfund. Während der jüdische Bedarf in Palästina dem Weizen der jüdischen Wirtschaften einen anständigen Preis sichern könnte, wobei noch große Ersparnisse erzielt werden könnten, zwingt der jetzige Zustand den jüdischen Produzenten, seine Erzeugnisse zu Schleuderpreisen abzugeben, denn anders kann er mit dem Fellachen nicht konkurrieren. Und nicht nur für ihn wäre der Bezug palästinensischen Mehls wichtig. Auch der Verbraucher würde ein bedeutend billigeres Brot erhalten, wenn unser billigeres Mehl verbacken werden würde. An Nährwert würde dieses Brot nicht hinter dem jetzt auf den Markt gebrachten zurückstehen. Freilich ist das Brot nicht so leicht und nicht so gefällig in der Form wie das aus amerikanischem Mehl. Aber das Bewußtsein, die eigene Produktion zu unterstützen, wird dazu beitragen, einheimisches Brot bei unseren Massen populär zu machen. Es gibt Dinge, wie Eisen, Holz, Maschinen, die wir unbedingt einführen müssen. Aber Dinge, die wir selbst ausreichend erzeugen, dürfen wir nicht einführen. Wenn wir in nächster Zeit mit der Ausnutzung des Hule-Gebietes beginnen werden, wird »ich unsere Weizenproduktion noch steigern. Wir müssen daraus dieselben Konsequenzen ziehen wie jedes andere normale und selbständige Volk. Die Wirtschaftskommission von Tel-Aviv müßte es sich zur Pflicht machen, den weiteren Import von amerikanischem Welzen nach Kräften zu verhindern. „Isr. FamiUenblatt" (Berlin): Das erste, was wir heute bereits übersehen können, ist Bialiks ungeheure Bedeutung für die neuhebräiscbe Literatur. Es ist natürlich im Rahmen eines solchen Aufsatzes unmöglich, dieses Problem ausführlich zu behandeln. Aber soviel muß zumindest auch hier angedeutet werden können: Die neuhebräische Literatur der Gegenwart verdankt JBiallk zwei große Momente ihre« heutigen Wesens; die Flexibüität der Sprache und ihre Naturnote, also ein äußeres und ein inneres Moment, die unsere gegenwärtige Literatur kennzeichnen. Das Aeußere: die ganze hebräische Literatur von M. Ch. Luzatto bis zur Epoche der neuhebräischen Gegenwartsliteratur war ein Ringen um die Sprache. Die Dichter und Literaten dieser Zeit haben das Verdienst, Pioniere zu sein. Sie haben den brachliegenden Boden der hebräischen Sprache wieder beackert und besät und waren mithin Künder einer ungeahnten Zukunft. Aber hier liegt auch ihre Grenze. Ihre literarische Produktion war mehr Andeutung als Ausdruck, und Sprache und Literatur waren nur Mittel zum Zweck — nämlich zum Zweck der „Haskala". — So blieb alles tote Buchstabehschöpfung. So war alles — Fichmann hat dies einmal treffend formuliert — eine „Tora Schebichtaw", eine schriftliche Lehre ... Ein anderes Schicksal hatte unsere neuhebräische Gegenwartsliteratur, weil sie in einer viel glücklicheren Stunde zur Welt gekommen war. Alle Elemente, aus denen sich künstlerische Schöpfungen zusammensetzen, waren vorhanden, und der Weg war geebnet. Die Literatur erreichte die ihr zukommende Note, die natürliche Lebendigkeit. Weit davon entfernt, zu Haskala-Zwecken da zu sein, wurde die hebräische Sprache zu einem lebendigen Ausdruck von Kraft und Sonne, von Lebensdurst und Lebensfülle. Sie wurde zum pulsierenden Rhythmus des jüdischen Lebens, und des jüdischen Aufbaus. Sie hörte auf, tote Buchstabenschöpfung zu sein und wurde Ausdruck des lebendigen Wortes. Sie verwandelte sich — um bei dem Bilde Fichmanns zu bleiben — von einer „Tora Schebichtaw" in eine „Tora Schebealpeh" — von einer schriftlichen in eine mündliche Lehre. Dieser Uebergang vom „Buchstaben" zum „Leben", von produzierender Schöpfung zu gestaltender Kunst, diese Wandlung der hebräischen Sprache vom Starren ins Flexible, ist eine der wichtigsten Grundcharakteristika der neuhebräischen Literatur und ist ohne Mendele und Achad Haam, besonders aber ohne Bialik nicht zu denken. Mendele ist