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Die neue Welt · 1937-07-06 · Heft 669 (6.7.1937) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 669 (6.7.1937)
Date
1937-07-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DU! NEUE WELT Nr. 669 vom 6. Juli 1Ö3T wie in Butter. Penn, wie Herr Dr. Weltsch konstatiert, „alle Parteien sind gegen die Teilung" und „es gibt keine Ja-Sager-Partei" und daher „stimmt man durch jede, Wahl gegen die Teilung". Also wozu noch nachdenken? Man überläßt einfach die Entscheidung „den ehrlichsten und bewährtesten unserer Menschen" und damit Schluß. Was aber tut die Opposition? Oh, Herr Doktor Weltsch ist gar nicht zufrieden mit uns. Und jetzt kommt für Herrn Dr. Weltsch das Dessert. Jetzt fällt er über die Judenstaatspartei her. Kein gutes Haar läßt er an ihr. Mit welcher Wonne bloß die alten, längst widerlegten Verleumdungen über Lichtheim wiederholt werden! Und dann auf die „Neue Welt", die in den ganzen Wahlen „nichts als eine Gelegenheit, Weizmann zu bekämpfen, sieht". Herr Dr. Weltsch weiß so gut wie jeder andere, daß Lichtheim sich nicht für eine Teilung ausgesprochen hat. Er kennt auch alle Erklärungen der Judenstaatspartei gegen die Teilung, aber was macht das aus? Vielleicht kennen sie die Leser nicht und so kann er es sich leisten. Und gar Weizmann zu bekämpfen! Wie kann man nur? Herr Dr. Weltsch versteht einfach nicht, wie man jemanden bekämpfen kann, nur weil er erklärt hat, er glaube nicht an den Judenstaat und weil er, der Präsident, noch immer kein Wort gegen die Teilung gesagt hat und jeder öffentlichen Erklärung oder Kundgebung über die TeUung ausweicht. Dafür aber ist es heute bereits ein Pakt, daß Weizmann nicht nur durch seinen Paritätsvorschlag (welchen Meir Großmann so treffend die politische Teilung nennt) die geographische Teilung inspiriert hat, sondern sogar über eine solche wohlwollend mit England verhandelt. Und das sind die „bewährtesten unserer Menschen", denen wir laut Herrn Dr. Weltschs Rat die Entscheidung überlassen, sollen. Man wagt es, Weizmann den Juden als bewährten Zionisten zu empfehlen! Denselben Weizmann, der den Verlust Transjordaniens am Gewissen hat, der seit Jahren den Zionismus durch seine „elastische" Politik verwässert, lächerlich macht und. auch für den Rückgang des Zionismus — und der ist nicht wegzudebattieren! — verantwortlich ist. Den Weizmann, der mit den Verhandlungen über rdfe'Teilüngspläne gerade jetzt den Todesstoß gegen den Zionismus führt; Wäre an der Spitze, der Zionistischen Organisation nicht Weizmann gestanden, von welchem England weiß, daß er auf den Judenstaat in seinen historischen Grenzen, wie ihn das Mandat verspricht, längst verzichtet hat, nie wären wir soweit gekommen!' Hätten die Herren den Zionismus nicht durch ihre: ghettohafte (jawohl, Herr Dr. Weltsch, ghettohafte!) Politik verwässert, wäre er nicht, so tief gesunken und hätte seine Anhänger weder durch Absplitterung noch durch Abgang an den Kommunismus verloren. Und wenn wir diese Herren bekämpfen, so nennt Herr Dr, Weltsch es einen „Mißbrauch eines für die Judenheit schicksalsschweren Moments", den man verachten müsse. Was soll man verachten? Unsere Kampfbereitschaft für den Judenstaat und unsere Rechte? Oder eure Feigheit, die sich bemüht, durch .falsche Beruhigungen (ä la: „Es ist noch nicht so arg." Und: „Alles Schlechte hat etwas Gutes." „Das ist nur die erste.Etappe. Man wird weiter sehen" usw.) die jüdischen Massen irrezuführen? Die Wahlen sind vorbei. Der Kongreß wird zeigen, daß wir — leider — wieder recht gehabt haben!. Wir werden auf unseren Kampf nicht verzichten. Wir glauben daran, daß die Juden ihre Lage jetzt endlich erkennen werden. In Luzern wollte Robert Stricker über die Bewaffnung des Jischuw sprechen. Lächelnd meinte Weizmann, davon gebe keine Kuh auch nur