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Die neue Welt · 1937-06-22 · Heft 665 (22.6.1937) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 665 (22.6.1937)
Date
1937-06-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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t Seite 4 Im Berufsleben steht, bildet denHauptkader unseres Volkes. 8. Bedingungsloser Kampf gegenKommunismus und Assimilation in unseren Reihen, 9. (Wirtschaftliche Tätigkeit durch kaufmännische Organisierung des Tozereth Aarez. Hier muß ein sachkundiger Beamtenstab sein Arbeitsfeld finden. 10. SozialeTätigkeit durch Vermittlung von Arbeitsgelegenheiten und -stellen. Produktive Berufsberatung. Ermöglichung einer Einordnung der jungen jüdischen Generation in das Wirtschaftsleben. 11. Einsetzung von schnellfunktionierenden Schiedsgerichten, die alle Streitigkeiten der Zionisten untereinander unparteilich und ehestens aus der Welt schaffen. Diese Punkte nehmen die Bezeichnung eines abgerundeten, vollkommenen Programms keineswegs in Anspruch. Sie zeigen vielmehr nur den Weg zu einer künftigen, erfolgreichen Arbeit und beschränken sich nur auf Andeutung der brennensten Fragen. Es ist a n u n s, durch unsere Arbeit und durch unsere Einsatzbereitschaft unerschrocken und unermüdlich für eine bessere Zukunft zu kämpfen. Erfüll! die Makkabiade ihren Zweck? Von Dr« Erwin H u 11 e v (Brünn) . In einer Zeit, wo die Kapitel körperliche Ertüchtigung und vormilitärische Ausbildung einen ansehnlichen Teil des ordentlichen Budgets jedes Kulturstaates ausmachen, indem die Anlage von Sportplätzen, Schaffung von Schulen für Leibesübungen, Beistellung von Instruktoren und schließlich die körperliche Ausbildung durch den aktiven Militärdienst von den Regierungen jedes Landes betrieben werden, drängt sich uns die Frage auf, was in dieser Hinsicht von unserer zionistischen Exekutive, die ja sozusagen eine Regierung unterwegs darstellt, geleitet wird. Bei uns im zionistischen Lager bleiben alle diese Aufgaben der privaten Initiative der Turn- und Sportvereine überlassen, die sich im Weltverband des Makabi organisiert haben. Zu seiner Förderung sind im Budget der Zionistischen Organisation verschwindend kleine Ziffern eingesetzt und, abgesehen von der Beistellung von Protektoren für größere Sportveranstaltungen der Vereine und Verbände zwecks Sicherung ihres politischen Einflusses, kümmern sich die offiziellen zionistischen Stellen um die schwierige Aufgabe der körperlichen Jugendertüchtigung sehr wenig. Das ist nicht überraschend, wenn man bedenkt, daß die Exekutive den Gedanken Herzls vom Judenstaat auf Schritt und Tritt verleugnet und betont, keinen Staat zu brauchen. Wir sprechen von vormilitärischer Ausbildung; wie liegt die Sache bei den Staaten, in denen überhaupt keine Militärdienstpflicht besteht und zu denen auch Palästina gehört? Das Beispiel des reichen England, das seinen Söhnen die Last des Militärdieristes durch bezahlte Berufssoldaten abgenommen hat, ist auf uns nicht anwendbar. Wir sehen, daß diese lebenswichtige Aufgabe bei uns auf die Tätigkeit der Makkabi-Vereine beschränkt bleibt, die deswegen öffentliches Interesse, materielle Unterstützung und Kontrolle verdienen. Wir wollen sie also näher betrachten. Bei den Makkabi-Vereinen, die ursprünglich Turnvereine waren, macht sich mehr und mehr ein Zug zum Sport bemerkbar. Es wird immer mehr Gewicht auf sportliche Leistungen gelegt; den Höhepunkt ihrer Tätigkeit bilden die Makkabiaden in Tel- Aviv. Die Makkabiade ist ganz nach dem Muster der Olympiade geschaffen, die ihrerseits eine Wiedererweckung der alten griechischen Olympiade sein soll. Das stimmt aber nicht ganz, denn bei den klassischen