Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 667 (29.6.1937)
- Date
- 1937-06-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712292--6568-2720337- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 667 vom 29. Juni 1937 ff Für den JudenstaaC.♦. Wählet am 1. Juli die Liste: Gegen die Teilung Palästinas ♦.. || ATlflNAI FD Rl flf K Für die nationale Einheit... ^MmlmSSrnS^ Gegen Klassen* und Kulturkampf ♦♦. Listenführer: Dr. 0. Grünbaum, Robert Stricker Im Kampf um den Heril-Zionismus Aufruf der Liste „Nationaler Block" (Zionistischer Landesverband — Verband der Judenstaats-Zlonisten) Der für den 3. August nach Zürich einberufene XX. Zioniätenkongreß findet In einer Zeit größter Bedrängnis des jüdischen Volkes statt. Aus aller Welt kommt die Kunde von grausamen Verfolgungen, die auf die moralische und materielle Vernichtung der Juden abzielen. Darüber hinaus, um das Maß voll zu machen, ist Erez Israel, das jüdische Nationalhelm, in Gefahr geraten. Die jüdische Einwanderung ist tatsächlich gesperrt und Pläne einer in ihrer Wirkung vernichtenden Zerreißung und Zerkleinerung des durch die Abtrennung Transjordaniens bereits arg verstümmelten Landes werden wieder erwogen. Angesichts dieser katastrophalen Lage haben sich die unterzeichneten Verbände zur Vermeidung eines Wahikampfes der zionistischen Parteien gegeneinander um die Aufstellung einer Einheitsliste für die bevorstehenden Wahlen zum XX. Zionistenkongreß bemüht. Leider ist der Plan eines einheitlichen Vorgehens gescheitert und zwar vor allem an der Haltung der Verbandes „Binjan Haarez" (Arbeitendes Palästina). Ein Wahlkampf wird also stattfinden. Um ihn nach Möglichkeit abzugrenzen, haben sich die beiden gefertigten Verbände (Zionistischer Landesverband und Judenstaats-Zionisten) entschlossen, eine gemeinsame Liste unter dem Titel „Nationaler Block" aufzustellen. Beide Verbände, Allgemeine Zionisten und Judenstaats-Zionlßten, sind dieses Wahlbündnis unter völliger Wahrung Ihres Programms eingegangen und jeder von ihnen wird auf dem Kongreß für sein Programm einstehen und ein KlassenkampMdeolofgfle - Unglück für Palästina Die Erziehung zum Klassenkampf hat das jüdische Palästina, welches nur im Zeichen der nationalen Einheit erbaut werden kann, und ohne diese Einheit den äußeren Feinden zum Opfer fallen muß, gespalten und zerrissen. Die in den klassenkämpferischen Organisationen zusammengefaßten und erzogenen Menschen sehen in allen anderen den „Feind". Ihre Kinder dürfen nicht mit den anderen spielen. Sie machen daher Arbeiter-Kindergärten. Ihre Mädchen und Knaben dürfen nicht mit den anderen lernen. Sie errichten daher Arbeiter-Schulen. Ihre jungen Leute dürfen nicht mit den anderen Sport betreiben. Sie gründen daher Arbeiter-Sportvereine. Dann Arbeiter-Theater und Arbeiter-Orchester und noch Duztende von Institutionen gegen den „Feind". Wohin diese Art der Erziehung von Kindern und Erwachsenen führt, beweist ein Vorfall, über welchen die in Tel-Aviv erscheinende Tageszeitung „Haboker" in ihrer Nr. 457 unter dem Titel: „Sind wir schon wie in Sodom?" wie folgt berichtet: „Krongold und Sakwarer, zwei in der nationalen Gewerkschaft organisierte Arbeiter aus Petach Tikwa, arbeiten seit längerer Zeit in einem jüdischen Pardess, der an das arabische Dorf M i s k l grenzt (dieses Dorf hat sich während der Unruhen „ausgezeichnet"). In demselben Pardess arbeiten auch etwa zwanzig Arbeiter vom sozialistischen Kibbuz Ramat-ha-Kowesch. Jeden Tag kommt ein Auto des Kibbuz hin, um die Arbeiter nach Hause zu führen. Die zwei Arbeiter aus Petach Tikwa fahren nur einmal in der Woche nach Hause, am Freitag, und benutzen dabei das Auto ihres Arbeitsgebers. Es geschah, daß das Auto am letzten Freitag nicht um die zwei Arbeiter kam. Darauf baten diese den Chauffeur des Klbbuz-Autos, er möge ihnen erlauben, bis Gan-Chajim mitzufahren. Aber der Chauffeur lehnte ihre Bitte ab und wollte sie unter keiner