einen : Liter mehr Milch. Nun, Herr Weizmann, soweit man Ihre Kühe nicht bei den Unruhen gestotilen hat, haben sie hoffentlich zu Ihrer Beruhigungeinen Liter Milch mehr gegeben. Und was ist mit den ijber hundert.jungen Juden, die gefallen sind? Stört Sie der Gedanke an diese Opfer des einen Liters Milch .gar nicht? Wäre es nicht doch nötig gewesen, Uber-die .Bewaffnung zu :reden? Schon in Luzern ein Büro für Abwehr bei der Sochmuth zu schaffen, statt erst während der Unruhen? Wir hatten damals recht und wir haben es heute nicht weniger. Das gibt uns die Kraft für den Kampf. Erst recht auf diesem Jubiläumskongreß! Gegen eine nazistische Schmähschrift Aus Prag meldet J. T. A.: In der letzten Nummer des „Na s tu p" (Organ der autonomistischen Studenten) wird für eine neuerschienene Broschüre über den Talmud von Juraj Zähorsky in Trnava mit einer Karikatur ä la „Stürmer" Propaganda gemacht. Da schon sowohl aus der Karikatur, als auch aus dem übrigen Inhalt des Inserates die Tendenz der Broschüre ersichtlich ist, hat das Landessekretariat der Jüdischen Partei bei der Staitaijuawaltschaft in Bratislava wegen Konfiszierung der Broschüre und des Inserates vorgesprochen. Die Staatsanwaltschaft hat die diesbezüglichen Schritte bereits unternommen. Bemerkenswert ist, daß der „Sloväk" (Organ der Hlinka-Partei) in seiner Nummer vom 18. d.M. sich über den Inhalt dieser Broschüre sehr lobend ausspricht, AUS PAUKSTINA //Ein erstaunliches und überraschendes Dokument" Die gesamte hebräische Presse nimmt in Worten des schärfsten Protestes gegen den tendenziösen Bericht der englischen Regierung an die Mandatskommission des Völkerbundes über die vorjährigen Unruhen im Lande Stellung, der mit keinem Worte die besonnene Haltung des Jischuw während der Unruhen lobend erwähnt und auch nicht die arabischen Terrorakte anprangert. „Dawa r". nennt den Bericht ein „erstaunliches und Uberraschendes Dokument, das voll Fehlern und offenkundigen Verdrehungen ist und sich einfach auf eine chronologische Schilderung der Unruhen beschränkt". „Der Bericht", schreibt die Zeitung, „soll wahrscheinlich den Eindruck erwecken, als ob die jüdische Alijah und die Haltung der Juden in Palästina den Ausbruch der Unruhen verursacht haben. Ein solcher Bericht wird zur Anklage gegen seine eigenen Verfasser. Nach der Lektüre des Berichtes wird es erst vollends klar, warum die Palästina-Regierung sich bei der Unterdrückung der Unruhen als so unfähig erwiesen hat." „Haboke r" schreibt: „Niemals noch hat ein Regierungsbericht eine so proarabische Tendenz aufgewiesen wie dieser." Neue Siedlung Aus Jerusalem: Mit der Ansledlung von Kibbuz Rodges, der dem Hapoel Hamisrachi angeschlossen ist, ist heute auf dem Keren-Kajemeth-Bodenkomplex im Bezirke B e i s a n die vierte Siedlung in dieser Gegend und die siebente seit Beendigung der Unruhen gegründet worden. 40 Mitglieder des Kibbuz, begleitet von 30 Hilfspolizisten und 10 Wächtern, sowie von Vertretern der nationalen Körperschaften und zahlreichen Siedlern aus der Umgebung, erschienen vor Sonnenaufgang auf dem der Siedlung zugeteilten Boden, welcher am südlichsten Rande des Beisan-Gebietes gelegen ist. Im Laufe weniger Stunden wurde der Aussichtsturm errichtet, auf dem ein Scheinwerfer angebracht wurde; eine Schutzmauer wurde rings um die Siedlung gezogen; auch die ersten Baracken wurden fertiggestellt. Die Arbeiten wurden in flottem Tempo und in einer überaus begeisterten Stimmung durchgeführt. Die neue Siedlung erhält den Namen Tirath Zevl, nach Rabbi Zevi Hirsch Kalischer, der in seinem 1862 erschienenen Werk, „Drischath Zion", für die Wiederansiedlung der Juden in Erez Israel eintrat. Der Boden wurde vom Keren Kajemeth während der Unruhen erworben. (Pälcor.) Waad Leumi übernimmt Aufsicht über das Schulwerk der Arbeiterschaft Aus 'Jerusalem: Der Waad Leumi