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Die neue Welt · 1937-06-29 · Heft 667 (29.6.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 667 (29.6.1937)
Date
1937-06-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 667 vom 29. Jühi 1937 DIE NEUE WELT Seite 3 Was die Judenheit Südafrikas fordert Entschließungen In Johannisburg fand der Kongreß des südafrikanischen Judentums, organisiert im Jewish Board of Deputies, statt. Der Bericht, der dem Kongreß vorlag, beschäftigte sich mit der Ausbreitung des Antisemitismus in Südafrika und mit dem Versuch der nationalsozialistischen „Hemden"-Bewegung, in das politische Leben des Landes einzudringen. In dem Bericht, der die Stimmung in Südafrika kennzeichnet, wird weiters festgestellt, daß die sogenannte Malanitenpartei (eine nazistische Partei) nach reichsdeutschem Muster eine Boykottpropaganda gegen die Juden und eine Agitation gegen eine jüdische Einwanderung in Südafrika betreibt. Von Bedeutung sind zwei Entschließungen des Jewish Board, die sich mit der judenfeindlichen Bewegung und mit der Einführung einer Schutzgesetzgebung gegen Kollektiwerleumdung beschäftigen. In der e rsten Entschließung werden die Bemühungen, gewisser Organisationen und politischer Gruppen in der Union, Mißstimmung und Haß gegen ihre jüdischen Einwohner hervorzurufen, bedauert. Der Kongreß bekundet seinen Abscheu vor Methoden, durch die offenkundig unwahre und ungerechtfertigte Beschuldigungen und Verleumdungen in Umlauf gesetzt worden sind. Er erblickt in den Versuchen, zwischen der jüdischen Gemeinschaft und der übrigen südafrikanischen Bevölkerung Zwietracht und Uneinigkeit zu säen, einen sehr schlechten Dienst für das Land. Mit Genugtuung stellt der Kongreß die von den geistigen Führern in der Kirche, im Parlament, in der Presse und anderwärts, sowie von der aufgeklärten und gerechtdenkenden südafrikanischen gegen Naxihetze Bevölkerung im allgemeinen angenommene Haltung gegen die Kräfte fest, die Mißstimmung zwischen Juden und Nicht juden hervorrufen wollen. In der zweiten Entschließung wird die Regierung dringend aufgefordert, Gesetze zu schaffen, die gerichtliche Abhilfe gegen eine Betätigung ermöglichen, weiche Gefühle der Mißstimmung und Feindschaft oder der Verachtung gegen eine Klasse oder Gruppe der Einwohner der südafrikanischen Union hervorruft oder fördert. Die Einführung einer solchen Gesetzgebung wird verlangt, weil die gegenwärtige judenfeindliche Propaganda in Südafrika den Traditionen Südafrikas entgegengesetzt sei, die demokratischen Einrichtungen bedrohe und eine Gefährdung des Friedens und der Wohlfahrt der gesamten Union darstelle. Eine Mahnung des General Smufts Der stellvertretende Ministerpräsident General J. C. S m u t s hat in einer Botschaft an den Kongreß die förderlichen Beziehungen zwischen Board und Regierung hervorgehoben und unter Hinwels auf ein Wort des Propheten Jesaja die Vertreter der südafrikanischen Judenheit ermahnt, Geduld, Vertrauen und Gemütsruhe zu bewahren. Diese Eigenschaften seien gute Waffen. ILFE:*^ jeden Bart bezwingen I EnthäSt der Bericht der KgL Kommission den TdlungsvorsdiBag % Aus London wird gemeldet: Obwohl über den Inhalt des Berichtes der Kgl. Kommission amtlich nichts bekanntgegeben wird, nimmt es die ganze britische Presse als feststehend an, daß die Kommission die Teilung Palästinas vorschlägt. „Manchester Guardian" erklärt, man könne nicht länger daran zweifeln, daß die Kommission die Teilung empfohlen habe, wenn es auch weit weniger sicher sei, ob die veröffentlichten Vermutungen über Grenzziehung und Teilungsbedingungen in allen Einzelheiten zutreffen. In demselben Sinne .