Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 664 (18.6.1937)
- Date
- 1937-06-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 664 vom 18. Juni 1937 ME NBUE WEM Seite 5 1 AUS PALÄSTINA Waudiope begibt ftidt nadi London Aus Jerusalem: Offiziell verlautet, daß der High Commissioner Sir Arthur Wauchope sich am 17. Juni nach London begibt. Er wird Anfang Juli nach Palästina zurückkehren. Gerüchte wollen von einem Zusammenhang seiner Reise mit der endgültigen Fassung dos Berichtes der Kgl. Kommission wissen. (J. T. A.) Die abgelehnten Zertifikate bereits verteilt Ans Jerusalem, wird gemeldet: Wie die J. T. A. von zuverlässiger Seite erführt, hatt die Palästina-Regierung die Verteilung der 220 von der Exekutive der Jewlsh Agency Abgelehnten Zertifikate aus der letzten Schedulc bereits selbst vorgenommen. Außerdem sind an die Palästina-Ilegicrung etwa 100 Gesuche um Zertifikate gerichtet worden. (J. T. A.) Militärische Vorkehrungen in Palästina Aus Kairo meldet die Polnische Telegraphen- Agentur, daß das Militärkommando von Palästina mit der Durchführung seines Planes begonnen habe, ein #etz von kleineren Garnisonen über da» ganze Land, insbesondere über die Gebirgsgegenden, zu ziehen. Die einzelnen Truppenabteilungen werden mit leichten Tanks und Maschinengewehren ausgestattet. Solche Garnisonen sollen insbesondere in der Gegend von Abugosh, Dschenin und Tulkarem, sowie an der syrischen Grenze errichtet werden. In arabischen Kreisen sei man davon überzeugt, daß der Bericht der Kgl. Kommission erst veröffentlicht werden wird, wenn diese militärischen Vorbereitungen abgeschlossen sind. ' •» Das neue palästinensische Grenzkorps wird «ach Beendigung aller Vorbereitungen demnächst seinen Dienst aufnehmen. An der Nordgrenze werden zwanzig Wachen errichtet. Das Korps wird zunächst aus 200 Polizisten, unter dem Kommando eines höheren britischen Offiziers, bestehen. Keine Visa mehr zwischen Syrien und Transjordanien Aus Jerusalem: „Haaretz" *meldev aus Aman, daß die „Nationalen Fronten" in Syrien und Transjordanien miteinander Verhandlungen führen, um auf die Regierungen einzuwirken, daß der Visumizwang zwischen beiden Ländern aufgehoben werde. (J. T. A.) Illegale Einwanderer. Aus J e r.u s a 1 e m: -An der; Nordgrenze Palästinas sind mehrere Juden verhaftet worden, die der illegalen Einwanderung nach Palästina beschuldigt werden. (J.T. A.) Attentat auf den Polizeiinspektor Aus Jerusalem: Arabische Terroristen haben auf den Kommandanten der Palästinensischen Polizei, Roy G. Spicer, einen Revolveranschlag verübt. Vier Schüsse, wurden von., unbekannten Tätern abgegeben. Spicer.selbst blieb _ unverletzt,, wogegen sein Chauffeur Verletzungen davontrug. Die Täter flüchteten In das arabische Viertel Musraba. (J. T. A.) VERBAND DER JUDENSTAATSZIONISTEN Samstag, den 3. Juli 1937 Satnynettyade*ifat am lloHstahtinUityd (Hauptallee) Programm: Trude Roth, Hilde Dulitzkaja Kurt Fuss, Eugen Hoff mann Tanzkapelle: fuks' witty vexers Beginn 9 Uhr abends Regiebeifrag S 1.50 Anmeldung von Entschädigungsansprüchen Aua Jerusalem: Angehörige der in den Unruhen getöteten Juden, die außerhalb Palästinas leben, müssen Vollmachten zur Anmeldung ihrer Ansprüche auf Entschädigung ungesäumt an ständig in Palästina wohnhafte Personen oder an den Vaad Leumi