Griechen war sie nicht bloß ein kulturelles Ereignis ersten Ranges (man spricht vom Kampf der Wagen und Gesänge). Sie hatte vornehmlich eine militärische Bedeutung, da Wagenkampf, Speerwerfen usw. beim Stand der damaligen Waffen einen integrierenden Bestandteil der klassischen Kriegskunst bildeten. Der modernen Olympiade und damit auch der Makkabiade, ihrem getreuen Abklatsch, sind aber nur die Athletik, Turnen, Schwimmen, Spiele usw. vorbehalten geblieben, wobei die Einzelleistungen nach moderner Art gemessen werden und die Brechung und Neuaufstellung von Rekorden Endzweck und Ziel sind. In ihrer ganzen Art und Aufmachung ist also die Olympiade eine großangelegte Erziehung von Primadonnen, versteckt und unaufrichtig den Professionalismus protegierend. Kann da von körperlicher Ausbildung der Jugend die Rede sein? Ist der Wehrhaftmachung der Nation auf diese Art gedient? Die Antwort fällt nicht schwer — sie ist negativ und wir suchen Wege zum Besseren. Man muß sachliche Vorschläge bringen, jedenfalls muß der Punkt erörtert werden. Während es aber in demokratischen Ländern üblich ist, sich mit einer sachlichen Opposition auseinderzusetzen, werden von der jetzigen Leitung alle Vorschläge, die nicht „von oben" kommen, feindselig angesehen und hintertrieben. Unsere großen nationalen Turn- und Sportvereinigungen werden aber hoffentlich erkennen, < DIB NEUE WELT daß Parteimänner, die von Herzls Weg zum Judenstaat vorsätzlich abgekommen sind, die körperliche Ertüchtigung und Wehrhaftmachung der Jugend nicht zu fördern vermögen, auch wenn sie jetzt in das Horn der Selbstverteidigung stoßen. Man wird sich an Gruppen wenden, die schon programmäßig die Schaffung und Verteidigung eines jüdischen Staates in Palästina zum Ziel haben. lln§er Zeiiung§we§eii Ein Beispiel Von Fritz Kohn (Praha) In der tschechoslowakischen Republik leben rund 380.000 Juden. Zirka 20.000 Schekelzahler werden in den Jahren, in welchen der Zionistenkongreß tagt, ausgewiesen. Eher etwas weniger. Das sind fünf Prozent. Der einzelne Zionist lebt ohne Zusammenhang mit dem großen Kollektiv, der Zionistischen Organisation, dahin und hat, mit Ausnahme der Kongreßwahlen, überhaupt keinen Anteil an ihrer Führung und Willensbildung. Er liest gewöhnlich die einmal in der Woche erscheinende „S e 1 b s t w e h r", selten die tschechisch geschriebenen „Jüdischen Nachrichten". So wird er auf dem Laufenden erhalten. Die Leitartikel der „Selbstwehr" haben, wenn sie aus der Feder des Chefredakteurs stammen, etwas Unverbindlich-Geistreiches in sich und es wohnt ihnen das Bestreben inne, nirgendwo anzustoßen, wiewohl manchmal — wenn es durchaus nicht vermieden werden kann — böse Zeiten und Leute im allgemeinen beklagt werden. Diese Leitartikel loben gern und oft das Bestehende und beeilen sich, mit der obligaten, tiefen Verbeugung vor einer zionistischen Lokalgröße nicht zu spät zu kommen. .Diese Leitartikel fürchten die eindeutige Klarheit, versuchen sich vielmehr durch Schönheit und Gescheitheit des Stils an den Hauptproblemen vorbeizudrücken und ihr Mäntelchen nach dem Wind zu hängen. DasWagnis derMittein die Tat umgesetzt! Da man schon nichts anderes unternimmt, um die Massen für unsere Idee zu gewinnen und dem einzelnen Wissen und Kraft zu vermitteln, so muß man in der repräsentativen und offiziellen Zeitschrift lebendig und klar schreiben. Der kleine Mann hat seine Sorgen und Plagen, besonders der Mensch der jüdischen Gasse. Will man ihn gewinnen, muß man ihm ehrlich den Spiegel der Zeit hinhalten und sich mit Zeitfragen offen und tapfer auseinandersetzen. Wer aber wird beispielsweise aus folgendem klug? Im Leitartikel der offiizellen „Selbstwehr" vom 11. Juni 1937 befaßt sich