Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 670 (9.7.1937)
- Date
- 1937-07-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEÜE.WELT Nr. 670 vom 9. Juli M\7 Mm-MiMMm MMm\uMäiM! nach Zürich zum 20. Zionlstenkongreß und nach Paris zur Weltkonferenz der Judenstaatszionisf en u. zur Weltausstellung Kombinierte bequeme Autocar- und Bahnfahrt. Teilnehmer preise: Wen—Zttrlch—Wien im Autocar..........s 19,-- inkl. Verpflegung UMd Nttchtigung wfthrend der Reise S 98.— Wien—Zürich—Hauet im Autocar, Basel—Paris im D-Zug und retour Wien...............g ia8.— Dctto bei voller Verpflegung auf der Reise und 1 Tage Paris in gutem Hotel inkl. Frühstück und Mittagessen sowie Trinkgelder und sonstigen Abgaben......S 178.— Abfahrt i Wien. 26. Juli 1937 und 1. August 1937. Ende beider Reisen 16. August 1987. Auskünfte, Kelseprosrrainm und Anmeldungen: Täglich von 5 bis / Uhr abends im Verband, der Judenstaatsstlonisten, II., Praterstraße 30. Tel. R-15-160-U. den Arabern die volle nationale Unabhängigkeit und die Möglichkeit bieten, auf dem Fuße der Gleichberechtigung mit den Arabern der Nachbarländer in der Sache der arabischen Einheit und im Dienste des Fortschrittes zusammenzuarbeiten, wobei von ihnen die Furcht genommen ist, ihre heiligen Stätten unter die Kontrolle der Juden geraten zu sehen. Außerdem erhalten sie von den Juden eine Subvention und zwei Millionen Pfund aus dem britischen Schatzamt. Andererseits bekommen die Juden eine nationale Heimstätte in des Wortes vollstem Sinne, erreichen damit das vom Zionismus ursprünglich gesteckte Ziel und hören endlich auf, „ein Leben der Minorität" zu führen. Die Ausreden der britischen Regierung» So weit der Peel-Bericht nach der Reuter-Meldung. Nun folgt das Weißbuch der britischen Regierung. Es sagt, daß die britische Regierung die Absicht habe — mit Rücksicht auf ihre aus dem Völkerbundpakt und anderen internationalen Verträgen sich ergebenden Verpflichtungen — alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Freiheit zu erlangen, daß der Teilungsplan Wirklichkeit werde, dem, wie sie hofft, die davon betroffenen Gemein- . Schäften ihre Zustimmung nicht verweigern werden. Bei Stuhl Verstopfung und Magenbeschwerden mit Kopfschmerzen, Nervenreizbarkeit, Schlaflosigkeit, Mattigkeit und Niedergeschlagenheit bewirkt am. Morgen ein Glas natürliches „Franz-Josef "-Bitterwasser sofortige Belebung der darriiederliegenden Ver- .dauung. und* gründliche Reinigung, des Magendarm- .kanals. Es wird-ärztlich bestens empfohlen. Das Memorandum fügt hinzu, daßtrotz den verschiedenen entmutigenden Versuchen die Regierung ihr Möglichstes getan habe, um die Zusammenarbeit, zwischen Arabern und. Juden zu ermutigen, in der Hoffnung, daß die beiden Rassen ihre nationalen Bestrebungen allenfalls, angleichen und es .möglich, machen, daß', ein einziger Staat unter einer einheitv liehen Regierung bestehe. Die britische Regierung muß jedoch den Schluß, ziehen, daß zwischen diesen Bestrebungen, ein u nü b e r b rückbarer Konflikt besteht, der unter dem gegenwärtigen Mandatssystem, keine Lösung finden kann. Es besteht Uebereinstimmung. darüber, daß die Empf ehlungen der Kömmission zur besten und vollsten Hoffnung berechtigen, daß die Befreiung aus der Sackgasse Erfolg haben werde, die neben den bereits im Bericht erwähnten Vorteilen für die beiden Völkerschaften außerdem an die Stelle von Furcht und Argwohn den Eindruck des Vertrauens und der Sicherheit setzt, wodurch die beiden Volker eine unschätzbare Hilfe für den Frieden erlangen müssen. In Erwartung der Verwirklichung