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Die neue Welt · 1937-06-22 · Heft 665 (22.6.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 665 (22.6.1937)
Date
1937-06-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DDE NEUE WELT Nr. 665 vom 22. Juni 1937 3 Am 1. Juli: Wahl zum XX.Zionistenkongreß Zionfsten! Gebet eure Stimmen der Liste ivN3f lOUdlGf BIOClC^ (Zionistischer Landesverband für Oesterreich / Verband der Judenataatazlonisten Oesterreichs) Listenführer: Dr. Oskar Grünbaum / Ins. Robert Stricker Wahlvorsdilag der Liste „Nationaler Block 7 tionislisdter Landesverband ffir Oestetrddi — Verband der iudensfaatszionfcfen Oesterreichs 1. Dr. Oskar Grünbaum, Rechtsanwalt, I., Walfischgasse 10. 2. Ing. Robert Stricker, Oberbaurat i. P., I., Schottenbajstei 16. 3. Sabine Paßweg, IX., Pramergasse 31. 4. Dr. Nachmann Frey, Arzt, II., Ausstellungsstraße 45. 5. Fritz Richter, Beamter, I., Rotenturmstraße 29. 6. Elias Grünschlag, Kaufmann, Graz, Redtenbachergasse 7. 7. Dr. Henni Lichtenstein-Rappaport, IV., Lambrechtgasse 9. Befriedung ohne Judenpunlci? Von Zeit zu Zeit wird versucht, den sogenannten Nationalbetonten — im Grunde genommen ein nebuloser Begriff in österreichischen Gefilden — den .Weg zum selbstverständlichen Patriotismus freizumachen. Es gibt nämlich bei uns immer noch Menschen, die glauben, daß man ihnen ihr Wohlwollen für das österreichische Vaterland abkaufen müsse; eine schmackhafte Art der Erpressung, über die sich kaum mehr jemand aufregt. „Nationalbetonte"! Das sind Kreise, die sich etwas darauf einbilden, daß sie, obwohl einem Nazikurs zugetan, keine Bomben werfen und keine Schienen aufreißen und keinen lauten Wirbel machen, wenn irgend ein Funktionär des Dritten Reiches nach Oesterreich kommt. Da nun aber im allgemeinen das österreichische "Gemüt sich lieber ausgleicht, als mit den unterirdischen Elementen weiter Krieg zu führen, wurde im Zuge der kulturellen Befriedungsversuche bei der Vaterländischen Front ein volkspolitisches Referat geschaffen, das den Zweck hat, der Befriedung zu dienen und auch solche Gruppen des Volkes politisch aufzuklären, die bisher auf Gedeih und Verderb — mehr auf Verderb — übers andere Ufer hinüberschielten. Das, was die Nazis angerichtet haben, soll jetzt vergessen gemacht, die Atmosphäre soll entgiftet werden. Besonders dieses Letzte wäre wünschenswert. Jahrelang, solange noch die Hakenkreuzpartei und ihre Presse in Oesterreich erlaubt waren, wurde ohne Unterlaß Judenfeindschaft gepredigt, des jüdischen Volkes Ehre und Würde schändlich angegriffen und die jüdischen Staatsbürger als Freiwild betrachtet. Der Nazispuk ist aus den Straßen verschwunden, aber der Niederschlag der rüdesten antijüdischen Hetze ist geblieben. Die Atmosphäre ist nicht entgiftet worden. Den Herren des volkspolitischen Referats wurde eine große Aufgabe anvertraut. Es wird nicht genügen, daß sie den „Nationalbetonten" sagen, was wahres Oesterreichertum ist. Sie müßten das ihnen anvertraute Amt auch dazu verwenden, den Heranzuziehenden eindringlichst zu erklären, daß auch im Judenpunkt die Terminologie und Tatbereitschaft des Dritten Reiches ausgeschaltet werden muß. Ein volkspolitisches Referat, das nur eine begrenzte Befriedung anstrebt, wird sich kaum bewähren können. Eine aufreizende Entscheidung Die disqualifizierten Hakoah-Schwimmerinnen Anläßlich der Olympiade 1936 in Berlin hat die „Sport- und Turnfront", die oberste Sportbehörde Oesterreichs, über mehrere Sportler die Strafe des zweijährigen Startverbotes verhängt. Einmal über drei jüdische Schwimmerinnen, Mitglieder der „Hakoah", weil sie sich als ehrliebende Jüdinnen geweigert hatten, nach Berlin zu gehen, wo die Ehre ihres Volkes mit Füßen getreten wird. Darin bestand ihr „Verbrechen". Dann wurden mehrere „arisch e" Leichtathleten mit der gleichen Strafe belegt. Sie waren wohl nach Berlin gefahren, hatten aber dort das Ansehen Oesterreichs durch skandalöses Betragen in politischer und menschlicher Hinsicht besudelt. Jetzt, nach einem Jahre, hat die „Sport- und Turnfront" Gnade walten lassen. Sie hat die über die „arischen" Sportler verhängte Strafe aufgehoben, und zwar mit sofortiger Gültigkeit. Bezüglich der jüdischen Schwimmerinnen aber hat sie verfügt, daß diese erst ab 1. Jänner 1938 wieder starten 8. Dr. Richard Pokorny, Rechtsanwalt, I., Liliengasse 1. 