hat nach einer längeren Debatte beschlossen, die Kontrolle über die Schulen der Histadruth, die bisher von dieser unabhängig verwaltet wurden, zu übernehmen. Gleichzeitig wurde beschlossen, die Frage der Verwaltung des jüdischen Erziehungswesens in Palästina überhaupt auf die Tagesordnung der nächsten Tagung der A s s e f a t Haniwcharim zu setzen. Die Vertreter der Allgemeinen Zionisten, Gruppe U, sowie des Verbandes der Landwirte, die sich der Teilnahme an der Sitzung enthielten, kündigten ihren Widerspruch gegen die Ueberführung der Histadruth-Schulen an den Waad Leumi an, sowie ihre Absicht, in diesem Falle aus dem Waad Hachinuch auszutreten. (Palcor.) Große Wallen tun de bei Arabern Bei der von der Polizei in einer Reihe arabischer Häuser in Hebron durchgeführten Waffensuche ist eine große Menge Waffen entdeckt worden. 28 Flinten und 70 Revolwer sowie ein sehr großes Quantum Munition wurden beschlagnahmt. Zahlreiche Araber wurden verhaftet. (J. T. A.) Attentat auf Araberführer Aus Jerusalem: Auf Fakhri Nashashibi, den Führer der Anti-Mufti-Opposition in Jaffa und Sekretär der arabischen Handelskammer in dieser Stadt, wurde heute ein Attentat verübt. Nashashibi befand sich in einem in der Hauptstraße Jaffas gelegenen CafS, als drei Schüsse auf ihn abgegeben wurden, die ihn leicht verletzten. Die Attentäter entkamen. (Palcor.) Aus New York: Die 40. Jahreskonferenz der Zionisten Amerikas hat beschlossen, den amerikanischen Bürgern, die bei den Unruhen in Palästina Verluste erlitten haben, bei ihren Bemühungen, durch Vermittlung der amerikanischen Regierung Wiedergutmachung zu erlangen, behilflich zu sein. Die Kabinettsberatung über den Peel»Bericht Aus London: „Times" veröffentlichen einen Artikels ihres diplomatischen Korrespondenten, in dem es u. a. heißt: Ea verlautet, daß die Empfehlungen der Kgl. Kommission von der Regierung in ihrer Sitzung am SO. Juni im großen und ganzen bereits angenommen worden sind; die Entschlüsse der Regierung werden zugleich mit der Veröffentlichung des Berichtes in der nächsten Woche bekanntgegeben werden. Großbritannien wird als Mandatarmacht Palästinas seine Vorschläge, betreffend die künftige Verwaltung des Landes, dem Völkerbund unterbreiten. Die Bestätigung durch das Unterhaus, die natürlich erfolgen muß, um dem Regierungsentschluß erst Wirksamkeit zu geben, wird kaum vor der nächsten Parlamentssession erfolgen; nichtdestowenlger wird das Unterhaus zweifellos den Wunsch haben, die Diskussion über den Bericht so bald als möglich abzuwickeln. (J.T. A.) Palästina -Stfitxpunkt Englands Aus Jerusalem wird beridhtet: Die große ägyptisch-arabische Zeitung „AI Mp.kkatam" widmet den militärischen Aktionen des britischen Generalstabes in Palästina längere Ausführungen und sieht in ihnen einen Beweis dafür, daß die britische Regierung nicht im ehtferntesteil daran denkt, je ihre Macht als Palästina-Mandatar aufzugeben. Die Aufgabe des britischen Mandats im Irak und des französischen Mandats in Syrien werden in Palästina keine Para11e 1 e finden, weil Palästina für das British Empire als das Tot zum Nahen und Fernen Osten eine außerordentliche Wichtigkeit besitzt. Auch die Kgl. Kommission «wird in den Konklusionen zu ihrem Palästina-Bericht auf diese Interessen Bedacht nehmen müssen!. Großbritannien kommentiert das Palästina-Mandat .ganz anders als jenes über den Irak. Die britische, Palästina-Politik kann nicht einseitig vom Gesichtspunkt der Verteidigung des Suezkanals gedeutet werden; denn England hat sich nach dieser Hinsicht bereits gesichert, indem es seine strategischen Positionen auf dem ägyptischen Territorium befestigt und sieb außerdem in dem Vertrag mit Aegypten alle Rechte zur Verteidigung des Kanals gesichert hat. Die neuen militärischen Aktionen in Palästina, seien auch nicht im Hinblick auf einen möglichen