dieses Planes hat die britische Regierung nicht die Absicht, von ihrer Verantwortlichkeit für Frieden und Ordnung und für das Wohl der Regierung zurückzustehen, und daher wird die jüdische Einwanderung zwischen August 1Ö37 und März 1938 die Zahl 8000 nicht überschreiten dürfen. Daß England auch nach der Installierung des sogenannten Judenstaats sich für die Administration des Jewish. National Home verantwortlich hält, geht aus dem letzten Passus hervor, der die weitere Einwanderungsdrosselung zum Inhalt hat. Jüdischerseits wird also sogar im — Judenstaat um Englands Gnaden gebettelt werden müssen. Was wird der Volkerbund beschließen? Aus London meldet Reuter: . Kolonienminister Orrasby Gore wird in Begleitung des Sekretärs der Palästina-Kommission am 30. d.. der. Sondertagung der Mandatskommission in Genf beiwohnen, die den Bericht der Königlichen Kommission in Verhandlung ziehen wird. Es ist keine endgültige Maßnahme möglich, bevor der Völkerbundrat gleichfalls zu einem Beschluß gelarigt ist. Der unter britischem Mandat stehende Korridor wird eine wichtige Eisenbahnabzweigung Und die Luftfahrtbasis In Lydda umfassen. , Wenn die beiden Staaten eingerichtet Nsind, werden sie souveräne Staaten mit eigenen Armeen sein, doch nimmt man an, daß die Seeverteidigung der britischen Marine Ubertragen werden wird. linier der Voraussetzung ♦ ♦ ♦ Weiters wird hiezu berichtet: Die Verhandlungen, die der Veröffentlichung des Berichtes der Palästina-Kommission folgen werden» werden sich nach der Ansicht politischer Kreise lange Zeit hinziehen. Die nächste Etappe der Entwicklung wird sich in Genf abspielen, wo die permanente Mandatskommission des Völkerbundes am 30. Juli eine Sitzung abhält. Der britische Kolonialminister Ormsby Gore ebenso wie der Sekretär der königlichen Palästina-Kommission, Martin, werden die Gründe auseinandersetzen, die die Regierung zu einer Annahme der Empfehlungen der Kommission bestimmt haben. Ebenso wird auch der Kommission noch ausführlicher als es im Berieht1 geschehen ist, 4Jber die gewonnenen Eindrücke und Erfährungen Rechenschaft gegeben werden. Anschließend wird dann die Mandatskommission an den Völkerbundrat Bericht erstatten, der seinerseits auf der Septembertagung, wie mftn erwartet, zu einer Entscheidung kommen wird. Unter der Voraussetzung, daß Genf dem Plane seine Zustimmung erteilt, würden dann die Verhandlungen mit den arabischen und den jüdischen FtihTergruppen aufgenommen werden, deren Einverständnis zur Durchführung des Planes als notwendig erachtet wird. Ferner sind Verhandhingen zwischen England und den Vereinigten Staaten, die Signatarmächfcc einer gemeinsamen Palästina-Konvention sind, notwendig. Das Unterhaus, in dem der Bericht heute abends zur Verteilung gelangte, wird sich in der übernächsten Woche mit den Empfehlungen beschäftigen. Proteste gegen die Teilung In gewissen arabischen Kreisen wird die Proklamierung eines dreitägigen Proteststreiks gegen den Plan der Teilung Palästinas gefördert. Auf einer in Tel-Aviv abgehaltenen Konferenz des Verbandes ehemaliger jüdischer Offiziere wurde eine Entschließung gefaßt, die jeder Form einer Teilung des jüdischen Landes schärfsten Kampf ansagt. Polen gegen Teilung Aus Warscjb.au wird gemeldet: „Öa z e t a P o 1 s k' a", das offizielle : Organ der polnischen Regierung, schreibt in ihrer Ausgabe vom 1. Juli: . . Wenn - die Mittejüy^gen.. in der, englischen Presse übereine Teilung; Palästinas richtig sind, wird Polen gegenüber dem Bericht der Kgl. Kommission eine negative Haltung einnehmen .müssen. >Polen Ist