äußert sich die „Morning Post", die auf die nunmehr gegebene Möglichkeit einer jüdischen Vertretung im' Völkerbund hinweist. „Daily Telegraph" meint, daß der jüdische Staat an der Küste und der arabische Binnenstaat von annähernd gleicher Größe sein dürften. Außerdem seien Korridore zu den Häfen von Haifa und Jaffa vorgesehen. Demgegenüber betont die Zeitschrift „G r e a t B r itain and the East" im Leitartikel ihrer am Donnerstag erschienenen Nummer, daß alle Voraussagen über die Vorschläge reine Vermutung sind. Gleichzeitig werden die gegnerischen Parteien in Palästina vor dem Versuch gewarnt, die Regierung einzuschüchtern, denn diese sei entschlossen, solchen Versuchen mit fester Stirn zu begegnen. Laut „Evening Standard" empfiehlt der Bericht, daß Jerusalem, Bethlehem und Nazareüi: tijnter den dauernden Schutz der britischen Regierung efltellt werden sollen. Man glaube, daß die Führer d'^'r Juden In Palästina diesem Vorschlag zustimmen würden. Diese Neuregelung würde allerdings vorsehen, daß das jüdische Dominion nicht volle Dominionsrechte besäße und daß alle Entscheidungen über Verteidigung und Außenpolitik einzig und allein von London getroffen werden würden, wo eben diese Entscheidungspositionen auch weiterhin verbleiben würden. Das jüdische Dominion würde, wie es in dem Berichte heißt, nicht selbständiges Mitglied des Völkerbundes sein. Es hätte vielleicht die gleiche Stellung, wie sie heute z. B. Rhodesien einnimmt. * „Manchester Guardian" meint, daß die britische Regierung sich doch noch entschließen dürfte, den Bericht der Kommission zunächst und ihre Entscheidung erst im Spätsommer zu veröffentlichen. Vermutlich werde der Bericht Mitte Juli, jedenfalls noch vor den Parlamentsferien veröffentlicht werden. Es habe immer geheißen, daß die Regierung den Bericht und ihre Entscheidung gleichzeitig bekanntgeben wolle, dooh seien drei Wochen für die Prüfung des sehr umfangreichen Berichtes zu kurz. Vielleicht werde die Reglerungspolitik erst spät im Sommer angekündigt werden. Dies würde anscheinend gleichzeitig bedeuten, daß auch die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes zunächst den Kommissionsbericht und die Entschlüsse der Regierung erst später erhalten werde. gegen Teilung Pala§finas? Wie das Londoner liberale Blatt „S t a r" meldet, werden in London zwischen Dr. Chajm Weizmann als dem Präsidenten der Zionistischen Organisation und Wladimir Jabotinskyals dem Präsidenten der Neuzionistischen Organisation bezüglich einer zionistischen Einheitsfront Verhandlungen geführt werden. Diese Einheitsfront soll einen Druck aller Zionisten auf die englische Regierung ermöglichen, die jetzt im Begriff ist, die Richtlinien für ihre künftige Palästina-Politik festzulegen. Die Meldung des „Star" läßt nicht erkennen, wieweit das Zusammengehen der Zionistischen Organisation mit den dieser Organisation nicht mehr angehörenden Revisionisten gedacht ist. Möglicherweise kann die Besprechung Weizmann-Jabotinsky als der Vorläufer einer zionistisch-revisionistischen Round- Table-Konferenz gelten, wie sie schon mehrmals angeregt wurde. Wichtige militärische Beratung in Jerusalem Aus Jerusalem: Im King David-Hotel In Jerusalem hat unter dem Vorsitz des Oberkomraandierenden der britischen Streitkräfte In Palästina, General John Dill, eine Beratung sämtlicher Militärkommandanten Palästinas stattgefunden. Die Beratung dauerte mehrere Stunden. Nach dem Attentat auf den Generalinspektor der Palästina-Polizei, Roy G. Spicer, sind laut „Falastin" zwei neue Regimenter aus Aegypten nach Palästina gebracht worden. (J. T. A.) üdisches Kinder-Ferienheim ,ATID' Sommerlager des Brifh Hakanaim Der Brith Hakanaim veranstaltet heuer sein Sommerlager in der Nähe von Kobersdorf (Burgenland) in schöner waldreicher Gegend in der Zeit vom 19. Juli bis Ende August. Streng rituelle Kost. Freie Badbenützung. Preis für einen vierwöchigen Aufenthalt (ohne Fahrtspesen) S 70.—. Anmeldungen und Auskünfte bei Ch. A. Kupferberg jeden Dienstag und Donnerstag von 5 bis 8 Uhr abends im Zentralheim, II., Praterstraße 30. VERBAND DER JUPENSTAATSZIONISTEN Samstag, den 3. Juli 1937 Somme^aäeHfesl m HaHstaktiM^ (HAUPTAIUI) Programm: Trade Roth, Hilde Dulltxkaja, Eugeq Hoff mann u, a. Tanzkapelle: fuks' witty vexers / Beginn 9 Uhr abends / Regiebeitrag S 1.50 Spifal am Semmering (820 m) Inhaber und pädagogischer Leiter: A. TACIICHT Modems» Rituell Ersfronglg Sföndlge ärtll. Kontrolle. Glflruehde Erholungserfolge. Ärttereferenten SEKRETARIAT: Wien IX, SehwarsspanlerstraBe 12 Telephon A-26-3-73 ■ AUS ALLER WELT Der außerordentliche Kongreß der Jüdischen Reichspartei Rumäniens, der vom 20. bis 22. Juni in Bukarest tagte, hat eine Reihe Resolutionen angenommen, in denen es heißt: „Die autorisierten Vertreter der Jüdischen Reichspartei geben der Stimmung der ganzen jüdischen Bevölkerung des Landes Ausdruck, indem sie ihre