9. Theodor Grubner, Privatangestellter, IX., Wasagasse 7. 10. Dr. Phöbus Tuttnauer, Arzt, I., Dorotheergasse 6. 11. Kommerzialrat Franz Benedek, Kaufmann, Pohnsdorf. 12. Dr. Abraham Groß, Rechtsanwalt, VI., Capistrangasse 4. 13. Isidor Lebensohn, Beamter, II., Lilienbrunngasse 13. 14. Josef Fränkel, XIX., Grinzinger Allee 7/33. dürfen. Wenn man bedenkt, daß die Schwimmveranstaltungen vornehmlich im Sommer stattfinden, bedeutet diese Verfügung Unrecht an den jüdischen Schwimmerinnen. Warum werden jüdische Mädchen, die niemandem etwas getan und nur ihre jüdische und menschliche Ehre gewahrt haben, schlechter behandelt, als „arische" Sportler, die sich am Ansehen Oesterreichs böswillig versündigt haben? Die österreichische Judenschaft hat die Pflicht, diese Frage zu stellen, und das Recht, von der österreichischen Sportbehörde eine Antwort zu bekommen. Wer hat die Zertifikate bekommen? Die zionistische Exekutive hat bekanntlich die letzte Schedule von 220 Zertifikaten abgelehnt. Es war das Geringste, das sie angesichts dieser Frozzelei des Herrn Wauchope tun konnte. Wir schrieben damals („Die Neue Welt" vom 25. Mai 1937), daß die Zurückweisung der Schedule nicht genüge, daß vielmehr die zionistischen Massen zu einer Demon- Restaurant Stefanie II, Taborstraße 12 Telephon R-48-4-46 HUGO und JULIE HERLINGER, geb. Zollner Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl Reichhaltige Menüs von 1.60 aufwärts / Exakte Bedienung Schöner, schattiger Garten / Angenehmer Aufenthalt stration organisiert werden müssen, die dem englischen Mandatar den Ernst der Situation vor Augen führt. Diese Demonstration ist ausgeblieben. Auf eine Anfrage im Unterhaus bezüglich dieser Schedule-Affäre erklärte Kolonienminister Ormsby- Gore, daß die Zertifikate, welche die Jewish Agency zurückgewiesen habe, wieder in den Machtbereich der Palästina-Regierung zurückfallen. Und nun meldet die J. T. A. aus Jerusalem, die Palästina-Regierung habe die in Rede stehenden 220 Zertifikate bereits — nach eigenem Gutdünken — verteilt. Dieser Vorgang ist ungewöhnlich, handelt es sich doch nicht um Einwanderungsbewilligungen schlechthin, sondern um solche, die der Zionistischen Organisation für ihre jüdischen Bewerber zur Verfügung gestellt wurden. Es fragt sich also, wer die abgelehnten jüdischen Zertifikate bekommen hat. Oder bleibt das ein Geheimnis des Herrn Wauchope? Verfrühter FilmffOptimfamus Nach der Niederlage der österreichischen Filmproduktion endlich ein Sieg! Wien darf um ein paar Filme mehr nach Deutschland exportieren als bisher und es werden auch ein paar tausend Mark mehr aus Deutschland hereinkommen als bisher. Alles in Ordnung, alles in Butter. In den Filmateliers ist man optimistisch, es gibt wieder Drehtage. (Das Wort fängt mit „Dreh" an!) Niemand wird leugnen, daß sich im ersten Antrieb die wiederangekurbelte Filmwirtschaft für viele günstig auswirken wird. Schauspieler, Komparsen, Techniker — abgesehen von Autoren und Musikern — werden wieder beschäftigt sein, der Himmel hängt also voller Geigen ... Es wurde nur im großen Freudentaumel vergessen, zu erzählen, daß die österreichische Filmproduktion sich dem Berliner Diktat gefügt hat; daß jedes Filmbuch erst vom Herrn Dr. Goebbels genehmigt sein müsse; daß jeder Filmschaffende in. Oesterreich dem Arierparagraphen unterworfen ist; daß, kurzum, Juden von dieser wiedererweckten Erwerbsquelle automatisch ausgeschlossen sind. Unter offizieller Assistenz wurde ein Abkommen getroffen, wonach der jüdische Staatsbürger Oesterreichs in. österreichischem Filmbereich nicht dieselben- Rechte hat wie irgend ein „arischer Ausländer". Unter diesem Gesichtspunkt kann man dem Optimismus der Wiener Filmttranche nicht beipflichten. Der Boykott, der in den freiheitlichen, antinazistischen. Ländern wie Holland, Belgien, Amerika usw. gegen, den deutschsprachigen Film geübt