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Die neue Welt · 1937-07-02 · Heft 668 (2.7.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 668 (2.7.1937)
Date
1937-07-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 668 vom 2. Juli 1937 DIE NEUE WELT Seite 3 tootkettmkQei Das wandernde Judenvolk ,J)as zentrale jüdische Problem der Gegenwart ist das Problem der Wanderung, Die Judenheit braucht ein Land, das imstande ist, hunderttausende existenzlos gewordener jüdischer Menschen aufzunehmen, sie braucht ein Land, in welchem die Juden als Juden leben können. Die bisherige Situation rechtfertigte die Erwartung, daß Palästina dieses Land werden könnte." „Israelitisches Familienblatt" (Berlin). Nein, niemals I „Gegen die Teilung sein, heißt nicht nur, sich dagegen erklären, heißt nicht nur, auf dem Kongreß dagegen zu stimmen, heißt vielmehr, erkennen, daß es hier um Sein oder Nichtsein geht, und heißt daher, zum äußersten Widerstand entschlossen sein. Wer also Nein sagt, der muß Niemals" sagen. Wer Nein sagt und sich bereits jetzt damit einrichtet, wie es sein wird, wenn sein Nein wirkungslos bleibt, der ist nicht gegen, sondern für die Teilung." Dr. Emil Margulies (Leitmeritz). Brot und Wean ohne Frieden „Brot und Wein in Hülle und Fülle! Möge uns nur der Friede beschieden sein, sie in Dankbarkeit und Freude zu genießen." C. Z. Klötzel (Jerusalem, 1937). Die Sdiediita ,>Das rituelle Schlachten basiert auf einer tiefen ethischen Erkenntnis: Es wurde der Masse entzogen und dem einzelnen — dem Schächter — übertragen, damit sich das Volk vom Blutvergießen fernhalte. Und es wurde religions gesetzlich in einer -Weise vorgeschrieben, daß dabei das religiöse Gebot des Tierschutzes und das religiöse Verbot der Tierqual strengstens eingehalten werde/* Dr. Oskar Rabinowicz („Einleitung in die Probleme des rituellen Schächtens".) . Eine weitverbreitete Feigheit ,J?as Stillschweigen, das gewisse Leute vor dem schreienden Unrecht bewahren, unter dem. die deutschen Juden leiden, ist nur durch das Wirken der fleischlichen Klugheit zu erklären, die die Worte des Geistes verraten hat. Sich von den Opfern der Geivalt trennen, damit man danach für die eigene Person ihr entgehe, Ist eine Feigheit." Jesuitenpater Albert Valens in („Die Erfüllung", Wien). Die Lage der Juden in Danzig Aus Danzig wird uns geschrieben: Die Juden Danzigs stehen vor der Gefahr, alle ihr« bürgerlichen kulturellen und politischen Rechte zu verlieren. Die Nationalsozialisten sind nämlich die faktischen Herren in Danzig, die faktischen, nicht die formellen. Formell sitzt in Danzig der Hochkommissär des Völkerbundes. Formell gibt es in Danzig noch eine antinazistische Opposition. Formell haben die Nationalsozialisten im Dan- SanRemo,PensioneFßlice corso deir Impero 184. Unter Aufsicht des Hamburger Vereines. Direktion: Dr. m««f. Alex Schwarz ziger Parlament bloß 44 von 72 Sitzen inne. Aber von 44 bis 48 ist nur ein kleiner Schritt, und 48 von- 72 bedeuten Zweidrittel- Majorität, und mit eine Zweidrittel- Majorität kann die Verfassung Danzigs geändert werden. Dahin geht das Streben des Dritten Reiches und seiner Emissäre in Danzig. Es ist unbedingt notwendig, so rasch wie möglich etwas für die Juden Danzigs zu tun; dafür zu sorgen, daß sie nicht unter die Nürnberger Gesetze und andere antijüdische Verordnungen fallen, welche die Danziger Nazi für ihren Machtantritt bereits vorbereitet haben. Obwohl in Danzig der Völkerbundkommissär sitzt, wurden alle jüdischen Richter beseitigt, alle Juden aus den städtischen Stellungen entfernt, zahlreiche jüdische Angestellte aus den Banken hinausgeworfen, alle Juden aus der Danziger Advokatenkammer eliminiert. Dieser Ausschaltungsprozeß bezieht sich auf die anderen akademischen Berufe, auf Theater, Film; Presse, Radio, und die einzige jüdische Zeitung „Danziger Echo" wurde eingestellt. All das ist geschehen, bevor die Verfassung geändert wurde. Die Danziger Nationalsozialisten sind sehr vorsichtig in der Durchführung der anti;jüdischen Aktionen, denn der Vertreter des Völkerbundes sitzt noch hier und ausländische jüdische Organisationen könnten sich mit einer Beschwerde an den Völkerbund wenden. Anders wäre