Bedingung mitnehmen. Da sie keinen anderen Ausweg hatten, um ihre Familien nicht zu beunruhigen, machten sie sich z u F u ß auf den Weg durch diese gefährliche Gegend (dort wurde Jechiel Chajimowicz getötet. Auch er war Betari und kam um, als er das rote Ramat Kowesch bewachte. Die Red.). Jeder Schritt der beiden Betarim war mit Lebensgefahr verbunden." Das ist Roheit, das ist Verkommenheit, die kaum zu überbieten ist. Ist der Chauffeur verantwortlich zu machen? Nein, nur seine „Führer", die ihn zum „heiligen" Klassenkampf erzogen haben, in welchem jedes Mittel gut ist, wenn es nur dem „Feinde" schadet. Und „Feind" ist nicht nur der Mittelständler, „Feind" kämpfen. Den Wahlkampf selbst aber wollen' sie gemeinschaftlich im Zeichen folgender Postulate führen: Kampf um die restlose Erfüllung der Balfour- Deklaration und des Palästina-Mandats durch die britische Mandatsmacht; freie jüdische Einwanderung und Förderung der geschlossenen jüdischen Siedlung. Kampf für einen Judenstaat in den historischen Grenzen und gegen jeden Versuch einer Teilung Palästinas oder seiner Zerreißung in arabische und jüdische Kantone. Friedlicher Aufbau Erez Israels im Zeichen der nationalen Einheit. Ablehnung der Ideologie des Klassenkampfes, welche das Volk in feindliche Lager spaltet und den Willen zu gemeinsamer Arbeit für das Land und zu gemeinsamer Abwehr des äußeren Feindes untergräbt. Ablehnung des Kulturkampfes, welcher die Atmosphäre im Lande vergiftet und die Grundfesten des jüdischen Volkstums erschüttert. Meinungsfreiheit für den Einzelnen, verbunden mit tiefster Achtung vor dem jüdischen Religionsgesetz, das in allen Einrichtungen der Zionistischen Organisation und ihrer Fonds zu respektieren ist. Das sind die Grundsätze, welche den im „Nationalen Block" geeinten Verbänden gemeinsam sind und in deren Zeichen sie in die Wahlen zum XX. Zionistenkongreß eintreten. Zionistischer Landes- Verband der Judenstaatsverband für Oesterreich. Zionisten Österreichs. ist auch der Arbeiter — und er vor allem —, wenn er nicht der Ideologie i3$s Klassenkampfes huldigen will. Es ist bitterster Hohn, wenn die Partei, welche diese seelische Verwüstung bewirkt, den Titel einer Partei des „arbeitenden Palästina" für sich in Anspruch nimmt. Das Somtnerfed du {üdUcUcH Jugend! SAMSTAG, 3. Juli, Kasino Zögernitz, Wien XIX, Döblingor Hauptstraße 78, halb 9 Uhr abds. „ZEUGNISVERTEILUNG JvKaJi Tan»: Original Elite Klddles Kurzrevue Künstlerische Darbietungen Heuriger Prater 9 Juxbazar usw. KARTEN a S 2.-, Gronner, I.Graben 28; JUd. Ku Ituritelle, I.Kal 3 JUd. Klub der Jungen, II, Praterstraße 8 (Cafö) OH Gegen „Schacher" und Verzicht Ein A-Zionist sagt sich los Im Organ der „Wizo" (Nr. 3, Juni 1937) nimmt der Vizepräsident und Sprecher der Föderation englischer Zionisten, Paul Goodman, bisher treuester Gefolgsmann Prof. Weizmanns, in entschlossener Weise gegen die vom Präsidenten und seinem Kreise betriebene Politik des Verzichtens Stellung. Er schreibt: „Die so gut wie aufgehobene Einwanderung der Juden ist ein böses Omen für die Zukunft und legt uns die Verpflichtung auf, uns der Aberkennung unserer Rechte mit größter Entschiedenheit und moralischer Ueberzeugungskraf t entgegenzustemme n." „Es will fast scheinen als ob noch Schlimmeres zu erwarten sei. Da es der palästinensischen Verwaltung nicht gelungen ist, mit den arabischen Gewaltmethoden auf dem Wege sanfter Beredsamkeit fertig zu werden, droht die Möglichkeit, daß die britische Regierung die Juden auf einen kiel neu Teil Palästinas beschränkt, wodurch ihnen jede Möglichkeit einer Ausbreitung genommen wäre, Die Tatsache, daß ein derartiger Plan allem Anscheine nach von der Königlichen Kommission ernstlich erwogen wird und daß einige führende zionistische Persönlichkeiten, verleitet durch die Fata Morgana eines Juden Staates, eine solche „Lösung" des Palästina-Probleme« tatsächlich befürworten, dürfte den nächsten Kongreß vor eine