Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 667 (29.6.1937)
- Date
- 1937-06-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT TTT. Nr. 667 vom 29. Juni 1.037 Nochmals: Jüdische Redtie in Italien unangetastet ., Eine Erklärung des Ministers Suvich Im Zusammenhang mit einzelnen Artikeln in den italienischen Zeitungen „Popolo d'Italia" und „Regime Fascista" machte sich allenthalben die Be sorgnis geltend, daß auch in Italien die Gleichberechtigung der Juden in Frage gestellt sei. Aeußerungen hervorragender italienischer Persönlichkeiten, vornehmlich des Außenministers Grafen C i a n o, wonach die antijüdische Pressekampagne nicht als Ausdruck der offiziellen Ansicht der Regierung zu betrachten sei,; haben vorläufig die Lage geklärt. Nun liegt eine weitere italienische Stimme vor. Der American Jewish Congress (die Vertretung des nationalen Judentums Amerikas) hat, wie die J. T. A. meldet, auf seiner letzten Tagung der anwesenden Vertreter der in den Vereinigten Staaten lebenden italienischen Juden auf die Besorgnisse hingewiesen, die die jüdische Gemeinschaft Amerikas angesichts der jüngsten in der italienischen Presse gegen die Juden geführten Kampagne empfindet: es werde von den Juden Italiens verlangt., ihre Opposition gegen den Hitlerismus einzustellen, ihre Verbindungen mit jüdischen Gemeinden des Auslandes abzubrechen, von einer Unterstützung des Zionismus abzusehen, oder aber das Land zu verlassen. Unter den Blättern, die diese antijüdische Kampagne führten, figurierten an erster Stelle der „Popolo d'I t a 1 i a", der als Mussolinis persönliches Organ betrachtet wird, sowie die von dem früheren Sekretär der Faschistischen Partei, Roberto Farinacci, redigierte „Regime Fas eis t a". Die Aufstellung solcher Forderungen durch so wichtige Organe der öffentlichen Meinung gab Anlaß zu der Befürchtung, daß Mussolini selbst hinter diesen Angriffen steht und daß. Italien von seiner bisherigen toleranten Politik gegenüber den Juden abweiche und einem antisemitischen Kurs zusteuere. Nunmehr wird mitgeteilt, daß dem Kongreß von dem italienischen Minister Fulvio Suvich eine Erklärung zugegangen ist, die im wesentlichen lautet: Die italienische Regierung beabsichtigt, in : ihrer Politik gegenüber der jüdischen Bevölkerung . keine Aenderung eintreten zu lassen. Die in letz- , ,ter Zeit in der italienischen Presse enthaltenen -Angriffe gegen die Juden sind keineswegs bezeichnend für die Haltung der Regierung. Die . Juden Italiens nehmen trotz,ihrer geringen Zahl eine hervorragende Stellung im Leben des Landes . ein, die unangetastet bleiben wird. * Es kann wohl erwartet werden, daß die antijüdische Pressekampagne in Italien aufhört. Antisemitische Hetzversudie in Bulgarien Das drohende Hakenkreuz In Bulgarien hat die Hakenkreuzpropaganda der reichsdeutschen Emmissäre einen gewissen Erfolg. Von Zeit zu Zeit versuchen nationalistische Gruppen, vornehmlich die seit Jahren bestehende „Narodna Saschtita", die Methoden des Dritten Reiches nachzuahmen und eine allgemeine antijüdische Hetzkampagne zu. organisieren. Der gesunde Sinn des bulgarischen Volkes, das noch in seinen alten freiheitlichen Traditionen lebt, hat bisher eine fühlbare antisemitische Bewegung nicht aufkommen lassen. Aber es gibt Symptome, die bedenklich stimmen müssen, da sie allzu sehr an den Niederschlag der . 