einsenden. Interessanter Rechtspruch Aus Jerusalem : Das Appellationsgericht hat entschieden, daß eine als Touristin ins Land gekommene Frau, die nach Eheschließung mit -einem Palästinenser im Lande verblieb, keinen Anspruch auf Rückerstattung der von ihr bei der Einreise hinterlegten Kautionssumme von 60 Pfund erheben kann. (Paleor.) Ein neuer Zugang zur Klagemauer Aus Jerusalem: „Palästine Post" meldet,' daß die Stadtverwaltung von Jerusalem den Bau einer neuen Zugangsstraße vom Zionstor zum Stadttor plant, damit die Juden, ohne die Altstadt passieren zu müssen, zur Klagemauer gelangen können. Bombonexplosion Aus Jerusalem: Drei Araber erlitten Verletzungen, als eine Bombe, die sie in einem Hause in Jerusalem handhabten, zur Explosion kam. Der Besitzer des Hauses wurde verhaftet, da er der Mittäterschaft an den Morden, die in der Nähe des Edison-Kinos vor einem Jahre begangen wurden, verdächtig ist. Tage§ordnung der Weifkonferenz der Judensf aatspaHei Paris, 27., 28., 29., 30. Juli 1937 Dienstag, den 27. Juli. Abends 8 Uhr: a) Feierliche Eröffnung der Konferenz durch den. Vorsitzenden der Judenstaatspartei in Frankreich, lierrn Adv. Dr. Franckel} b) Begrüßungen; c) Wahl des Präsidiums; d) ,JJle Entscheidungsstunde des Zionismus", politischer Vortrag des Vorsitzenden des Exekutiv-Komitees, Herrn Meir Großmann; e) „Zur Lage des Galuthjudentums", Vortrag des Exekutiv-Mitgliedes, Herrn OBR. Ing. Robert St r i c k e r. Mittwoch, den 2 8. Juli. Vormittags 9.30 bis 1.30 Uhr: a) „Die Lage in der Partei und im Zionismus", Vortrag des Exekutiv-Mitgliedes Herrn B. Weinstein; b) „Die ideologischen Grundlagen der Judenstaatspartei", Vortrag des Exekutiv-Mitgliedes, Herrn Dr. H. Rosenblum; c) Wahl der Kommissionen. Nachmittagssitzung 3.30 bis 7.30 Uhr: Generaldebatte. Abendsitzung 8.30 bis 11 Uhr: a) „Unsere Stellung zum Bericht der Kgl. Kommission", Vortrag des Exekutiv-Mitgliedes Herrn RA. Dr. Jonah Mach Over; b) « Korreferat Uber dasselbe Thema des Exekutiv-Mitgliedes, Herrn Richard Licht heim; c) Konstituierung der Kommissionen; d) Fortsetzung der Generaldebatte. Donnerstag, den 29, Juli. Vormittagssitzung 9.30 bis 1.30 Uhr: a) „Erziehungsprobleme der Jugend des Brith-Hakanaim", Vortrag des M'faked Ha-Raschl für Polen, Herrn Dr. R. Feld schuh; b) „Reform der AUjah und Hachscharah", Vortrag des Sekretärs der Welt-Exekutfve, Herrn Prof. J. N. Rothmann; c) Fortsetzung der Generaldebatte. Nachmittagssitzung 1 bis 5.30 Uhr: b) Abstimung Kommissionen. Abendsitzung 8.30 bis 11 Uhr: d) Schluß der Generaldebatte; o) Antwort der Exekutive. Freitag, den 3 0. J u 1 i. Vormittagssitzung 9.30 bis 12 Uhr: a) Schlußsitzung der Kommissionen. Nachmittagssitzung I bis 5 Uhr: b) Abstimmung der Resolutionen; c) Wahl des Exekutiv-Komitecs* d) Schlußreden. Die jüdische Tragödie in Polen Die Urteilsbegründung im Prozeß Chatzkelewicz hat in der ganzen gesitteten Welt Erstaunen, Erschütterung und Empörung hervorgerufen. Man steht fassungslos vor dem Spruch des Gerichts, das den Wagemut hat, einen Halbirren zum Tode zu verurteilen; vor dem Plädoyer eines Staatsanwalts, der die Stirn hat, von der Tat eines einzelnen als „einem Beispiel des Hasses der Juden gegen, die polnische Armee und den polnischen Staat" zu sprechen. Der unglückselige Chatzkelewicz wurde in > Anwesenheit