Schwierigkeit stellen, wie sie seit dem Uganda- Plan de» Jahre» 1ÖQ3 nicht mehr aufgetaucht ist." Es ist möglich, daß die „Teilungs-Frage", wie man das Projekt der Sonderung der Juden von den Arabern heute nennt, den Kongreß in zwei Lager «palten wird. Diese Gefahr dürfte verringert werden, wenn man erkennt, daß die Nachteile der „Teilung" eine Annahme unmöglich machen. Wenn man aber den Weg ein* schlagen sollte, die Juden durch Beschränkungen, wie 814 im letzten Labour Schedule für die Einwanderung vorn gesehen sind, zur Annahme der „Teilung" zu zwingen* Wird vielleicht das Bestreben, die dringlichsten Bedürfnisse des jüdischen Volkes zu erfüllen, viele Zionisten dazu verleiten, die Zukunft des jüdischen Volkes um der Gegenwart willen zu verschachern. Die Delegierten werden sich daher genötigt sehen,; Entscheidungen von weittragender Bedeutung zu fällen* Persönliche Gefolgschaftstreue wird da wohl auf eine harte Probe gestellt werden. *.." * Die Feststellung, daß Professor Welzmann und der Kreis um ihn — die im Wahlkampfe von ihm geführten Allgemeinen Zionisten Gruppe AI und die ihr verbündete Partei des „Arbeitenden Palästina" der Teilung zuzustimmen bereit sind, ist um so beachtenswerter, da sie hier aus diesem Kreise selbst kommt. Beschämende Vorfalle Die Wahlleitung der Liste „Nationale« Block" teilt mit: Die für die Kongreßwahlen eingesetzte Haupt« Wahlkommission, welche von allen zionistischem Gruppen beschickt ist, hat nach Prüfung der Wahler* liste folgendes festgestellt, bzw. beschlossen: Die auf dem Wahlvorschlag der Liste des „Ar* beitenden Palästina" (Binjan Haarez); aufscheinende Kandidatin, Frau Dr. Marta Hoffmann, Wien, IX., Dollfußplatz 12, hat den für die Erlangung des aktiven, bzw. passiven Wahlrechts sowie für die Mitgliedschaft zur Zionistischen Organisation notwendigen Schekel nicht erworben. Sie erscheint demnach nicht in der Wählerliste und wurde von der Kandidatenliste des „Arbeitenden Palästina" ge* strichen. Bei einigen hundert Schekelabschnitten wurde festgestellt, daß die darauf ordnungsgemäß eingetragenen Namen von Schekelzahlern ausradiert und andere Personen, die den Schekel nicht erworben haben, eingetragen wurden. Diesen, auf derart unrechtmäßige Weise eingetragenen Personen wurde das Wahlrecht nicht zuerkannt, bzw. wurde eine Anzahl in der Wählerliste unrechtmäßigerweise aufscheinender Personen aus derselben gestrichen. Da es sich bei allen diesen auf den Schekel* abschnitten unrechtmäßig eingetragenen Personen nachweisbar um im Verband „Binjan - Haarez'* (Liste „Arbeitendes Palästina")1 aktiv tätige Mitglieder handelt, erscheinen die Vertreter der Liste des „Arbeitenden Palästina" in der Hauptwahlkommission sowie der im Wahlbüro angestellte Vertrauensmann der Liste des „Arbeitenden Palästina" schwer belastet. Die Hauptwahlkommission hat ihnen die schärfste Mißbilligung ausgesprochen. Unter dem Druck des vorliegenden Beweismaterials haben sich die Vertreter des „Arbeitenden Palästina" zur sofortigen Zurückziehung ihres Vertrauensmannes aus dem Wahlbüro bereit erklärt. Die Hauptwahlkommission hat für die ordnungsgemäße Durchführung der Kongreßwahl wie zur Verhinderung weiterer Durchstechereien jede Vorsorge getroffen. Man kann dieses Vorgehen, welches die zionistische Bewegung zu kompromittieren geeignet ist, nicht genug scharf verurteilen. Die Vereinigung Binjan Haarez (Liste „Arbeitendes Palästina") war es, welche die Vermeidung des Wahlkampfes in dieser schweren Zeit (durch Aufstellung einer Einheitsliste) verhindert hat. Aber nicht genug daran, daß sie einen Kampf provoziert hat, führen ihre Mitglieder diesen Kampf mit verwerflichen Mitteln, mit Fälschung und grobem Vertrauensmißbrauch. Sie vergiften die Atmosphäre in der zionistischen Bewegung, Angesichts dieser Vorkommnisse gibt es nur eine Antwort: Erscheint bis zum letzten Mann bei der Urne und wählt die Liste // // Listenführer; Dt» .0. Gnwbaum, — Robert Stricker,