'antisemitischen Nazipropaganda in anderen Ländern erinnern. Wie die J. T. A. aus Sofia berichtet, hat das Innenministerium die Statuten einer von Prof. Kalaedjiev in Sofia ins Leben gerufenen neuen antisemitischen 0 r ga n i s a t i o n nicht genehmigt. Auf Grund einer Regierungsverordnung wurde eine von der Vereinigung bulgarischer Nationalsozialisten herausgegebene Broschüre antisemitischen Inhalts beschlagnahmt. Ueberaus bezeichnend sind in der letzten Zeit vorgekommene Terrorakte. In V a r n a sind vergangene Woche kurz hintereinander zwei Bomben zur Explosion gebracht worden, die eine in dem Hause des Juden P e 1 o s s o v, die zweite in der jüdischen Kooperativbank „Aavat Arnim", ohne jedoch größeren Schaden anzurichten. Es handelt sich um die Tat von durch antisemitische Propaganda verhetzte Personen. Das Hakenkreuz versucht, sich auf dem Balkan einzubürgern. .. .. Ein weißer Eahe Der bedeutende bulgarische Schriftsteller S p i ss a r e v 8 k i, ehemaliger bulgarischer Konsul in Maiseüle und in Kairo, hat vor einem Kreise prominenter Persönlichkeiten der Sofioter Gesellschaft einen Vortrag über das Judentum gehalten. An Hand historischer Tatsachen legte er dar, daß das jüdische Volk zu den friedliebendsten Völkern der Welt gehört und es angesichts der von ihm der Menschheit geleisteten Dienste wohl beanspruchen &önae« seine eigene Heimstätte zu haben. > Hakenkreuz als religiöses Symbol Aus Bukarest wird gemeldet: Das Appellationsgericht in J a s s y hat als Berufungsinstanz in dem Prozeß gegen zwei Führer der antisemitischen ChristlichJNationalen Partei, die wegen Tragens der verbotenen Hakenkreuz-A rmbinde angeklagt waren, entschieden, daß das Tragen des Hakenkreuzes nicht gegen das Gesetz verstoße. In der Urteilsbegründung wird erklärt, das Hakenkreuz sei kein politisches, sondern ein religiöses Symbol. Die außergewöhnliche Entscheidung des Appellationsgerichtes wird in der rumänischen Presse lebhaft kommentiert. Die demokratischen Blätter weisen darauf hin, daß diese Entscheidung in krassem Widerspruch ium geltenden Gesetz steht, das ausdrücklich das Tragen von politischen Uniformen und Armbinden verbietet. Die Verwunderung der freiheitlichen Presse Rumäniens ist um so begreiflicher, als bisher nirgends, vor allem auch nicht im nationalsozialistischen Deutschland, das Hakenkreuz als religiöses Symbol gegolten hat oder empfunden wurde. Vielmehr haben seit Beginn der nationalsozialistischen Bewegung deren Führer mit Stolz hervorgehoben, daß das Hakenkreuz das Symbol desarisehen Menschen sei, also ein rassisches Symbol und kein religiöses. Die Entscheidung des rumänischen Gerichtes wird also auch im Dritten Reich Kopf schütteln und Läoheln hervorrufen. Ukrainer und luden in Polen Aus Lemberg wird dem Warschauer „Moment" gemeldet: In der Nummer der ukrainischen Zeitung „Düo" vom 24. Juni, dem Organ der ukrainischen politischen Organisation „Undo" ist ein Artikel der. Redaktion erschienen, worin sich die Ukrainer an die Juden wenden, sich mit ihnen zu verbünden. Die Ukrainer drücken zunächst ihr Mitgefühl mit dem jüdischen Volk wegen . der letzten Geschehnisse aus. Weiter wird in dem Artikel gesagt: Wir Ukrainer befinden uns vorläufig in einer besseren Lage als ihr Juden, aber morgen kann uns dasselbe passieren., Wir wollen uns mit euch verbünden und unsere Politik wird die Politik eines Drittels» des Staates bedeuten. Wir brauchen, uns mit euch Juden . nicht zu verbünden, aber unsere Politik ist eingestellt auf eine Verbindung mit euch, weil Kultur und Humanität es gebietet. Keine Einkommenssteuer aus dem Handel mal ko»dierem Fleisch Aus Wärschau:'#'#er' 'Oberste Gerichtshof in Warschau hat yor kurzem im