Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 670 (9.7.1937)
- Date
- 1937-07-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Titl. Universitätsr preis 20 Groschen Freitag, den 9. IM 1937 Nr. 670 V.b.b* Jeitunc vom Verleger „Journal exp&fle par Mdlt REV U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, garajährig S 16.—{ Polen monatlichj Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.60; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Ko 18.—; Jogoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark-<1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 6.—. vierteljährig Lire J4.—; Schwei« und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen «ind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung: IX,Universitätsstr.8,7et.A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u.Freitag 1 I ■££!£fi££i2SM Billig / bequem / D-Zug / Platzkarten / AbraUan («den Sonntag Leitung: Dl*. T0CKER Auskaufte und Anmeldungen: „IN DIE WELT", W.M. RENNER, Wien IX, Liechtensteinstr. 2, Tel. A-14-5-04. (Nächst Schottenring) m ^jmmmmmmmmmmtmmumtmmkwmW Der Wei'zmaniu'smu§; und seine Folgen sopajie Vermutung, daß die britische Regierung sich die Empfehlungen der Kgl. Kömmission zu eigen jnachen urid das Projekt der Teilung Palästinas zur Grundlage ihrer weiteren Politik machen werde, hat Sich zu drohender Gefahr verdichtet. Das britische Memorandum, das heute veröffentlicht wurde, läßt än-° dem' Ernst der Lage keinen Zweifel zu. Damit soll allerdings nicht gesagt sein; daß von jüdischer zionistischer, für;das Schicksal des jüdischen Volkes verantwortlicher^ Seite nichts.anderes zu geschehen hat als die Hände -inden Scholl zu legen. Im, Gegenteil, gerade der. gegenwärtige Augenblick erfordert starke Entjjj^lüsse,;starke-Nerven, starke,.Führung. Gerade jetzt $jejßt "es: .'Kämpfen! Den Faktoren, welche über ein gj»^Ütes,. Palästina zur \ Tagesordnung übergehen ^leni M VolkesOenfc-' gegen^ ^aerstäridJ gegen das infame TeÜun'gspro'jökt zü organisieren, in die Welt rufend: Wir werden ni.e.h t .ti a s e r T o d e a u r t e i 1 u ri t e r, s. c h reiben! .Der .Weg . bis zu Englands Absicht, uns eine Farce von einem Judenstaat anzubieten, war ein absteigender. Müßte es nicht so kommen? Jahre hindurch, von Kongreß zu; Kongreß,, erzählte man uns, daß, alles gut stehe. Der Oberkommissär (jeweils!) sei ein braver Mann, der für die'zionistischen Aspirationen Verständnis habe und in London werde man sich's schon richten. Schrittweise wurden wir zurückgedrängt! Schrittweise bekamen die Gegner des Zionismus die. Oberhand. Dabei sah es im zionistischen träger selbst nicht sehr erfreulich aus. Klassenkampf und Parteikampf lähmten die Gemüter. Die' patriotischen Zioriisten wurden als Chauvinisten verschrien, als Menschen „ohne Blick für politische Realität", als Phantasten, die der guten Säoh'e nur schaden. Unter diesem Aspekt wurde die zionistische Politik geführt. Hätte'nicht von; Zeit zu Zeit die Verzweiflung der zionistischen Patrioten das 'Augenmerk auf irreparable Schäden .gelenkt, hätte nicht von Zeit zu Zeit sich :die 'Unzufriedenheit der zionistischen Massen in lauten Protesten kündgetan, würde man überhaupt nicht gewüßt haben, daß es eine Opposition gibt. 4 ' , Aber der wesentliche Unterschied zwischen der offiziellen Weizmann^Führung und den zionistischen Patrioten bestand nicht gerade im Programmatischen, sondern im Charakterologischen, im Temperament. Die Herren der zionistischen Exekutive mit Prof. Weizmann an der Spitze, verkannten das Wesen der Bewegung. Eine besoldete Beamteska führte die Geschäfte. Wo gab es noch seelischen Aufschwung, Kampfgeist, Gesinnungsmut, wo den Entschluß, das jüdische Volk zu organisieren? Wo gab es noch tye große Herzl-Könzeption von der Lösung der Judenfrage? ' Der offizielle Zionismus hat das zionistische