tiefe Besorgnis über die gegenwärtige außerordentlich ernste Lage der Juden Rumäniens aussprechen. Er fordert die Regierung auf, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um die der jüdischen Bevölkerung auf Grund der Verfassung garantierten Rechte zu schützen und jedem Versuch entgegenzutreten, auf gesetzlichem Wege einen bestimmten Bevölkerungsteil zu diskriminieren. * Ab 1. Juli erscheint in Berlin ein neues jüdisches Wochenblatt „Das jüdische Volk". Die Zeitung wird als Organ der Staatszionistischen Organisation (Vereinigte Zionisten-Revisionisten Deutschlands) herausgegeben. # Die in Atlantic City abgehaltene Landeskonferenz des Jugendverbandes Young Israel hat eine Resolution gefaßt, in der alle thoratreuen Juden aufgefordert werden, jeglichem Abkommen die Anerkennung zu verweigern, das das Erbe Erez Israels unterhöhlt; die Regierung der Vereinigten Staaten wird aufgefordert, von Großbritannien die Erfüllung der von ihm auf Grund der Balfour-Deklaration übernommenen Verpflichtungen zu verlangen. Schließlich wird an Präsident Roosevelt der Appell gerichtet, die Beschränkungen der Einwanderung nach Amerika zugunsten Verfolgter zu mildern. * Das schwedische Parlament (Rikstag) hat ein Schächtverbotsgesetz angenommen, das bereits in der amtlichen Zeitung veröffentlicht wurde und am 1. Juli in Kraft treten soll. Laut dem Gesetz ist das Schlachten von Tieren ohne vorherige Betäubung verboten. Das Schächten von Geflügel bleibt welter gestattet. # Die Verwaltung der Levantemesse in Barl hat mit Zustimmung der italienischen Regierung beschlossen, anläßlich der kommenden Levantemesse einen speziellen „P a 1 ä s t i n a - T a g" (Giornata Palestinese) anzusetzen, an dem Vertreter des palästinensischen Handels gemeinsam mit Vertretern italienischer Handelskreise die Möglichkelten der Anknüpfung engerer wirtschaftlicher Beziehungen zwischen den beiden Ländei'n erörtern sollen. Dieser Beschluß erfolgte im Zusammenhang mit den Bemühungen maßgebender Handels- und Industriekreise Italiens, ungeachtet der freundschaftlichen Beziehungen Italiens zum Islam die kulturellen und Handelsbeziehungen Italiens zum jüdischen Palästina zu fördern. Diese Kreise verlangen, daß die italienische Regierung die maßgebenden jüdischen Faktoren in Palästina einlade, auf der bevorstehenden Levantemesse einen eigenen Pavillon zu errichten. Ausnahmszustand in Czenstodiau Aus Warschau: Obwohl in Czenstochau allmählich Ruhe und Ordnung zurückzukehren beginnen und einzelne jüdische Geschäfte wieder geöffnet werden, hat die Polizei am Donnerstag, den 24. Juni, den Ausnahmezustand verhängt. Ab 9 Uhr abends müssen die Haustore gesperrt sein. Außerdem wurde der Ausschank alkoholischer Getränke verboten. Insgesamt wurden bisher 300 Verhaftungen vorgenommen. Bei zahlreichen Verhafteten fand man geraubte Ware. Abg. Dr. Gottlieb brachte im Sejm eine Interpellation an den Ministerpräsidenten wegen des Pogroms in Czenstochau ein. Er wies darauf hin, daß die Behörden in Czenstochau den antijüdischen Unruhen nicht energisch genug entgegengetreten sind. Zahlreiche jüdische Geschäfte und Häuser sind in Gegenwart der Polizei überfallen und geplündert worden. Die jüdische Gemeinde in Czenstochau hat ein zentrales Hilfskomitee gebildet. Ein Vertreter des Joint Distribution Committee ist in Czenstochau eingetroffen. Aus Warschau wird gemeldet: Die Lage in Czenstochau ist noch immer bedrohlich. In den Vorstädten haben sich die Ausschreitungen wiederholt. Der Jude Leib Birnbaum mußte in bedenklichem Zustand ins Krankenhaus gebracht werden. Aus der gefährdeten Zone haben Juden unter Lebensgefahr die Thora-1 rollen mehrerer Synagogen gerettet. Das Bethaua „Ohei Nah um" wurde vollständig demoliert. Die heilige Lade wurde zertrümmert, die Thoraroilen wurden auf die Straße geschleppt und angezündet; einige wurden in den Teich geworfen. Bei der Jüdischen Gemeinde haben sich bereits 200 Schwergeschädigte registrieren lassen. Eine tausendköpfige Menge veranstaltete um Mitternacht eine Kundgebung am Grabe des erschossenen Baran. Die Polizei wurde als „Judenknechte" beschimpft und mit Steinen beworfen. Auf dem Rückweg wurden abermal« die Fenster jüdischer Häuser zertrümmert. > s<

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