neuen arabischen Aufstand zu deuten, da ein solcher Aufstand nicht so bald wieder ausbrechen kann. Die ftiilitärische Sicherung Palästinas hat ganz andere Zwecke. Es fragt sich nur: Hat England als Mandatarmacht das Recht, das Mandatsland Palästina in eine militärische Basis zu Lande,"zur See und in der Luft zu verwandeln, damit es dem British Empire eine Stütze bei möglichen Kriegen sein könne, aus welchen Palästina selbst keinerlei Nutzen wird ziehen können. Der scharfe Konflikt zwischen England und Italien anläßlich des Abessinien-Krieges hat den britischen Generalstab bewogen, seine Position im Osten zu ändern. Nachdem das Abkommen mit Aegypten geschlossen worden ist, habender Generalstab eingesehen, daß er nunmehr kein sichereres Territorium als Palästina hat, und trat deshalb an die Verwirklichung seiner Pläne in diesem 'Territorium heran. Die Juden in Kurdistan Aus Jerusalem (J. T. A.): Im Zusammenhang mit der arabischen antijüdischen Agitation im Irak hat sich auch die Lage der Juden in dem angegliederten Kurdistan, im Norden des Irak, erheblich verschlechtert. Dr. Walter Fischel vom Orientalischen Institut der Hebräischen Universität in Jerusalem, der eben eine Studienreise durch einige mittelasiatische Länder beendet hat, gab Vertretern der Presse folgende Aufschlüsse über'die Juden in Kurdistan:' Während in Syrien etwa 30.000 Juden leben, gibt es im Irak mit Kurdistan 115.000, in Iran (Persien) 60.000, in Afghanistan 6000 Juden. Die Juden in Syrien, im südlichen Mesopotamien (Irak) und einigen anderen Teilen des Irak sprechen einen jüdisch-arabischen Dialekt, d. h. ein besonders stilisiertes Arabisch mit vielen hebräischen Ausdrücken; die Juden im nördlichen Mesopotamien (Kurdistan) A r a m ä i s c h; die Juden in Persien und Afghanistan ein mit hebräischen Elementen durchsetztes Persisch. Dr. Fischel reiste im Frühjahr 1036 von Jerusalem nach Damaskus, über die Oase Rutba "nach' Bagdad, von dort ins kurdistanische Bergland, nach; Persien und über Hamadan und Teheran bis nach Meschheg an der persisch-afghanischen Grenze. In der Nähe von Teheran besuchte er einen alten jüdischen Friedhof, von dem die Sage geht, daß er unterirdisch xnit Jerusalem verbunden sei; in Hamadan die angeblichen■Gräber von Mordechai und Esther, bei Isfahan das vermeintliche Grab von Sara bat Ascher, der Enkelin Jaakobs; auf irakischem Gebiet die Gräber von Jecheskel, Esra, Nachum und Jona. Kurdistan ist eine äußerst reizvolle Geblrgsgegendi wasserreich und " fruchtbar. Ihrer Abstammung nach sind die Kurden Arier, ihrer Religion nach zumeist Mohammedaner. Jüdische Gemeinden gibt es in Mossul, Kirkuk, Erbil und einigen anderen Städten. Als. Dr. Fischel in das abgelegene Dorr Schaklawa kam, erfuhr er zijm erstenmal Näheres von der Existenz der kurdischen Gebirgsjuden. Eine beträchtliche Zahl von Männern und Frauen; kräftige, große Gestalten unter ihnen, war zu' gemeinsamer Totenklage auf dem Hauptplatz des Dorfes versammelt. Es waren Juden, die um einen fcei einem Autounfall getöteten Juden trauerten. Fast in jedejn Dorfe gibt es solche Juden, die ohne jeden Zusammenhang,mit größeren Judengemeinden leben, sozial ziemlich tief stehen, aber stolz darauf sind, Nachkommen der nach Assyrien verbannten zehn Stämme Israels zu sein. Sie halten die religiöse Tradition hoch, es herrscht aber auch viel Aberglauben unter ihnen. Auf der Suche nach alten jüdischen Handschriften in Kurdistan fand Dr. Fischel vor allem Manuskripte kabbalistischen Inhalts und Traumdeutungsbücher. In den Städten aber fand er zahlreiche Dokumente in hebräiBChen Lettern geschriebener persisch-jüdischer Literatur, Werke der persischen Klassiker in hebräischer Transkription, auch Ugbersetzungen, Shakespeareschei Dramen und eine Geschichte des Zionismus,

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