ihr Chefredakteur, Herr Dr. Felix Weltsch, mit den „Te i 1 ü n gs p h a n t asien" (die Ueberschrift), der wichtigsten Frage, die uns Juden derzeit bewegt, der Lebensfrage des P a 1 ä s t i n a-A u f b a u e s. Nun stellen wir uns vor, ein einfacher Zionist draußen in der Provinz nimmt das Blatt in die Hand, um sich seine Meinung darüber zu bilden. Ist die Teilung gut oder schlecht für Erez Israel? Soll man dafür sein oder dagegen? Instinktiv ist er dagegen. Aber schließlich haben die verantwortlichen Menschen und Zeitungsleute einen größeren Ueberblick. Also Herr Dr. Weltsch, der Zeitungsmann, sagt zu dem Manne u. a.: „Eine nüchterne Beurteilung unserer Lage und unserer Möglichkeiten muß den Gegnern aller Teilungspläne recht geben." Na also, sagt sich der Leser, meine Auffassung. „Gewiß kann man nicht sagen, daß eine Teilung unter allen Umständen abgelehnt werden muß." Also doch etwas Gutes daran?! „Man könnte sich ja eine Teilung denken, welche unseren Status so verbessert und solche Möglichkeiten schafft, daß wir eine gewisse (?) Verkleinerung des Gebietes dafür gerne hingeben würden." Was heißt „man könnte sich denken"? Denkt man daran, gibt es irgendwo eine greifbare Stütze dafür, daß sich in den Köpfen der verantwortlichen englischen Politiker ein solcher Gedanke festgesetzt hat? Oder könnte man sich nicht ebensogut denken, daß Zypern und Ceylon unter das Mandat der Palästina-Regierung kommen? Und was heißt „eine gewisse Verkleinerung"? Diese Fragen beantwortet der nächste Satz. „Aber — gegen eine solche günstige Teilung sprechen alle Wahrscheinlichkeiten." Also war das Vorhergehende nur Denksport; wenn es auch unklar ausgedrückt ist — Philosophen sind so, denkt er sich —, und es steht fest, daß die Teilung ungünstig für uns wäre. Und er liest weiter. „Das ist auch das einzig richtige Argument für unsere Politik der Teilung gegenüber. Es kommt auf die geschaffenen realen Möglichkeiten an. Man kann nicht unbedingt sagen, daß sie darum kleiner werden müssen — und darum wäre es durchaus nicht richtig, etwa unsere Vertreter mit gebundenen Händen zum Kongreß zu senden und ihnen Entscheidungen aufzuerlegen, bevor wir wissen, welche Entscheidungsmöglichkeiten sich ihnen bieten; werden." Diesen Satz versteht der einfache Leser nicht und er kann ihn nicht verstehen, weil er bewußt zur Verdunkelung der Gehirne gesetzt wurde. Ein Mann des Wortes und Buches ist von diesem ungeheuerlichen Vorwurf einfach nicht freizusprechen! Welch eine Konstruktion! Was hält man von der Lebensfähig- Nr. 665 voni 22. Juni 1937 keit eines Kranken, wenn der ärztliche Befund folgen«« dermaßen lautet: „Man kann nicht unbedingt sägea, daß der Patient darum sterben muß"? Den Verwandten telegraphieren und den schwarzen Anzug indie Putzerei tragen, ist die einzige Antwort. Außer, jemand glaubt an Wunder. Oder erst heißt es: „Gegen eine günstige Teilung sprechen alle (im Text gesperrt gedruckt) Wahrscheinlichkeiten" und später „es kommt auf die dadurch geschaffenen realen Möglichkeiten an". Und jetzt kommt der Clou der geistigen Purzelbäume. „Dennoch sprechen heute alle Wahrscheinlichkeiten dafür, daß eine Teilung in welcher Form immer unser Aufbauwerk wohl nicht unmöglich m a c h e n — denn es gibt wohl keine Situation, in der wir nicht immer wieder versuchen würden, unser Ziel zu erreichen — aber aufs empfindlichste und verhängnisvollste schädigen würden." Was halten Sie, meine Damen und Herren, von einer prekären Situation, von der man sagt, daß es wohl nicht unmöglich ist, sich aus ihr zu befreien? Herzlich wenig, und Sie verzweifeln vollends, wenn ein frommes Sprüchlein hinzugefügt wird, etwa, daß man ja immer wieder und — wohl (!) — von vorne anfangen