gewiß der Vater der neuhebräischen Prosa gewesen und besaß als Sprachgenie einen unerhörten Sinn für Musikalität und ein unglaubliches Gehör für Sprachrhythmus. Er war kritisch im Prüfen und Abwägen und seine Forderungen waren die eines strengen Klassikers; — Achad Haam, der die Grundlinien jüdischer Weltanschauung entdeckte, für alles Gesunde und Normale, Klare und Reale kämpfte, trat sein -Leben lang für die klare Form, für den präzisen Stil und straffe Disziplin ein. — Bialik aber hatte etwas von beiden. Er war der klassische Stilist in der Prosa und in der Poesie; mit einem ungeahnten kritischen Sinn für Echtheit grub er in den Schätzen der jüdischen Antike und füllte längst verschollene Klänge mit neuen Melodien. Man kann bei Bialik Worte finden, die während der ganzen Galut so stumm waren, wie unser jüdisches Volk selbst..., und die bei ihm eine Renaissance erleben. Alte Formen füllen sich bei ihm mit neuem Inhalt. Durch Bialik ist in der Tat — auch in bezug auf die Sprache — eine Brücke geschlagen worden von der alten Hagada über Jehuda Halevy, Salomon Ibn Gabirol bis zu Luzatto, Gordon und unserer neuhebräischen Gegenwartsliteratur. Nebst Mendele und Achad Haam bedeutet Biaük die Renaissance der hebräischen Sprache in Prosa und Poesie. Wellkpnfetenx der Missionsgesellsdiaflen über die ludenfrage Auf der in Wien tagenden Konferenz des „Internationalen Komitees für die Annäherung der Christen an die Juden" (s. J. T. A., Nr. 148, S. 9) berichtete unter anderem Generalsekretär Dr. Hoffmann auf Grund einer vor kurzer Zeit beendeten Studienreise durch Polen über die Lage der jüdischen Massen in Polen und wies darauf hin, daß die Quelle des dort herrschenden Massenelends und der Judenverfolgungen aus wirtschaftlichen und historischen Umständen zu erklären ist. In vielen Orten seien Pogrome vorgekommen, denen sowohl Menschenleben wie auch große Vermögenschaften zum Opfer gefallen sind. Auch die Boykottbewegung an den Hochschulen und die Ausschließung der Juden von bestimmten akademischen Berufen gehe zu einem großen Teile auf wirtschaftliche Gründe, wie die Ueberfüllung dieser Berufe, zurück. Eingehende Referate wurden über die Lage der Juden und der Nichtarier in Deutschland gehalten. Man wisse in der Welt mehr von den Bedrückungen der in ihrem Glauben verbliebenen Juden als der christlichen Nichtarier. Die Gesetze über die Verwendung dieser Nichtarier in öffentlichen Stellungen haben namentlich innerhalb der Intelligenz zu einem hohen Notstand geführt. Ebenso schlimm Ist es um ihre Kinder bestellt, die in öffentliche Dienste nicht aufgenommen werden. Sogar der Eintritt in die höheren Schulen ist ihnen vielfach verwehrt. Sie gehen einer sich immer trauriger gestaltenden Zukunft entgegen. Ein sehr eingehendes Referat lag Uber die Lage in Rumänien vor, die viel schlechter iat als vor einigen Jahren. Das Schlimmste ist die fast offizielle Unterstützung der Lüge, daß Judentum und Kommunismus identisch Sind. In vielen Teilen des Landes leben die Juden unter Terror. Auch der Patriarch tritt offen für die antisemitischen Parteien ein. Die Kirchen tun nichts gegen den Antisemitismus. Einzelne Priester versuchen es zwar, aber ihre Zahl iat klein, und sie sind ohne Einfluß. (J. T. A.) Aus den nazistischen Konzentrationslagern Die zuschauenden „Damen" Aus Prag wird gemeldet: Soeben werden neue Mitteilungen über Marterungen deutscher Juden in Konzentrationslagern bekannt: Im Konzentrationslager Dachau wurden bekanntlich die jüdischen Gefangenen zu einer Kompagnie vereinigt. Hier befinden sich zirka 100 Mann. Nun sollen alle Juden, die im Reich in Schutzhaft sind, nach Dachau kommen. Im Februar und im März sind schon Transporte eingelaufen. Die Juden sind großen Schikanen ausgesetzt. Ihnen wird ständig gezeigt, daß man sie verächtet und als niedere