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Die neue Welt · 1937-06-22 · Heft 665 (22.6.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 665 (22.6.1937)
Date
1937-06-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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185 Titl. Universit&tsbibi. PfMSlS 10 GrOSChOn Dienstag/ den 22»Jtmf 1937 .*» .^.«^6S V* b* b« Zeitung vom Verleger versendet ( „Journal exp6di6 par Tediteut" DIE NEUE WELT REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN! Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bnmänlen monatlich Lei 50.—, vierteljahrig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, Vierteljahr!« Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—J Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.60, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Unwersitäfsstr. S, leL A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitae am 27, Juni, 4. und 11. Juli 1937 nach POLEN unaCZSRNOWITZ Anmeldungen ausschließlich Reisebüro „MarienbrUcke" Wien I, Rotenturmstr. 26 Telephon R-24-2-86/87 In Genf nichts Neues Der arme „Morgen"! Seit eh und je zerbricht er sich den Kopf über das Schicksal des Zionismus, ja er legt den Zionisten den Judenstaat zu Füßen und sie weisen dieses Geschenk undankbar zurück. Oh, diese nationalen Juden! Schluß! Wir werden nichts mehr für sie tun. So sieht die Sache aus, wenn man die Berichte verfolgt, welche der Wiener „Morgen" über das Palästina-Problem in seinen drei letzten Ausgaben von seinem Genfer Korrespondenten' erhalten hat. In marktschreierischer Weise wurde den Lesern mitgeteilt, daß die britische Regierung Palästina teilen und ein Stück davon den Juden als — man höre und staune — autonomen jüdischen Staat zuweisen werde.- Der .„Morgen" berief sich hiebei auf Informationen von guter Seite, ohne, zu wissen, daß weder in Genf noch anderswo die - Entscheidungen Englands bekannt sind, und cer tat so, als ob dieser Zwerg-Judenstäat der sehnlichste Wunsch von Millionen Juden und das schönste, nicht einmal im Träum gehoffte Geschenk wäre. ( . In unserer Kritik dieser Meldungen wendeten wir uns dagegen, daß hier das geteilte Palästina, also der jüdische Zwergstaat, als ein Glück für die Juden dargestellt wurde, als die Erfüllung einer Sehnsucht, als der Schlußpunkt eines erarbeiteten Zieles. „Menschen, die sich ihr Leben lang nicht um jüdische Fragen und Lebensnotwendigkeiten scherten, verbreiten. Meldungen über einen jüdischen Staat... als hätten sie keine anderen. Sorgen als die um das Schicksal des jüdischen Volkes ..." „Die Palästina- Frage wird in Genf voraussichtlich am 31. Juli behandelt werden. Es ist also unerhört, heute schon .offiziell bestätigte' Meldungen über die Teilung und ihre Details zu bringen." Das schrieben wir. Wir wiesen die Unverantwortlichkeit zurück, mit der ein geteiltes Zwerg-Palästina, die Farce eines Judenstaats, quasi als ein Gnadengeschenk für die Juden hingestellt wurde, und wir erklärten, daß es eine Frivolität sei, von „offiziell bestätigten" Meldungen zu sprechen. Aber was uns bei der Berichterstattung des Genfer Korrespondenten des „Morgen" am krassesten auffiel, waren seine — sagen wir — kärglichen Kenntnisse der Materie, eine Tatsache, die sich in der jüngsten Nummer des „Morgen" (die sich mit der Kritik der „Neuen Welt" beschäftigt) in geradezu absurder Weise dokumentiert. Der Genfer Korrespondent