kann. Und nur für einen einzigen Satz des . Schlußabschnittes haben wir Verständnis, in denen sich der Verfasser woh 1 (!) nicht als brauchbarer und klarer Leitartikler verabschiedet, immerhin. aber im Plural majestaticus seine Worteskapaden und Gedankentänze analysiert und gesperrt gedruckt ausruft: „Und dazu müssen wir vor allem in uns selbst Klarheit schaffen." Bravo! Richtig, mein Herr! Aber doch nicht in einem Leitartikel, sondern wohl zu Hause, sein Pfeifchen rauchend, oder, wenn Sie wollen, im Kreise enger Freunde! Der einfache Mann der jüdischen Gasse darf nicht von einer faustisch nach Licht und wahrer Erkenntnis ringenden Seele in dieser Weise verwirrt werden. Schließlich hat er doch Anspruch auf gesunden Mensch enverstand! Man hat ihm zu sagen: Teilung, das heißt, man will uns wieder etwas wegnehmen. Vielleicht werden wir das nicht verhindern können, aber wehren werden wir uns, zum Teufel, wie Wilde, und du, jüdischer Mensch, bist ein Glied in der Kette und auf deiner Abwehrbereitschaft materieller und ideeller Natur beruht die Wiederstandskraft der jüdischen Nation! Das wird er verstehen, so wie er verstanden hat, als man gegen den Simpson-Bericht kämpfte und durch eine organisierte Welle der Abwehr den Mac- Donald-Brief erzwang. Unsere Presse muß wieder Kampfinstrument werden und den einzelnen gleichsam als lebendige Brücke mit der Gesamtheit, ihrem Fühlen und Denken verbinden, ihm Kraft und Mut geben, auszuharren auf dem steinigen Weg des Volkes zur Heimat und zum Recht. Das kann man erzielen durch klare Formulierungen, dem einfachen Manne verständliche Schilderungen und eindringliche, lebenswahre Parolen. N i emals aber, meine Herren, durch Vernebelung und Verdummung der Geister. (Fortsetzung folgt.) Die jüdischen Zünfte im allen Prag Die „Prager Presse" schreibt: Im. achten Band der von Professor S. Steinherz herausgegebenen „Jahrbücher für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei" gibt T. J a k o b o v,i t s in einem Beitrag „DiejüdischenZünfte in Prag" ehie Darstellung der Entwicklung des jüdischen Handwerks in Prag vom Mittelalter an und seines phasenreichen Kampfes um das Lebensrecht, der Anfang des 17. Jahrhunderts zu fast freier Ausübung des jüdischen Handwerks und relativer Freizügigkeit im Handel führte. Nach dem Dreißigjährigen Kriege erfolgt der allgemeine Niedergaug und damit wieder das heftigere Aufleben des Kampfes der christlichen Zünfte, die überzeugt sind,, daß nur die Juden den Niedergang verschuldet haben, und die Vertreibung der Juden erreichen wollen, mit dem Versprechen, sogar höhere Steuern aufzubringen, als die Juden bisher entrichteten. Dieser Konkurrenzkampf wird immer wieder mit den bekannten Beschuldigungen der Brunnenvergiftung, Pestverbreitung usw. verquickt; sogar die technischen Möglichkeiten des Gaskriegszeitalters werden vorweggenommen: die Juden haben die Luft vergiftet. Aber die schlechten Erfahrungen, die Wien mit dem Experiment der Judenausweisung gemacht hat, mahnen Leopold I. zur Vorsicht. Er gibt nicht nach. Erst unter Maria Theresia kommt es 1745 zur Austreibung der Juden aus Prag. Zwei Jahre später antworten die Zünfte auf die Rundfrage der Statthaltern» „ob sie als Professionisten durch die Juden Schaden erleiden", daß sie durch die Emigrat i.on der \ Juden großen Schaden erleiden, weil ihnen viele Aufträge und Arbeiten entgehen; andere .betonen, daß sie bei den Juden alles wohlfeiler kaufen konnten. Nur eine Minderheit, darunter die Kaufleute, findet das Fernsein der Juden vorteilhaft. Alles in allem zeigt sich, daß diese Operation eine schwere wirtschaftliche Krjse in Erag hervorgerufen hat* (J

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