Zusammenhang mit dem neuen Schächtgesetz in Polen eine Entscheidung gefällt, wonach die jüdischen Gemeinden in Polen von der Entrichtung einer Einkommensteuer auf ihre Einnahmen aus dem Handel mit koscherem Fleischenthoben sein sollen. In seiner Entscheidung stellt der Gerichtshof fest, daß das rituelle Sehächten nicht als lukratives Geschäft anzusehen sei, da damit lediglich die Versorgung der religiösen Juden mit koscherem Fleisch bezweckt wird. Die jüdischen Gemeinden, heißt es in der Entscheidung, sind auf Grund ihrer religiösen Gesetze verpflichtet, die jüdische Bevölkerung Polens mit koscherem Fleisch zu versorgen, ungeachtet dessen, ob ihnen dies Nutzen bringt oder nicht. Das rituelle Schächten kann nicht als spezieller Erwerbszweig angesehen werden. (J. T. A.) Pen *KIub * Kongreß gegen die antisemitischen Verfolgungen Aus Paris wird gemeldet: Am 21. Juni wurde in Paris der 15. Internationale Pen-Klub-Kongreß eröffnet. Der Vorsitzende der Exekutive verlas eine Erklärung, in der betont wird, daß die Pen-Klub-Vereinigung eine Gruppe freier Schriftsteller ohne Rücksicht auf ihre Nationalität, Rasse oder Religion zusammenschließt. Im Verlauf der Debatte wurde dem Kongreß eine Resolution unterbreitet, in der gegen die Versuche der Naztregierung, eine große Zahl deutscher Schriftsteller vor der Welt zu diffamieren und ihre Existenz zu untergraben, protestiert wird. Die jiddische Kongreß-Delegation, bestehend aus den Herren I. Steinberg, Leo König, Nachman Me is e 1, Daniel Tscharny und M. Schallt, und die hebräische Delegation, bestehend aus Saul Tschern i c ho w s k i und Salman S c h n e u r, hat dem Kongreß einen Resolutionsantrag unterbreitet, die Pen-Klubs in den verschiedenen Ländern aufzufordern, gegen die antisemitische Gesetzgebung und die gegen die Juden geübten Brutalitäten in Ländern Mittel- und Osteuropas ihre Stimme zu erheben. (JTA.) Verband der Judenstaatszlonlsten, Sektion XIII—XIV- Elnlsduits zu dem am Samstag, den 3. Juli, stattfindenden GARTENFEST in. der Restauration „Grün«, Wien XVI, Hellgasse Nr. 7 Als Einlagen: Mündt Hausknecht, H, Lang,M.Polnau usw. Straßenbahnlinien: C, J,.9, 48 Eintritt S 1.20 / Beginn 8 Uhr / Ende 2 Uhr Vermischte Nadiridiien aus Palästina Anläßlich des Jahrestages der Hinrichtung der drei im Zusammenhang mit den Unruhen im Jahre 1933 zum Tode verurteilten Araber verbreiteten Kommunisten von Jaffa einen Aufruf, in welchem die Juden und der Zionismus beschimpft und die Araber zu Racheakten aufgerufen werden. > . ■ * Einige Führer der arabischen Opposition mit Ragheb Bey Nashahibi an der Spitze haben Aman, die Hauptstadt von Transjordanien, besucht und anläßlich eines Empfanges im Regierungspalast den Emir Abdullah als „Führer der Araber" begrüßt. * „Haaretz" meldet aus zuverlässiger arabischer Quelle, daß der Mufti in zahlreichen arabischen Dörfern und unter den Beduinenstämmen die Jugend In Skaut< Abteilungen organisiert. Der Mufti, heißt es, wolle sich ein Instrument schaffen, das er gegebenenfalls gegeit die arabischen Anhänger der Pläne einer Teilung Palä» stlnas einsetzen kann. * Das neue Polizeikorps, dessen Aufgabe die Ueberwachung der Nordgrenze Palästinas sein wird, soll in Kürze seine Tätigkeit aufnehmen. Das Korps besteht aus 200 Mann, davon 80 Juden; der Rest ist aus Engländern und Arabern zusammengesetzt. Das Kommando führt ein britischer Offizier, dem ein jüdischer und ein arabischer Gehilfe zur Seite stehen werden. Das Hauptquartier des Korps ist in Saf ed; Stationen werden an der 63 