Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 669 (6.7.1937)
- Date
- 1937-07-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE NEUE WELT Wichtige Anfragen im Unterhaus Entschädigung und Italienische Propaganda 1 W.; fc6&<Voitt fr; Jüti 1937 ' V»«lH«.....Ii—- ------ ...........-------l'TimiMMIM»m»ll«M*l«»]XUlIJUUIL-IUJUlU- Autocar-QeseüschafTsreisen der Judenstaatsüonisten! nach . . Zürich zum 20. ZionisterikongreB und nach Paris xur Weltkonferenz der Judenstaatszionistenu. zur Weltausstellung KomRinierte bequeme Äutocärurtd Bahnfahrt. Teilnehmcrprel s e: Wien—Zttrlch—Wien im Autocar ........ . r 78.— Inkl. Verpflegung und Nächtigung während der Reise S 98.— W>*n—»ilrlch—BaäcI im Autocar, Basel—Paris im D-Zug . und retour Wien......... , . , , , , , § 138.— .•netto bei Voller Verjifregung auf der Reise und 4 Tage Paris in gutem Hotel inkl. Frühstück und Mittagessen sowie Trinkgelder und sonstigen Abgaben ...... S 1*8.— Abfahrt: Wien. 25. Juli 1937 und 1. August 1937. ßnde beider Reisen 15.. August 1937. Auskünfte, UelseproKramm nnd Anmeldungen: Taglich von 5 bis T Ulir-ftbends im Verband der Jüdenstaatszionisten, II., Praterutraße 30. Tel. R-45-160-U. Jude, wohin? . In Polnisch-Oberschlesien endet, wie wir bereits ausgeführt haben, am 15. Juli die Geltung der Minderheitenschutzbestimmungen, die sich auf den sogenannten Genfer Kommentar gründen, demzufolge ein yölkerbundkommissär über die Einhaltung zu wachen hatte. Die Minderheiten in Polnisch-Oberschlesien stehen also ab 15. Juli nicht mehr unter dem Schutz des Völkerbundes. Die Wiener. Reichspost" beklagt diese Situation, indem sie ausführt,, daß. durch das Erlöschen des Genfer Abkommens das - D e u t s c ht u m in Polnisch-Oberschlesien in eine schwere Lage versetzt werde: die Polen werden jetzt die Deutschen au_s den Arbeitsplätzen verdrängen, den Bereich der deutschen Sprache einschnüren... Die Sorge um die Deutschen in Polnisch-Oberschlesien seitens der .„Reichspost" dünkt uns .übertrieben. Nicht nur hat Deutschland mit Polen einen Freundschaftspakt geschlossen, der gegenseitiges Entgegenkommen in ■kulturellen- und .sozialen Dingen vorsieht — Deutschland selbst wird dafür sorgen, daß keinem Rassedeutschen außerhalb des Dritten Reiches ein Haar gekrümmt, wird, bzw. wird es die Welt alarmieren, söllte ein Rassedeutscher irgendwo benachteiligt werden. ... Anders steht es um West-Oberschlesien, wo sich die. deutsche Regierung, auf Grund des deutsch-polnischen Sonderabkommens verpflichtete, 'sämtliche Bürger „ohne Unterschied der Geburt, des Volkstums und der Religion" gleich zu behandeln. Dieses -Abkommen war auf 15 Jahre geschlossen, Damals;wn'rfe^hür a(i' die: p 61 n t s .c h e Minderheit in' Öberschlesien' gedacht. AlsHitler-b'eütschiänd die Rassengesetzgebung einführte, wurde auch für. die Juden der Minderheitsschütz verlangt und Deutschland mußte ihn nach dem Text des Abkommens und dem Genfer Kommentar (15. Juli 1922) den Juden gewahren. 