der Zeugen von der Armee, welche bestätigten, daß die Juden außerordentlich gute Soldaten sind, als Repräsentant der ganzen polnischen Judenheit hingestellt. Und als die jüdischen Zeitungen die Proteste gegen die Urteilsbegründung veröffentlichten, wurden sie konfisziert. Im Senat in Warschau richtete Oberrabbiner Prof. S c h o r r an die Regierung eine Anfrage, die gleichzeitig eine Anklage gegen den Staatsanwalt und gegen die nationaldemokratischen (antisemitischen) Anwälte war, welche in unerhörter Weise während des Prozesses das jüdische Volk beschimpften und verleumdeten. Prof. Schorr fragte die Regierung, was sie zu tun gedenke, um von den Juden Polens die amtlich gemachten schändlichen Verleumdungen abzuwenden. . Mit Stillschweigen können die offiziellen polnischen Stellen über all die Angriffe, die jetzt gegen sie gerichtet werden,, nicht hinweggehen. Tatsächlich macht sich bereits eine gewisse Nervosität bemerkbar, zumal in den demokratischen Ländern, die der hitleristischen Propaganda noch nicht erlegen sind, Stimmen laut werden, die scharf und eindeutig gegen die antijüdischen Tendenzen der polnischen Behörden eingestellt sind. Eine Kundgebung in London Anläßlich einer , Kundgebung des Verbandes der jüdischen Hilfsorganisationen in London gegen die judenfkindliche Strömung in Polen, hat der frühere Ministerpräsident Lloyd George die Erklärung, die er vor einiger Zeit zu diesen Vorgängen abgegeben hat, in einem Schreiben, das er an die Versammlungsteilnehmer richtete, aufs neue bekräftigt. „Die polnische Republik", schreibt Lloyd George, „verdankt ihre Existenz und, Unabhängigkeit dem , Sieg der alliierten und assoziierten Mächte im Weltkriege. Da die Mächte diesen furchtbaren Konflikt durchgehalten haben, um inte r-. nationales Recht und Gerechtigkeit zu sichern, waren sie darauf bedacht, daß die Schaffung' neuer Staaten nicht zu neuer rassischer oder religiöser Unterdrückung führe; ihre Staatsmänner haben darauf bestanden, daß in die Friedensverträge, durch die die Unabhängigkeit Polens geschaffen wurde, Bestimmungen zum Schutz der Rechte der Minderheiten eingefügt wurden. . Es kann uns darum nicht gleichgültig sein, wenn die jüdische Minderheit jenes Landes dadurch eine Herabdrückung^, ihres Status erleidet, daß die Regierung es unterläßt, ihre V e r t r a g s Verpflichtungen zu erfüllen, oder wenn sie einer Reihe barbarischer Angriffe ausgesetzt ist, die zu der Tötung und Verwundung zahlreicher unschuldiger Bürger führen. '• , Mit der großen Mehrheit meiner Landsleute, für die Judenhaß abstoßend ist, hege ich die Hoffnung, daß die. polnischen Behörden unverzüglich Maßnahmen treffen werden, um ihren jüdischen Bürgern vollen Schutz und die ihnen durch die Friedensverträge garantierte Gleichberechtigung wiederzugeben." Kundgebungen ähnlicher Art wurden von zahlreichen englischen Kirchenfürsten und Politikern, , an ihrer Spitze die Erzbischöfe von Canterbury und York, an die Versammlung gerichtet. Der Bischof von Durham, erklärte in einem Schreiben, er könne es nicht glauben, daß der polnischen Regierung der ungünstige Eindruck gleichgültig bleiben wird, den das Wiederaufleben fanatischen Judenhasses in Polen auf die öffentliche Meinung mache. Es wurden mehrere Resolutionen gefaßt, in denen gegen die systematische