Kilbmeter langen Chaussee errichtet werden,, die sich jetzt im Bau befindet und der libanesischsyrischen Grenze entlang, von Huleh bis zur Küste, laufen wird. Die Chcausse wird 100.000 Pf. St. kosten. * In der Juni-Ausgabe des statistischen Bulletins des Völkerbundes wird festgestellt, daß die Bautätigkeit in Palästina in den ersten vier Monaten des Jahres 1987 um 39 Prozent geringer war als in dem gleichen Zeit* räum des vorangegangenen Jahres. Eine starke Zunahme der Bautätigkeit war u. a. in den Vereinigten Staaten, Kanada, Südafrika und Argentinien, bei Industriebauten auch in England und Deutschland, eine Abnahme in Frankreich, Australien, Neuseeland und Belgien zu ver* zeichnen. * Die Direktoren der Palestine Electric Corporation Ltd. teilen mit, daß sie beschlossen haben', den Inhabern von gewöhnlichen und von „A"-Aktien« deren Namen bei Schließung der Bücher am 80. Juni 1987 in dem Register figurieren, eine endgültige Dividende von 5 Prozent steuerfrei zu empfehlen, was mit einer vorläufigen Dividende von 2,5 Prozent steuerfrei, die bereits ausgezahlt wurde, einen Betrag von .7,5 Prozent steuerfrei für das Jahr 1936 ergibt. Bialik im GespiäA (Zum dritten Todestag) So wuchtig und bezwingend ist die Macht des prophetischen Wortes Bialiks, daß man beim Lesen, seiner Verse gar nicht daran denkt, auch noch die äußere Form seiner Dichtung zu bewundern. Siebzig Generationen entzündeten sich an den genialen Rhythmen der jüdischen Prophetie, deuteten allegorisch ihre Worte und kommentierten sie ver> schiedena^g, ohne auch die mindeste Ahnung sju haben, da^Hhre Worte in Versen niedergeschrieben waren. Uiid zwei Generationen von Talraudjüngern stillten ihren Durst nach erneuerndem jüdischein Heroismus und ihre Sehnsucht nach messiänischen Verheißungen an der Quelle Bialiks und lernten iji heißer Inbrunst seine Verse wie das „Sch'ma" auswendig, ohne den formalen Gesetzen seiner Dichtkunst nachzugehen. Darin liegt eben die Macht des göttlichen Wortes, daß es nicht an irgend eine bestimmte Ausdrucksform gebunden sein muß. Deshalb war Bialik im Gespräch fast immer auf derselben Höhe wie in seinen Schriften. Ja manchmal war. sein gesprochenes Wort größer als das geschriebene. Die Propheten haben wahrscheinlich ihre Visionen zuerst auf öffentlichen Plätzen vorgetragen und erst nachher wurden jene schriftlich festgehalten. Leider hat sich zu Bialiks Lebzeiten kein Eckermann gefunden, der die Aussprüche, welche Bialik in seinen Ge# sprächen so verschwenderisch gemacht hat, gesammelt hätte. Das soll und muß jetzt nachgeholt werden; und zwar unter Mitwirkung und Kontrolle des Bialik- Instituts in Jerusalem. U—d. Große Biallk-Feler. Mittwoch, den 30. Juni, y^Q Uhr abends, am dritten Todestag unseres nationalen Dichter» Ch. N. Bialik, veranstaltet der, BiaUk-Klub im Festsaal dea Hotel Continental, II., Taborstraße 4, eine Bialik-Andachts» feier. Oberrabbiner Dr. I. Taglicht hält die deutsche 'de* denkrede und der Präsident des Biallk-Klubs, Dr. D. R o thbl.ura die hebräische Gedenkrede. Oberkantor Margulies verrichtet das Andachtsgebet. Hilde Dulitzkaja und J. Segal-Rosenbach tragen Bialik-Lieder vor. (Am Klavier; Frl. Riegler und G. May.) Kleiner Regiebeitrag. Jüdische Künstlerspiele, II., Praterstraße 34. Dienstag, den 29. Juni, verabschiedet sich Leo R e u ß - B r a n dbof er in' Kobrlna Schauspiel „Zurück zum Volk". Mittwoch letzter Abend dieser.Spielzeit: „Gott, Mensch und Teufel" als AbschiedavorsteÜu»g für. djie Gäste Jennjjj L'ctyic und'Heimt fcftaxin,