1 Jetzt ist die Frist abgelaufen. Wie das „Deutsche Nachrichtenbüro" kundgibt, wird nunmehr die „Gl eich sc h alt u rig" durchgeführt werden. Von dieser — Gleichschaltung sind über 10.000 „Glaubensjuden" betroffen. Ihnen droht dasselbe, was ihren Glaubensbrüdern in Deutschland widerfahren ist. Die jüdischen Beamten, Notare werden ihrer Funktionen entkleidet, die jüdischen Aerzte, Zahnärzte, Tierärzte und Apotheker zur Einstellung ihrer Tätigkeit gezwungen werden. Ja, die deutsche Regierung behält sich aüch (Jas Recht vor, die zwischen dem 9. November 1918 und dem 30. Jänner 1933 erteilten Staatsbürgerschaften aufzuheben. Die ganze Schwere der schändlichen Nürnberger Gesetze werden - die Juden Oberschlesiens übersich ■örgehen lassen müssen. Eine .neue Auswanderungswelle brotlos gemachter Juden ist zu erwarten. Es erhebt, sich die Furage; Wohin? Aus Ungarn Verläßliches Element... Aus Bu d ap e s t wird berichtet: Der ungarische Innenminister Dr. Josef Szeil stattete.anläßlich seines Aufenthalte» - in der nordungarispheh Grenzstadt Salgötarjdn der ' Leitung der orthodoxen Gemeinde der Stadt einen Besuch ab. Am Eingang zum Tempel. wurde ihm ein feierlicher Empfang bereitet. Auf die Begrüßung durch den Präsidenten der Gemeinde,* Samuel Friedler, erwiderte Minister Szell.u., a.: „Sie sind das Element, auf das man . auch in der Vergangenheit stets vertrauen konnte." Wird bombardiert. .. vi» der letzten Zeit sind mehrfach planmäßig vorbereitete Anschläge», eaa»». das Gebäude des Gymnasiums der Pester I s r a e *i i t i s c h e n ' R e 1 i g i o n sgemeinde verübt worden. Die Täter, die von der Polizei erst jetzt ermittelt werden konnten, gehören rechtsextremen kreisen an. Des Nachts" wurden immer wieder Fensterscheiben zertrümmert, das Trottoir vor dem Gymnasium mit Hakenkreuzen beschmiert und das Gitter •beschädigt. (J..T. A.). Hoffenden Frauen, jungen Müttern und Frauen nach mehrmaliger Schwangerschaft verhilft das natürliche ,,Frariz-Josef"-Bitterwasser — meistens schon in kleinen Mengen — zu geregelter Darmtätigkeit und entsprechender Magenverdauung.- Es wird äratlich bestens empfohlen. E Aus London wird unter dem 1. Juli berichtet: In der Sitzung des Unterhauses fragte der Abgeordnete Colonel Wedgwood den Kolonienminister, ob nur Entschädigungsforderungen für Schäden an Leib und Leben In Palästina geprüft werden oder ob auch die Beschädigung von Feldern, Vieh und Autos in Betracht gezogen werden würde. Der Kolonienminister antwortete, daß die Zahlung von Entschädigungen für Verluste an Leib und Leben bereits genehmigt wurde. Vor kurzem habe er von dem High Cbmmissioner weitere Vorschläge über Ersatz von Schäden an gewissen Eigcntumskatcgorn«» erhalten. Diese Angelegenheit werde jetzt erwogen. Colonel Wedgwood: „Ist es nicht an der Zeit, daß in dieser Sache eine "Entscheidung getroffen wird, da ja der Schaden vor über einem Jahr angerichtet wurde?" - Minister Ormsby-Gore: ..Nein. Die Schäden dauerten ununterbrochen während des letzten Jahres an. Palästina steht unter der Kontrolle des Schatzamtes. Ich muß die Mithilfe des Schatzamtes verlangen; alle diese Entschädigungsfragen sind immer sehr komplizierte Angelegenheiten (!)." In der gleichen Unterhausdebatte teilte der britische Außenminister Eden in Erwiderung auf verschiedene. Anfragen mit, daß die englische Regierung gegen die, an t i b r i t i s c h e Propaganda, die von italienischer Seite in Palästina und Arabien betriebenwird, scharfen Einspruch erhebt. . . . Auf die Interpellation des Arbeiterabgeordneten .Fletcher, ob ein Protest vorgesehen sei, gab Eden zur Antwort:-. „Auf meüie Anweisung hat der britische Botschafter in Rom verschiedentlich schon Vorstellungen ,er- Ein Bild der hoben und ich selbst habe vor etwa vierzehn Tageu über die Angelegenheit mit dem italienischen Botschafter in London verhandelt.". Die Hechte Amerikas In der gleichen Ünterhaussitzung gab Ormsby- Gore auch eine bedeutsame Erklärung bezuglich des Verhältnisses d e r