Kreaturen ansieht. Alle Juden, ganz gleich, welchen Beruf sie im Leben ausgeübt haben, werden zur Kiesarbeit verwendet. Sie müssen schwere Arbeit verrichten und werden dabei rücksichtslos behandelt. Auch unter den Gefangenen gibt es viele, die die Juden verachten. Die Lagerleitung geht in der gemeinsten Weise gegen die jüdischen Gefangenen vor. Bei ihnen ist Strafexerzieren an der Tagesordnung. Oft kommt es vor, daß die Judenkompagnie von den anderen Gefangenen abgesondert und in ihre Baracke eingesperrt wird. So wurde sie einmal drei Monate völlig eingesperrt. Die Türen der Baracke wurden vernagelt, die Fensterscheiben wurden überstrichen. Nur wenn das Essen gebracht wurde, hat man etwas gelüftet. Die L u f t in dieser Baracke war daher so schlecht, daß oft Gefangene bewußtlos wurden. Da sie auch keinen Ausgang hatten, traten Ausschläge und andere Erkrankungen auf. Die Einsperrung erfolgte in den Monaten Juni bis September 1936, ein zweites Mal vom Februar bis April 1937. Die Juden sind in drei Kategorien eingeteilt: Politische Juden, Rassenschänder, jüdische Re-Emigranten. Auch im Konzentrationslager Sachsenburg gibt es eine Judenkompagnie. Dort werden die Juden den schwersten Mißhandlungen unterworfen. Besonders litt der jüdische Arzt Dr. Boas, der wiederholt Prügel erhielt. Er war ein außerordentlich tapferer Mensch. Als ihn der SS.-Führer Schmidt nach einer eben vollzogenen Prügelstrafe — Boas hatte 25 Hiebe erhalten und wurde gerade vom Prügelblock losgeschnallt — höhnisch fragte, wie ihm das bekommen sei, sagte Boas: „Ein deutscher Offizier v*&f t r ä g t alle s." Boas war im Weltkrieg, obwohl Jude, Offizier. Der SS.-FÜhrer Schmidt fand an diesen Exekutionen besonderes Interesse und ließ einmal eine solche Abstrafung um kurze Zeit verschieben, bis er mit einigen „D a m e n", die er aus der Stadt im Auto mitgebracht hatte, in seiner Villa angelangt war und nun mit ihnen gemeinsam das Schauspiel vom Fenster aus verfolgen konnte. Die Prügeleien fanden auf .dem Hofe zwischen der Villa der SS.-Leitung und dem Gefangenhaus statt. Allgemeine VersidietungscOesellsdiaft Phönix In der unter Vorsitz des Herrn Präsidenten Baurat Ingenieur E. H e Her am 28. Juni d. ^T. abgehaltenen 77. ordentlichen Generalversammlung wurde der Abschluß 1936 genehmigt. Die Einnahme aus Prämien und Folizzengebühren belief sich auf S 44,063.580.—. Für Schäden und Schadensreserve wurden S 23,920.014.— bezahlt, beziehungsweise zurückgestellt. Das Wertpapierkonto beträgt S 10,190.845.—, das ReaMtätenkonto S 9,202.350.—. Die Abschreibungen machten S 788.278.— aus. Die au» dem indirekten Geschäft durch Währungsabwertungen entstandenen Valutenkursverluste wurden voll aus der Jahresrechnung gedeckt, so daß die Valutenkursreserve mit S 300.000.— unverändert vorgetragen werden kann. Aus dem Ueberschuß von S 135.099.— werden S 70.000.— der Kapitalsrücklage zugewiesen, während der Rest auf neue Rechnung vorgetragen wird. E Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blatteß) Tschechoslowakei: Tanz unterm Galgen. Frankreich: Roman eines Schwindlers — Die Perlen der Krone — Der geliebte Vagabund — La belle Equipe. Amerika: Die Insol ohno Sünde — Kopf in der Schlinge — Drei kleine Gangster — Hochverrat — Sonnenmädel — Motiv unbekannt — Verfluchtes Gold — Es geschah zu Silvester — Golddiggers 1937 •— Safari •— Hokuspokus — Liebe nicht genügend — Susy — Held von Texas. Filme unter Arjerparagraph Zurück In die Heimat — Die ganz großen Torhelten — Amtsschimmel — Entführung an der Rivlera — Schwindeln ist keine SUnd'... — Etappenhase — Ich Weib' nicht Junggeselle — Die Göttliche — Das Mädel vom Ballett — Abenteuer In Lissabon — Heiratsinstitut Ida Wüst & Co. — Wie der Hase läuft — Die un-orhörte Frau — Del lustige WitwenbaH,

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