an einer jüdischen Auswanderung großen Maßstabes wesentlich., interessiert und ,ha,t darum dem. Zionismus gegenüber. Immer eirte pösl^ye Stellüng eingenommen. Wenn jedoch der künftige judische Staat in Palästina — laut den Mitteilungen der englischen Presse — so klein sein wird, daß er nicht mehr als 850.0'OU Juden aufnehmen kann,, wird Palästina für Polen seine Bedeutung als ein Mittel zur Lösung der polnischen Judenfrage verlieren. Die polnische Regierung,, heißt es weiter, erachtet Jabotinskys Plar* der eine, jährliche Auswanderung von 75.000 Juden aus polen in den nächsten zehn Deine besten Begleiter f. Reise u.Weekend sind die altbekannt c ji Feinwurst- und Selchwaren - Spezialitäten Zentrale und Postversand: Wien I, Rotensterngatme 12 EISEN Jahren vorsieht, als von größter Bedeutung und begünstigt daher diesen Plan. "--'< „Gazeta Polska" schließt mit der Forderung, daß die polnische Regierung ihre Haltung gegenüber einer Teilung Palästinas, sowohl in London als auch in Genf eindeutig darlege. . , Hinauf in die Berge ♦ ♦ ♦ Aus Jerusalem: Die Notwendigkeit der Ablehnung des Teilungsplanes wird unter biologischen Gesichtspunktenin. einer Entschließung, die in einer von der Aerztegesellschaft „Max Nord au" in Tel-Aviv einberufenen Versammlung gefaßt wurde, aus Gründen der Rassenhygiene betont. Jede Verstümmelung des historischen Gebietes des Judenstaates und seine Begrenzung auf den engen subtropischen Küstendlstrikt muß zu physischer und geistiger Verschlechterung der Rasse führen, heißt es in der einstimmig angenommenen. Entschließung. Der Hauptredner, Dr. Benjamin i, führte aus, daß ein rassischer Verfall des jüdischen Volkes zu erwarten sei, wenn man* ihm den Gobirgsteil des Landes nehme; denn dieser sei die Wiege der Rasse gewesen und in ihm sei das Geheimnis seiner einstigen Größe beschlossen. Auch die geplante Abtrennung Jerusalems von dem jüdischen Staatskörper sei nicht nur eine, nationale, sondern auch eine rassische und biologische Angelegenheit. Es sei dies nichts anderes als eine Einengung der Juden auf das Gebiet eines Miniatur-Uganda mit subtropischem Klima, das zwar Jerusalem geographisch näher wäre als das wirkliche Uganda, aber medizinisch von ihm ebenso weit entfernt ist wie'jenes; denn in den Bergen, nicht in den Ebenen, habe das jüdische Volk sein historisches Gepräge erhalten. Jerusalem und das Bergland von Galiläa und Judäa hätten in alte* Zeit das jüdische Volk geformt. Der dynamische Charakter der Juden sei ebenso das Ergebnis ihres Lebens in den; Bergen von Moab und Judfta, wie der Charakter des . italieniichen Volkes ein Produkt der MltteimeerfcÜBte und der des britischen Volkes ein Produkt Englands. Auch die übrigen Redner wiesen an Hand von •Bei* spielen nach, daß das Jüdische Volk Imitier nur im Gebirge zur Blüte gelangt ist. Bs wurde auch auf die bedeutenden Investitionen hingewiesen; die von Juden in deh. Gebieten gemacht wurden, die ihnen nach dem Teilungsplan verlorengehen Sollten. (J. T. A.) Bedrohlidie Stimmungen Aus Jerusalem wird* gemeldet: Öle Palästina* Zentrale des Weltverbandes der Allgemeinen Zioflisten Gruppe B hatte vor kurzem den Präsidenten des Kören Kajemeth, M. M. Ü s s i s c h k 1 n, aufgefordert, auf;'der Wahlliste des Weltverbandes zu.m Kongreß zu kandidieren. Ussischkin erklärte sich hierzu unter der Voraussetzung bereit, daß alle übrigen mit ihm um ein 'Mandat sich bewerbenden Kandidaten sich schriftlich verpflichten, auf dem Kongreß gegen den Teilungsplan zu stimmen. Sämtliche Kandidaten haben es abgelehnt, dies zu tun. Zu einer ähnlichen