schreibt wörtlich: „Die Situation ist heute tatsächlich die, daß es eine einzige Stelle gibt, die die Gründung des Judenstaates verhindern kann: Der Kongreßder. Zi o ni s t e n!" Und weiter: „Die Zionisten kämpfen1 verzweifelt gegen die Schaffung eines selbständigen Staates. Sie argumentieren, daß sie zur Selbstverwaltung nicht reif seien, daß sie dem Einwandererzustrom der Juden nicht werden standhalten können und, daß ein jüdischer Staat den Antisemitismus nur noch erhöhen werde." . Wir haben zwar nicht viel Respekt vor der Kenntnis der zionistischen Dinge des „Morgen-Korrespondenten gehabt, aber was er hier zum Besten gibt, das fordert schon den gesunden Menschenverstand^ heraus. Hier werden Argumente vorgebracht, die von überall herstammen, nur nicht von zionistischer Seite. Jedenfalls ist die Mitteilung, daß die Z i o n i s t e n — sage und schreibe: die Zionisten! — verzweifelt gegen die Schaffung eines selbständigen Staa.tes kämpfen, Das Gebot der Stunde Die Judenstaatspartei zum XX. Zionistenkongrcß Die Weltleitung der Judenstaatspartei (Sitz Tel-Aviv) hat folgenden Aufruf ausgegeben: Die blutigen Unruhen im Jahre 1936, die Haltung der britischen Mandatarmacht und der von ihr eingesetzten Palästina-Regierung und die Pläne der Kgl. Kommission haben das Versagen der Leitung der Zionistischen Weltorganisation enthüllt. Wir stehen vor der vollständigen Niederlage eines Systems, welches glaubte, daß Nachgiebigkeit und Kompromißsucht, die Verheimlichung unserer nationalen Aspirationen und der Pazifismus der Schwäche uns eine ruhige und gesunde Aufbauarbeit ermöglichen würden. Nun steht der Zionismus nach jahrelanger, hartnäckiger und opferwilliger Arbeit vor einer neuen Krise. Diesmal ist es nicht nur eine politisch e, sondern auch eine ökonomische und soziale Krise. Eine Politik ohne klares Ziel und eine Wirtschaft ohne P1 a n, ein soziales S y s t e m o* e r. U n t e rwerfung unter die Diktatur einer Klasse haben dem Ansturm unserer Feinde nicht standgehalten. Die Bewegung ist krank. Sie leidet an Resignation und Zweifel. Die Führerschaf t ist müde. Der Zionismus zahlt heute schwer für die Sünden einer leichtsinnigen Politik, planloser Wirtschaft und bedenkenloser Parteiherrschaft. ILFEi%^ jeden Bart bezwingen! In dieser schicksalsschweren Stunde für das jüdische Volk versammelt sich der XX. Kongreß. Er wird eine klare Antwort auf die aktuellen Probleme geben müssen. Er muß neue Wege vorzeichnen. Er muß Menschen an die Spitze berufen, die den Willen zum Kampfe haben. Er muß grundsätzliche Aenderungen im Aufbau und in den Methoden der Bewegung vornehmen, damit das ganze Volk für unsere nationalen Aufgaben geeinigt wird. Die Gefahren sind groß: Die N i c h t z i o n i* s t e n, die ihre Versprechungen nicht gehalten haben, erscheinen jetzt mit Drohungen und Forderungen. Die Histadruth, die klassenkämpferische Gewerkschaft, denkt nur daran, ihreMachtposition im Lande zu behaupten. Den bürgerlichen Gruppierungen fehlt Mut und Entschlossenheit, mit einer jahrelangen Tradition und mit einem Regime zu brechen, dessen Partner sie sind. Ein Teil der Zionisten, die Revisionisten, haben die Front des Volkes verlassen und betreiben einen sterilen Separatismus. Damit auf dem Kongreß ein freies Wort gehört und der Wille zur Erneuerung durchgesetzt werden kann, müssen die. zionistischen Massen aus ihrer Apathie erwachen, müssen unabhängige zionistische