Regierung Ö e r V c reinigten Staaten zu der k'üh'ftigen P o I i t i k . i n P a 1 ä s t i li a ab. Auf eine Anfrage des Abg. Geoffrey Mander, ob der KolonierimrniöteV mitteilen könne, daß die Regierung der Vereinigte*. Staaten auf Grund des zwischen Großbritannien ur. den Vereinigten Staaten geschlossenen Abkommens vom 3. Dezember 1924, laut welchem die letztereü 41 das Agreement betreffend die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina eintreten, und das im Artikel 1 vorsieht, daß jede Aenderung des Mandats vorerst die Zustimmung der. Vereinigten Staaten finden müsse, bezüglich der künftig in Palästina zu verfolgenden Politik zu Rate gezogen werden würde, erwiderte Ormsby-Gore: Bezüglich der künftighin in Palästina zu verfolgenden Politik wird die Regierung Sr. Majestät natürlich stets alle Rechte der Regierung der Vereinigten Staaten, wie sie auf Grund des vom Abgeordneten Mander erwähnten Abkommens bestehen, in Betracht ziehen. Auf die weitere Frage des Abg. Mander,. ob bisher Vorstellungen der; Regierung der Vereinigten Staaten bei der englischen Regierung erhoben worden seien, erwiderte der Kolonienminister, daß die* ni cht d e r F a 11 s e i. (J. T. A.) 1936 Zionistische .Anläßlich der Tagung., der Ständigen .Mandatskommission des Völkerbundes,-- die Ende Juli in Genf eröffnet werden wird; -ist den .Mitgliedern der Kommission ein Memorandum; der zionistischen? Exekutive , über die Entwicklung des „Jüdischen Nationalheims". im, Jahre 1936 übermittelt worden. Dieses Memorandum ist von "'einem Brief des Präside^eri^Bf? \^e'femänn begleitet,"der die zionistischen'' ÖdscliWefdeh •"gegen " die* Palästina- Regierung Während1 der Unruhen enthält. - Was zur Verlängerung der Araberrevolte ■ beitrug " " -Es wird zunächst festgestellt, daß der politische Streik der Araber nicht als ungesetzlich erklärt' wurde urtd daß die Regierung den Obersten Arabischen Ausschuß, der die blutige Revolte offen unterstützte, wie eine •'Vertretungskörperschaft von anerkannter Geltung empfing. Die Maßnahmen' zur Verstärkung der Sicherheitskräfte wurden seht* zögernd ergriffen * und die Untersuchung über die .arabischen Verbrechen brächte nur spärliche Ergebnisse. Von den wegen Mordtaten verhafteten Arabern wurde nur einer endgültig verurteilt, wobei es '82 jüdische Todesopfer gab. Es wurde ^zugelassen, daß fremde Regierungen (die Könige der arabischen Staaten) sich in palästinensische Angelegenheiten : einmischten, wodurch die mandatsfeindlichen Kräfte im Land in ihrer Hoffnung, die englische. Regierung zur Aufgabe der Politik des Jüdischen Nationalheims zwingen zu . können, bestärkt wurden. In dem Brief wird die Entschädigung der Hinterbliebenen und sonst Betroffenen von der Regierung gefordert. Es wird der Errichtung des Hafens von Tel-Aviv Erwähnung getan und ausführlich über die jüdische Wirtschaft gesprochen. Nach..der Feststellung, daß bei der Bemessung der letzten Einwanderungsquote (Schedüle) nicht der Grundsatz der wirtschaftlichen Aufnahmsfähigkeit des Landes maßgebend war, werden die Unerschütterlichkeit der jüdischen Wirtschaft und das Hervortreten von Kraftreserven hervorgehoben und die Hoffnung ausgedrückt, daß die nächste Arbeiterschedule dem Grundsatz der wirtschaftlichen Aufnahmsfähigkeit voll Rechnung tragen' wird. Der Jahresbericht selbst Der Jahresbericht befaßt sich mit der Bevölkerungsbewegung, Einwanderung;; Kolonisation, Industrie, Gesundheitswesen, öffentlichen Einrichtungen und der finanziellen Entwicklung. Hervorzuheben ist, daß im Jahre 1936 neue 18.145 Dunam zum. Preis von 158.825 Pfd. erworben und auf Nationalfondsboden. 