Ausrottungskampagne gegen die polnischen Juden protestiert und die polnische Regierung aufgefordert wird, die Juden unverzüglich in ihre vollen Bürgerrechte einzusetzen. Der Wortlaut der Entschließungen wurde dem englischen Premierminister Neville Chamberlain, dem Außenminister Anthony Eden, Mitgliedern des Parlaments und dem polnischen Botschafter in London übermittelt. Die englische Presse Auch die englische Presse befaßt sich mit der unerhörten Urteilsbegründung im Chatzkelewicz-Prozeß. Der „Manchester Guardian" führt aus: Obwohl die offizielle Politik der polnischen Regier rung niemals antisemitisch war, ist die Lage der Juden in Polen in mancher Hinsicht noch tragischer als die der Juden in Deutschland. An vielen Universitäten sind die jüdischen Studenten fortgesetzten Erniedrigungen und sogar blutigen Ueberfällen ausgesetzt, aus den freien Berufen werden die Juden weitgehend verdrängt, die jüdischen Geschäfte und Unternehmungen werden boykottiert* Eine amtliche polnische Stimme „Der Verfasser macht direkt die polnische Regierung für die Not und für die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage der Juden in Polen verantwortlich, eine Lage, die er als katastrophal bezeichnet. .Denn die mehr als drei Millionen polnischer Juden' — sagt er — .werden nicht nur von der unaufhaltsamen Walze des wirtschaftlichen Pogroms bedroht, in seiner Hemmungslosigkeit geht der polnische Antisemitismus ans nackte Leben. Fast kein Tag vergeht, an dem die Zeitungen nicht von blutigen Pogromen in den verschiedenen Teilen Polens melden.' Daß blutige Zwischenfälle zwischen Polen und Juden unter der Universitätsjugend vorgekommen waren, ist wahr. Von .blutigen Pogromen' und von .Verletzten, die bereits nach Tausenden zählen', hat aber niemand weder in Polen noch Im Ausland etwas erfahren. Wäre diese Behauptung wahr, dann würde schon längst die ganze Weltmeinung gegen Polen mobilisiert sein. Es läßt sich nicht leugnen, daß die jüdische Minderheit in Polen eine Krise durchgemacht hat, für die aber Polen gar keine Schuld trägt. ... Die .Tragödie der Juden in Polen' besteht nicht in den unbegründeten Anschuldigungen des Verfassers des obengenannten Artikels, sondern in der Tatsache, daß die Krise ganz neue Verhältnisse geschaffen hat, für die Polen aber nicht verantwortlich gemacht werden kann. Im Gegnteil haben die verantwortlichen polnischen Stellen die GleichberechtigungderJuden und der Polen immer betont und in kategorischer Weise jedes provokatorische Auftreten und jede gewalttätige Handlung, sei es den jüdischen, sei es den anderen polnischen Staatsangehörigen gegenüber immer verurteilt und im gegebenen Fall die logischen Konsequenzen gezogen ..." ' Angesichts der in der ganzen Welt bekannten Vorgänge hat es keinen Sinn, mit der polnischen Regierung eine Polemik zu führen. Man weiß, daß amtlicherseits nicht genügend Energie gegen die Pogromisten aufgewendet wird und daß an der Verelendung der Juden Polens die antijüdische Wirtschaftspolitik schuld ist. Worte besagen hier nichts. Die Regierung müßte durch Handlungen erweisen, daß sie das Lebensrecht der Juden in Polen achtet und schützt. Wer gegen die Teilung Palästinas und für den Judenstaat ist wählt *m 1JULI Liste n Listenführer; Dr. Oskar Griinbaum, Ina. Robert Stricker Nationaler Block