Männer nach Zürich senden/deren politische Linie sich im Laufe der Jahre als richtig ereine Entdeckung, die des „Morgen" als des Autors würdig ist. Wir fragen uns: Schämt sich der „Morgen" nicht, solch einen haarsträubenden Unsinn als Genfer Weisheit abzudrucken und zu glauben, daß er damit unseren Vorwurf der verantwortungslosen Berichterstattung aus der Welt schaffen kann? Ist vielleicht auch die Behauptung, daß die Zionisten den Judenstaat ablehnen, weil sie sich selbst für unreif halten, „offiziell" bestätigt? Oder ist die Saure-Gurken-Zeit an all dem schuld? wiesen hat. Der Zionismus benötigt eine grundlegende Reform organisatorischer und ökonomischer Art. Veraltete Hachscharah- und Alijah-Methoden müssen abgeschafft und den lebendigen Bedürfnissen einer neuen Epoche angepaßt werden. Die zionistischen Fonds und Finanzinstitute dürfen nicht nur einer Volksschicht zur Verfügung stehen. Gleiche Rechte und Pflichten für alle Juden, unabhängig von Stand und Klasse, von Abstammung und. Herkommen. Privilegien- und Monopolwirtschaft muß ein Ende nehmen! Die Jüdenstaatspartei wird auf dem XX. Kongreß kämpfen: 1. Gegen die Teilung Erez-Israels, gegen Kantonisierung oder Schaffung eines entwicklungsunfähigen Zwergstaates; 2. gegen die antizionistische Politik der M a udatarmacht; 3. gegen den Geist des Defaitismus und der Na c h g i e b i g k e i t, der die Führerschaft beherrscht; 4. gegen die Monopolstellung d e s 1 i u« ken Blocks auf allen Gebieten unseres Lebens; 5. gegen Klassenkampf, Klassenhaß und separatistische Tendenzen; 6. gegen das jetzige ungerechte und schädliche System der Hachscharah und Alijah; 7. gegen die veralteten Organisationsformen des Zionismus. Die Judenstaatspartei wir auf dem XX. Kongreß kämpfen: 1. Für die vollständige Erfüllung der Balfour-Deklaration und des Mandates; 2. für den Judenstaat in den histori«. sehen Grenzen Palästinas als das offen zu proklamierende Ziel des Zionismus; 3. für Demokratisierung der z i o u istischen Bewegung, die alle jene umfassen soll, welche aktives Interesse am jüdischen Aufbau Palästinas gezeigt haben; 4. für Reform der Hachscharah, die von den schädlichen Einflüssen der Parteiinteressen befreit werden muß; 5. für Reorganisation aller zionistischen Institute, Schaffung eines Wirtschaftsrates und Errichtung von Kontrollinstanzen; 6. für Schaffung einer neuen Leitung a^uf Grund eines den Notwendigkeiten der Stunde angepaßten Programms. Das wichtigste aber ist: Kampf gegen Defaitismus und Kapitulation, gegen innere Spaltung und Zerrissenheit — für nationale Einigkeit, ■ für Durchsetzung der Judenstaatsidee nach innen und nach außen! . ' Zionistische Patrioten! Judenstaatler! Alle, die ihr frei seid von parteiegoistischen Absichten \und Interessen! Stützet die Kämpfer für den Judenstäat\ Helfet uns, unsere Pflicht zu erfüllen!. Sendet'zum Kongreß freie und unabhängige Männer! Helfet unsj die zionistische Bewegung widerstandsfähig zu machen! Helfet uns, einen Sturm der Begeisterung zu entfachen, der Müdigkeit und Kompromißgeist hinwegschwemmt! Jüdisches Volk! Im Kampfe wirjst du deine Rechte erringen! Wer heute abseits' steht, sündigt gegen das Volk! Tel-Aviv, am 15. Juni 1937. Die Weltexekutive der Judenstaatspartei: Meir Großman, Richard Lichtheini, Dr. Jona Mac ho wer, Dr. Herman Rosenblum, Robert Stricker, Baruch Weinstein.

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