es, wenn es den Nationalsozialisten gelänge, die Zweidrittel- Majorität zu bekommen. Was dann mit den Juden geschehen würde, kann man sich leicht vorstellen, wenn man au Deutschland denkt. Heute gibt es, wie gesagt, nur die eine Hoffnung1: Danzig möge weiter unter dem Schutz des Völkerbundes bleiben. Zur Besinnung! Von Meir Reubeni (Tel'Aviv) Erstrebt der Zionismus die Lösung der Judenfrage, so darf er die Größe seiner Aufgabe nie aus dem Auge verlieren. Schwer lasten auf dem Jischuw die wirtschaftliche Krise und die Unklarheit des politischen Zustandes, die Unsicherheit von Leben und Gut und die parteiegoistischen Bruderkämpfe. Glaubt aber Weizmann, durch ein Kompromiß mit England und den Arabern, durch die Teilung des Landes, die Schwierigkeiten des Jischuw auf Kosten des Judentums, das in aller Welt die Einreiserlaubnis nach Palästina sehnsüchtig erwartet, lösen zu können, so irrt er. . Der Jischuw in Palästina ist kein in sich abgeschlossenes Gebilde. Fast jeden einzelnen halten Familenbande mit irgend einem Lande in der Ferne zusammen. Fast jeder empfindet, oder wird es empfinden lernen, daß der überhandnehmende Antisemitismus in den Ländern jüdischer Massensiedlung dem palästinensischen Juden das Recht und die Möglichkeit nimmt, sich wirklich beglückt und erlöst im eigenen Lande zu fühlen. Selbst zwei Millionen jüdische Bevölkerung unter nationalem Regime könnten nicht daran vergessen, daß weitere fünfzehn Millionen Juden in allen Ländern der Erde in mehr oder minder unglücklichen Verhältnissen leben. Die Epoche der zionistischen Politik, in der der XX. Zionisten-Kongreß stattfindet, ist gekennzeichnet dadurch, daß die offizielle zionistische Politik ihre Tätigkeit darauf beschränkt, die in Palästina b ereits bestehenden Werte und die bereits angesiedelten. Menschen auf Kosten der Aspirationen der noch im Auslande befindlichen Juden zu schützen. f Diabetikerf Stitfyfoerfiopfte effen mit SSortetl ba§ feit Sahrjenten hejüährte GiOtOttsbrOt in bünnen ©dritten mit SButter unb ©djitifen. Öetdjt üerbaultch, augleidj belifat. ©efir bequem: SimonSbrot-Sdjnittenpädidjen in (Stanniol. Vi3n allen guten geinfofifjanbl. u. 93äcfereien #i haben-J Aber auch diese Versuche des Schutzes versagen. Auf allen vier Linien, auf denen es gilt, den Jischuw zu retten, ist die zionistische Leitung erfolglos: 1. Wirtschaftskrise. Obwohl der Weizmannsche Zionismus auf Grund seines ursprünglichen Programms, einer Synthese zwischen politischem und praktischem Zionismus, seinerzeit zur Leitung der Bewegung berufen wurde, hat er sich im Drange der tagtäglichen Geschäfte im praktischen Aufbau verfangen, hat die politische Linie vernachlässigt und nur Infiltration betrieben. Hundert Zertifikate, ein Gehöft und noch ein Gehöft, das waren die jeweiligen Einzelerfolge des herrschenden Systems. Eine einheitliche Linie des Aufbaues, wirtschaftliche Politik der Beratung und, wo es sein mußte, der Intervention dem Privatkapital und der Privatinitiative gegenüber, wurden versäumt, während die Machtposition der sozialistischen Wirtschaftsfaktoren, der Histadruth und der ihr angeschlossenen Unternehmungen, in einem für die anderen ökonomischen Sektoren untragbaren Maße ausgestaltet wurde. Die von der zionistischen Leitung bevorzugten Unternehmungen und die von ihr beaufsichtigte „Haavarah" haben die Privatinitiative gelähmt und die bestehenden Privatunternehmungen, soweit es sich nicht vum besonders konzessionierte handelt, an den Rand des Zusammenbruches gebracht. Deine besten Begleiter f. Reise u.Weekend sind die altbekannten Feinwurst» und Selch« waren Spezialitäten Zentrale und Postversand: Wien I, Boten« sterngasse 12 # EISEN Eine Wirtschaftspolitik, die so geführt wurde, ist außerstande, jetzt in der Stunde höchster, von ihr selbst verschuldeter Gefahr, Rettung zu bringen. Nur durch Bruch mit dem Protektionssystem, nur durch gesunde Interventionspolitik, die in der Hand von praktischen Wirtschaftsfachleuten und nicht von Parteimännern liegt, kann die Lage in langwieriger, schwerer Aufbauarbeit gerettet werden. .2. Unsicherheit. Die ununterbrochene Zurückhaltung und Selbstbeherrschung des Jischuw, das ebenso grenzenlose wie unbegründete Vertrauen in unseren englischen Bundesgenossen und das Vernachlässigen der Forderung nach jüdischer Polizei und Legion haben es mit sich gebracht, daß Palästina das klassische Land der Unsicherheit und des wilden Terrors wurde. Es war der Fehler der zionistischen Leitung, das jüdische Volk in Sicherheit zu wiegen und die ständigen Forderungen der Opposition als übertrieben und lächerlich darzustellen. 