Ideal an den Abgrund: geführt. Wir stehen heute vor einer unerhörten Gefahr. Schon tuschelt man hinter den Kulissen, daß in London bereits gepackelt wurde, daß der Präsident der Zionistischen Organisation die britischen Absichten mit Wohlwollen aufgenommen habe und darum, jetzt, wo eine Welle tiefster Unruhe und Empörung durch die zionistischen Massen geht, schweigt, sich im Hintergrund hält, wartet, es nicht sein will, der den Tip des Herrn Peel befürwortet hat, Unter solcher Führung, bei solch seelischer und intellektueller Einstellung unserer verantwortlichen Männer, ist ein Kämpf der zionistischen Massen gegen den Vertragsbruch der Mandatsmacht nicht möglich, Mit Defaitistsn und Beamten kann man keinen Feld- Zionistische Exekutive sagt vorläufig: Nein! Donnerstag, den 8. Juli 1937, wird der Bericht der Kgl. Kommission, ein 400 Seiten starkes. Dokument, veröffentlicht. Dem Bericht folgt als eine Art Weißbuch die Erklärung der. britischen Regierung, daß sie dessen Inhalt als Basis ihrer künftigen Palätina-Politik akzeptiert hat und darangehen wird, das Projekt der Dreiteilung durchzuführen. Allerdings stehen wir noch vor einer langwierigen Prozedur. Das Projekt wird zunächst vom englischen Parlament geprüft und im Falle seiner Annähme dem Völkerbund vorgelegt werden, der darüber entscheiden wird, auf welche Weise das Mandat beendet werden kann. Die Verwaltung des souveränen jüdischen und des souveränen arabischen'Staates wird durch Allianzverträge vorbereitet, die die Mandatsregierung mit dem Emir Abdullah von Transjordanien, den Vertretern der Araber in Palästina und der Zionistischen Weltorganisation abschließen soll. Die Mandatsregierung übernimmt es auch, die Ansuchen der Regierungen des neuen arabischen und des. jüdischen Staates um Aufnahme in den Völkerbund; zu unterstützen. •v faden Bart -.-< bezwingen! Am Abend des 7. Juli hat die Zionistische Exekutive, vom Inhalt des Peel-Berichtes und der britischen Deklaration in Kenntnis gesetzt, einen vorläufigen Protest in London veröffentlicht, worin es u. a. heißt: ' „In Monatsfrist werden die Vertreter der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency (beim Zionistenkongreß in Zürich. D. Red.) zusammentreten, um Beschlüsse zu fassen. Aber wir müssen sofort gegen die dem Bericht zugrundeliegende Annahme Stellung nehmen, daß das Mandat selbst naturnotwendig nicht funktionieren kann." Das Kommunique anerkennt, daß niemals zuvor ein ernsterer und loyaler Versuch unternommen wurde, die Tatsachen der Lage, in Palästina festzustellen. Bei ihrer Ankunft hatte aber die Kommission eine zusammengebrochene Verwaltung und Zustände der größten Unsicherheit vorgefunden. Es war unter diesen Umständen für jeden, der sich diesem Problem zum erstenmal gegenübersah, schlechthin unmöglich, die Verantwortlichen festzustellen. Die vorgeschla-. genen Palliativmaßnahmen und der Teilungsplan sind mit dem Mandat von 1922 nicht in Einklang zu bringen. Mit Erstaunen stellen wir fest, daß die Regierungserklärung das Prinzip der Aufnahmefähigkeit Palästinas als Regulator der jüdischen Einwanderung beiseite schiebt und ein politisches Maximum diktiert. Wir protestieren aufs schärfste gegen jede entstellende Anwendung des Mandatsberichtes von 1922. Die Vorschläge der Kommission werden in einem Zeitpunkt vorgelegt, da Millionen verfolgter Juden in Palästina die einzige Hoffnung auf ein Heil sehen. Wir appellieren an das jüdische Volk, vorläufig Ruhe zu bewahren und auf die Gerechtigkeit unserer Sache zu vertrauen." . Dieser Protest kommt um zehn Jahre zu spät. Die mechanische Dreiteilung Inzwischen wurden in London durch das Reuter-Büro am Mittwoch, den 7. Juli, ein Auszug aus dem Peel-Bericht und die wichtigsten Punkte des englischen Memorandums veröffentlicht. Nach diesem Bericht lauten die Schlußfolgerungen