10 neue Arbeitersiedlungen gegründet wurden- Im Abschnitt über städtische E n-t wj c k 1 u n g-wird. das. ständige Wachslum von Tel- Aviv» Jerusalem und. Haifa hervorgehoben.. Bezüglich der Industrie wird erklärt, daß die/Unruhen Rückschläge zur; Folge hatten, die aber zum größten Teil bereits überwunden sind, wobei Betriebsergeb'nisse der großen Werke, . wie Palestlne Electric Corporation, Potash. Co., Nesher und Shemen, dargelegt werden. Der Bericht behandelt .weiter das Schulwesen, die Hebräische Universität, deji GeUumVau f und die nä t'io na,l.cn .'Fond s. Beschwerden . (Von 1918 bis Juni 1936 .•haben, die -nationalen, Fonds 14,200.000 Pfd. ausgegeben.-) .... ,: , ■ ",; Bezüglich der -Unruhen; wird, festgestellt,. , daß ■ 82 Juden getötet,, .369 . verwundet, ,200.000 Bäume xmd 17.000 Dunam, Saaten zerstört wurden« ,; ' ■ >' \, Bs-ergibtsichv.also ein: für die Palästina-Regierung wenigschrheiohelhäftes Bfld. '• .-*«- --4« - -: 1 -" Was die PalästmaffRegierung sagt. Der Bericht der englischen Regierung van den: Völ- . kerbundrat über die Verwaltung Palästinas, -u.nd-Transjordaniens für das Jahr-1936, der am- 29.;;Jüfai veröffentlicht wurde, behandelt eingehend die' Ursachen; der-;Palä- .stina-Unruhen! und beschuldigt vor allem'di.e. J u, d e nt dien Anlaß zum Ausbruch derselben gegeben zu haben. :: | Der Bericht stellt allerdings fest,' d4ß. »der, Herjbst j .1935 durch eine starke politische Spannung .und dur.cn Demonstrationen der Araber gekennzeichnet, war., "in ' denen diese ihrer Unzufriedenheit über die . jüdische. Einwanderung und Uebertragung arabischer Böden., an jüdische Käufer Ausdruck gegeben haben'-'. Gleichzeitig sei in der arabischen' Presse eine heftige Kampagne gegen die Politik der Regierung, die eine 'jüdische Einwanderung von 62.000 Personen im Jahre 1985 zugelassen habe, geführt worden. " . Es folgt eine Schilderung dese.rst.en arabischen U e b e rf a 11 s am 15. April 1936. bei dem drei 'Juden erschossen würden, und der ersten Zusammenstöße mit der bewaffneten Macht: -sowie des Begräbnisses der erschossenen Juden ani 17. April in Tel-Aviv. Daran schließt sich eine Darstellung der weiteren Ereignisse, wobei die Araber als g e'm ä ß ig t es Ele m e'n t hingestellt werden, däs erst durch die Juden provoziert wurde(!). Der Bericht'stellt fest, daß es der jüdischen Gemeinschaft Palästinas trotz der durchdie * monatelang dauernden Unruhen verursachten Schwierigkeiten gelungen sei, das Wirtschaftsleben des Landes" aufrechtzuerhalten. Wozu erhöhte Berelt§diafl Palästina erwartet den Bericht der Kommission Aus Jerusalem wird gemeldet: Anläßlich der bevorstehenden Veröffentlichung des Berichtes der Kgl. Kommission wurde erhöh teBcreltscha f t für die Polizei angeordnet. Der Bericht Ist nebst genauem Landkarten, die zur Erläuterung der Vorschläge .der Kommission dienen, wie hier behaupet wird, bereits den britischen Gesandtschaften in Aegypten, dem Irak, und Saudien zugestellt, worden. . Die Paliistiim-Regierung hat vom Colonial-Office ein vertrauliches Schreiben erhalten, in dem die künftige .Palästina-Politik in ihren Hauptzügen .bekanntgegeben . .wird und Maßnahmenzur. Auf rech terhaituu^. von Ruho und Ordnung bei und nach der Veröffentlichung ahge- . ordnet werden.; Die Torrororgaiiisatioa der .„Schwarzen Hand" hat hohen Rcgteruugsbeamten Schreiben zuge-