3. Parteikämpfe toben in den zionistischen Reihen. Schon ist die revisionistische Union aus der Organisation ausgetreten und der wirtschaftliche Machtkampf der Histadruth droht, den Jischuw in zwei einander bekämpfende Lager zu spalten. Während immer wieder neue Gelder in die Histadruth und in die sozialistischen Unternehmungen gepumpt werden, rührt sich keine Hand, die notleidende Privatwirtschaft zu stützen. Die Orangenpfianzer, Kaufleute, Gewerbetreibenden werden ohne Versuch einer Rettung dem Untergange preisgegeben. Und all dies wegen des kurzsichtigen Parteiegoismus einer Arbeitergewerkschaft, die es noch nicht verstehen gelernt hat, daß ihre Interessen unlösbar mit denen des privaten Unternehmertums verbunden sind. 4. Die politische Krise zeigt bereits eine solch katastrophale Lage, daß sie sämtliche andere Schwierigkeiten des Jischuw überschattet. Nicht genug, daß uns Transjordanien bis heute vorenthalten wurde, wird über eine neuerliche Teilung auch unseres kleinen Zisjordanien verhandelt. Und der Präsident der Zionistischen Organisation ist mit dieser „Lösung" einvertanden. Wie anders soll es gedeutet werden, daß Weizmann weder gegen das Projekt aufgetreten ist, noch eine Gelegenheit genommen hat, sich davon zu distanzieren? Und es mußte so kommen. Da die Araber ununterbrochen, wir aber überhaupt nicht kämpften, da unsere Politiker sich stets so leicht zufrieden gaben, war es ein Leichtes, uns als die Linie des geringsten Widertandes zu betrachten und unsere Rechte zu ignorieren.: Nur die absolute Untätigkeit oder Unfähigkeit .konnte solche politische Ergebnisse zeitigen. Denn es ist ein Axiom, daß ein erfolgloser Politiker ein schlechter Politiker ist. Am Erfolg, und nur am Erfolg wird die Qualität des Politikers gemessen. Besinnen wir uns heute in der schweren Not der Zeit auf das Ziel des Zionismus, die Lösung der Judenfrage in ihrer ganzen Größe. Es darf nicht zugelassen werden, daß die zionistische Politik sich darauf beschränke, den palästinensischen Jischuw von seinen Schwierigkeiten retten zu wollen. Der Weg ist falsch, wenn er nicht die Tore für den Aufbau des jüdischen Landes in der notwendigen Größe öffnet. Dem- Jischuw ist ohne große Einwanderung nicht zu helfen. Die Schwierigkeit des Augenblicks schreit nach, einer politischen Tat. Die zionistische Politik ist nicht vor den 400.000 Juden Palästinas allein, sie ist vor allem vor der künftigen Geschichte des jüdischen Volkes verantwortlich. Wehe, wenn der Zionismus Herzls in unserer Geschichte wie ein Kapitel Reubeni oder Schabbathai Zwi eingehen sollte. Wehe unserem Volke und unseren Enkeln, die einst dieses Kapitel in den Schulen der Galuth würden lernen müssen! Die Gefahr ist groß und groß muß die Tat sein, die sie bannen soll. Kleinmütig aber und kompromißbereit sind die Männer, die das Schicksal des Volkes zu entscheiden haben. Jede einzelne tapfere Stimme, die mutig und ohne Scheu am Kongreß in Zürich ertönen wird, ist ein Körnchen mehr in der leider nur allzu leichten Waagschale unseres Schicksals. Sommerlager des Bri'lh Hakanaim Der Brith Hakanaim veranstaltet heu-T sein Sommerlager in der Nähe von Kobersdorf (Burgcnland) in schöner, waldreicher Gegend in der Zeit vom 19. Juli bis Ende August. Streng rituelle Kost. Freie Badbenützung. Preis für einen vierwöchigen Aufenthalt (ohne Fahrtspesen) S 70.—. Anmeldungen und Auskünfte bei Ch. A. Kupferberg jeden Dienstag und Donnerstag von 5 bis 8 Uhr abends im Zentralheim, IL, Praterstraße 30. treffen sich im bekannten ItWD Restaurant H,Hammer-PurgstalI- Gasse 7 Vorzügliche, abwechslungsreiche Mittag- und Abend-Menüs, schon ab S 1.60, Speisen ä la carte und alle orientalischen Spezialitäten am Rost und Spieß. Telephon A-45-5-42

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