des geschichtlichen Ueberblicks der Kgl. Kommission: „Es kann unmöglich davon die Rede sein, daß zwischen der jüdischen und der arabischen Kultur eine Fusion oder eine Assimilation herbeigeführt weedf. Die Kluft zwischen den beiden Rassen, die schön bisher breit ist, wird noch breiter. werden, wenn -das gegenwärtige Mandatssystem aufrecht bleibt. Der Bericht der Kgl". Kommission schlägt vor, das gegenwärtige Mandat zu beenden und mit den Arabern und der transjordanischen Regierung einerseits und mit der Zionistischen Organisation andererseits über- Verträge zu verhandeln, um eine Dreiteilung des Landes herbeizuführen in: 1. Einen ar ab is ch en Teil, der mit Transjordanien verbunden wird; 2. einen jüdischen Teil und; * . .. 3. eine Enklave unter britisch e m M a n'd a't, die sich von einem nördlich Jerusalems gelegenen Punkt bis zu einem südlich von Bethlehem ausdehnt mit einem Korridor zum Meer, der Jerusalem; mit Jaffa verbindet Dieses Mandatsgebiet soll einer; Veri-. waltungsbehörde anvertraut werden, die in Nazareth residiert und Vollmachten hat, die Heiligkeit der Gewisser" und Ufer des Tiberiassees sowie diereligiösen Stätten zu" schützen/ die sich sowohl ini'Araber-ytfe im* Judenstaat befinden und die den Arabern, bzw.. den Juden, heüig sind. './'■>'. Nun werden die Grenzen bestimmt. Man kann; 3ie allerdings nur auf einer ganz großen Karte ablesen, die bloß wenigen zugänglich ist. Es heißt -iin Bericht weiter: ' Die' Grenzen zwischen dem jüdiachen und dem arabischen Staat verlaufen folgendermaßen: Rasannaquera, längs der gegenwärtigen Nordostgrenze Palästinas quer'. über den Tiberias^See, Jordanmündung, Jordanfluß, bis zu einem Punkt nördlich von Beisari, -längs des Südrandes des Jesraeltales quer durch die Ebene bis in die Nähe von Megiddo, quer über den Grat des Berge's Karmel, Ostrand. der Küstenebene "in' südlicher Richtung, Jerusalem-Jaffa-Korridor, bei Lydda, mit Ausschluß von Tulkarem. Die Südgrenze des Korridorsverläuft längs dem Rand der Ebene bis zu einem Punkt, der zehn Meilen südlich von Rechowoth gelegen ist, und dann in westlicher Richtung bis zum Meer. Haifa, Tiberias und Safed sowie Akron sollen für eine bestimmte Zeit der Mandatsverwaltung unterstellt werden. Der Araberstaat soll einen Zugang, zum Meer in Jaffa haben. Mit. Rücksicht auf die Möglichkeiten, der Handelsentwicklung soll das/künftige Mandatsgebiet auch eine Enklave an der Nordwestküste beim * Golf von Aquaba einschließen mit einem Freihandelstrarisit zwischen dem Judenstaat und einer anderen Enklave in der Nähe der ägyptischen Grenze bei Rafah. Die Juden sollen Tribut zahlen Der Judenstaat soll dem Araberstaat eine später festzulegende Subvention zahlen, während das britische Parlament mit Bücksicht auf die Lage in Trans jordanien dem Araberstaat zwei Millionen Pfund Sterling bewilligen soll. Die Empfehlungen der Königlichen Kommission sehen ferner Grundstückverkauf, Bevölkerungsaustausch und entsprechende Verteilung vor und enthalten in Erwartung des Abschlusses der Verträge Uebergangsmaßnahmen, insbesondere auch zur Kontrolle des Landverkaufes und der Einwanderung. Obwohl die Kommission betont, daß sie den Arabern und den Juden nicht alles gebe, was diese wünschen, erklärt sie doch, daß ihre Empfehlungen zug gewinnen. Wer es mit dem Zionismus, mit Herzls Erbe ernst meint, wird sich zu dem Entschluß durchringen, daß es jetzt heißen muß: Weg mit den Menschen, die uns ins Verderben führen! Weg mit einer Exekutive, die selbst nicht an die Kraft des organisierten Abwehrwillens glaubt I Wir brauchen eine neue Führung! Wir brauchen neue Männer! Die diplomatische Taktik des Weizmannismus ist im Begriff, uns die Farce eines — Judenstaats in die Wiege zu legen! Wir wollen diesen Bastard nicht. Wir sagen Nein! Wir erwarten vom Züricher Kongreß ebenfalls ein klares Nein, r