Auseinandersetzung kam es bei der Aufstellung der Lutte ..deC Allgemeinen Zionlsten. Gruppe A. UettsieH ttkstem -SmtMemp Der H a a c h o m er Hazair hat 'im „Dawar" ein Manifest erlassen, in dem die zionistische Bewegung und die jüdische Arbeiterschaft aufgefordert werden, gegen die Teüung zu kämpfen, die die Aussichten ^-;- terer konstruktiver Kolonisation, einschränken , , Durch die Teilung würde auch eine Scheidewand zwischen dem jüdischen und dem arabischen Volk aufgerichtet und jede echte Zusammenarbeit unmöglich gemacht werden. In dem festen Glauben andie Interessengemeinschaft beider Völker, wendet sich Haschomer; Hazair gegen das jetzige politische Regime und den! Teilungsplan sowohlunter, dem Gesichtspunkt zi<j n Is tisch er Kolonisation als auch demjenigen, jüdisch-arabischer Zusammenarbeit. (J. T. A.), . Wauchope auf der Bückreise nach Palästina . Aus Jerusalem: In Regieiningskrelsen verlautet, daß der High Commissioner Sir Arthut! Wauchope, der sich' am 22. Juni' auf Einlädung der englischen Regierung nach Lohdon begeben . hat, .söebfeni die Rückreise nach "Palästina mittels .Flugzeugs. angetreten hat. Sein Eintreffen in Jerusalem wird noch von der angekündigten Veröffentlichung des Berichtes der! Peel-Kommission und der, Deklaration der Regierung; über die neue Palästina-Politik erwartet. ' v Der. Oberstkommaridiefende der britischen Armee in Aegypten, General Wy er, 'weilt jetzt in 'Palästina, und hält Besprechungen mit dem stellvertretenden High Commissioner W. D. B ä 1t e r s h i 11 und mit dem palästinensischen Oberstkommahdierenden ' {Jeneral Dill ab. Die großen Geldmittel des Mufti Aus Jerusalem meldet Palcor: 15 Prozent des gesamten arabischen. Bodens Palästinas (d;-.h„ 7 Prozent des gesamten Bodens in Palästina, ohne den Bezirk von Beerseba) gehören zum „Waqf" (dem mohammeda^ nischen „Kirchenbesitz"), der .von dem Obersten Mohammedanischen Rat verwaltet wird.. Der „Waqf." bildet sc« ein starkes Instrument in den Händen des Mufti., Bereits seit einer Reihe von Jahren sind über die großen Einnahmen des Mufti -keinerlei Berichte veröffentlicht worden. Es ist charakteristisch, daß. im Budget .des Unruhenjahres 1929 ein Posten von 44.000 Pfund für „Renovierung von Häusern" vorhanden ist, während dieser Posten , in den vorangegangenen Jahren nur 7000 bis 10.000 Pfund betrug. Auch der . Posten. .„Unterstützungen" betrug im genannten. Ünruhenjahr 27.000 Pfund, während er in den .vorangegangenen Jahi-en höchstens 3000 Pfund zu betragen pflegte. Seit damals sind bereits keinerlei. Berichte darüber, wi&. die Gelder des „Waqf" verausgabt werden, veröffentlicht'worden. Der Oberste Mohammedanische .Rat erhält-von der Regierung 30 Prozent'der Landwirtsphaftssteuern, die von den Gütern des „Waqf" vereinnahmt werden und., daneben zahlt die Regierung Gehälter an die Beamten .des Obersten Mohammedanischen Rates. Der Mufti erhält beispielsweise zwei Gehälter: einen als Mufti von Jerusalem in der Höhe von 60 Pfund und einen zweiten als Vorsitzender des Obersten Mohammedanischen Rates In dOf Höne von gleichfalls 60 Pfund. Zusammen erhält der Mufti also von der Regierung 120 Pfund monatlich. » Demgegenüber erhält der W.aad L.ou'mi, der die Vertretung der jüdischen Bevölkerung Palästinas, ißt und, Im Gegensatz zum Obersten Mohammedanischen <Rat einer Regierungskontrolle untersteht, von der Regierung keinen einzigen P 1 a s t e r für die Erhaltung seiner religiösen Institutionen und Gerichtshöfe. Auf diese Tatsache hat bereits" die Mandatskommission des Völkerbundes seinerzeit hingewiesen.