wird, wohlgemerkt: gegen den deutschsprachigen, weil man, den österreichischen als einen in Oesterreich erzeugten reichsdeutschen ansieht, wird sich auch weiterhin auswirken. Es gibt große christliche Organisationenr denen wohl bekannt ist, daß in Oesterreich ausschließlich unter der Knute des Goebbels Filme produziert werden, und man läßt sich nicht bluffen, auch wenn, diese Filme die Marke „Made in Austria" tragen. Dom österreichischen Filmmarkt ist mit dem neuen Berliner Abkommen nicht viel gedient. Tarnungen haben, wie Lügen, kurze Beine. Ilm die Teilung Palästinas Widersprechende Meldungen in New York und London Aus New York: Die „New York Times" lassen sich aus Jerusalem berichten, daß Emir Abdulla nach seiner Rückkehr aus London, wo er Besprechungen mit dem Kolonienminister Ormsby-Gore abgehalten hat, erklärt habe, daß der Plan der Teilung Palästinas nunmehr infolge der h e ftigen Gegnerschaft von arabischerund jüdischer Seite aufgegeben worden sei. Es sickert jetzt durch, schreibt der Korrespondent der „New York Times", daß Abdulla sich persönlich gegen die Teilung gewandt hat. Der Emir habe auch erklärt, Minister Ormsby-Gore habe gesagt, alles, was über die Vorschläge der Kgl. Kommission veröffentlicht wurde, sei unbegründet. Aus London: Der Jerusalemer Korrespondent des „Daily Herald" bezeichnet den Beschluß Englands, Palästina zu teilen, alssogut wiesicher. Bis zu der tatsächlichen Teilung in einen jüdischen und einen arabischen Staat würden fünf Jahre ver-. gehen. Die Palästina-Regierung habe, obwohl dies amtlich in Abrede gestellt wird, London bereits mitgeteilt, daß sie unter verwaltungstechnischen Gesichtspunkten, eine Teilung der Kantonisierung vorzieht. Während der fünf Jahre soll Arabern und Juden die letzte Gelegenheit geboten werden, zu einer anderen Lösung zu gelangen oder einen Bevölkerung s- und Besitzaustausch zwischen den beiden Staaten vorzunehmen. In der öffentlichen Meinung Palästinas herrsche kein. Zweifel mehr über die Gewißheit der Teilung; man sei nur darüber besorgt, wie sie erfolgen soll. Man erwarte, daß die Mehrheit der Araber die Teilung ruhig hinnehme, daß aber die extremistischen Führer neue Unruhen hervorrufen werden. Deshalb werde wahrscheinlich die Fünf jahrperiode mit der Verkündung des Kriegsrechtes beginnen. Die christliche Pro-Palästina-Vereinigung bei Roosevelt Aus Washington (J. T. A.): Eine Abordnung der christlichen Pr o-P a 1 ä s t i n a-V e r - e i n i g u n g Amerikas hat dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Franklin D. Roosevelt, eine Petition überreicht, in der verlangt wird, daß Amerika auf diplomatischem Wege gegen den Plan einer Aenderung des Palästin a-M a n d a t s einschreite. In der Petition wird darauf hingewiesen, daß die Vereinigten Staaten auf Grund ihres Abkommens mit Großbritannien an dem Schicksal Palästinas interessiert seien und eine Mandatsänderung ohne! ihre Zustimmung nicht zulassen könnten. Der Abordnung gehörten führende amerikanische Politiker an. Paläsiina'Tagung der Mandatskommission am 30« luli Aus Genf: Die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes hat am 15. Juni üire ordentliche Tagung geschlossen. Es wurde bekanntgegeben, daß die außerordentliche Tagung der Mandatskommission, die ausschließlich Palästina- Fragen gewidmet sein soll, am 30. Juli eröffnet wird. Verb« d« Judenstaatszionfafen Oesterrefcdis Die Reklamationsfrist der Kongreß-« wählen läuft am 24. d. ab. Reklamationen fuhrt auch das Sekretariat des Verbandes durch. Jeder Judenataatlor sieht daher die Wählerlisten durch und macht das Sokrc* tariat auf etwaige Fehler aufmerksam. * J u d e n * t a a t s j u g e n d. Dienstag, den 22. <La halb 0 Uhr abends, im Heim, II., Fraterstraße SO, wichtig« Plenar Versammlung. Donnerstag:, den 24. d., 0 Uhr abends Im Heim Leitungssitzung, * Sommer gar ten fest. Samstag, den 8. Juli, veranstalten der Verband und die Judenstaatsjugend am Konstantinhügel, Hauptallee, ein Gartenfest, dessen Reinerträgnis dem Sommerlager des ürlth Hakanalm zufließt. Butre* S 1.60,

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